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Geschichte
Urgeschichte

Das älteste Zeugnis menschlichen Lebens im Raum Rhede ist ein herzförmiger Faustkeil, der 1982 im Osten der Stadt gefunden wurde. Das vermutlich aus dem Oberschenkelknochen eines Mammuts stammende Stück ist der Zeit des Neandertalers, also etwa den Jahren 120.000 bis 40.000 v. Chr. zuzurechnen.[3]
Die zunehmende Verwaldung in der Mittleren Steinzeit führte zum Abwandern von Rentieren; die Jagd konzentrierte sich daher auf standortgebundenes Wild wie Rehe und Auerochsen. In Rhede wurden bisher keine Zeugnisse aus der Zeit des Mesolithikum gefunden, die zahlreichen Funde in Westfalen lassen eine menschliche Besiedlung Rhedes aber nicht in Frage stellen.[4]
Die für landwirtschaftliche Nutzung eher ungeeigneten Sandböden im südlichen Münsterland führten zu einer recht langen Besiedlung von mesolithischen Jäger- und Sammlergruppen bis in das Neolithikum hinein. Erste Nachweise von Ackerbauern und Viehzüchtern im westlichen Münsterland gibt es durch als Grabstätten genutzte Findlinge ab dem 4. und 3. Jahrtausend vor Christus. Erstes im Rheder Raum gefundenes Objekt war eine mittlerweile verschollene, 1937 gefundene geschliffene spätjungsteinzeitliche Steinaxt.

Zum Beginn der Bronzezeit, in Westfalen ab etwa 1800 v. Chr., kommt es zunächst zu keinen Änderungen der neolithischen Traditionen. Erst in der mittleren Bronzezeit zeugen geänderte Bestattungsriten von einem Wandel. Es gibt mehrere Hinweise auf Urnenfriedhöfe in Rhede, so das Gräberfeld von Rhede. 1902 wurden bei Erdarbeiten zerstörte Urnen gefunden.

Die um 9 n. Chr. verlorene Varusschlacht führte zum Rückzug der Römer, so dass das heutige Westfalen von germanischen Stammesverbänden besiedelt war. Im Raum Rhede waren es zunächst die Brukterer, später die Chamaven. Funde von römischen Münzen bei Krechting verdeutlichen, dass es Kontakt zwischen den germanischen Stämmen und den in linksrheinischen Gebieten lebenden Römern gab.

Mittelalter

Im Frühmittelalter kam es zur ersten schriftlichen Erwähnungen Rhedes. Die in den Zinsregistern der Abtei Werden gefundenen Dokumente sprechen 1050 von Rheti, 1150 von Rethe.[5] Bereits um 800 entstanden die Werdener Güter in Rhede, als die vom ersten Münsteraner Bischof Liudger gegründete Abtei ihre Ausbauphase erlebte.

Werner von Rethe war der erste Stammherr in Rhede, der unter diesem Nachnamen auftritt. Seine Vorfahren waren zwar Urbewohner des gleichen Gebiets, führten aber den Nachnamen Rethe noch nicht. Adelige Familien begannen ca. seit 1200 damit, sich nach ihren Stammsitzen zu benennen. So nahm auch der Ritter Werner im Anfang des 13. Jahrhunderts den Namen seines Stammsitzes Rethe an und nannte sich Werner von Rethe. Er war ein Ministeriale – Dienstmann – seines Landesherrn, des Fürstbischofs von Münster, und nahm als wohlhabender Burgherr eine angesehene Stellung ein. Sein Nachfolger war sein ältester Sohn Gerlach Bitter von Rethe, der in der Zeit von 1249 bis 1281 in zahlreichen Urkunden erwähnt wird. Gerlach Bitter von Rethe führte einen Prozess um das Patronatsrecht über die Kirche von Rhede mit dem Kloster Varlar, den er 1249 verlor. Gerlach Bitter von Rethe hatte keine Kinder, sein Bruder Werner jedoch vier Söhne, von denen der zweite Hinrikus Stammherr in Rhede wurde. Sein ältester Sohn Werner wurde Nachfolger von Hinrikus in der Herrschaft Rhede von 1300 bis 1336. Er gebrauchte die Schreibweise Werner von „Rede“. Ob einer der drei Söhne des Werner Stammherr auf Haus Rhede geworden ist, kann urkundlich nicht mehr sicher nachgewiesen werden. Nach dem Lehnbuch des Fürstbischofs Florenz von Wewelingshofen hatte im Jahre 1379 ein Adolf von Rede den Herrensitz als bischöfliches Lehen inne und man geht davon aus, dass dieser Adolf der zweite Sohn des Werner von Rede gewesen ist. Im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts hat ein Wechsel der Besitzer von Rhede stattgefunden, denn es erscheinen von nun an die Herren von Rhemen als Nachfolger der Herren von Rede.[6]

Die Grundherrschaft mit ausgeprägtem Rechts- und Wirtschaftssystem für die abhängige bäuerliche Bevölkerung entwickelte sich besonders in der Karolingerzeit vom 9. bis 11. Jahrhundert. Im Spätmittelalter wandelten sich die Herrschaftsverhältnisse des Fronsystems durch zunehmende Agrarwirtschaft, die wiederum auf das Aufblühen der Städte wie Wesel oder Münster zurückzuführen ist. Marktproduktion und Geldwirtschaft wurden zunehmend wichtiger.
Anders als im benachbarten Rheinland kam es im südwestlichen Westfalen aber nicht zu einer Entstehung eines relativ freien Bauernstandes.

Neuzeit

Das Kirchspiel Rhede gehörte zum Fürstbistum Münster, Ende des 15. Jahrhunderts lebten in der Pfarrei etwa 630 Menschen.
Im Dorfkern befand sich das Zentrum des Handwerks, am häufigsten vertreten waren Zimmerleute und Schuster. Handelstätigkeiten waren aufgrund zur Nähe zum Handelsplatz Bocholt eher beschränkt.
Raschen Aufschwung erfuhr die Baumseidenweberei im 17. Jahrhundert in Rhede. Nach der Aufhebung der Zünfte 1811 stieg die Zahl der Weber bis 1816 auf 153.

Durch die dichte Lage an der Grenze zwischen dem Hochstift Münster, den Vereinigten Niederlanden und dem Herzogtum Kleve in der von Kriegen geprägten Zeit des späten 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts kam Rhede eine wichtige Bedeutung zu. Im Spanisch-Niederländischen Krieg kam es zu starken Zerstörungen und damit einhergehend zu Plünderungen. Lubbert von Rhemen, Herr des Hauses Rhede, erhielt 1580 den Auftrag, 1200 Reiter anzuwerben; es ist davon auszugehen, dass sich einige Rhedenser unter ihnen befanden.
Auch im Dreißigjährigen Krieg musste die Bevölkerung von Rhede leiden, besonders durch die Pestepidemie 1636.
Im Siebenjährigen Krieg belastete sie vor allem die hohen Steuerlasten, die zur Führung des Kriegs notwendig wurden.

Industrialisierung

Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde im Münsterland die verbreitete Handweberei durch Spinnmaschinen ersetzt. 1852 stellte ein Bocholter Unternehmer seine Produktion mit Hilfe einer Dampfmaschine um, was zum Aufstieg der Textilindustrie in Bocholt führte und eine große Sogwirkung auf das Umland entfaltete. Zusammen mit der zunehmenden Auswanderung nach Amerika führte diese Entwicklung zwischen 1855 und 1875 zu einem Bevölkerungsrückgang in Rhede.[7]
Mit der Inbetriebnahme der ersten mechanischen Weberei 1891 begann auch in Rhede das Industriezeitalter. Begünstigend für diese Entwicklung war auch die Anbindung an das Eisenbahnnetz 1902. Die Strecke führte von Emmerich über Rees, Bocholt, Rhede, Borken und Coesfeld nach Münster. Nach Einstellung des Personenverkehrs 1974 blieb die Strecke bis 1991 für Gütertransporte in Betrieb, ist mittlerweile aber zwischen Rees und Coesfeld abgebaut.
Infolge der Industrialisierung kam es zu einem deutlichen Bevölkerungszuwachs in der Gemeinde Rhede. Die Einwohnerzahl wuchs von 4247 im Jahre 1890 auf 5797 im Jahre 1913. Die fünf ortsansässigen Textilbetriebe beschäftigten 1914 433 Arbeiter aus Rhede.[7]

Nationalsozialismus

Die NSDAP konnte bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 im Amt Rhede nur 10,3 % aller Stimmen erzielen.[8] Selbst im ohnehin für die NSDAP schwachen Wahlkreis Kreis Borken war das Ergebnis sehr niedrig.
Ab September 1935 waren alle Gemeinderatsmitglieder durch die NSDAP ersetzt; der Bürgermeister Josef Dörner wechselte vom Zentrum zur NSDAP und konnte sein Amt so behalten.
Die in Rhede stark vertretenen katholischen Organisationen gerieten zunehmend unter Druck. Höhepunkt war eine blutige Auseinandersetzung zwischen der SA und dem Katholischen Arbeiterverein am 31. März 1935. Die jüdische Minderheit Rhedes litt unter Entrechtungen und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Die letzte Jüdin war Berta Landau. Sie wollte ihre Heimat nicht verlassen und blieb, bis die Nazis sie am 11. Dezember 1941 in das KZ Riga-Kaiserwald deportierten. Dort wurde Berta Landau am 26. März 1942 erschossen. Heute ist eine Straße nach ihr benannt.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam es zunächst durch zahlreiche Einberufungen zum Zusammenbruch des gesellschaftlichen Lebens. Kriegsgefangene und „ausländische Zivilarbeiter“ wurden ab 1940 zunehmend in Landwirtschaft und Industrie eingesetzt. Im weiteren Kriegsverlauf suchten ausgebombte Familien aus dem Umland Zuflucht in Rhede.
Im Januar 1943 kam es erstmals zu einem Bombenangriff auf Rhede durch alliierte Bomber. In den Folgemonaten folgten weitere Angriffe, der schwerste Bombenangriff fand am 22. März 1945 statt und forderte 15 Tote. Dabei wurde auch das als Lazarett gekennzeichnete Krankenhaus angegriffen und kostete hier das Leben von 29 Zivilisten und etwa 170 Militärpersonen.[9]

Nach 1945

Am 1. Oktober 1955 wurde die ehemals selbständige Gemeinde Altrhede in die Gemeinde Rhede eingegliedert. Im Rahmen der kommunalen Neuordnung schlossen sich 1968 Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt zur neuen Gemeinde Rhede zusammen. Bei der allgemeinen Gebietsreform 1975 blieb Rhede unangetastet. Die Verleihung der Stadtrechte durch den Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen erfolgte am 23. Juli 1975.[10]
Nachdem Rhede zum Bundes- und Landesstützpunkt für Leichtathletik auserkoren wurde, wurde 1981 mit dem Bau eines Leichtathletikzentrums begonnen.
1994 wurde nach zweijähriger Bauzeit das neue Rathaus eingeweiht.

Eingemeindungen

Am 1. Oktober 1955 wurde Altrhede eingemeindet.[11] Die weiteren Gemeinden des Amtes Rhede, nämlich Büngern, Krechting, Krommert und Vardingholt, wurden am 1. August 1968 nach Rhede eingemeindet.[12] Bei der Gebietsreform 1975 blieb Rhede unberücksichtigt.

Einwohnerentwicklung seit 1990

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2012 2015
16.952 17.168 17.476 17.568 17.825 18.006 18.084 18.097 18.169 18.311 18.597 18.774 18.764 18.953 19.043 19.202 19.293 19.397 19.052 19.284

(jeweils zum 31. Dezember, nur Erstwohnsitz)

Politik
Stadtrat

Bürgermeister der Stadt Rhede ist Jürgen Bernsmann (parteilos).[13] Die Sitze im Stadtrat verteilen sich nach den Ergebnissen der Kommunalwahlen 1999, 2004, 2009 und 2014 folgendermaßen auf die Parteien (2014 ist die UWG Rhede nicht mehr zur Wahl angetreten):

Partei Sitze 0 Stimmenanteil
1999 2004 2009 2014 1999 2004 2009 2014
Christlich Demokratische Union 21 16 16 19 54,3 % 42,7 % 40,3 % 49,5 %
Sozialdemokratische Partei Deutschlands 10 9 8 9 26,5 % 23,3 % 21,3 % 24,2 %
Bündnis 90/Die Grünen 4 8 9 8 12,1 % 21,4 % 24,2 % 19,8 %
Freie Demokratische Partei 2 3 2 05,0 % 07,9 % 06,6 %
UWG 3 3 2 07,2 % 07,6 % 06,3 %

Städtepartnerschaft

Seit 1989 hat die Stadt Rhede eine offizielle Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt La Ferté-Saint-Aubin. Die kleine Stadt mit etwa 10.000 Einwohnern liegt 30 km südlich von Orléans und bezeichnet sich als „Tor zur Sologne“.

Wappen und Flagge

Rhede ist mit Urkunde des Innenministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen vom 26. September 1968 das Recht verliehen worden, das Wappen des am 1. August 1968 aufgelösten Amtes Rhede zu führen. Das Recht zur Führung dieses Wappens wurde dem Amt Rhede durch den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen in Münster mit Urkunde vom 13. April 1939 verliehen.

Ferner ist der Stadt mit Urkunde der Bezirksregierung Münster vom 23. September 1975 das Recht zur Führung einer Flagge und eines Banners verliehen worden.

Wappen

Banner

Flagge

Wappen der ehem. Gemeinde Rhede bis 1968

Wappen

Blasonierung: „Ein in Silber (Weiß) und Grün quadrierter Schild, dessen Feld 1 und 4 mit je zwei schwarzen Zickzackfäden, Feld 2 mit einem silbernen (weißen) Weberschiffchen, Feld 3 mit einer silbernen (weißen) Pflugschar belegt ist.“

Das erste und das vierte Feld zeigen das Wappen der bis in das 14. Jahrhundert tätigen Ortsherren von Rhede. Das Weberschiffchen im zweiten Feld soll die Textilindustrie, die Pflugschar die Landwirtschaft symbolisieren.[14]

Banner und Flagge

Beschreibung des Banners: „Das Banner ist in drei Bahnen im Verhältnis 1 : 3 : 1 von Grün zu Weiß zu Grün längsgestreift und zeigt in der oberen Hälfte der mittleren Bahn das Stadtwappen im Schild.“

Beschreibung der Flagge: „Die Flagge (Hissflagge) ist in drei Bahnen im Verhältnis 1 : 3 : 1 von Grün zu Weiß zu Grün längsgestreift (gemeint ist quergestreift) und zeigt in der Mitte der mittleren Bahn das Stadtwappen im Schild.“ [15]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
AKKU

Der AKKU (ArbeitsKreisKUltur) war eine von der Stadt Rhede ins Leben gerufene – und zunächst hauptamtlich begleitete – offene Interessensgemeinschaft zur Förderung des kulturellen Lebens in der Stadt. Er vernetzte die kulturellen Einrichtungen und derer Kulturangebote. Der AKKU vereinte über 25 Kulturträger, zahlreiche kulturinteressierte Bürger und über 100 Künstler aller Sparten und organisierte im Jahr über 180 Kulturveranstaltungen.

Theater

Die Stadt Rhede hat kein eigenes Theater, im Kultursaal des Rathauses – dem sogenannten Rheder Ei – finden gelegentlich Theateraufführungen statt. Das nächstgelegene Theater befindet sich in Bocholt.

Museen

Das Medizin- und Apothekenmuseum Rhede am Markt zeigt auf drei Etagen in einer Dauerausstellung das medizinische Leben im ländlichen Westmünsterland ab etwa 1750. Zudem finden regelmäßig Wechselausstellungen statt.[16]

Spielzeug aus vergangenen Zeiten präsentiert das Spielzeugmuseum Max und Moritz an der Kirchwiese auf zwei Etagen. Wechselnde Ausstellungen zeigen besondere Spielzeuge, etwa zu Ostern und zu Weihnachten.

Musik

Alle Kirchengemeinden besitzen einen eigenen Chor. Darüber hinaus sind noch das Blasorchester Rhede und die Spielmannszüge Rhede und Vardingholt zu nennen.
Die musikpädagogische Begleitung übernimmt die Musikschule Bocholt-Rhede-Isselburg, die eine Zweigstelle am Schulzentrum Büssingstraße unterhält.

Bauwerke
Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Rhede
Kirchen
Blick über Rhede mit Gudulakirche

Die Anfänge der katholischen Pfarrkirche Sankt Gudula gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. Die gotische Hallenkirche wurde bis in das 19. Jahrhundert weiter ausgebaut, ehe man sich aus Platzgründen für einen Neubau der Kirche entschloss. Am 8. Juli 1898 wurde nach Plänen von Hilger Hertel der Grundstein zur neugotischen Sankt-Gudula-Kirche gelegt, am 12. Juni 1901 erfolgte dann die Einweihung.
Heute prägt die mächtige Hallenkirche mit ihrem 77,5 m hohen Turm das Stadtbild von Rhede. Die Kirche ist als dreischiffiges Hallenlanghaus konzipiert, rote Maschinenziegel mit Sandsteinelementen bilden die Fassade. Die Kirche, prägendes Beispiel für münsterländische Sakralbaukunst, steht seit 1984 unter Denkmalschutz.

Kirche „Zur Heiligen Familie“ (Luftbild, 2014)

Die Kirche der Gemeinde Zur Heiligen Familie liegt im Süden der Innenstadt. Die von 1957 bis 1959 erbaute katholische Pfarrkirche wurde durch das Anwachsen des Amtes Rhede notwendig.

Ebenfalls in den 1950er Jahren wurde die Piuskirche im Stadtteil Krechting erbaut. Die St.-Marien-Kirche liegt im Stadtteil Vardingholt, alle Kirchen gehören zur Kirchengemeinde St. Gudula.

Die evangelische Kirchengemeinde ist im Paul-Gerhardt-Haus beheimatet. Die 1952 erbaute Kirche bietet 290 Sitzplätze. Der Kirche unmittelbar angeschlossen ist die Leihbücherei.

Kirchenfusion

Seit 2007 sind die vier katholischen Kirchengemeinden (St. Gudula, Zur Heiligen Familie, St. Marien, St. Pius) durch eine Fusion und Gemeindeneugründung unter dem Namen „Katholische Kirchengemeinde Sankt Gudula“ zusammengeschlossen. Wegen rückgängiger Kirchensteuereinnahmen und auch der geringeren Anzahl an Kirchenbesuchern und Seelsorgern mussten die Gemeinden fusionieren. Die vier Standorte bleiben dennoch weiterhin erhalten.[17]

Bürgerhäuser und Villen
Denkmalgeschütztes Bürgerhaus am Markt

An der Münsterstraße 9 befindet sich ein zweigeschossiges Backsteinhaus mit Mansarddach. Das Ende des 18. Jahrhunderts errichtete Bürgerhaus steht seit 1984 unter Denkmalschutz.
Weitere denkmalgeschützte Häuser finden sich Am Markt, rund um die St.-Gudula-Kirche. Ein Ensemble solcher Häuser bildet die kneipenreiche Altstadt. Das Bürgerhaus Am Markt 14 beheimatet heute das Apothekenmuseum.

An der Hardtstraße 23 befindet sich eine im Jahre 1920 im Stil nachklassizistischer-barocker Formgebung errichtete Villa. Einige Jahre befanden sich Teile der Stadtverwaltung in dem denkmalgeschützten Haus.
Ein 1911 erbautes Landhaus findet man an der Krechtinger Straße 11. Das 1984 unter Denkmalschutz gestellte Haus wurde von Hermann Muthesius entworfen.

Schlösser und Herrenhäuser
Schloss Rhede

Das Schloss Rhede, ein Wasserschloss im Stil der Renaissance wurde 1564 erbaut. Der zweigeschossige Zweiflügelbau wurde 1984 unter Denkmalschutz gestellt. Es ist heute noch von der Familie Salm Salm bewohnt.

Das Herrenhaus Kretier im Stadtteil Vardingholt ist im Kern mittelalterlich und wurde im 20. Jahrhundert nach Plänen von 1734 restauriert.

Ein weiteres unter Denkmalschutz stehendes Herrenhaus ist das Haus Tencking an der Bundesstraße 67 in Richtung Bocholt. Der im Stil des niederländischen Barock erbaute Dreiflügelbau wurde 1710 errichtet. Heute befindet sich dort eine sozialpflegerische Einrichtung.

Religiöse Stätten

Im Stadtgebiet befinden sich zahlreiche Bildstöcke, viele stehen unter Denkmalschutz. Die Bildstöcke werden noch heute als Andachtsstelle benutzt.

Der Alte Friedhof wurde 1807 als katholische Begräbnisstätte angelegt. 1945 wurde ein Ehrenfriedhof für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs errichtet.

Sonstiges

Die Turmwindmühle Habers Mühle im Stadtteil Krommert besticht durch einen konisch verjüngten Backsteinturm. Das Mühlwerk ist heute nicht mehr erhalten.

Das Fachwerkhaus an der Nordstraße 20 wurde Anfang des 19. Jahrhunderts als Backsteinbau mit Pfannenbedachung erbaut.

Der im Stadtteil Krommert gelegene Bauernhof Rümping wurde 1870 errichtet und gilt als Beispiel für westmünsterländischen Bauernhausbau.

Der Alte Bahnhof wird seit einigen Jahren nach einer Umbaumaßnahme von der AWO genutzt. Der zweigeschossige Ziegelbau wurde 1929 als Durchgangsbahnhof errichtet.

Wälder und Parks
Im Prinzenbusch

Der Pastorsbusch schließt sich dem Krankenhauspark an und bildet ein Naherholungsgebiet im Nordwesten der Stadt. Ein Teil der Anlage ist als Naturlehrpfad gestaltet.

Rund um den Hoxfelder Weg befindet sich der Prinzenbusch, im Osten der Stadt. Das Naherholungsgebiet schließt sich an den Schlosspark an und bietet zahlreiche (Rad-)Wanderwege. Der nach Borken führende Hoxfelder Weg ist Teil des Radrundwanderweges 100-Schlösser-Route.
Der eigentliche Schlosspark steht Besuchern nicht zur Verfügung.

Im Südwesten der Stadt liegen die Winkelhauser Berge, ein Waldgebiet, welches früher Teile einer Heidelandschaft beinhaltete, die in die in Bocholt gelegenen Hohenhorster Berge übergeht. Teile dieser Heidelandschaft sind heute nur noch in den Hohenhorster Bergen zu sehen.

Gräftenanlage

Im Ortsteil Vardingholt befindet sich im Forstgebiet Rösingbusch als Bodendenkmal die gut erhaltene Gräftenanlage Nunnepollen.

Sport

Der Sportpark Besagroup an der Bundesstraße 67 im Westen der Stadt bietet eine überdachte Tribüne, eine 400-m-Laufbahn und zahlreiche Trainingsplätze. Ergänzt wird das Angebot um eine Leichtathletikhalle. Die Anlage wurde 1981 im Zuge der Ernennung Rhedes zum Landesstützpunkt für Leichtathletik in Nordrhein-Westfalen errichtet; alljährlich findet das Internationale Leichtathletik-Meeting mit vielen Leichtathletikgrößen statt.

Das örtliche Frei- und Hallenbad wird von den Stadtwerken betrieben.

Im April 2007 wurde der Nordic Walking Park Rhede eröffnet. Drei Routen mit insgesamt zehn Strecken stehen den Sportlern zur Verfügung.

Unmittelbar beim Jugendtreff Bäkentreff befindet sich eine Skateranlage mit entsprechendem Equipment. Darüber hinaus gibt es im Stadtgebiet mehrere Bolzplätze für Kinder und Jugendliche.

Größter Sportverein der Stadt ist der TV Rhede 1925 e. V., der ein breites Sportangebot bietet. Der Fußballverein VfL Rhede 1920 e. V. spielt in der Landesliga Niederrhein.

Große sportliche Erfolge feierte der Reiterverein Rhede Ende der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre im Einzel- und Gruppenvoltigieren. Herausragend sind die 3 Weltmeistertitel im Einzel von Christoph Lensing zwischen 1988 und 1996 und der Vize-Weltmeistertitel der Mannschaft 1990. Innerhalb dieses Zeitraumes wurden auch mehrere deutsche Meistertitel im Einzel und mit der Mannschaft errungen. Im Jahr 2008 sind 11 Voltigiermannschaften aktiv.

Kulinarische Spezialitäten

Rhede ist von der westfälischen Küche geprägt, hervorheben kann man Panhas und süßen Stuten. Eine Rheder Spezialität ist die Rheder Ampel, eine Zusammenstellung von rotem Schlehen-, gelbem Anis- und grünem Pfefferminzlikör.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Straßenverkehrsbeziehungen

Der Verkehr begrenzt sich überwiegend auf die B67.

Luftverkehr

Die nächstgelegenen Verkehrsflughäfen sind der Flughafen Weeze (rund 57 Kilometer entfernt), der Flughafen Düsseldorf (rund 83 Kilometer entfernt) und der Flughafen Münster/Osnabrück (rund 95 Kilometer entfernt). Der Flugplatz Stadtlohn-Vreden ist der nächstgelegene Flugplatz.

Öffentlicher Nahverkehr

In Rhede verkehren 5 regionale Buslinien:

Linie R51 Bocholt – Borken – Gescher – Coesfeld
Linie R31 Bocholt – Südlohn – Vreden
Linie S75 „Sprinterbus“ Bocholt – Borken – Münster
Linie N20 „Nachtbus“ Bocholt – Borken – Gescher – Legden
Linie F1 „Freizeitbus“ Isselburg – Bocholt – Borken – Reken – Haltern (verkehrt vom 1. Mai bis 3. Oktober an Sonn- und Feiertagen, ein Fahrradtransport mit Hilfe eines speziellen Anhängers ist möglich)

Seit 2003 verkehrt ein Bürgerbus als Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen Rhede.

Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Bocholt (etwa 6 km entfernt) und Borken (etwa 12 km entfernt), von denen ein Anschluss an den Regionalverkehr in Richtung Wesel – Duisburg bzw. Essen besteht.

Straßen

Über die Bundesstraße 67 erreicht man von Rhede aus schnell die Bundesautobahnen A31, A3.

Fahrrad

Rhede verfügt über ein gut ausgebautes Radwegnetz. Zahlreiche „Pättkes“, kleine und ruhig gelegene Wege, laden zum Radwandern ein. Die Rheder Sagen Safari ist eine 35 km durch Rhede führende Route, die an 11 sagenumwobenen Orten vorbeiführt. Diese „Safari“ wird einmal im Jahr von der Stadt angeboten.

Mehrere Radfernwege des Radverkehrsnetz NRW führen ebenfalls durch Rhede, außerdem die 100-Schlösser-Route.[18]

Wirtschaft

Die bis in die 1980er Jahre stark vertretene Textilindustrie hat heute nur noch geringe Bedeutung in Rhede. Im Industriegebiet im Südosten der Stadt finden sich zahlreiche Unternehmen der verschiedensten Branchen.
Ihren Sitz in Rhede haben die Jemako International GmbH, ein Anbieter von Reinigungssystemen. Die Rademacher Geräte-Elektronik GmbH & Co. KG produziert elektrogetriebene Rolllädenantriebe. Bis 2009 hatte das US-amerikanische Unternehmen Meade Instruments mit der Meade Instruments Europe GmbH & Co. KG in Rhede ihre europäische Vertriebszentrale, die dann an Rolf Bresser und Partner unter Beibehaltung des Namens verkauft wurde. Produziert werden optische Geräte wie Mikroskope und Teleskope.
Eines der letzten verbliebenen Textilunternehmen sind die im benachbarten Bocholt beheimateten Ibena Textilwerke, die ein Werk in Rhede betreiben.

Die Stadtwerke Rhede GmbH sorgen seit 1906 für die Nahversorgung der Stadt. Die Stadtwerke betreiben auch das örtliche Frei- und Hallenbad.

Das St. Vinzenz-Hospital ist ein Klinikum für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. 1998 wurde das Hospital unter Trägerschaft der St.-Agnes-Hospital gGmbH gestellt. Die innere Abteilung wurde 2004 geschlossen und wird seitdem durch das St.-Agnes-Hospital in Bocholt weitergeführt.

Schokolade

In Rhede treffen gleich zwei Unternehmen aufeinander, deren Metier die Schokolade ist. Das ist zum Einen die Pralinen-Manufactur Große-Bölting, die Pralinen, Trüffel und Schokoladen-Figuren in allen Größen und Formen herstellt. Die Produkte werden ausschließlich in Handarbeit gefertigt. Ein zweites Unternehmen ist die „Schokoladenfabrik“ Schoko-Dragee. Sie hat sich auf Schoko-Dragees in allen Varianten spezialisiert.

Energie

Seit 2010 steht in der Nähe des Ortsteils Vardingholt die höchste Windkraftanlage Nordrhein-Westfalens – eine modifizierte Enercon E-82 mit 182,9 Metern Gesamthöhe.[19]

Seit November 2006 wird mit einer in der Bocholter Aa installierten Wasserkraftschnecke Strom aus Wasserkraft gewonnen. Die Anlage hat eine Maximalleistung von ca. 50 kw und dient u.a. dem Studium der Auswirkungen von Wasserkraftschnecken auf die Fischfauna. Die „Rheder Wasserschnecke“ ist zudem ein beliebtes Ausflugsziel, an dem die Möglichkeit der Energiegewinnung aus Wasserkraft auch bei einer niedrigen Fallhöhe im Flachland anschaulich gemacht wird.[20]
[21]

Medien

Einzige Tageszeitung ist das Bocholter-Borkener Volksblatt, eine in Bocholt in Kooperation mit den Westfälischen Nachrichten erscheinende Zeitung. Rhede hat eine eigene Lokalredaktion. Mittwochs und samstags erscheinen die beiden Anzeigenblätter Bocholter Report und mein Stadt-Kurier, zudem noch einmal im Monat die Magazine „Stadtgespräch“ und „Stadtgespräch – Das Original“.

Lokaler Radiosender ist die Westmünsterlandwelle (WMW) mit Sitz in Borken. Der Lokalfernsehsender wm.tv befand sich bis zum Frühjahr 2007 in Rhede. Nach diversen Umzügen und Gesellschafterwechseln wurde der Betrieb mittlerweile eingestellt.

Bildung
Die Overberg-Grundschule

Für Kleinkinder gibt es in Rhede insgesamt 13 verschiedene Einrichtungen in Form von Kindertagesstätten, Krabbelgruppen und Kindergärten.

Rhede verfügt über 3 Grundschulen. Die Overbergschule und die Ludgerusschule befinden sich im Stadtgebiet, die Piusschule im Stadtteil Krechting. Die Realschule Rhede, die Gesamtschule Rhede (Sekundarstufe I und II) und die Friedensschule, eine katholische Hauptschule, bilden das örtliche Angebot an weiterführenden Schulen. Die nächsten Gymnasien und Berufskollegs befinden sich in Bocholt und Borken, es besteht ein Schulbusverkehr. Im Rahmen der sonderpädagogischen Förderung bietet die Hans-Christian-Andersen-Schule ein Sonderschulprogramm mit Schwerpunkt der Förderung sozialer und emotionaler Entwicklung.

Das Caritas-Fachseminar für Altenpflege dient der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften im Pflegebereich. Für Lernende aus aller Welt dient die Akademie Klausenhof.

Rhede ist Teilstandort der Volkshochschule Bocholt-Rhede-Isselburg, ebenfalls ist Rhede Standort einer Zweigstelle der Musikschule Bocholt-Rhede-Isselburg.

Sowohl die katholische Kirchengemeinde St. Gudula als auch die evangelische Gemeinde unterhalten jeweils eine Leihbücherei.

Trivia
Das Motto der Stadt Rhede lautet „Das Lächeln im Münsterland“. Das Logo zeigt symbolisch eine Sonne, die Freundlichkeit symbolisieren soll, die Silhouette der St.-Gudula-Kirche, die für den kleinstädtischen Charakter Rhedes steht, und Anführungszeichen, die Kommunikation symbolisieren.[22]
Das Rheder Pärchen tritt regelmäßig bei Veranstaltungen auf und verteilt die Rheder Ampel oder etwa zur Kirmes die traditionellen Paradiesäpfel.
Persönlichkeiten
In Rhede geboren
August van der Meulen (1801–1884), Schulleiter, Zisterzienserabt
Franz August Schmölders (1809–1880), Orientalist
Hermann Renzel (1846–1922), Abt von Merkelbeek
Heinrich Finke (1855–1938), Kirchenhistoriker und Mediävist
Theodor Teriete (1907–1971), Gewerkschafter und Politiker
Bernhard Heinrich Witte (1926–2015), Bischof von Concepción in Argentinien
Hermann Olbing (1930–2003), Kinderarzt und Wissenschaftler
Heinrich Bußhoff (* 1936), Politologe (Lehrstuhl Politikwissenschaft Universität Würzburg)
Arnold Busshoff (* 1944), Opern- und Konzertsänger
Beate Rademacher (* 1953), Sängerin
Herbert Schalthoff (* 1953), Journalist und Fernsehmoderator
Manfred Hüning (* 1953), Hammerwerfer, beste Weite 78,28 m (Dortmund 1979)
Michael Roes (* 1960), Schriftsteller
Thomas Giessing (* 1961), Leichtathlet und Olympiateilnehmer
Ulrike Tillmann (* 1962), Mathematikerin
Dieter Bischop (* 1966), Archäologe
Dirk Dzimirsky (* 1969), Künstler
Dominik Meiering (* 1970), Generalvikar des Erzbistums Köln
Mark Schierenberg (* 1972), Fußballspieler
Hendrik Wüst (* 1975), Politiker, ehemaliger Generalsekretär der CDU/NRW und seit Mai 2017 Verkehrsminister NRW
Sven Volmering (* 1976), Politiker
Dirk Elsemann (* 1977), Kirchenmusiker und Hochschullehrer
Mit Rhede verbunden
Werner Barkholt (1902–1942), Jesuit, Kaplan in Rhede, Gegner des Nationalsozialismus
Hermann Kunkler (* 1927), Bildhauer und Goldschmied, lebt und arbeitet seit 1990 in Rhede
Simon Terodde (* 1988), Fußballspieler
Sören van Heek, Schlagzeuger und Mitbegründer der Heavy-Metal-Band Wizard
Michael Maaß, Gitarrist und Mitbegründer der Heavy-Metal-Band Wizard
Literatur
Heimatverein Rhede, Werner Frese (Hrsg.): Die Geschichte der Stadt Rhede. 2. Auflage. Münster 2000, ISBN 3-87023-145-9.
Wilhelm Hagedorn: Rhede aus seiner Geschichte. Rhede 1951. (Nachdruck 1981)
Heimatverein Rhede (Hrsg.): Dat Rheeße Blädeken. Rhede 1985–2003.
Weblinks
 Commons: Rhede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Webpräsenz der Stadt Rhede
Stadtteilpräsenz des Ortsteils Krommert
Linkkatalog zum Thema Rhede bei curlie.org (ehemals DMOZ)
Zum Schienenverkehr in Rhede
Rhede im Kulturatlas Westfalen