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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Rosdorf nicht vorenthalten.

Geschichte
Vor- und Frühgeschichte
Ausgrabungsfläche der bandkeramischen Siedlung auf dem Mühlengrund mit rekonstruiertem Hausgrundriss, 2016

Der Ort Rosdorf zählt mit einer seit der Jungsteinzeit kontinuierlichen Besiedlung zu den ältesten Ansiedlungen im Landkreis Göttingen. Ackerbau und pflanzliche Ernährung im südöstlichen Niedersachsen können anhand der Ausgrabung der bandkeramischen Siedlung auf dem Mühlengrund analysiert werden. Die Ergebnisse der zwischen 1963 und 1970 großflächig ausgegrabenen Siedlung Rosdorf „Mühlengrund“ im Landkreis Göttingen sind für die Erforschung der Linienbandkeramik (5500–5000 v. Chr.) von überregionaler Bedeutung. Es handelt sich um die bisher größte archäologisch untersuchte Siedlung im nördlichen Randbereich des Verbreitungsgebietes der bandkeramischen Kulturen in Mitteleuropa. 2016 kam es aufgrund von Bautätigkeiten zu erneuten Ausgrabungen. Fruchtbarer Boden sowie die Lage am Leinefluss und den wasserreichen Bächen Rase und Beeke begünstigten den Aufstieg.

Mittelalter

Schon seit dem späten Mittelalter sind hier mehrere Mühlen bezeugt. Im 18. Jahrhundert markieren Getreide-, Walke-, Öl- und Schleifmühlen den Beginn der industriellen Entwicklung.

1144 ist bei Rosdorf eine Gerichtsstätte mit dem Namen „Scrannen“ belegt: dorthin („ad locum qui ab incolis Scrannen nuncupatur, iuxta Rostorp“) begab sich in diesem Jahr der Erzbischof von Mainz, um die zuvor in Heiligenstadt vollzogene Belehnung der Brüder Heinrich und Hermann II. von Winzenburg mit dem Erbe des verstorbenen Siegfried IV. von Boyneburg feierlich zu bestätigen.[2]

Während des ganzen Mittelalters hatten neben Klöstern wie Hilwartshausen, Mariengarten und Walkenried verschiedene Grundherren der Umgebung ausgedehnten Besitz in Rosdorf, der für sie von den Dorfbewohnern bewirtschaftet wurde. Dazu gehörten die Herren von Rosdorf, die dort bis 1252 auf ihrer Stammburg saßen. Nachdem sie Moringen und Hardegsen erworben hatten, bewohnten Burgmänner die Burg, die 1319 zerstört und geschleift wurde. Anschließend zwang die Stadt Göttingen auch die anderen adligen Familien, so die von Roringen, von Bovenden etc. ihre burgähnlichen Wohnsitze in Rosdorf aufzugeben oder abzureißen.

Nachdem durch Erbteilung, Verkauf und Mitgift für zahlreiche Töchter der Grundbesitz der Herren von Rosdorf abgenommen hatte und seit 1221 überwiegend vom Kloster Walkenried und der Stadt Göttingen aufgekauft worden war, wurde 1384 durch Hermann III. von Rosdorf der letzte Verkauf an das Kloster Walkenried getätigt.

Zugang zum jüdischen Friedhof am Fuß des Wartberges

Zwischen dem 1380 und 1400 Jahrhundert wurde die Rosdorfer Warte erbaut. Sie gehörte nicht dem Landwehrzug der Stadt Göttingen an. Seit dem 15. Jahrhundert vermehrte vor allem die Stadt Göttingen hier ihren Grundbesitz, weshalb Rosdorf zu den sogenannten Stadtdörfern gerechnet wurde. Erst 1970 verkaufte die Stadt ihren letzten Besitz im Ort, den 1894 zum Rittergut erhobenen Stipendienhof.

Vom Dreißigjährigen Krieg, vom Siebenjährigen Krieg sowie von den Napoleonischen Kriegen war der Ort mehrfach hart betroffen. 1667 vernichtete ein Großfeuer mehr als 26 Höfe, am 1. April 1800 wurde ein Teil des Ortskerns durch eine Rase-Überschwemmung weggespült. So ist es nicht verwunderlich, dass heute die Mehrzahl der Fachwerkhäuser aus dem 19. Jahrhundert stammt.

20. Jahrhundert

Im Zweiten Weltkrieg fielen am 27. September 1944 Bomben auf Rosdorf, dabei entstanden 103 Bombentrichter. Drei Menschen wurden verletzt und 25 Gebäude beschädigt[3].

Eine gute Infrastruktur und die unmittelbare Nähe zur Universitätsstadt Göttingen ließen in den letzten Jahrzehnten den Ort nicht nur als Wohnsitz, sondern auch für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben attraktiv werden. So sind nördlich sowie südlich des Ortskerns umfangreiche Neubaugebiete entstanden, weitere Ansiedlungen am Westrand sind geplant. An die Wohngebiete schließt sich ein Gürtel von kleineren Unternehmen und Betrieben. Der ehemals von der Landwirtschaft geprägte Ort steht im Begriff, sich zu einer von Handel und Gewerbe bestimmten quasistädtischen Kommune zu wandeln.

Um der Nachfrage nach Altenheimplätzen in Rosdorf gerecht zu werden, wurde im Jahr 1999 das Altenhilfezentrum Johannishof am Kampweg eröffnet. Vorausgegangen war eine seit 1989 von der St. Johannis-Kirchengemeinde geführte Initiative. Geführt wird der Johannishof vom Diakonischen Werk St. Johannis Rosdorf.

Seit Juni 2007 befindet sich in Rosdorf die Justizvollzugsanstalt Rosdorf als zentrale Einrichtung mehrerer Justizvollzugseinrichtungen in Südniedersachsen[4]. In Rosdorf selbst befinden sich 308 Haftplätze und zusätzlich 10 Haftplätze der Sicherheitsstufe I für erwachsene Männer. Seit 24. Mai 2013 (Eröffnung durch Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz, Grüne) befindet sich auf dem Gelände der JVA Rosdorf das Niedersächsische Zentrum für Sicherungsverwahrung. Seitdem werden in Niedersachsen und Bremen die zu Sicherungsverwahrung Verurteilten zentral in Rosdorf untergebracht. Bei Bedarf ist auch eine Unterbringung von Verurteilten aus den anderen norddeutschen Bundesländern (Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) möglich und vorgesehen.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Atzenhausen, Dahlenrode, Dramfeld, Klein Wiershausen, Lemshausen, Mengershausen, Obernjesa, Settmarshausen, Sieboldshausen und Volkerode eingegliedert.[5]

Name

Die erste schriftliche Erwähnung Rosdorfs als Rasthorp ist aus dem Jahr 1004 überliefert. Der vordere Vokal wechselt in den Erwähnungen zwischen -a- und -o-, wobei -o- seit dem 12. Jahrhundert überwiegt und auch im Flussnamen vorkommt. Der Flussname wechselt gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu der heutigen Form Rase. Das vordere Bestimmungselement beider zusammengesetzter Namen geht letztlich, wie das heutige deutsche Wort Rohr, auf die germanische Wurzel *rauza der Bedeutung ‚(Schilf)rohr‘ zurück,[6] die in ähnlichem Lautstand im französischen Wort gleicher Bedeutung roseau fortlebt.[7] Das nachstehende Grundwort beim Ort geht auf das germanische Wort þorpa für ‚Dorf, Gehöft‘ zurück, das im Altsächsischen als thorp auftritt.[8] Für den Ortsnamen Rosdorf, der sich auf eine Ursprungsform *Raus-thorp zurückführen lässt, ergibt sich also etwa die Bedeutung ‚Schilfdorf‘, für den Gewässernamen Rase ‚Schilfrohrbach, -wasser‘.[9]

Politik

Mitte der 1960er-Jahre begannen in Niedersachsen Planungen für die Schaffung größerer Verwaltungseinheiten auf dem Lande. Im Rosdorfer Gemeinderat hatte man sich seit 1968 für die Bildung einer Einheitsgemeinde und gegen den Anschluss an Göttingen ausgesprochen. Am 1. Januar 1973 wurde per Landesgesetz die Einheitsgemeinde Rosdorf geschaffen, zu der neben Rosdorf zehn weitere vormals selbstständige Gemeinden gehören.
Dem Ortsteil Rosdorf steht seit 1973 ebenso wie den anderen Ortsteilen mit mehr als 400 Einwohnern die Wahl eines Ortsrates zu, an dessen Spitze der im Rat gewählte Ortsbürgermeister steht. In den kleineren Ortsteilen war jeweils ein Ortsvorsteher aktiv. Mit dem „Gesetz zur Reform des niedersächsischen Kommunalverfassungsrechtes vom 1. April 1996“ ist die Bildung eines Ortsrates auch in Ortsteilen mit weniger als 400 Einwohnern möglich, sodass seitdem in sämtlichen Ortsteilen der Gemeinde Ortsräte bestehen, an deren Spitze Ortsbürgermeister stehen.

Von 1973 bis 1985 stand Hans Morgenstern (SPD) als Gemeindedirektor der Gemeinde Rosdorf vor, von 1985 bis 1997 Hans-Hermann Küllmer (SPD).
1996 wurde in Niedersachsen die Zweigleisigkeit zugunsten der Eingleisigkeit abgeschafft.
Von 1997 bis 2014 bekleidete Harald Grahovac (SPD) das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters.
Seit dem 1. November 2014 steht Sören Steinberg (SPD) der Gemeinde Rosdorf als hauptamtlicher Bürgermeister vor.

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2016[10]
Wahlbeteiligung: 55,99 % (2006: 50,94 %)

 %50403020100

43,09 %25,64 %9,52 %4,38 %2,76 %1,59 %13,01 %

SPDCDUGrüneLinkeFDPBLSGuT
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2011
 %p 14 12 10   8   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10

-1,76 %p
-8,74 %p-7,84 %p+0,96 %p+2,76 %p+1,59 %p+13,01 %p
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Der Gemeinderat setzt sich aus 29 Ratsfrauen und Ratsherren, einschließlich des Bürgermeisters, zusammen.[11]

SPD: 12 Sitze
CDU: 7 Sitze
Grüne: 3 Sitze
Linke: 1 Sitz
FDP: 1 Sitz
Gemeinsam und Transparent für die Gemeinde Rosdorf: 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2016)

Bürgermeister

Zum neuen Bürgermeister der Gemeinde wurde im Mai 2014 Sören Steinberg (SPD) gewählt, seine Stellvertreter sind Jörg Winter (CDU) und Azad Onal (Linke).[11] Vorgänger Harald Grahovac (SPD) hatte das Amt 18 Jahre bekleidet.
[12] Sören Steinberg war zuvor Büroleiter von Thomas Oppermann.

Ortsrat

Ortsratswahl 2016[10]
Wahlbeteiligung: 50,00

 %403020100

38,65 %20,09 %13,12 %4,83 %3,51 %19,81 %

SPDCDUGrüneLinkeFDPGuTVorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu langVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Fehler in der Farbeingabe – Dunkel

Neben dem Gemeinderat der für alle Ortsteile Rosdorfs zuständig ist, besitzt der gleichnamige Ortsteil einen Ortsrat, der sich aus neun Ratsfrauen und Ratsherren zusammensetzt.[13]

SPD: 4 Sitze
CDU: 2 Sitze
Grüne: 1 Sitze
Gemeinsam und Transparent für Rosdorf: 2 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2016)

Ortsbürgermeister

Ortsbürgermeister ist Bernd Schütze (SPD), sein Stellvertreter ist Christian Baethe (CDU).[13]

Feuerwehr

Die Gemeinde Rosdorf unterhält entsprechend dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz eine Freiwillige Feuerwehr.
Diese gliedert sich in acht Ortsfeuerwehren, die in den Ortschaften Atzenhausen, Dramfeld, Lemshausen, Mengershausen, Obernjesa, Rosdorf, Settmarshausen, Sieboldshausen und Volkerode (Löschgruppe – Mengershausen angegliedert) vertreten sind.[14]

Wappen der Gemeinde
Gemeindewappen

Die Blasonierung lautet:
In Blau über einem gesenkten silbernen Wellenbalken ein beiderseits und oben mit 10 silbernen Kleeblättern umgebener goldener Mittelschild, belegt mit einem blauen Herzschild, darin zwei aufrechte und abgewandte goldene Holzschlüssel.[15]

Begründung:
In den Mittelschild sind aus dem früheren Gemeindewappen die beiden nach außen gekehrten Schlüssel der Herren von Rosdorf übernommen worden. Die ihn umrahmenden zehn Kleeblätter symbolisieren die hinzugekommenen Ortschaften, die nun mit dem Hauptort eine neue Verwaltungseinheit bilden. Der Wellenbalken weist auf die das Gemeindegebiet durchfließende Leine und ihre westlichen Zuflüsse hin.[15]

Wappen der Ortschaft
Ortswappen

Die Blasonierung lautet:
Im blauen Schild zwei silberne (weiße) Holzschlüssel mit runden Griffen, die Bärte nach außen gekehrt, im silbernen (weißen) Schildfuß ein blaues Wellenband.[16]

Begründung:
Die Schlüssel stammen aus dem Wappen der Edelherren von Rosdorf. Das Wellenband versinnbildlicht die Rase, die in der Nähe Rosdorfs einer starken Quelle entspringt und den Ort durcheilt.[16]

Städtepartnerschaft
Hinweis auf Rosdorf in der Partnerstadt Zubří

Seit 1993 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen der Gemeinde Rosdorf und der Stadt Zubří in der Tschechischen Republik.[17] Für diese lebendige Partnerschaft zeichnete der Europarat die Gemeinde Rosdorf im Jahr 2004 mit dem Europadiplom aus.
[18] Inzwischen erhielten die Gemeinde Rosdorf und die Stadt Zubří auch die Ehrenfahne des Europarates.
[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
St. Johanniskirche

Die baulichen Anfänge der im Zentrum des Ortes gelegenen St. Johanniskirche reichen in die romanische Epoche zurück. 1699 erhielt der Turm sein heutiges Aussehen, das gotische Kirchenschiff wurde um 1725 barockisiert. Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltete der hannoversche Hofmaler Carl Oesterley senior das Kircheninnere neoromanisch (im „byzantinischen Stil“) um. Von ihm stammt auch das bemerkenswerte Altarbild, das Bezüge sowohl zu einem aktuellen Ereignis der Rosdorfer Ortsgeschichte als auch zum Thronwechsel am hannoverschen Königshof enthält. Die kürzlich rekonstruierte Orgel des bekannten Göttinger Orgelbaumeisters Giesecke erklingt nicht nur zu den Gottesdiensten, sondern auch bei kirchlichen Konzertveranstaltungen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Das Freibad in der Gemeinde Rosdorf hat verschiedene zusätzliche Sportanlagen.

Verkehr

Bahnübergang Bahnhofstraße

Verkehrskreisel Nord

Verkehrskreisel Süd

Über das Gebiet von Rosdorf verläuft die Bundesautobahn 7. Im Bereich der Raststätte „Göttingen“, die in Wirklichkeit bei Mengershausen liegt, besteht eine Behelfsauffahrt. Der Ausbau zu einer vollwertigen Anschlussstelle ist geplant, jedoch sind die Einzelheiten heftig umstritten. Bei Dramfeld liegt das Dreieck Drammetal, an dem die Bundesautobahn 38 auf die A 7 trifft. An der A 38 liegt auch eine Anschlussstelle „Dramfeld“.

Durch den Kernort Rosdorf verläuft die Bahnstrecke Bebra–Göttingen, ein Teil der alten Nord-Süd-Strecke der Bundesbahn. Die Bahnhöfe in Rosdorf und Obernjesa werden aber nicht mehr mit Personenzügen bedient.

Auch die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg schneidet im Nordwesten das Gemeindegebiet.

Bildung
Schulen: Heinrich-Grupe-Schule (Grundschule in Rosdorf), Grundschule im Drammetal (Grundschule in Dramfeld)
Ehemalige Schulen: Anne-Frank-Hauptschule Rosdorf (bis 2013)
Söhne und Töchter der Gemeinde
Georg Gotthilf Evers (1837–1916), lutherischer Theologe, Konvertit zum Katholizismus, Buchautor und Botaniker
Friedrich Bohl (* 1945), Politiker (CDU), ehemaliger Bundesminister
Literatur
Günther Meinhardt: Chronik der Gemeinde Rosdorf und ihrer Ortschaften, Bd. 1., Von den Anfängen bis 1933, Gudensberg-Gleichen, Wartberg-Verl., 1988, ISBN 3-925277-14-5
Klaus Groth: Chronik der Gemeinde Rosdorf und ihrer Ortschaften, Bd. 2., Von 1933 bis zur Gegenwart, Gudensberg-Gleichen, Wartberg-Verl., 1988, ISBN 3-925277-30-7
Weblinks
 Commons: Rosdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Seite der Gemeinde Rosdorf
Chronik Atzenhausen auf der privaten Projektseite von Ulrich Ulonska