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Geschichte

Rathenow 1633 Rathenow um 1800

Siedlungsanfänge und Entwicklung bis in das späte Mittelalter

Schon in früher Vorzeit wurde die Gegend um Rathenow besiedelt. Im Jahr 1157 wurde auf dem Gebiet der heutigen Steckelsdorfer Gemarkung ein Burgwall erwähnt, der als Ursprung der Stadt gilt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als „Ratenowe“ datiert auf den 28. Dezember 1216, als der Brandenburger Bischof Siegfried II. bei seiner Amtsübernahme dem Brandenburger Domkapitel seine Archidiakonatsrechte bestätigte. 1220 entsteht eine spätromanische Kreuzbasilika als Vorgängerbau der heutigen Sankt-Marien-Andreas-Kirche auf dem Kirchberg. 1288 erhält der Ort die Gerichtsbarkeit. Im Jahre 1295 verlieh Markgraf Otto IV. Rathenow das Stadtrecht. 1517 bis 1562 erfolgte der Umbau der Kirche zu einer spätgotischen Hallenkirche. 1564 erfolgt der Bau des 1945 zerstörten Rathauses.
Unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden. Im Jahr 1648 wohnten nur noch 40 Menschen in der Stadt.

Die Stadt vom 17. bis ins 20. Jahrhundert

Nach dem Schwedeneinfall 1674/75 fand während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges am 25. Juni 1675 die Schlacht von Rathenow statt, die die brandenburgischen Truppen gewannen. In der Schlacht bei Fehrbellin erhielten die Schweden drei Tage später die kriegsentscheidende Niederlage.

Rathenow wird als Wiege der industriellen Optik in Deutschland bezeichnet. Johann Heinrich August Duncker entwickelte in Rathenow die erste Vielspindelschleifmaschine zur rationellen Herstellung von Brillengläsern und begründete dort 1801 die optische Industrie.
Bekannt war auch die Ziegelindustrie; ein Großteil der Ziegel für die Bauten von Schloss Sanssouci, des Holländischen Viertels in Potsdam und des Roten Rathauses in Berlin stammen aus Rathenower Produktion.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat im Jahr 1816 war Rathenow Verwaltungssitz des Kreises Westhavelland im Regierungsbezirk Potsdam in der preußischen Provinz Brandenburg.

Von 1889 bis 1891 wurde die Zietenhusarenkaserne errichtet (einfach gegliederte Ziegelbauten).

Am 1. Juni 1925 schied die Stadtgemeinde Rathenow aus dem Landkreis Westhavelland aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis, der als Exklave mitten im Kreisgebiet lag.

In der Zeit des Nationalsozialismus war in der Kaserne der Zietenhusaren eine Reitschule der Polizei untergebracht. Das Bethaus der Jüdischen Gemeinde in der Fabrikenstraße 2 wurde während des Novemberpogroms 1938 verwüstet und später von der NSV in ein Kinderheim umgewandelt. Heute befindet sich dort eine Einrichtung der Pestalozzischule für Lernbehinderte. Im Zweiten Weltkrieg errichteten die Nationalsozialisten an der Milower Landstraße ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, in dem mindestens 1000 Männer (nach anderen Angaben auch Frauen) Zwangsarbeit in den Arado-Flugzeugwerken verrichten mussten. Außerdem wurden in 33 Rathenower Lagern mindestens 4975 Zwangsarbeiter und in 12 Westhavelländer Lagern mindestens 2070 Zwangsdeportierte ausgebeutet (Stand 1943/44).[6][7][8][9] Die Emil Busch AG betrieb sechs eigene Lager mit mindestens 1600 Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern (1943/44). Alle Lager waren den Betrieben zugeordnet. Im Arbeitskommando des Kriegsgefangenenlagers STALAG IIIA (Lange Pannen) waren mehr als 166 Gefangene zur Zwangsarbeit konzentriert.

Rathenow wurde am 22. März 1944 durch amerikanische Luftangriffe getroffen. Dabei werden mehrere Menschen getötet. Am 18. April 1944 wurden durch Bombenabwurf eines US-amerikanischens Bomberverbandes 54 Menschen getötet,[10] nach anderen Angaben 60 Menschen, und 2200 Bewohner obdachlos.[11] Dieser war ursprünglich zum Ziel Berlin unterwegs, dort aber durch heftiges Flakfeuer zum Umdrehen gezwungen und lud dann einen Teil der Fracht über der ersten sich bietenden Stadt ab. Kurz vor Kriegsende im Mai 1945 zerschossen die anrückenden sowjetischen Truppen mehr als 75 Prozent der Stadt. Sie wurde von einigen versprengten deutschen Truppen unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Keitel verteidigt.

Nach 1945

Mit der Verwaltungsreform in der DDR 1952 wurde die Stadt Verwaltungssitz des Kreises Rathenow.

Am 17. Juni 1953 entstanden im Zusammenhang mit dem Volksaufstand auch in Rathenow heftige Proteste. Dabei wurde der Betriebsschutzleiter des HO-Geschäfts und SED-Mitglied Wilhelm Hagedorn von aufgebrachten Demonstranten gelyncht.[12]

Während der DDR-Zeit arbeiteten im VEB Rathenower Optische Werke (ROW) mehrere tausend Menschen. Ein Großteil der Länder des RGW wurde von hier aus mit Brillen und optischen Geräten beliefert. Mit der deutschen Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion im Jahr 1990 brachen diese Märkte schlagartig weg.

Im Zuge der Ämterbildung im neu gegründeten Bundesland Brandenburg erteilte der Minister des Innern der Bildung des Amtes Rathenow am 30. Juni 1992 seine Zustimmung.[13] Als Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 3. Juli 1992 festgelegt. Das Amt hatte seinen Sitz in der Stadt Rathenow und bestand aus fünf Gemeinden (Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin, Steckelsdorf) und der Stadt Rathenow des damaligen Kreises Rathenow.

Am 6. Dezember 1993 wurde Rathenow im Rahmen der Kreisreform Kreisstadt des Landkreises Havelland.

Die oben genannten fünf Gemeinden wurden mit Wirkung vom 31. Dezember 2001 in die Stadt Rathenow eingegliedert und das Amt Rathenow zur gleichen Zeit aufgelöst.[14]

Basierend auf den in der Stadt vorhandenen qualifizierten Fachkräften auf dem Gebiet der optischen Industrie eröffnete der Optikkonzern Fielmann im Jahr 2002 ein neues Produktions- und Logistikzentrum mit 600 Beschäftigten in der Stadt.

2015 wurde Rathenow als „Kommune des Jahres“ im Land Brandenburg vom Sparkassenverband OSV für die positive Stadtentwicklung in den letzten Jahren geehrt.[15]

Dennoch herrscht in der Stadt eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit, während eine zwei Jahrzehnte andauernde Abwanderungsbewegung, vor allem jüngerer Bewohner, in den 2010er Jahren gestoppt werden konnte. Ein Großteil der Gebäude im Plattenbaugebiet Rathenow Ost – darunter mehr als eintausend Wohneinheiten – wurde bereits abgerissen.

Eingemeindungen

1. März 1948: Gemeinde Neu Friedrichsdorf[16]
1. Juli 1950: Gemeinde Neue Schleuse[16]
31. Dezember 2001: Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf[17]

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1540 2.500
1648 40
1740 3.820
1875 9.949
1890 16.353
1910 24.891
1925 27.566
1933 28.043
1939 32.124
1946 27.566
Jahr Einwohner
1950 29.353
1964 28.961
1971 29.836
1981 32.126
1985 31.500
1989 30.935
1990 30.175
1991 29.221
1992 29.209
1993 28.953
Jahr Einwohner
1994 28.800
1995 28.625
1996 28.339
1997 28.099
1998 27.653
1999 27.161
2000 26.639
2001 28.476
2002 28.000
2003 27.558
Jahr Einwohner
2004 27.230
2005 26.973
2006 26.640
2007 26.265
2008 25.791
2009 25.515
2010 25.301
2011 24.348
2012 24.253
2013 24.164
Jahr Einwohner
2014 24.127
2015 24.387

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[18][19] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 40.6 %

 %403020100

31,0 %28,9 %20,5 %7,3 %5,1 %4,6 %2,5 %

LinkeCDUSPDFDPNPDPro RGrüneVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Fehler in der Farbeingabe – Dunkel
Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung Rathenow setzt sich aus 28 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister zusammen. Seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 und den Veränderungen Anfang 2016 verteilen sich die Sitze folgendermaßen auf die einzelnen Parteien bzw. Gruppierungen:[20]

CDU: 10 Sitze *
LINKE: 7 Sitze *
SPD: 6 Sitze
FDP: 2 Sitze
NPD: 1 Sitz
Wählergemeinschaft Pro Rathenow: 1 Sitz
Bündnis 90/Die Grünen: 1 Sitz
* Anfang 2016 wechselten 2 Abgeordnete aus der Fraktion Die LINKE in die CDU-Fraktion.
Bürgermeister
1990–2002: Hans-Jürgen Lünser (SPD)
seit 2002: Ronald Seeger (CDU)

Ronald Seeger wurde in der Bürgermeisterwahl vom 28. Februar 2010 mit 73,5 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von acht Jahren gewählt (Wahlbeteiligung 51,0 %).[21]

Wappen und Siegel
Siegelmarke von Rathenow – Gebrauch von ca. 1850 bis 1945
Erstes bekanntes Rathenower Siegel
Zweites bekanntes Siegel

Das Wappen bzw. Siegel der Stadt wurde bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts dreimal geändert. Das erste bekannte Siegel stammt von 1347:

Blasonierung: „Geharnischter Mann (Mgf.) mit Speer hinter Mauer, welcher Schild mit Adler in linker Hand trägt.“

Um 1400 tauchte dann ein verändertes Siegel auf. Wohl durch die Zeit, in der die Herrschaft schwach war, verschwand er auch aus dem Siegel:

Blasonierung: „Engel der Adlerschild hält, neben dem eine Weintraube, ein Eichen- oder Kieferzweig liegen.“ [22]

Das aktuelle Wappen wurde am 18. März 1993 genehmigt, aber schon 1939 eingeführt:

Blasonierung: „In Silber ein rotbezungter goldbewehrter befiederter roter Adlerkopf, seitlich und unten von drei sechsstrahligen blauen Sternen begleitet.“ [23]

Flagge

Die Stadtflagge ist weiß und enthält einen Adlerkopf. Die Sterne sind mastseitig verschoben, sodass ihre Mittelachse auf 2/5 der Flaggenlänge liegt.

Friedensbrücke über die Havel
Städtepartnerschaften

Partnerstädte der Stadt sind:

Polen Złotów (Flatow) in Polen und
Deutschland Rendsburg in Schleswig-Holstein
Sehenswürdigkeiten und Kultur

Rathenow war 2015 einer der Schauplätze der ersten dezentral ausgerichteten Bundesgartenschau (BUGA 2015). Die BUGA 2015 wurde zwischen dem 18. April und dem 11. Oktober 2015 gemeinsam in den Orten Brandenburg an der Havel, Rathenow, Premnitz, Stölln und Havelberg veranstaltet und dabei von ca. 1,05 Millionen Gästen besucht.

Vom 22. April 2006 bis 15. Oktober 2006 fand in Rathenow die Landesgartenschau des Landes Brandenburg unter dem Motto Den Farben auf der Spur statt, die knapp 500.000 Gäste besuchten. Dazu wurden umfangreiche Baumaßnahmen sowohl auf dem Weinberg als auch dem Schwedendammgelände durchgeführt. So wurde eine stark verfallene Mühle komplett umgebaut. Sie diente vor und während der Gartenschau der LAGA GmbH als Geschäftsstelle und beherbergt ein „grünes“ Klassenzimmer. Nach der Landesgartenschau zog die Musikschule Rathenow – nach kurzen Umbaumaßnahmen – in die Räumlichkeiten ein. Auf dem Gelände der Rathenower Landesgartenschau eröffnete am 28. April 2007 der Optikpark Rathenow.

In den nächsten Jahrzehnten soll die Untere Havel renaturiert werden und der Fluss seine natürliche Gestalt wiedererlangen. Dadurch wird der Verlauf kurviger und die Auen weiter, was dem Hochwasser-Risiko entgegenwirkt.

Das Kulturzentrum Rathenow (Theater, Optikindustriemuseum, Kunstausstellungen und Restaurant) befindet sich im Zentrum der Stadt.

Rathenower Brachymedial-Fernrohr am früheren Standort auf dem Gelände der Bruno-H.-Bürgel-Schule in Rathenow-Ost
Das Brachymedial-Fernrohr im Optikpark (Rolfsches Fernrohr)

Das Rolfsche Fernrohr ist ein weltweit einzigartiges Brachymedial-Fernrohr. Erbaut wurde es von Ingenieur Edwin Rolf in den Jahren 1949 bis 1953 und stand bis 1994 auf seinem Privatgrundstück. Das Fernrohr ist ein technisches Denkmal, wurde von 1994 bis 1996 vollständig saniert und auf das Gelände der Bruno-H.-Bürgel-Schule umgesetzt. Es befindet sich seit dem 6. Dezember 2008 im Optikpark.

Im Südosten der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Wolzensee. Das Naturschutzgebiet Untere Havel Süd erstreckt sich über eine Fläche von 3933 Hektar die Untere Havel von Rathenow bis Havelsee.

Bauwerke

Seit der Bundesgartenschau 2015 ist Rathenow um ein Wahrzeichen reicher: Die Weinbergbrücke, die rund 10 Millionen Euro gekostet hat, überspannt mit ihren zwei charakteristischen Bögen in elegantem Schwung nicht nur die Havel, sondern auch Hellers Loch, ein durch einen Havel-Altarm gespeistes Gewässer.[24]

In der Umgebung der St.-Marien-Andreas-Kirche befinden sich einige erhaltene Fachwerkhäuser, die in den 2010er Jahren restauriert wurden. Ansonsten prägen Bauten aus der Nachkriegszeit die Altstadt nach fast völliger Kriegszerstörung.

Am Friedrich-Ebert-Ring befindet sich eine ausgedehnte Wohnanlage aus dreigeschossigen Zeilenbauten, die 1929–1931 von dem Architekten Otto Haesler (damals: Celle) geplant und errichtet wurde. Es handelt sich dabei um die architektonisch wohl bedeutendste Wohnsiedlung der Weimarer Republik auf dem Gebiet des späteren Landes Brandenburg. Durch eine Sanierung Mitte der 1990er Jahre wurden die Proportionen der Fassaden durch das Aufbringen eines Wärmedämmsystems empfindlich gestört.

Der Architekt Otto Haesler, nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR übergesiedelt, hatte für die kriegszerstörte Innenstadt von Rathenow einen Wiederaufbauplan vorgelegt, der ebenfalls radikal auf der Zeilenbauweise basierte. Dieser Plan wurde nur in Rudimenten realisiert. So konnte Haesler rund um den Platz der Jugend in der Altstadt 1950/1951 einige Gebäude tatsächlich bauen. Sie lehnen sich – zum Beispiel mit dem Motiv der erkerartig hervortretenden, verglasten Treppenhäuser – an die Entwürfe des Architekten der zwanziger Jahre an, erreichen allerdings deren Eleganz nicht mehr. Kurz darauf wurde in der DDR der Baustil der „Nationalen Tradition“ obligatorisch; insofern sind die Haesler-Bauten in der Rathenower Altstadt ein seltenes Beispiel für eine sozial engagierte Architektur im Stil der Vorkriegs-Avantgarde in der Anfangszeit der DDR.

Kirchen
Frontansicht von St. Georg
Kirche St. Marien-Andreas

Die in der Altstadt stehende evangelische St.-Marien-Andreas-Kirche wurde Anfang des 13. Jahrhunderts im spätromanischen Stil errichtet und im 15. und 16. Jahrhundert nach Plänen von Meister Lindemann zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgestaltet. Sie wurde nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.

Weitere evangelische Kirchen sind die Auferstehungskirche, ein als Friedhofskapelle von 1914 bis 1917 errichteter Backsteinbau von Curt Steinberg, sowie die 1932 im Stil des Neuen Bauens errichtete Lutherkirche. Darüber hinaus befindet sich in Rathenow eine Landeskirchliche Gemeinschaft, sowie weitere evangelische Kirchen in den Ortsteilen von Rathenow.

Die erste katholische Kirche seit der Reformation in Rathenow wurde im Jahr 1893 als Kirche St. Georg eingeweiht. Ihre Pfarrei gehört zum Erzbistum Berlin. Eine weitere katholische Kirche befindet sich am Horstenweg im Ortsteil Steckelsdorf (Ausbau). Es ist die 1962 geweihte Kirche St. Josef. Heute gehört diese Kirche zur Pfarrei St. Elisabeth mit Sitz in Tangermünde, und damit zum Bistum Magdeburg.

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen ist in Rathenow mit zwei Gemeinden vertreten. An der Berliner Straße 29 hat seit 2011 die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) ihr Gemeindezentrum. Das Gotteshaus der Siebenten-Tags-Adventisten befindet sich in der Friedrich-Engels-Str. 26.

Auch weitere religiöse Gemeinschaften sind in Rathenow vertreten. Die neuapostolische Gemeinde, die 1908 gegründet wurde, hat ihre Kirche an der Kleinen Hagenstraße 7–8. Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage versammeln sich in der Heinrich-von-Rosenberg-Straße 50 und die Zeugen Jehovas in der Genthiner Straße 48a. Auch das Apostelamt Jesu Christi verfügt in Rathenow über eine Gemeinde. Treffpunkt ist die Große Milower Straße 3a.[25]

Jüdischer Friedhof in Neu Friedrichsdorf
Denkmäler
Denkmal für den Großen Kurfürsten
In der Stadt steht das größte barocke Sandsteindenkmal Norddeutschlands, welches an den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm erinnert, der in der Schlacht von Fehrbellin 1675 die Schweden besiegte. Das Denkmal wurde von 1736 bis 1738 von Johann Georg Glume nach einem Modell von Bartolomé Damart geschaffen und zeigt den Großen Kurfürsten in der Tracht eines römischen Imperators auf einem Postament, an dem Allegorien und Schlachtenreliefs angebracht sind.
Bismarckturm
Auf dem Weinberg, einem innenstadtnahen Erholungspark (2006 Teil der Landesgartenschau), steht der 1914 eingeweihte 32 m hohe Bismarckturm, errichtet zu Ehren Otto von Bismarcks, der in der Nähe von Rathenow in Schönhausen/Elbe geboren wurde. Der Turm wurde 1945 schwer beschädigt, in den 1960er Jahren gab es Umbauversuche zu einer Sternwarte, 2003 wurde er nach Sanierung wieder eingeweiht.
Denkmal für die Opfer des Faschismus (von 1951) auf dem Stufenunterbau des 1942 eingeschmolzenen Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals auf dem Platz der Freiheit
Gedenkstätte für die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus auf dem Städtischen Friedhof westlich der Großen Milower Straße für 98 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern. Auf dem gleichen Friedhof sind 56 weitere Opfer der Zwangsarbeit begraben
Gedenkstätte für Zwangsarbeiter und ihre Kinder auf dem 1943 errichteten „Ausländerfriedhof“ in einem Wald zwischen Bammer Landstraße und der B188, zu erreichen über die Neufriedrichsdorfer Straße
Jüdischer Friedhof mit Gedenkstein für die von den Nationalsozialisten umgebrachten jüdischen Bürger der Stadt an der Neufriedrichsdorfer Straße
Gedenktafel am ehemaligen Betsaal der Jüdischen Gemeinde Fabrikenstraße 2 zur Erinnerung an die ausgerottete Gemeinde
Gedenktafel an der evangelischen Dorfkirche des Ortsteils Steckelsdorf Ausbau für die jüdischen Opfer der Umschulungsorganisation Landwerk (Hachschara) am Horstenweg 5/6
Gedenktafel für Pfarrer August Froehlich am Pfarrhaus von St. Georg Rathenow in der Friesacker Straße

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Rathenow mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmalen.

Wirtschaft und Infrastruktur
VEB Rathenower Optische Werke auf der Leipziger Herbstmesse 1954
Gericht

Die Stadt ist Sitz des für den westlichen Bereich des Landkreises Havelland zuständigen Amtsgerichts Rathenow.

Optische Industrie

Die Wirtschaftsentwicklung der Stadt Rathenow ist eng mit der Entwicklung der optischen Industrie verbunden. Nach Etablierung der späteren Rathenower Optische Werke (ROW) siedelten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts bis zu 300 Unternehmen der optischen Industrie in Rathenow an.

Viele Jahrzehnte arbeiteten mehrere Tausend Menschen in diesem Bereich. Nach 1949 avancierte Rathenow beispielsweise zum alleinigen Fabrikationsort für Brillengläser in der DDR. Einige der nach 1990 privatisierten Nachfolgeunternehmen von ROW sind weiterhin im Bereich der optischen Industrie tätig (z. B. Mikroskopbau durch Askania).

Verkehr

Straßenverkehr

Rathenow liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen B 102 (Richtung Brandenburg an der Havel und Neustadt (Dosse)) und B 188 (Richtung B 5 Hamburg–Berlin und Stendal).

Eisenbahnbrücke über die Havel

Schienenverkehr

Vom 2. April 1900 bis 1945 war Rathenow der Ausgangsbahnhof der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen.
Am Bahnhof Rathenow verlaufen die Bahnlinien Berlin–Hannover und Brandenburg–Neustadt (Dosse). Von Dezember 2007 bis Dezember 2009 hielten hier auch Züge der IC-Linie Stettin-Berlin-Amsterdam und von April bis Oktober während der BUGA 2015 Züge der IC-Linie Berlin-Amsterdam. Es bestehen folgende Bahnverbindungen im Regionalverkehr: RE 4 nach Ludwigsfelde über Berlin, RB 51 nach Brandenburg an der Havel und RB 13 nach Stendal. Die Verbindung nach Neustadt (Dosse) wurde Ende 2003, das Teilstück von Rathenow nach Rathenow-Nord Ende 2005 eingestellt.

Busverkehr

In und um Rathenow verkehren Busse der Havelbus Verkehrsgesellschaft, die die einzelnen Ortsteile und die umliegenden Städte und Gemeinden mit Rathenow verbinden.

Ausflugsschiff an der Havel (in Höhe des Optikparks)

Schiffsverkehr

Durch die Lage Rathenows an der Havel kann Schifffahrt betrieben werden. Es gibt einen Hafen und eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe ins Havelland.

Flugverkehr

Privaten und gewerblichen Flugverkehr gibt es in Stechow, etwa acht Kilometer nordöstlich der Stadt; der nächste internationale Flughafen ist der Flughafen Berlin-Tegel in 65 Kilometer Entfernung.

Bildung

In Rathenow gibt es die vier Grundschulen Am Weinberg, Friedrich Ludwig Jahn, Geschwister Scholl sowie die Grundschule Otto Seeger in Rathenow-West. Als weiterführende Schulen existieren das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium, die Bruno-H.-Bürgel-Gesamtschule und die Oberschule Johann Heinrich August Duncker. Außerdem sind noch eine Schule für geistig Behinderte Spektrum und die allgemeine Förderschule J.H. Pestalozzi vorhanden, zwei Förderschulen in Rathenow.

Die Grundschule Geschwister Scholl wird am Ende des Schuljahres 2016/17 geschlossen und mit der Grundschule Am Weinberg zusammengeführt.

Weitere Bildungseinrichtungen sind die Musikschule Rathenow, die Musik-, Kunst-, und Volkshochschule Havelland, das Oberstufenzentrum Havelland und das Bildungs- und Technologiezentrum für Augenoptik des Landes Brandenburg.

Sport

Aushängeschild der Stadt Rathenow ist der 2017/18 in der Oberliga Nordost-Nord spielende Verein FSV Optik Rathenow. Die Sportler der direkt an der Havel angesiedelten Wassersportvereine sowie Handball-, Leichtathletik-, Kampfsport- und Bogenschießvereine gewannen zahlreiche Titel auf nationaler und teilweise internationaler Ebene und machten die Stadt über die Region hinaus bekannt; sie betreiben gute Nachwuchsarbeit.

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Friedrich von Wrangel (1784–1877), preußischer Generalfeldmarschall; seit 1856
Johann Friedrich Meuß (1813–1878), Apotheker und Ziegeleibesitzer; seit 26. Juli 1877
Otto von Bismarck (1815–1898), wurde einst mit den Stimmen der Rathenower Wahlmänner in den Preußischen Landtag gewählt und begann so seine politische Laufbahn; seit 15. Juni 1875
Max Hobrecht (1827–1899), Schriftsteller,; seit 13. Dezember 1897
Friedrich Lange (1844–1916), 27 Jahre Bürgermeister der Stadt Rathenow; seit 16. Juli 1906
Karl Mertens (1903–1988), Bildhauer; seit 1987
Erika Guthjahr, geb. Pelzer (1916–2005), Malerin, Schriftstellerin und Heimatforscherin; seit 12. September 1996
Günter Thonke (* 1928); seit 6. Mai 2009, Bäckermeister, Heimatforscher
Klaus Eichler (* 1939); seit 6. Mai 2009, ehemaliger Chefingenieur im Chemiefaserwerk Premnitz und Abteilungsleiter für Infrastruktur im Ministerium für Infrastruktur des Landes Brandenburg
Söhne und Töchter der Stadt
Denkmal für Johann Heinrich August Duncker, den Begründer der optischen Industrie in Rathenow
Stolpersteine für Alfred und Franziska Kornblum geb. Windmüller, Steinstraße 1
Stephan Bodecker (1384–1459), Bischof von Brandenburg
Peter von Meinicke (1701–1775), königlich-preußischer Generalmajor und Chef des Dragoner-Regiments Nr. 3
Joachim Christian Blum (1739–1790), Dichter
Johann Heinrich August Duncker (1767–1843), Begründer der deutschen optischen Industrie
Wilhelm Schneider (1781–1811), Pianist und Komponist
Friedrich Meier (1785–1815), Maler, Teilnehmer an den Befreiungskriegen
Ferdinand Löwe (1787–1832), Schauspieler
Friedrich Adolf Ahlert (1788–1833), Architekt, Kölner Dombaumeister
Wilhelm Biese (1822–1902), Klavierbauer und Pianino-Fabrikant
Karl Adolph Paalzow (1823–1908), Physiker
Gustav Hermann von Alvensleben (1827–1905), Militär
Gustav Neumann (1832–1885), Geograph und Pädagoge
Friedrich Wilhelm Kaeding (1843–1928), Stenograph
Friedrich Schultze (1848–1934), Neurologe
Oskar von Wackerbarth (1862–1937), Rittergutsbesitzer und Landrat des Landkreises Cottbus
Alfred zur Nieden (1868–1957), Landrat und Polizeipräsident in Gelsenkirchen
Friedrich Wilhelm Eue (1888–1937), Graveur und Medailleur
Otto Weber (1889–1972), Politiker (KPD)
Käthe Miethe (1893–1961), Schriftstellerin
Albert Gustav Bunge (1893–1976), Metall-, Emailkünstler und Maler
Fritz Weber (1894–1944), (SPD), Abgeordneter des Volkstages der Freien Stadt Danzig
Walter Donat (1898–1970), Japanologe
W. H. Lippert (1898–1981), Bildhauer, Maler und Grafiker
Georg Mierdel (1899–1987), Elektrotechniker, Physiker und Hochschulprofessor
Karl Mertens (1903–1988), Bildhauer
Kurt-Christoph von Knobelsdorff (1904–1945), Turnierreiter
Willy Rutsch (1904–1989), Politiker (CDU)
Kurt Laube (1905–1987), kommunistischer Widerstandskämpfer, Interbrigadist und Funktionär der VVN
Walter Mönch (1905–1994), Romanist und Literaturwissenschaftler
Joachim Mrugowsky (1905–1948), Arzt und NS-Verbrecher
Wolfgang Imle (1909–2001), Politiker (FDP)
Günter Scheel (1924–2011), Historiker und Archivar
Wolfgang Gruner (1926–2002), Kabarettist, Schauspieler und Regisseur
Immo Stabreit (* 1933), Diplomat
Hans-Joachim Geffert (* 1935), Heimatforscher und -schriftsteller
Hans-Günter Naumann (1935–2010), Politiker (SPD), 1970–1994 Mitglied des Bayerischen Landtags (SPD)
Dietrich Weber (1935–2008), Germanist und Literaturwissenschaftler
Peter Rabenalt (* 1937), Filmkomponist und -wissenschaftler, geboren im heutigen Ortsteil Semlin
Bernd Rabehl (* 1938), Soziologe
Heinz Bartsch (* 1939), Arbeitswissenschaftler und Ingenieur
Rosemarie Köhn (* 1939), 1993–2006 Bischöfin von Hamar (Norwegen) (weltweit zweite Frau als lutherische Bischöfin)
Elke Wendt-Kummer (* 1941), Drehbuchautorin, Regisseurin und Übersetzerin
Kurt-Dieter Grill (* 1943), Politiker (CDU), 1994–2005 Bundestagsabgeordneter
Barbara Heinisch (* 1944), Malerin
Wulf Herzogenrath (* 1944), Kunsthistoriker und Kurator
Gerhard Günther (* 1955), (CDU), 2004–2014 Mitglied des Thüringer Landtags
Christoph Dieckmann (* 1956), Journalist und Autor
Ronald Seeger (* 1956), Bürgermeister von Rathenow, geboren in Göttlin
Harald Goldau (* 1957), Maschinenbau-Professor
Jörg Friedrich (* 1959), Ruderer
Ralf Scherrer (* 1959), Künstler
Jörg Freimuth (* 1961), Leichtathlet
Uwe Freimuth (* 1961), Leichtathlet
Christian Görke (* 1962), Politiker (Die Linke), seit 2014 Finanzminister des Landes Brandenburg
Kay Nerstheimer (* 1964), Politiker (AfD)
Stephan Schill (* 1964), Schauspieler
Christian Rudolf (* 1965), Schauspieler, Moderator und Sänger
Kerstin Köppen (* 1967), Ruderin
Mario Streit (* 1967), Ruderer
Ralf Pleger (* 1967), Filmemacher und Regisseur
Jörg Heinrich (* 1969), Fußballspieler, geboren im heutigen Ortsteil Böhne
Christian Beeck (* 1971), Fußballspieler
Stefan Rudolf (* 1974), Schauspieler
Marco Tschirpke (* 1975), Musik-Kabarettist
Florian Foest (* 1976), Kameramann
Katrin Bühring (* 1977), Schauspielerin
Julia Mitrici (* 1982), Schauspielerin
Christian Sturm-Willms (* 1987), Koch
Colett Rampf (* 1991), Triathletin, Duathletin, Fußballspielerin
Dennis Mast (* 1992), Fußballspieler
Johna Fontaine (* 2000), Kinderdarstellerin
Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen
Samuel Christoph Wagener (1763–1845), Feldprediger in Rathenow, Schriftsteller
Emil Busch (1820–1888), Industrieller der Feinmechanik und Optik, lebte in Rathenow
August Froehlich (1891–1942), römisch-katholischer Priester, Pfarrer in Rathenow, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, starb im KZ Dachau
August Hild (1894–1982), Schriftsteller, lebte seit 1939 in Rathenow
Käthe Korth (1902–1982) Schriftstellerin, lebte einige Jahre in Rathenow
Regina Thoss (* 1946), Sängerin, lebte einige Jahre in Rathenow
Victoria Herrmann (* 1969), Fernsehmoderatorin, wuchs in Rathenow auf und absolvierte eine Lehre bei den Rathenower Optischen Werken
Literatur
Samuel Christoph Wegener: Denkwürdigkeiten der Churmärkischen Stadt Rathenow. Mit vier Kupfern. Berlin 1803 (E-Kopie).
Weblinks
 Wikisource: Ratenau in der Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte
 Commons: Rathenow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Steckelsdorf in der RBB-Sendung Landschleicher vom 2. November 2008
Info Rathenow Rathenow und seine Geschichte