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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Rülzheim nicht vorenthalten.

Geschichte
Ehemalige Synagoge

Die Gegend von Rülzheim ist bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt und liegt an einem alten Nord-Süd-Verkehrsweg auf dem (überschwemmungssicheren) linken Rhein-Hochufer. Auch aus der Römerzeit lassen sich an der ebenfalls dort entstandenen Römerstraße Siedlungsspuren nachweisen, die auch eine Verbindung zur nahegelegenen, bedeutenden Terra-Sigillata-Industrie in Rheinzabern (Tabernae) herstellen. 2014 erregte ein spätantiker Hortfund (siehe Hortfund von Rülzheim) öffentliche Aufmerksamkeit, da er von einem Raubgräber unter dem Druck von Ermittlungen der Denkmalpflege übergeben wurde.[2] Die illegalen Raubgrabungen haben wertvolle Informationen zu dem Schatz vernichtet. Zudem bleibt unklar, ob Stücke des Schatzes bereits verkauft wurden (vergl. Antikenhehlerei). Der Fund umfasst u. a. goldene Verzierungen eines herrschaftlichen Gewands, Silbergeschirr und Reste eines vergoldeten und versilberten Klappstuhls.[3]

Erstmals wurde der Ort Rülzheim im Jahre 774 als „Rotlehesheim“ im Lorscher Codex erwähnt.[4] Er kann zu den Orten gezählt werden, die bei der fränkischen Landnahme entstanden. Im Mittelalter kam Rülzheim zum Gebiet des Bistums Speyer, die „Besitzer“ waren die Ritter des Deutschen Ordens. Nach dem pfälzischen Erbfolgekrieg kam der Ort als Teil des Elsass zu Frankreich und bildete die nördlichste Grenzsiedelung. Im Jahre 1816 kam er zum bayerischen Rheinkreis. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die ehemals stark landwirtschaftlich geprägte Gemeinde (vor allem Anbau von Tabak und Zuckerrüben) einen starken wirtschaftlichen Aufschwung durch Ansiedlungen von Betrieben der Fertigungs- und der Dienstleistungsbranche.

Einwohnerentwicklung

Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.[5]

Jahr Einwohner
[6]1802 1.752
1815 2.225
1835 2.533
[6]1849 3.007
[6]1861 2.939
[7]1871 2.898
1905 3.370
Jahr Einwohner
1939 3.823
1950 4.172
1965 5.235
1970 5.338
1975 5.734
1980 6.033
1985 6.569
Jahr Einwohner
1990 7.162
1995 7.670
2000 8.018
2005 7.801
2010 7.815
2013 7.773
2015 7.833

Religion

Im Februar 2015 waren 56,3 Prozent der Einwohner katholisch und 18,2 Prozent evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[8]

Im Jahr 1871 waren von insgesamt 2898 Einwohnern 86 Prozent katholisch, 14 Prozent jüdisch und 9 Personen (0,3 Prozent) evangelisch.[7]

Politik
Gemeinderat

Der Gemeinderat in Rülzheim besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[9]

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP Aktive FWG Gesamt
2014 2 9 1 10 2 24 Sitze
2009 2 10 10 2 24 Sitze
2004 2 12 1 8 1 24 Sitze

Aktive = Aktive Bürger e. V.
FWG = Freie Wähler Gruppe Rülzheim e. V.
Bürgermeister

Der Ortsbürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt.

Bei der Wahl am 25. Mai 2014 wurde der seit 2006 amtierende Reiner Hör (Aktive Bürger) mit 74,2 Prozent Zustimmung wiedergewählt. Von 2006 bis 2014 war Hör in Personalunion auch Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rülzheim.

Wappen

Blasonierung: „In Rot auf bogigem grasbedecktem grünem Grund ein golden gepanzerter Ritter mit offenem Helmvisier auf goldbewehrtem silbernem Ross mit goldenem Zaumzeug, in der Rechten eine mit einem goldenen Tatzenkreuz besteckte goldene Stange haltend.“
Wappenbegründung: Das 1842 genehmigte Wappen beruht auf dem alten Ortssiegel mit der Inschrift „Der Rilzheimer Gerichtsinsigil Anno 1721“. Der Ritter des Motivs ist der Kirchenpatron St. Mauritius, der üblicherweise mit der Kreuzfahne dargestellt wird. Auf dem Wappen steckt das Kreuz auf einer Stange, die wahrscheinlich eine Lanze darstellt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Katholische Pfarrkirche St. Mauritius
Ehemaliges Bahnhofsgebäude mit Turm
Protestantische Christuskirche in der Hoppelgasse
Renoviertes Freizeithaus „Dampfnudel“
Bauwerke
Ehemalige Synagoge, erbaut in den Jahren 1832/33 vom Architekten August von Voit; heute „Centrum für Kunst und Kultur“.
Pfarrkirche St. Mauritius (Lage)49.1566828.288203 der katholischen Kirchengemeinde in der Ortsmitte. Der älteste Teil der Kirche ist der auf spätgotischem Unterbau errichtete Westturm aus dem Jahr 1498. Das heutige Langhaus wurde 1767 erbaut und später erweitert.
Dieterskirchel an der Rheinzaberner Straße. Kirchlein, an dessen Stelle der Heilige Diethardt im Jahre 670 den Tod fand. Der Bau stammt aus dem Jahr 1957 und erinnert an die Wallfahrtskirche von Ronchamp.
Christuskirche (Lage)49.1527318.290129 der Protestantischen Kirchengemeinde Rülzheim. Der schlichte Kirchenbau ohne Glockenturm wurde im Jahr 1968 eröffnet.
Jüdischer Friedhof außerhalb des Ortes an der Straße nach Herxheimweyher. Auf dem knapp 49 Ar großen Friedhof, der 1826 angelegt wurde, sind noch etwa 420 Grabsteine vorhanden.
Ehemaliges Schlachthaus (Lage)49.1598398.295161 der jüdischen Gemeinde Rülzheim aus dem Jahr 1843 in der Bachgasse
Ehemaliges Bahnhofsgebäude (Lage)49.1594678.287607, ein historistischer Ziegelbau mit großem dreigeschossigen Turm, der ursprünglich als Uhrturm diente. Es ist geprägt von spätklassizistischen und Neorenaissanceelementen.
Freizeithaus „Dampfnudel“ (Lage)49.1505948.272024 aus dem Jahr 1974, das ursprünglich als Freilufthalle mit besonderer Luftkissenüberdachung von der Firma Krupp aus Essen entwickelt wurde. Aufgrund der Ähnlichkeit zur traditionellen pfälzischen Mehlspeise, wurde das Freizeithaus mit der weit sichtbaren weißen Kuppel, mit einem Außendurchmesser von 36 Metern, regional als „Dampfnudel“ bekannt. Vom Frühjahr 2010 bis Herbst 2011 wurde das Gebäude renoviert und das Luftkissendach durch eine starre Konstruktion ersetzt.
Einige Tabaktrockenschuppen (Lage)49.1629438.282876 erinnern an den Tabakanbau des 19. und 20. Jahrhunderts in Rülzheim und Umgebung. Rülzheim ist Namensgeber des sogenannten Rülzheimer Schuppens, das ist ein langer, etwa drei bis vier Meter hoher Holzschuppen mit einem flachen Satteldach. Dieser Schuppentyp kam in den 1970er Jahren auf; ältere Schuppen waren meist kürzer, aber deutlich höher.[10] Einige Exemplare des Rülzheimer Schuppens haben sich rund 300 m nördlich des Bahnhofs erhalten.
Freizeiteinrichtungen

Rülzheim verfügte über ein Freizeitbad namens „Moby Dick“, das 2002 vollständig renoviert, aber im Dezember 2011 geschlossen wurde.[11]
Dazu gehörten unter anderem Sauna, große Wendelrutsche und ein beheiztes Außenbecken mit einer Rutsche. Daneben befinden sich eine Veranstaltungshalle, ein Campingplatz, eine Tennisanlage, die 2007 eröffnete Straußenfarm „Mhou“, ein Streichelzoo, ein Badesee sowie ein Vereinshüttendorf. Seit Oktober 2015 ist in Rülzheim am alten Festwiesengelände eine „Alla-Hopp“-Anlage entstanden. Die Bewegungs- und Spielanlage für jedermann wurde von der Dietmar-Hopp-Stiftung finanziert. Am Waldrand an der Rheinzaberner Straße liegt das Rülzheimer Peter-Becht-Stadion. Durch den Gemeindewald führen etliche ausgewiesene Nordic-Walking-Strecken.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Seit Dezember 2010 fährt die Stadtbahn Karlsruhe mit den Stadtbahnlinien S51 und S52 über Rülzheim. Der Ort selbst besitzt mit Rülzheim Bahnhof und Rülzheim Freizeitzentrum zwei Haltepunkte an der Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth. Ersterer ersetzt seit Ende Dezember 2010 den ca. 250 Meter südwestlich gelegenen ehemaligen Bahnhof. Beide Haltepunkte liegen sowohl im Verbundgebiet des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) als auch in dem des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN).

Am östlichen Ortsrand verläuft die autobahnähnlich ausgebaute B 9. Rülzheim ist mit zwei Anschlüssen Rülzheim Nord und Rülzheim Süd an die Schnellstraße angebunden. Die A 65 befindet sich zirka neun Kilometer westlich von Rülzheim und ist über die L 493 zu erreichen. Die nächstgelegene Anschlussstelle ist Rohrbach.

Behörden

Als Sitz der Verbandsgemeinde beherbergt Rülzheim auch deren Verwaltung. Zu der Verbandsgemeinde gehören außer Rülzheim Hördt, Kuhardt und Leimersheim.

Bildung

In Rülzheim befinden sich neben drei Kindergärten eine Grundschule und die Integrierte Gesamtschule Rülzheim, die ab Herbst 2015 eine gymnasiale Oberstufe eingeführt hat.[12] Außerdem verfügt der Ort über eine katholische öffentliche Bücherei.

Energie

Rülzheim verfügt über eigene Gemeindewerke, die als Energieversorgungsunternehmen die Netzgebiete Rülzheim und Hördt abdecken. Außerdem gibt es in Rülzheim eine Fernwärmeversorgung mit eigenen Blockheizkraftwerken, die als Modellprojekt der Bundesrepublik Deutschland vom damaligen Bürgermeister Helmut Braun, der vorher als Oberingenieur bei ABB gearbeitet hat, konzipiert und umgesetzt wurde.

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Karl Werner Geeck (* 1941), einziger lebender Ehrenbürger Rülzheims, ehemaliger Schulleiter der RGS Rülzheim und Schriftsteller
Helmut Braun (1928–1994), 25 Jahre Verbandsbürgermeister und Bürgermeister, ehemaliger Oberingenieur von ABB und mehrfacher Patentbesitzer
Söhne und Töchter der Gemeinde
Otto Huber MFSC (1871–1954), Comboni-Missionar und Missionspionier in Nordafrika
Adolf Wolff (1910–1998), Tierarzt
Udo Bentz (* 1967), katholischer Geistlicher, Weihbischof und Generalvikar in Mainz
Personen, die vor Ort gewirkt haben
Dieterskirchel bei Rülzheim
Gunter Arentzen (* 1972), Schriftsteller, lebte zeitweise in Rülzheim
Joseph Alois Bach (1838–1912), päpstlicher Offizier, Komtur des Piusordens und kaiserlich-deutscher Rechnungsrat, wuchs in Rülzheim auf.
Fritz Brechtel (* 1955), Landrat für den Landkreis Germersheim, saß zeitweise im Ortsgemeinderat
Patrick Brechtel (* 1983), spielte zeitweise beim örtlichen Fußballverein
Werner Brand (* 1933), Maler und Grafiker, lebte in Rülzheim
Carl von Hannig (gefallen am 17. Mai 1793 bei Rülzheim), k.k. Rittmeister im Dragonerregiment Modena
Andreas Helmling (* 1959), Bildhauer und Designer mehrerer Skulpturen in Rülzheim (1994–2006)
Thomas Hengen (* 1974), Fußballspieler, begann seine Karriere beim SV Rülzheim
Theodard von Maastricht (erschlagen am 10. September 670 am Dieterskirchel in Rülzheim)
Hans-Joachim Ritter (* 1949), Politiker (ödp), ödp-Bundesvorsitzender von 1989 bis 1993, Vorsitzender der Stiftung für Ökologie und Demokratie, wohnt in Rülzheim
Alfons Schmidt (1904–2000), Pädagoge und Restaurator, war Lehrer in Rülzheim
Siehe auch
Liste der Kulturdenkmäler in Rülzheim
Liste der Naturdenkmale in Rülzheim
Weblinks
 Commons: Rülzheim – Sammlung von Bildern
Ortsgemeinde Rülzheim
Gemeindewerke Rülzheim