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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Rödelsee nicht vorenthalten.

Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert

Vermutlich unter der Führung von Rodilo oder Rotel dürfte hier bereits zur Zeit der fränkischen Landnahme eine Siedlung entstanden sein. Ausgehend von dessen Namen entwickelte sich die Ortsbezeichnung.

Zum ersten Mal wurde der Ort im Jahr 1040 erwähnt. Kaiser Heinrich III. schenkte dem Kloster Kitzingen das Dorf Rotiense.[3] Graf Hermann II. zu Castell tauschte 1271 „einen Weinberg in Rödelsee am Swaneboum gegen einen Weinberg des Klosters Ebrach am Blozenbuhel. Sein Sohn Friedrich genehmigte 1293 eine Schenkung von Weinbergen … an das Deutschordenshaus zu Würzburg.“[4] Als Lehensempfänger der Herren von Hohenlohe und Bewohner der Wasserburg am Dorfsee wurde 1280 der Ortsadelige Konrad Fuchs von Rödelsee genannt, im 14. Jahrhundert waren es die Ritter von Wenkheim. Über die Berlichingen und Heßberg kamen 1573 Besitzungen an die Crailsheim. Der Wut aufständischer Bauern fielen die Burgen von Rödelsee, im nahegelegenen Fröhstockheim und auf dem Schwanberg 1525 zum Opfer. Alle wurden aber wieder aufgebaut. Um 1600 gab es schließlich vier Dorfherren: Das Hochstift Würzburg, die Abtei Ebrach, die Grafen zu Castell-Rüdenhausen und die späteren Freiherren von Crailsheim. Jede Dorfherrschaft stellte einen eigenen Vertreter, den Schultheiß. Er besaß einen Schlüssel zur Gemeindetruhe mit den wichtigen Unterlagen. Nur gemeinsam, d. h. mit vier Schlüsseln, konnten sie diese öffnen. Den Vorsitz hatte der Schultheiß des Hochstifts Würzburg. In ihren Residenzen überdauerten die Dorfherren die Zeit bis heute:

1614[5]:47 errichtete Friedrich von Crailsheim einen würdigen Wohnsitz in Rödelsee, das bis heute erhaltene Schloss Crailsheim.
Um 1616[5]:49 wurde der Ebracher Hof als Zehnthaus errichtet.
1648[5]:49 der Amtshof der Grafen zu Castell errichtet, das Gasthaus zum Goldenen Löwen.

Nach Einführung der Reformation durch die Markgrafen von Ansbach waren alle Bewohner bis 1624 evangelisch. Ab 1627 begannen das Hochstift Würzburg und das Kloster Ebrach mit der Durchsetzung der Gegenreformation. „1641 war kaum mehr ein Einwohner im Ort zu finden. … Es gab nur noch Ruinen und mannshohes Unkraut. Eine Bestandsaufnahme von 1648 lautet: alles öde, kein Feld gebaut, nichts zu genießen!“[6] Am Ende des Dreißigjährigen Krieges kehrten die Dorfbewohner, welche an sichere Orte geflohen waren, zurück. Sie einigten sich 1651 auf ein Simultaneum. Als jedoch der Turm der Simultankirche 1770 einstürzte, beschloss jede der beiden Konfessionen ihr eigenes Gotteshaus zu bauen.

Schließlich kam der Ort nach den wechselnden Herrschaften Bayerns, Preußens und Frankreichs 1810 an das Großherzogtum Würzburg und 1814 im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses an das Königreich Bayern. Seit 1862 gehört Rödelsee zum Landkreis Kitzingen.

Verwaltungsgemeinschaft

Die Verwaltungsgemeinschaft Iphofen, zu der neben Iphofen und Rödelsee auch Markt Einersheim und der Markt Willanzheim gehören, entstand im Zuge der bayerischen Gebietsreform im Jahr 1978.

Eingemeindungen

Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Fröhstockheim eingegliedert.[7]

Kultur
Weinort

Rödelsee ist seit der Gründung vor allem durch seine Lage am Rande des Steigerwalds geprägt. Die Hänge des Schwanbergs mit dem schwer zu bearbeitenden Boden eigneten und eignen sich hervorragend für den Weinbau. So wird die Swanliten (Schwanleite) 1295 und der Küchenmeister 1360 erstmals urkundlich genannt.[8]

Auf den Wein wird der Besucher beim Gang durch den modernen Ort auch deutlich hingewiesen. Die Spitzenweine erhalten ihre bestechende Art und Kraft aus dem mineralstoffreichen Gipskeupermergel.[8] Eine sehr hohe Qualität erreichen die Weine der beiden geschichtlich bekannten Lagen Rödelseer Küchenmeister und Rödelseer Schwanleite (Weinanbaugebiet Franken). Da mit der Silvanerrebe heute fast die Hälfte des Anbaugebietes bepflanzt wurde, heißt Rödelsee umgangssprachlich „Silvanerecke“.[8]

Den Touristen bieten der Schwanberg und das ausgebaute Weinbergswege- und Fahrradnetz vielfältige Freizeitmöglichkeiten. In der Umgebung des Ortes wurden auch mehrere Wanderwege ausgewiesen. Der Bewegungsparcours hinter dem Schloss Crailsheim wurde für alle Generationen konzipiert. Außerdem besteht eine Reihe von Einkehr- und Übernachtungsangeboten.

Weinbau und Tourismus sind zwei wichtige wirtschaftliche Säulen des heutigen Ortes, in dem größere Industriebetriebe fehlen.

Heimatmuseum

Im Elfleins-Häusla sind eine vollständig erhaltene Schmiede, die zugehörige Wohnung und Stallungen aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts zu besichtigen.

Amtshöfe

Der Löwenhof ist heute ein Restaurant und prägte als ehemaliges Castellsches Amtshaus das Erscheinungsbild des Ortes entscheidend mit und ist ein geschütztes Baudenkmal. Der Ebracher Hof entstammt dem 17. Jahrhundert und wurde im Jahr 1712 umfassend erneuert.

Siehe auch: Ebracher Hof (Rödelsee)
Jüdische Spuren

Bereits 1585 gab es in Rödelsee eine jüdische Gemeinde mit 18 Familien. Das Fürstlich Castell’schen Archiv besitzt Unterlagen über Streitigkeiten der Dorfherrschaften mit den Freiherrn von Crailsheim um die Aufnahme von Juden. Es entstand eine Synagoge mit Judenschule und angestelltem Lehrer. Diese Einrichtung brachte durch ihren guten Ruf auch Studenten aus der weiteren Umgebung wie Frankfurt in den kleinen Ort. Weitere Einrichtungen der jüdischen Gemeinde in Rödelsee waren das rituelle Bad und der Zentralfriedhof.

Nach 1870/80 nahm die Zahl der jüdischen Einwohner ab, da viele nach Kitzingen und in andere Städte abwanderten. Die 1851 erneuerte Synagoge konnte von den wenigen Verbliebenen nur notdürftig erhalten werden. Schließlich wurde die jüdische Gemeinde 1907/1908 aufgelöst. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, das Mobiliar herausgeholt und außerhalb des Gebäudes verbrannt. Als die Überreste des Gebäudes sehr baufällig waren, entstand nach dem Abbruch auf dem Grundstück der Alten Iphöfer Straße 8 ein Wohnhaus.

Begräbnisstätten
Jüdischer Friedhof
Hauptartikel: Jüdischer Friedhof
Der jüdische Friedhof von Rödelsee

Von den Einrichtungen der jüdischen Gemeinde gehört der jüdische Friedhof von Rödelsee heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Er wurde bereits im 15. Jahrhundert angelegt und ist einer der größten jüdischen Friedhöfe in Bayern mit über 2500 Grabsteinen.

Friedhof Rödelsee

Der alte Friedhof um die evangelische Kirche herum wurde bis 1730 simultan genutzt. Bereits 1680 war jedoch schon der neue Friedhof angelegt worden. Mehrmals erfuhr er Erweiterungen 1826, 1951 und 1980. In diesem Jahr wurde das moderne Leichenhaus errichtet.[5]: 35

Schwanberg
Mausoleum im Park
Friedhof der Communität Casteller Ring
FriedWald der bayerischen Landeskirche
Schlösser
Crailsheim’sches Schloss Fröhstockheim

Der kleine Dorfsee in der Nähe des Rathauses ist übrig geblieben von der Wasserburg in Rödelsee. Zunächst von Konrad Fuchs von Rödelsee, dann von den Rittern von Wenkheim genutzt, blieb die Burg im Besitz derer von Heßberg bis um das Jahr 1614 bestehen. Diese Wehranlage wurde im Bauernkrieg 1525 geplündert und abgebrannt. Schließlich verfielen die Gebäude, nur im Turm wohnte noch 1671 der Jud Polack. Ein Teil des Wassergrabens wurde zugeschüttet und die Insel verschwand.[5]:47
Der Wohnsitz einer zweiten Linie der Adelsfamilie von Crailsheim in Rödelsee befand sich in so schlechtem Zustand, dass Friedrich von Crailsheim sich 1614 einen repräsentativen Wohnsitz errichten ließ. 1954 ging es in den Besitz der Winzergenossenschaft über.[5]:47 Im Crailsheimer Schloss in Rödelsee befindet sich heute eine WeinGalerie.

Auf dem nahegelegenen, geologisch interessanten, 474 Meter hohen Schwanberg des Steigerwaldes befindet sich ein Schloss mit einem sehenswerten Park.

Das große Wasserschloss im Ortsteil Fröhstockheim befindet sich in Privatbesitz.

Siehe auch: Schloss Crailsheim, Schloss Fröhstockheim und Schloss Schwanberg
Kirchen

Bereits 1190 existierte in „Rotelse in episcopatu Wirzburgensis“[9] eine Kirche. Sie war dem Heiligen Bartholomäus geweiht. Er gilt als Schutzheiliger der Winzer. Diese Vorgängerkirche weihte der Eichstätter Bischof Otto von Hirschberg. In den konfessionellen Streitigkeiten der wechselnden Dorfherren zerfiel die simultan genutzte Kirche und musste nach dem Einsturz des Turms, der den Altar zerstörte, 1770 abgerissen werden. Die Gläubigen beschlossen zwei Kirchen zu errichten.[10]

Evangelische St.-Bartholomäus-Kirche
Hauptartikel: Evangelische Bartholomäuskirche
Evangelische Kirche St. Bartholomäus

Auf dem Gelände der alten Kirche errichteten die evangelischen Bewohner 1780 ihr Gotteshaus als typisch evangelische Kirche im Markgrafenstil.[11] Ihre übereinander gestaffelten Bestandteile Altar, Kanzel Orgel sind für diesen Baustil charakteristisch.

Katholische St.-Bartholomäus-Kirche
Hauptartikel: Katholische Bartholomäuskirche
Katholische Kirche St. Bartholomäus

Die katholische Kirche Rödelsees entstand einige Jahre nach der evangelischen im Jahr 1783. Ein dreigeschossiger Fassadenturm gliedert das Gotteshaus. Der Patron Bartholomäus steht in einer Nische des Turmes. Das Innere weist einen Altar und mehrere Heiligenfiguren auf.

Baudenkmäler
Hauptartikel: Liste der Baudenkmäler in Rödelsee
Sport

Überregional bekannt ist der TSV Rödelsee, dessen Männer-Handballmannschaft 2013 in die 3. Liga aufgestiegen ist.

Regelmäßige Veranstaltungen
Rödelseer Frühling, letztes Wochenende im April
Schwandertag, besonderer Wandertag am 1. Mai
Schlossschoppenfest, dritter Sonntag im Juni
Weinfest, erstes Wochenende im Juli
Kirchweih, erster Sonntag im September
Erntedank-Markt, erster Sonntag im Oktober
Christkindles Werkstätten, letztes Wochenende im November
Politik
Wappen

Blasonierung: In Rot ein links gewendeter Schwan, darunter links eine goldene Traube mit goldenem Weinblatt

Wappengeschichte

Die Gemeinde führt erst seit 1969 ein Wappen. Es nimmt Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten. Der Weinanbau in der Gemeinde ist weit über das Gemeindegebiet hinaus bekannt. Für ihn steht die goldene Traube im Wappen. Auch der silberne Schwan ist ein Hinweis auf den Weinbau. Er weist auf die weit bekannte Weinlage Schwanleite und auf den Schwanberg mit dem vom Hochstift Würzburg errichteten Schwanbergschloss hin. Vom Schloss sind heute nur noch die Wohngebäude erhalten. Die Farben Silber und Rot sind die Farben Frankens und des Hochstifts Würzburg.

Das Wappen wurde vom Innenministerium am 11. August 1969 verliehen.

Literatur
Friedrich Amberger, Fritz Ortner: Gemeinde Rödelsee: Rödelsee Fröhstockheim Schloss Schwanberg einst und heute in Wort und Bild. Hrsg.: Gemeinde Rödelsee. Druckhaus Goldammer, Scheinfeld 1987. 
Jesko Graf zu Dohna (Hrsg.): Auf den Spuren der Grafen zu Castell. Vier Türme GmbH, Benedict Press, Münsterschwarzach 2004. 
Gemeinde Rödelsee (Hrsg.): Schwanberg Rödelsee Fröhstockheim … die gastliche Winzergemeinde im fränkischen Weinland. 2009. 
Weblinks
 Commons: Rödelsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Seite der Gemeinde Rödelsee
Seite bei der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen
Eintrag zum Wappen von Rödelsee in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Rödelsee: Amtliche Statistik des LfStat