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Geschichte

Der Name Salzbergen (alt: Saltesberch, Saltesberg) wird vom hier abgebauten Salzvorkommen abgeleitet. 1172 wird ein Edelhof in Salzbergen erwähnt. Die Brüder Wiebold (1171–1193) und Theodorich (1171–1215) machten eine Schenkung, was der Bischof Ludwig von Münster besiegelte: … duobus fratribus, de Saltesberch, Theodorico et Wibaldo. 1177 bestätigte Bischof Hermann II. von Münster förmlich eine Schenkung des Edlen Sigvin und seiner Gattin Bartradis an die Domkirche zu Münster. Darin heißt es: In Salzbergen hat Rabodo ein Erbe zu Lehen. Die Familie scheint spätestens 1254 ausgestorben zu sein, da sie nach dieser Zeit nicht mehr erwähnt wird. Die Burganlage soll auf Lempkers Kämpe gestanden haben.

Seit dem 13. Jahrhundert gehörte Salzbergen zum Oberstift Münster. Im Gegensatz zum übrigen Oberstift fiel es nach dem Wiener Kongress nicht an Preußen, sondern an Hannover. Dort gehörte es zum Amt Lingen, nach der preußischen Annexion Hannovers zum Landkreis Lingen. 1977 wurde der Landkreis Lingen aufgelöst und Salzbergen wurde eine Gemeinde des Landkreises Emsland.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Dorf Salzbergen mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe. Grund waren die Erdölraffinerie sowie der Eisenbahnknotenpunkt. Kurz vor Ende des Krieges erfolgte am 6. März 1945 um die Mittagszeit der verheerendste Angriff, bei dem in knapp 20 Minuten ca. 4.000 Bomben von mehreren hundert Bombern abgeworfen wurden. Die Raffinerie und das Dorf wurden dabei zerstört. Er gab 40 Tote, darunter viele Kinder.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren das Sägewerk und die Milchwirtschaft die wichtigsten Erwerbsmöglichkeiten im Ort. 1954 eröffnete ein großer landwirtschaftlicher Versuchsbetrieb, in dem der Anbau und die Lagerung von Futtermitteln erprobt und verbessert wurden. In den frühen 1970er Jahren siedelten sich einige Elektrotechnik- und Förderanlagenbetriebe an und leiteten einen beginnenden Strukturwandel ein, der nach Schließung des landwirtschaftlichen Versuchsbetriebs 1976 und mit der Rationalisierung der Landwirtschaft die wegfallenden landwirtschaftlichen Arbeitsplätze kompensierte. Nach Schließung des Versuchsbetriebs wurden zudem einige kleine Familienbetriebe aus der Ortsmitte in die einstige Versuchsanlage umgesiedelt, so dass ab 1981 eine Umgestaltung der Ortsmitte beginnen konnte, in deren Verlauf die heute noch genutzten Dienstleistungs- und Gewerbezentren entstanden.

Namensherleitung der Ortsteile
Holsten
Das Bestimmungswort hol steht für Holz, vgl. niederdeutsch holt; das Grundwort sete bedeutet fester Wohnsitz, Siedlung. Zusammen: Sitz im Gehölz. Sete kam vor 1000 nicht vor und trat nur im südlichen Teil des Emslandes auf. Das lässt nach Hermann Abels auf einen jüngeren Ort mit rein sächsischem Ursprung schließen, da die Sachsen erst zu diesem Zeitpunkt im Emsland voll sesshaft geworden sein sollen.
Bexten
Ehemals Feilbexten (alt: Falbeki = fahler, gelber Bach) wurde als Teil des Venkigaus bereits um 890 im Werdener Urbar erwähnt. Athalgrim in Falbeki zahlte an das Kloster Werden 18 Scheffel Korn, den Heerschilling und 16 Denare.
Hummeldorf
(alt: Humilathorpe). Das Bestimmungswort humil bedeutet mager, dürr; das Grundwort thorpe, torpe steht für Dorf. Zusammen: Dorf mit magerem Boden. Hummeldorf wurde ebenfalls 890 im Werdener Heberegister als Teil des Venkigaus erwähnt. Der Ort grenzt an Bentlage. Auf dem Hof Barwick wurde früher das Salzberger Holzgericht, das dem Bischof von Münster gehörte, durch den Amtmann von Rheine abgehalten.
Steide
Um 1300 erwähnt. Die Herkunft des Namens ist unsicher.
Stovern
ist ein altes Rittergut, um 1230 wurde ein Arnold von Stovern genannt. Etwa seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Familie von Twickel.
Eingemeindungen

Am 19. August 1965 erfolgte die Gründung der Samtgemeinde Salzbergen mit den Gemeinden Hummeldorf, Salzbergen, Steide und Stovern. Am 1. März 1974 wurde im Zuge der Gemeindereform die Einheitsgemeinde Salzbergen aus den Gemeinden Salzbergen, Holsten, Hummeldorf und Steide und aus Teilen der Gemeinde Bexten-Listrup, Ahlde und Mehringen gebildet.[2][3]

Einwohnerentwicklung

Die Gemeinde hat heute über 7.850 Einwohner auf einer Fläche von 5.330 ha, davon ca. 1.400 ha Wald und ca. 2.638 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Mehrere Neubaugebiete wurden seit den 1990er Jahren erschlossen. Weitere Baugebiete befinden sich im Ausbau und in der Planung.

Einwohner 1880 1900 1925 1933 1939 1950 1962 2012
Salzbergen 718 1.052 1.433 1.549 1.772 2.393 2.800 5.587
Hummeldorf 219 273 321 350 363 479 k.A. 261
Holsten 192 262 345 390 409 524 k.A. 1.537
Steide 343 425 443 425 409 524 k.A. 425

Politik
Gemeinderat

Der Rat der Gemeinde Salzbergen besteht aus 20 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 7001 und 8000 Einwohnern.[4] Die 20 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011 und endet am 31. Oktober 2016.

Stimmberechtigt im Gemeinderat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Andreas Kaiser von der CDU.

Nach den Ergebnissen der letzten Kommunalwahl vom 11. September 2011 ergab sich folgende Sitzverteilung im Gemeinderat:[5]

CDU: 15 Sitze
SPD: 5 Sitze
Bürgermeister

Bei der Bürgermeisterwahl am 11. September 2011 wurde Andreas Kaiser von der CDU mit 88,89 % als Bürgermeister in Salzbergen bestätigt. Er erhielt damit 17,41 % mehr Stimmen als bei seiner Wahl im Jahr 2004.[6]

Wappen

Das Wappen der Gemeinde Salzbergen zeigt auf rotem Grund einen silbernen und mit einem blauen Wellenbalken belegten Dreiberg, der auf das Salzvorkommen hinweist, darüber nebeneinander gestellt drei goldene Tropfen, die auf die örtliche Ölverarbeitung anspielen, und der blaue, geschwungene Balken versinnbildlicht die Ems, an der Salzbergen liegt.[7]

Flagge und Banner

Die Flagge der Gemeinde Salzbergen ist rot/weiß/rot im Verhältnis 1:3:1 waagerecht gestreift, in der Mitte belegt mit dem Gemeindewappen.[7] Das Banner der Gemeinde Salzbergen ist rot/weiß/rot im Verhältnis 1:3:1 senkrecht gestreift, in der Mitte der oberen Hälfte belegt mit dem Gemeindewappen.[7]

Partnergemeinde
Polen Krzanowice, seit Mai 2006
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kirche St. Cyriakus mit neuem Turm
Rückseite der Kirche St. Cyriakus
Museumslok, Ansicht von der Straßenseite
Museumslok
Museen

Das 1993 eröffnete Feuerwehrmuseum Salzbergen zeigt Feuerwehrexponate aus aller Welt. Der Feuerwehrmuseumsverein verfügt über eine Anzahl von Fahrzeugen, Handdruckspritzen, Geräten und Kleinteilen. Unter anderem sind Helme aus aller Welt, Kappen und Mützen, Uniformen, Ärmelabzeichen, Orden und Ehrenzeichen, Stahlrohre, Feuerlöscher, Atemschutzgeräte, alte Urkunden und Dokumente ausgestellt und zeigen die Geschichte des Feuerlöschwesens auf. Ein Höhepunkt ist eine Dampfdruckspritze aus dem Jahre 1901, die als einzige in Deutschland noch immer betrieben werden darf. Seit 2010 gehört das Feuerwehrmuseum zur Route der Industriekultur im Nordwesten.[8]

Musik
Musikverein Salzbergen
Kirchenchor St. Cyriakus
Kirchenchor St. Marien
Jugendchor Salzbergen
„MissKlang“ – Frauenchor Salzbergen
Bauwerke
Gut Stovern (2013)

Die neugotische katholische Kirche St. Cyriakus wurde in der jetzigen Form in den Jahren 1897–1903 erbaut. An derselben Stelle befand sich bereits eine Kirche, die für den Neubau abgerissen wurde. Im Jahre 2002 erhielt die Kirche ihren ursprünglichen Kirchturm zurück, der im Zweiten Weltkrieg wegen der Nähe zur Fliegerkaserne Bentlage (wegen der Einflugschneise) abgetragen wurde. Sehenswert ist die „Klünsche“ Madonna, ein Gnadenbild in der Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert.

Das emsländische Heuerhaus aus dem Jahre 1729 gehörte zur Hofstelle des Bauern Lölver aus Holsten und steht nach dem Aufbau durch den Heimatverein seit dem Jahre 1983 in der Nähe des Kolping-Bildungshauses in Salzbergen. Das Zweiständer-Hallenhaus in Form eines Niedersachsenhauses beheimatet Wohnbereich, Diele und Stallungen in einem einzigen Raum. Mittelpunkt des Hauses ist die offene Feuerstelle.

Das Rittergut Gut Stovern wurde erstmals um 1230 erwähnt und ist herrlich gelegen inmitten des Stoverner Waldes. Auf dem Gut befindet sich eine Kapelle, der schon Papst Benedikt XIV. Privilegien verliehen hat. Das Gebäude, das auch an zwei Tagen im Monat zur Besichtigung freigegeben ist, ist jetzt noch von drei Seiten von einem ca. fünf Meter breiten Wassergraben umgeben.

Weitere Sehenswürdigkeiten
Vor dem Bahnhof steht seit dem 9. September 1978 die letzte außerdienstgestellte Dampflok 043 196-5 der Deutschen Bundesbahn. Sie wurde 1942 bei Krupp in Essen gebaut und fuhr zuletzt 1977 auf der Strecke Emden–Rheine.
Etwa 50 Meter weiter steht ein Ein-Mann-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der in einem Wald in der Nähe gefunden und 2002 an seinem jetzigen Standort aufgestellt worden ist.
Im Bereich des Ortsteiles Holsten-Bexten am Brandeweg/Sandweg befinden sich bronzezeitliche Grabhügelfelder mit Wallanlagen.
Barocke Bildstöcke an der Emsstraße
Nepomukweg an der Ems
Das Grab von Franz Karl Berlage (Dompropst am Kölner Dom 1886–1917) auf dem Friedhof mit einer originalen Balustrade des Kölner Doms
Reste einer „Burg“ im Ärztehaus hinter der Pfarrkirche
Das Waldgebiet am Gut Stovern zeichnet sich durch bemerkenswerte botanische Vielfalt aus.
Naturschutzgebiet Keienvenn im Ortsteil Steide
Sport

Der dominante Sportverein des Ortes ist der SVA Salzbergen e. V. Er besitzt als Breitensportverein Abteilungen für Fußball, Turnen, Karate, Judo, Tischtennis, Volleyball, Rudern, Tanzen, Handball und Badminton. Ebenso besteht eine Inliner-Laufen-Walken Gruppe sowie die Möglichkeit das Sportabzeichen zu absolvieren.
Die erste Fußballseniorenmannschaft des Vereins spielt in der Kreisliga Emsland. In der Mannschaft spielen ausschließlich Spieler, die auch schon in den Jugendmannschaften des Vereins gespielt haben. Die zweite Herrenmannschaft, auch mit ausschließlich einheimischen Spielern, spielt eine Klasse tiefer in der 1. Kreisklasse. Die Volleyballdamen des Vereins spielen in der Landesliga.[9]

Der TC-Rot-Weiß-Salzbergen[10] hingegen ist auf dem Gebiet des Tennissports tätig.

Illuminiertes Fenster der St. Cyriakus-Kirche während des Lichterfestes 2013
Regelmäßige Veranstaltungen
Salz- und Ölmarkt (am dritten Wochenende im Juni)
Salzbergener Herbstkirmes (am zweiten Wochenende im Oktober)
Lichterfest (am Wochenende des 1. Advents)
Infrastruktur und Wirtschaft
Verkehr
Straßenverkehr

Salzbergen ist über die Landesstraße L 39 (ehemals B 65), die B 70, die A 30 Bad Oeynhausen–Niederlande und die A 31 Emden–Bottrop an das Fernstraßennetz angebunden.

Schienenverkehr

Der Bahnhof Salzbergen liegt an der Emslandstrecke (KBS 395), von der hier die Bahnstrecke nach Almelo (NL) (KBS 375) abzweigt. Er wird im Schienenpersonennahverkehr jeweils im Stundentakt vom RE 15 „Emsland-Express“ (Münster–Rheine–Lingen–Leer–Emden) und von der RB 61 „Wiehengebirgs-Bahn“ (Bad Bentheim–Rheine–Osnabrück–Bünde−Herford–Bielefeld) bedient.

Am Bahnhof befindet sich als Denkmal zusammen mit einigen weiteren Ausstellungsstücken wie einem Wasserkran und einem Zugzielanzeiger die Dampflok 043 196-5, die als letzte Dampflokomotive der DB am 26. Oktober 1977 außer Dienst gestellt wurde.
[11]

Öffentlicher Personennahverkehr

Im Straßenpersonennahverkehr verkehren Busse der Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd (VGE) im Schüler- und Berufsverkehr innerhalb Salzbergens, nach Rheine, Schüttorf, Bad Bentheim, Emsbüren und Leschede.

Raffinerie Salzbergen, heute H&R AG
Ansässige Unternehmen

Das im SDAX gelistete Unternehmen H&R AG hat seinen Hauptsitz in Salzbergen. Zudem hat die Windenergietochter des US-Unternehmens General Electric, GE Wind Energy, als Nachfolger der Tacke Windtechnik GmbH & Co. KG ihren Sitz in Salzbergen.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Franz Karl Berlage, Dompropst am Kölner Dom 1886–1917 (Grab auf dem Friedhof Salzbergen)
Ernst Overhues (1877–1972), Oberbürgermeister in Düren
Wilhelm Frerichs (1900–unbekannt), SS-Obersturmführer, Leiter der Politischen Abteilung im KZ Buchenwald
Franz Josef Krafeld (* 1947), Professor für Erziehungswissenschaften
Hans Reckers (* 1953), Jurist, 2002–2009 Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank
Gaby Baginsky (eigentlich Gabi Baginski, * 1954), deutsche Schlagersängerin
Johannes Grave (* 1976), Kunsthistoriker
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Wilhelm Lepenau (1838–1901), Gründer der Raffinerie Salzbergen, Ehrenbürger der Gemeinde Salzbergen seit 25. Februar 1900
Maria Mönch-Tegeder (1903–1980), Dichterin
Max Georg Freiherr von Twickel (1926–2013), emeritierter Weihbischof von Münster
Literatur
Lehrerverein der Diözese Osnabrück: Der Kreis Lingen. Beiträge zur Heimatkunde des Regierungsbezirks Osnabrück Heft I, Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1905
Werner Kaemling: Atlas zur Geschichte Niedersachsens, Gerd J. Holtzmeyer Verlag, Braunschweig 1987, ISBN 3-923722-44-3
Hermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes, in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1929
Chr. Oberthür, Fr. Busche, Fr. Barth, Heinrich Dünheuft: Heimatkarte des Kreises Lingen mit statistischen Angaben, Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1953
Ernst Förstemann, Hermann Jellinghaus (Herausgeber): Altdeutsches Namenbuch, Band II, 1 und 2: Ortsnamen, Bonn 1913/1916 (Nachdruck: Band II, 2, Hildesheim 1967/1983, ISBN 3-487-01733-4)
Alois Kohstall: Salzbergen. Die Geschichte eines Dorfes, Hrsg. von der Gemeinde Salzbergen, 2. Aufl., 1977
Weblinks
 Commons: Salzbergen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Website der Gemeinde Salzbergen