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Geschichte
Die 750-Millimeter-Schmalspurbahn im Museumsbetrieb

Als erster Siedler im Schönheider Gebiet gilt Urban Männel, der 1537 das erste Haus errichtet haben soll.[40][41] Fünf Jahre später sind 12 Siedler im Schneeberger Fürstenverzeichnis aufgeführt. Das Türkensteuerregister des Jahres 1542 nennt die Namen von 12 Bauern.[42] Schönheide wurde als Gemeinde mit dem sogenannten Befreiungsbrief des Gebietsherrn Balthasar Friedrich Edler von der Planitz vom 20. März 1549jul. förmlich gegründet.[40]

Am 24. Dezember 1563jul. kam der Ort durch Verkauf in den Besitz der Wettiner und damit zur Herrschaft Schwarzenberg.[43] 1566 wurde in Schönheiderhammer das heute noch als Eisengießerei betriebene Eisenhammerwerk gegründet. Im Jahre 1596 wurde die erste Kirche errichtet. Sie stürzte 1764 ein. Dabei kam ein Mann ums Leben. Die Kirche wurde nach Plänen von Christian Döltz von 1766 bis etwa 1773 in der heutigen äußeren Form neu gebaut und anschließend bis 1835 im Innern ausgebaut und ausgemalt.[44] 1669 wurde eine Handwerkerinnung gegründet.

Für die Schreibung des Ortsnamens finden sich zahlreiche Varianten. 1542 Schönnheyde[42], 1549 Schonheyde, 1557 Schönheyde, 1572 Schonheida, 1572 Schönheida. Ab 1875 wurde die heutige amtliche Schreibweise Schönheide eingeführt.[45]

Mit dem Bau der Bahnstrecke Chemnitz–Adorf erhielt der Ort 1875 in Schönheiderhammer und Wilzschhaus Bahnanschluss. Zwischen 1880 und 1900 wurden mehrere noch heute bestehende öffentliche Gebäude gebaut: Rathaus 1882, Post 1891, Real-/Hauptschule 1896–1898. Die Flemming-Fabrik aus dem Jahr 1896 wurde in den 2000er Jahren abgerissen, ebenso eine der beiden Lenks-Villen, Jugendstilbauten aus der Zeit um 1900. 1893 kamen mit dem Bau der Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld der Bahnhof Schönheide Mitte und die Haltepunkte Oberschönheide und in Neuheide dazu.

In der Zeit zwischen 1914 und 1945 zog in Schönheide wie auch im restlichen Erzgebirge durch die Kriege hohe Arbeitslosigkeit und Armut ein. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges am 21. Februar 1945 wurde im Ort ein Außenlager des KZ Flossenbürg eingerichtet, in dem 50 KZ-Häftlinge für die Firma R. Fuess (Berlin) Zwangsarbeit verrichten mussten. Diese Häftlinge wurden am 13. April 1945 auf den Todesmarsch nach Karlsbad geschickt.[46]

Zu DDR-Zeiten wurde im Ort ein Kinderferienlager betrieben.

Die Gemeinden Schönheiderhammer und Neuheide wurden am 1. Juli 1949 nach Schönheide eingemeindet (Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide – Landkreis Aue – vom 29. April 1949).[47]

Blick vom Fuchsstein über Neuheide bis Neulehn

1974 begann der Bau der Talsperre Eibenstock. Dadurch musste 1975 die Bahnstrecke im Muldetal zwischen Blauenthal und Schönheide Ost stillgelegt werden. 1977 erfolgte auch die Einstellung der Schmalspurstrecke, auf einem Teilstück verkehrt heute eine Museumsbahn.[48]

Ab 1990 wurde die Infrastruktur ausgebaut, aber durch die Stilllegung vieler Betriebe stieg auch wieder die Arbeitslosigkeit an.

Entwicklung der Einwohnerzahl
Einwohnerentwicklung von 1600 bis 2013 nach nebenstehender Tabelle

Nach den im Jahr 1542 namentlich erwähnten zwölf Bauern,[42] zu denen deren Familien und Gesinde zu hinzuzurechnen sind, kamen weitere Siedler, so dass 1563, dem Jahr, in dem Schönheide an den Kurfürsten August verkauft wurde, die Zahl auf 49 Bauern anstieg. Außerdem bestand ein herrschaftliches Vorwerk mit seinen Bewohnern.[49] 1572 waren 56 Ansässige erreicht, davon sechs Vollbauern, auch Anspanner genannt, 48 Hintersassen, also Bauern mit nur einem halben Lehen oder weniger, und zwei Eingebäuder oder Häusler.[49] Auch hier sind Familien und Gesinde noch hinzuzurechnen, wohl um sieben bis 10 Personen pro Hausstand, dies ergäbe rechnerisch eine Einwohnerzahl von 392 bis 560.

1600: 550[50]
1657: 1.200[50]
1705: 1.720[50]
1780: 3.000[51]
1801: 3.798[52]
1834: 5.043[53]
1855: 5.144[54]
1871: 5.535[53]
1900: 9.053[52]
1925: 9.089[53]
1939: 8.835[53]
1946: 8.346[53]
1950: 10.519[55]
1960: 8.980[56]
1964: 8.096[55]
1990: 6.347[55]
2000: 5.662[56]
2002: 5.451[56]
2005: 5.316[56]
2007: 5193[56]
2009: 5.047[56]
2011: 4.918[56]
2012: 4.836
2013: 4.738

Angaben ab 1801 jeweils für Schönheide, Neuheide und Schönheiderhammer zusammen

Von den 4.918 Einwohnern am 31. Dezember 2011 waren 2.415 männlich und 2.503 weiblich. 23 waren Ausländer.

Der Wegweiser Kommune der Bertelsmann-Stiftung prognostiziert der Gemeinde eine Einwohnerentwicklung bis 2030, die dem seit über 20 Jahren zu beobachtenden Trend entspricht.[57] Dies differiert kaum von den Daten für den Erzgebirgskreis in der 5. Regionalisierten Bevölkerungsprognose bis 2025 für Sachsen des Statistischen Landesamtes.[58]

Die Schule in der Dorfmitte
Stadtähnliche Bebauung am Marktplatz gegenüber dem Rathaus, links die Martin-Luther-Kirche, rechts von der Mitte die Wappeneiche
Altersstruktur

Am Stichtag des 31. Dezember 2011 waren 13,7 Prozent (675) unter 20 Jahre alt, 48,2 Prozent (2.371) zwischen 20 und unter 60 Jahre sowie 38,1 Prozent (1.872) 60 Jahre und älter.[59] Die Altersstruktur Schönheides unterscheidet sich deutlich von der ganz Deutschlands. Die Daten des Jahres 2010 weisen einen Anteil der unter 20-Jährigen von 18,4 Prozent (Schönheide minus 4,7 Prozentpunkte) aus, bei den 20 bis unter 60-Jährigen von 55,3 Prozent (Schönheide minus 7,1 Prozentpunkte) und bei der Altersgruppe „60 Jahre und älter“ von 26,3 Prozent (Schönheide plus 11,8 Prozentpunkte).[60] Nach dem Zensus 2011 beträgt der Jugendquotient (Anzahl der unter 18-Jährigen je 100 Personen im Alter von 18 bis unter 65 Jahren) im Jahr 2011 genau 22 gegenüber 30 im Jahr 1990. Dagegen stieg der Altenquotient (Anzahl der 65-Jährigen und Älteren je 100 Personen im Alter von 18 bis unter 65 Jahren) von 30 im Jahr 1990 auf 51 im Jahr 2011.[61]

Gedenkstätten
Feuerwehrdenkmal in der Gestaltung des Jahres 2013

Siehe Hauptartikel Alter Friedhof (Schönheide)

Auf dem unteren Teil des alten Friedhofs wurde in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ein Mahnmal für 30 KZ-Häftlinge von den Außenlagern Lengenfeld und Zwickau des KZ Flossenbürg errichtet, die am 14. April 1945 auf einem Todesmarsch von SS-Männern in Schönheide erschossen wurden.
Eine Plakette an dem Mahnmal in alten Friedhof erinnert an den Antifaschisten Rudi Radecker, der 1942 hingerichtet wurde.
Das Feuerwehrdenkmal im oberen Ortsteil, ursprünglich errichtet zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Feuerwehrleute, hat heute zusätzlich eine Gedenktafel, die allen in Kriegen gefallenen Feuerwehrmännern Schönheides gilt.
An der Außenwand des Bürsten- und Heimatmuseums würdigen zwei gusseiserne Tafeln die im Ersten Weltkrieg gefallenen Sportler aus Schönheiderhammer und aus Schönheide. Letztere Tafel war früher an der Südseite der abgerissenen Turnhalle angebracht.
Das Mahnmal für Gefallene des Krieges 1870/71 gegen Frankreich auf dem früher Gustav-Haupt-Platz genannten Platz neben der Schule wurde nach 1945 zerstört.
Das sogenannte Ehrenmal auf dem Knock oberhalb des alten Friedhofs, 1937 errichtet, war den Toten des Ersten Weltkrieges gewidmet, ohne dass je eine Widmungstafel angebracht wurde. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, im Juli 1945, wurde auf der etwa um ein Drittel gekürzten Stele ein fünfzackiger Sowjetstern angebracht, der nach 1990 wieder entfernt wurde.
Politik
Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2014[62]
Wahlbeteiligung: 56,4 % (2009: 52,3 %)

 %6050403020100

29,2 %50,6 %14,6 %5,7 %

CDUUWGSPDFDP
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p 14 12 10   8   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10-12-14-16

-14,1 %p
+12,8 %p+3,1 %p-1,7 %p
CDUUWGSPDFDPVorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu lang
Zentrum der kommunalen Entscheidungen – Rathaus von Architekt Ernst Giese (Dresden) aus dem Jahr 1882

Nach der Wiedervereinigung erfolgte auch in Sachsen eine vollständige Umstrukturierung der Verwaltung. Für die Gemeinden galt nunmehr die kommunale Selbstverwaltung des Artikels 28 des Grundgesetzes, wonach die Gemeinden durch ihre gewählten Vertreter, die gewählten Bürgermeister und die ihm unterstellte Gemeindeverwaltung die Gemeindeangelegenheiten selbstständig und eigenverantwortlich gestalten können. Das Nähere regelt die getretene Sächsische Gemeindeordnung.

Primär der Gemeinderat entscheidet über die örtlichen Angelegenheiten, in der Regel auf Vorschlag des Bürgermeisters. Insbesondere beschließt er den Haushaltsplan der Gemeinde. Er bereitet seine Beschlüsse in den Ausschüssen vor. Bei der Wahl am 25. Mai 2014 erreichten die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) neun (im Jahr 2009 sieben), die CDU fünf (acht) und die SPD zwei (zwei, davon einer nicht besetzt) Sitze. Die FDP ist nicht mehr vertreten (ein Sitz). Unter den 16 Mitgliedern des Gemeinderates ist eine (drei) Frau.[63][64]

Bürgermeister

Bürgermeister ist der 1975 geborene Kai Wilhelm (parteilos, Mandat UWG[65]), ein ausgebildeter Verwaltungsfachmann, der bis zu seiner Wahl als Hauptamtsleiter in einer erzgebirgischen Gemeindeverwaltung tätig war. Er wurde am 8. Juni 2008 bei einer Wahlbeteiligung von 72,3 % (3.229 abgegebene Stimmen bei 4.464 Wahlberechtigten) mit 2.032 Stimmen (63,8 %) für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählt. Sein Mitbewerber Michael Härtel (CDU) erreichte 36,2 % (1.152 Stimmen).[66]

Bei der Bürgermeisterwahl am 7. Juni 2015 kandidierten in Schönheide der bisherige Amtsinhaber Kai Wilhelm als Kandidat der Unabhängigen Wählervereinigung (UWG) und das Gemeinderatsmitglied Gunnar Stöckert für die CDU.[67] Von den 3.949 Wahlberechtigten beteiligten sich 2.548 an der Wahl (64,5 %). Kai Wilhelm wurde mit 2.117 Stimmen (84,2 %) wiedergewählt. Sein Mitbewerber Stöckert erhielt 396 Stimmen (15,8 %).[68]

Mit Wirkung vom 12. Dezember 2017 wurde Bürgermeister Wilhelm vom Landkreis Erzgebirgskreis „im Rahmen von Disziplinarmaßnahmen“ die Ausübung seines Amtes für zunächst drei Monate untersagt.[69] Rechtliche Grundlage hierfür ist das Sächsische Beamtengesetz[70] in Verbindung mit § 39[71] des Beamtenstatusgesetzes.[72]

Wahlen
Wahlen des Landrates und zum Kreistag 2008

Kreistagswahl 2008
Wahlbeteiligung: 72,3 %

 %50403020100

40,4 %31,6 %11,6 %6,6 %9,9 %

CDUSPDLinkeFDPandere

Nach einer Kreis- und Gebietsreform in Sachsen wurden am 8. Juni 2008 gleichzeitig Wahlen zum Kreistag und des Landrats abgehalten. Von 4.467 Wahlberechtigten gaben für Kreistags- und Landratswahl je 3.229 (72,3 %) ihre Stimme ab. In der Gemeinde Schönheide – Wahlkreis 5 Aue-Schwarzenberg – ergab sich als Wahlergebnis für den Kreistag[66]:CDU 3.524 (40,4 %), SPD 2.760 (31,6 %), Die Linke 1.012 (11,6 %), FDP 575 (6,6 %) und andere Parteien/Gruppierungen mit je unter 5 % zusammen 858 (9,9 %).

Aus Schönheide sind Michael Härtel (CDU) und Bürgermeister Kai Wilhelm (SPD) stimmberechtigte Mitglieder des 98 Kreisräte umfassenden Kreistages des Erzgebirgskreises.

Bei der Landratswahl am 8. Juni 2008 stimmten von den 3.229 Wählenden 1.622 (52,6 %) für Frank Vogel (CDU), 522 (16,9 %) für Klaus Jürgen Tischendorf (Die Linke), 426 (13,8 %) für Frank Gerlach (SPD) und 512 (16,6 %) für vier andere Bewerber.
Am 22. Juni 2008 fand erneut eine Landratswahl statt, weil auf Kreisebene kein Bewerber die absolute Mehrheit erreicht hatte. In Schönheide nahmen von 4.467 Wahlberechtigten 1.232 (27,6 %) teil und gaben Frank Vogel 951 (77,4 %), Klaus Jürgen Tischendorf 200 (16,3 %) und den anderen drei Kandidaten 78 (6,3 %) Stimmen.[73]

Wahlen zum sächsischen Landtag

Im Jahr 1990 konnten die Schönheider am 14. Oktober knapp 14 Tage nach der Wiedervereinigung zum ersten Mal seit über 58 Jahren an freien Wahlen der Abgeordneten des Landtages von Sachsen teilnehmen. Von den 5.108 Wahlberechtigten gingen 76 Prozent (in Klammern jeweils die Daten von ganz Sachsen: 72,8 Prozent) an die Wahlurnen. Die Zweitstimmen entfielen auf CDU 55,9 (53,8) Prozent, SPD 22,8 (19,1) Prozent, FDP 5,9 (5,3) Prozent, PDS 5,3 (10,2) Prozent und andere Parteien zusammen 9,6 (11,6) Prozent, darunter die mit der CSU vergleichbare DSU 3,9 Prozent. Die Parteien der DDR-Demokratiebewegung erhielten: Neues Forum 3,3 (5,6) Prozent und Demokratischer Aufbruch 0,6 Prozent. Die NPD erreichte mit 12 der 3880 abgegebenen Stimmen 0,3 Prozent.[74][75]

Die jüngste Landtagswahl am 31. August 2014 brachte von den 4.051 Wahlberechtigten nur 47,8 (in Klammern jeweils die Daten von ganz Sachsen: 49,2) Prozent an die Urnen. So entschieden die Schönheider mit ihren Listenstimmen: CDU 45,1 (39,4) Prozent, Die Linke 15,4 (18,9) Prozent, SPD 15,1 (12,4) Prozent, FDP 4,7 (3,8) Prozent, Grüne 2,9 (5,7) Prozent, NPD 4,5 (4,9) Prozent, AfD 9,8 (-) Prozent, andere Parteien 2,6 (5,1) Prozent.

Den Wahlkreis 14 – Erzgebirge 2 – vertritt der direkt gewählte Abgeordnete Thomas Colditz, Aue(Sachsen).[76][77]

Wahlen zum Deutschen Bundestag

Bei den Bundestagswahlen am 27. September 2009 verteilten die 65,1 (in Klammern jeweils die Zahlen für ganz Deutschland: 70,8) Prozent der 4.404 Wahlberechtigten, die an der Wahl teilnahmen, ihre Zweitstimmen so: CDU 39,1 (35,2 – CDU und CSU zusammen) Prozent, SPD 16,8 (23) Prozent, FDP 13,5 (14,6) Prozent, Die Linke 22,9 (11,7) Prozent, Grüne 2,9 (10,6) Prozent, andere Parteien 4,7 (6,0) Prozent, davon NPD 3,5 Prozent. Im Wahlkreis wurde Günter Baumann (CDU), Jöhstadt, direkt gewählt.[78][79]

Bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 nahmen 2.927 (70,9 Prozent) der 4.131 Wahlberechtigten an der Wahl teil und vergaben ihre Zweitstimmen so: 47,4 Prozent der CDU, 18,3 Prozent Die Linke, 16,5 Prozent SPD, 3,5 Prozent FDP, 2,3 Prozent Bündnis 90/Grüne, 5,3 Prozent AfD (Alternative für Deutschland). Andere Parteien erhielten 6,7 Prozent, davon die NPD 3,3 Prozent und die Piraten 1,9 Prozent.[80] Im Wahlkreis wurde direkt in den Bundestag gewählt Günter Baumann.[81]

An der Bundestagswahl am 24. September 2017 nahmen 2.879 (74,9 Prozent) der 3.843 Wahlberechtigten teil und vergaben ihre Zweitstimmen so: 34,4 Prozent der CDU, 13,1 Prozent Die Linke, 12,1 Prozent SPD, 7,4 Prozent FDP, 2,3 Prozent Bündnis 90/Grüne, 25,1Prozent AfD.[82] Im Wahlkreis wurde Alexander Krauß aus Schwarzenberg direkt in den Bundestag gewählt.[83]

Wappen

Blasonierung: In Silber über einem schwarzen Punkt und vor zwei schräggekreuzten schwarzen Berghämmern sowie einer schwarzen Rodehacke eine bewurzelte grüne Eiche, beiderseits begleitet von je einer grünen Heidekrautpflanze mit je einer roten Blüte.

Das Wappen wurde mit dieser Beschreibung vom Schönheider Gemeinderat in seiner Sitzung am 5. Mai 1997 eingeführt. Es beruht auf einem im Jahr 1643 verwendeten „Gerichtssigil zur Schönheyd“ und übernimmt dessen Wappenmotive. Eine Eiche steht seit dem frühen 17. Jahrhundert auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Schlägel und Eisen erinnern an den Bergbau von der Gründungszeit bis in das 18. Jahrhundert. Die Rodehacke weist auf die Rodung des Waldes für die Besiedlung hin. Die Heidepflanzen greifen den Namen der Gemeinde auf. Die Herkunft und Bedeutung des schwarzen Punktes unter der Eiche sind ungeklärt, er findet sich schon auf dem Siegel von 1643.
Siehe auch Schönheider Wappeneiche.
Die Gemeindeflagge wird im Beschluss des Gemeinderates vom 5. Mai 1997 so beschrieben:
„Grün-weiße Bikolore mit aufgelegtem Gemeindewappen.“

Wappen von 1997

Gerichtssiegel von 1643

Gemeindesignet von 1987

Marktplatz mit Eiche 1938

Marktplatz mit Eiche 2009

Partnerschaften mit anderen Gemeinden
20 Jahre Partnerschaft Schönheide – Sulzbach

Schönheide unterhält partnerschaftliche Beziehungen mit Bad Rappenau (Baden-Württemberg), den beiden hessischen Gemeinden Beerfelden und Sulzbach (Taunus) sowie Nüdlingen in Bayern. Im Jahr 2010 bestand die Partnerschaft mit Sulzbach, die als erste geschlossen wurde, 20 Jahre. Die Stadt Sulzbach half insbesondere in der Nach-DDR-Zeit bei der Umstellung im Bereich Gemeindeverwaltung und Schule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Dialekt

In Schönheide wird westerzgebirgisch gesprochen, schon wenige Kilometer weiter westlich – hinter dem Wald – beginnt der vogtländische Dialekt.[84] Ihr Dorf bezeichnen die Schönheider als „Schennhaad“.[85] In umgebenden Dörfern und Städten ist eher die Bezeichnung „Schiehaad“ verbreitet.[86] Schon im 20 km muldeabwärts liegenden Aue (Sachsen) wird die Sprechweise der Schönheider als singend bezeichnet. Der Satz „Wu de Hasen Hos’n un de Hosen Hus’n haaßen, do bie iech dorrhamm.“ (Wo die Hasen „Hos’n“ heißen und die Hosen „Hus’n“, da bin ich zu Hause.) gibt einen Einblick in das Westerzgebirgische.[87] Die Schönheider Mundartschriftstellerin Martina Gutzeit spricht das Schönheider Erzgebirgisch in einer Art Bühnendeutsch, wie die Rezitation eines ihrer Gedichte belegt.[88] Der erzgebirgische Dialekt wird im täglichen Umgang der Schönheider untereinander praktiziert, zahlreiche Einwohner reden fast ausschließlich im Dialekt. Sie sprechen die heute noch an Stelle von Guten Tag und Auf Wiedersehen gebräuchliche Grußformel „Glück auf“ wie „Geliggauf“ und die harten Konsonanten k, p und t wie g, b und d, nur das Wort Garage wird Karasche ausgesprochen.

Kulturdenkmale
Bürsten- und Heimatmuseum
Hauptartikel: Liste der Kulturdenkmale in Schönheide

Es gibt zahlreiche Kultur- insbesondere Baudenkmale aus allen Epochen, deren Erhaltung vielfach nicht gesichert ist, weil die Nutzungen, für die sie entstanden, aufgegeben wurden oder weil sie durch Umgestaltung stark verändert werden. Im Zentrum fallen auf

Rathaus im Stil der Neorenaissance
Alter Friedhof oberhalb des Rathauses
Museen und Sakralbauten
Martin-Luther-Kirche
Bürsten- und Heimatmuseum Schönheide im ehemaligen neben der Kirche liegenden Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert. Das Museum zeigt in der Dauerausstellung die Geschichte des Dorfes und der Bürstenindustrie. Regelmäßige Sonderausstellungen behandeln ortsgeschichtliche und regionale Themen. In der Weihnachtszeit wird die erzgebirgische Handwerkskunst jeweils in einzelnen Teilbereichen gezeigt.[89]
Schmalspur-Museumsbahn nach Stützengrün[90]
Martin-Luther-Kirche

Schon um die 40 Jahre nach der Dorfgründung wurde eine Kirche gebaut, und nach deren Einsturz wurde von 1766 bis 1773 nach Plänen des Baumeisters Christian Döltz ein großer Rokoko-Bau mit dreigeschossigen Emporen auf drei Seiten in der Form einer sächsischen evangelischen Predigtkirche errichtet, auf der Ostseite mit Altar, Kanzel und Orgel übereinander. Innen ist die Kirche 29 Meter lang, 15 Meter hoch und 15 Meter breit. Der Innenausbau zog sich über Jahrzehnte bis etwa 1835 hin. 32 verglaste Betstuben wurden zur Mitfinanzierung des Baus vermietet[91], die rechts vom Altar trägt das Wappen der früheren Besitzer des Eisenwerkes Schönheiderhammer, Edler von Querfurth. 1902/03 wurde die Kirche umgebaut. Bis auf den Anbau einer Sakristei nach Osten blieb das Äußere mit seinem steilen schiefergedeckten Satteldach mit Gaupen, dem im Verhältnis zur Höhe des Kirchenschiffs etwas zu niedrigen Turm und dem Kirchenschiff mit hohen durchgehenden Fenstern und Strebepfeilern im Wesentlichen unverändert. Im Inneren wurde die Decke abgehängt und mit einer Stuckverzierung versehen. Die Orgelempore wurde auf die Westseite verlegt, eine Jehmlich-Orgel ersetzte die von Johann Gottlob Trampeli aus dem Jahr 1795, das Trampeli-Gehäuse kam in veränderter Zusammenstellung vor die neue Orgel. Dehio betont die „überwiegend einheitliche Rokokko-Ausstattung“ der Schönheider Kirche, die Veränderungen des Umbaus aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts „fügen sich in das Gesamtbild ein“.[92]

Bibliothek

Schönheides Gemeindebibliothek im Rathaus ist direkt vom Marktplatz aus zugänglich und bietet an drei Tagen in der Woche über 10.000 Medien an, Bücher – Belletristik und Fachliteratur aller Art –, Zeitschriften, Videos, DVDs und Hörbücher. Für junge Lesende gibt es eine besondere Abteilung mit Kinder- und Jugendliteratur, Spielen und anderem. Die Bibliothek macht Bestellungen über Fernleihe und Internetrecherchen möglich. Sie wurde schon im Jahr 1844 gegründet[93] und ist damit eine der ältesten in Westsachsen.

Künstler

Gedichte und Prosa in westerzgebirgischer Mundart veröffentlicht Martina Gutzeit, früher Kantorin der Martin-Luther-Kirche.[94] Die Gesangsgruppe „Schennhaader Maad“ (Schönheider Mädchen), deren künstlerische Leiterin sie ist und für die sie auch Lieder schreibt, tritt a cappella oder mit instrumentaler Begleitung mit Liedern in westerzgebirgischer Mundart auf. Auf CD-Alben sind ihre Lieder teilweise zusammen mit der Musik anderer Gruppen veröffentlicht. Die CDs tragen Titel wie „Weihnachtszeit im Erzgebirge“(erschienen 1996, mit dem Lied „Griene Klies und Gänsebroten“ – Grüne Klöße und Gänsebraten), „Arzgebirg mei Haamitland“ (Erzgebirge, mein Heimatland, 1997, mit dem Lied „De Schwarzbeerschänk‘“ – Die Heidelbeerschänke), „Silbernes Erzgebirge“(1999, mit „Das Geschenk: Zeit“ und „Gieh mit!“ – Geh‘ mit), „Lichtelfest im Erzgebirge“ (2005, mit „Kaa grüns Blatt“ – Kein grünes Blatt und „Wieder is Weihnachten komme“ – Wieder ist Weihnachten gekommen). Außer in MDR-Fernsehsendungen mit Musik aus dem Erzgebirge ist die Gruppe auch in Fernsehsendungen des Bereichs volkstümlicher Schlager aufgetreten.

Sport
Hauptartikel: Eishockey in Schönheide

Seit 1936 wird in Schönheide Eishockey gespielt, der Verein Schönheider Wölfe e.V. wurde 2017 neugegründet und spielt in der Saison 2017/18 in der Regionalliga Ost.

FC Schönheide ist der heutige Name des Fußballvereins, dessen Herrenmannschaft in der Kreisklasse spielt. Andere Vereine, wie für Handball, Tischtennis, Skifahren und Gymnastik, ergänzen das Sportangebot.

Sportstätten

Kunstrasen-Fußballplatz „Waldstadion“
Kunsteisstadion Schönheide „Wolfsbau“ für Eishockey und für Freizeit-Eislauf
Sporthalle mit Zuschauertribüne an der Geschwister-Scholl-Schule, genutzt von Schule und Vereinen
Langlaufloipe am Waldrand im Oberdorf
Regelmäßige Veranstaltungen

In der Martin-Luther-Kirche gibt es das Jahr über regelmäßig Kirchenmusik.[95] Die Museumsbahn bietet mehrmals im Jahr Fahrten auf der Schmalspurstrecke ab Bahnhof Schönheide-Mitte an, auch im Winter bei Schnee.[96] Auch am Bahnhof Wilzschhaus werden regelmäßig Veranstaltungen rund um die Bahn durchgeführt, so auch Eisenbahnfahrtage auf der Normalspurstrecke Richtung Hammerbrücke und – in Planung – Richtung Schönheiderhammer. Es gibt auch Fahrten des Wernesgrüner Schienenexpresses.[97] Alljährlich findet Anfang September das Bürstenfest statt.[98]

Für das Straßenfest im Juli wird mitten im Ort die Hauptstraße gesperrt. Die Schönheider Kirmes ist traditionell am 2. Wochenende des Oktobers. Das alljährliche Feuerwehr-Familien-Fest der Freiwilligen Feuerwehr Schönheide gibt es Mitte August oder Anfang September.[99] Das Bürsten- und Heimatmuseum veranstaltet jedes Jahr Oldtimertreffen und Handwerkerwochenenden mit Vorführungen alter Handwerkstechniken.[100] Seit 2004 treffen sich Motorradfahrer am ersten Sonntag im Juli zu einem Gottesdienst unter freiem Himmel am Fuchsstein.[101] Der Weihnachtsmarkt am Sonnabend vor dem ersten Advent auf dem Marktplatz hatte schon vor 1800 einen Vorgänger, den Advents-Freitagsmarkt.

Wirtschaft und Infrastruktur
Gewerbliche Wirtschaft

Im Jahr 2016 waren in Schönheide von 1.681 sozialversicherungspflichtig am Ort Tätigen etwa die Hälfte, nämlich 838, im verarbeitenden Gewerbe tätig. Zusätzlich gab es 1.504 außerhalb des Ortes Tätige.[102]

Landwirtschaft

Landwirtschaft bedeutet heute in einer Höhenlage von 550 bis über 730 m, sich wegen der kurzen Vegetationsperiode auf Viehwirtschaft zu beschränken. Aber bis in die 1960er Jahre hatten die um die 30 Landwirte in Schönheide die klassische Kombination von Ackerbau mit Getreide, Rüben und Kartoffeln und Viehwirtschaft. Die Tiere waren ganzjährig in Anbindehaltung im Stall. Wegen der geringen Fläche pro Betrieb waren Dreinutzungsrinder selbstverständlich, nur Bauern mit mehr Fläche hatten Zugochsen, manche arbeiteten mit der Kombination Pferd und Ochse. Landwirte mit zwei Pferden waren die Ausnahme. Wegen der steilen Anstiege und der langen Schneebedeckung der Hohlwege auf den Nordseiten mussten die typischen Winterarbeiten – wie der Transport von Mist auf die Felder – auf großen Umwegen über weniger steile Straßen und Wege mit sehr hohem Zeitaufwand erledigt werden. Weite Wege waren ein generelles Problem für alle Feldarbeiten: Schönheides Bauern hatten in dem Waldhufendorf lange schmale von der Hofstelle ausgehende Streifen, die bis zum Waldrand reichten. Insbesondere im Bereich der kuppenartigen Höhen war der Feldbau schwierig, da die Bedeckung mit der Humusschicht auf Grund geringer Verwitterung der Böden sehr dünn ist.[103][104] Das Sächsische Landesumweltamt bezeichnete das obere Westerzgebirge hinsichtlich der Bodenfruchtbarkeit als ausgesprochenes Ungunstgebiet. Die Ackerzahlen der armen, sauren Böden liegen bei den extremen Boden- und Klimaverhältnissen in Richtung Kammlagen bei Werten bis unter 20. Das Landesamt bewertet das Bodenpotenzial Ackerland in den oberen Berglagen überwiegend und auf armen Böden in den Kammlagen fast durchweg als gering bis sehr gering.[105]

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war der Mangel an Kunstdünger gravierend. Allgemeiner Nahrungsmangel bei großer Bevölkerungszahl ließ viele Einwohner Kaninchen, Ziegen und Schafe halten, für die sie Futter an Wegesrändern holten. Oder sie ließen die Tiere angepflockt weiden. Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone – nach der Parole Junkerland in Bauernhand – wurden die zum Besitz der Eigentümer des Eisenwerks Schönheiderhammer, der Familie von Querfurt, gehörenden Flächen im Bereich Schädlichsberg auf Neubauern aufgeteilt. In der Produktion waren die Landwirte nicht frei in ihren Entscheidungen, sie waren im Rahmen der DDR-Planwirtschaft mit qualitativ und quantitativ in Anhängigkeit von der Fläche festgelegten Produktionsmengen belegt, sog. „Soll“, die zu staatlich festgesetzten Preisen aufgekauft wurden. Die darüber hinausgehende Produktion, sog. „freie Spitze“, konnten die Landwirte frei verkaufen. Die Maschinen- und Ausleihstation in Affalter, später Maschinen-Traktoren-Station, brachte Anfang der 1950er Jahre die ersten Möglichkeiten, eine stärker mechanisierte Landwirtschaft zu betreiben, insbesondere im Bereich der Zug- und Erntemaschinen.

In den 1950er Jahren begann die Kollektivierung der Landwirtschaft über den sog. Typ 1 (Typ 1, jeder macht seins.). Um den Beitrittsdruck zu erhöhen, wurde auch die Ausleihmöglichkeit für Maschinen und Geräte erschwert. 1961 wurde auch in Schönheide die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) auf den Typ 3, der sog. Vollkollektivierung, umgestellt und sämtliche Bauern zum Beitritt gebracht, insbesondere auch durch starken psychischen Druck. Nur wenige Flächen blieben außerhalb der LPG „Vorwärts“. Die Bewirtschaftung in den schmalen Hufen wurde zugunsten großer zusammenhängender Flächen aufgegeben, die Streifen mit Lesesteinen zwischen den Hufen samt Bewuchs entfernt, feuchte Wiesen zum Teil aufgeforstet und steile Flächen sich selbst überlassen. Im Ortsteil Schädlichsberg baute die LPG einen Rindergemeinschaftsstall, nach sowjetischem Vorbild als Rinderoffenstall, der angesichts der Schneewinter im Erzgebirge in erheblichem Maße zu Tiererkrankungen, Minderleistungen und Tierverlusten führte, so dass er zu einem geschlossenen Stall umgebaut werden musste. Die Schönheider LPG „Vorwärts“ spezialisierte sich auf die Aufzucht von Färsen.[106] Im Zuge der Kooperation mit anderen LPGs im Raum Zwickau erhielt sie Kälber, die in Schönheide aufgezogen wurden und als Milchkühe wieder ins Tiefland gebracht wurden.

Nach 1990 löste sich die LPG „Vorwärts“ auf, die landwirtschaftlichen Flächen gingen weitgehend an die Eigentümer zurück. Als Pachtflächen werden sie heute im Wesentlichen von zwei Wiedereinrichtern genutzt. Ein größerer Betrieb hielt bis vor einigen Jahren Schafe und stellte dann auf Mutterkuhhaltung um, neben den Weiden nutzt er die Flächen für Heu- und Silagewerbung sowie den Anbau von Futtergetreide. Außerdem halten in geringerem Umfang einige Betriebe Mastvieh, darunter Galloway-Rinder.

Medien

In Schönheide erscheint freitags das „Schönheider Wochenblatt – Unabhängige Regionalzeitung mit amtlichen Bekanntmachungen der Gemeinde Schönheide sowie Informationen aus Carlsfeld, Stützengrün und Umgebung“. Das Wochenblatt gab es von 1872 bis Mai 1941 dienstags, donnerstags und sonnabends und nach Kriegsende im Jahr 1945 für kurze Zeit. Anfang 1990 gründete es der Journalist und heutige Herausgeber Eberhard Mädler neu.

Über örtliche Ereignisse berichtet auch der Regionalteil „Auer Zeitung“ der Chemnitzer Tageszeitung Freie Presse.

Bildung
Zeugnis der Geschwister-Scholl-Schule Schönheide aus dem Jahr 1950

Die Gemeinde Schönheide hat vier Kindergärten in eigener Trägerschaft, die im Gemeindegebiet gut verteilt liegen, die Kindertagesstätten „Villa Kunterbunt“ im oberen Dorf, „Wirbelwind“ im Schwarzwinkel, „Abenteuerland“ in der Straße Paradies und „Hammerschulzwerge“ in der früheren Hammerschule.[107]

Die Gemeinden Stützengrün und Schönheide betreiben ihre Schulen in Partnerschaft: Die Grundschule für die Klassen 1 bis 4 liegt in Stützengrün, sie wird auch von Schönheider Kindern besucht. In 11 Klassen unterrichteten 12 Lehrer 244 Schüler der beiden Dörfer.[108] In Schönheide liegt die Schule für die Klassen 5 bis 10, die seit dem Schuljahr 2013/14 wie alle vergleichbaren Schulen in Sachsen Oberschule heißt[109]. Zwölf Klassen mit 242 Schülern werden von 21 Lehrern unterrichtet.[38] Seit etwa 1949 trägt die Schönheider Schule den Namen „Geschwister Scholl-Schule“.[110] Sie hat Ganztagsangebote und Neigungskurse in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik, Kunst und Kultur, Info und Medien, Gesundheit und Sport und sozial-gesellschaftliches Handeln. Die Schule stellt ihr berufsorientiertes Ausbilden besonders heraus.[111]

Volkshochschulkurse für eine Reihe von Themen werden angeboten insbesondere im nahe gelegenen Rodewisch.[112] Die Musikschule Rodewisch e. V. unterrichtet in der Schulgasse 4 in Schönheide, die Kirchengemeinde bietet Kindern und Erwachsenen Instrumentenunterricht und -spiel sowie Chorgesang.

Die nächstgelegene Fachhochschule ist die Westsächsische Hochschule Zwickau mit Fachbereichen auch in Reichenbach im Vogtland, Schneeberg und Markneukirchen, die nächstgelegene wissenschaftliche Hochschule ist die Technische Universität Chemnitz.

Kommunale Infrastruktur

Im Jahr 1895 baute die Gemeinde Schönheide ein Elektrizitätswerk, das 1896 in Betrieb genommen wurde.[113]

Verkehr
Eisenbahn

Eisenbahn früher und heute: Bis 1975[114] erreichte die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld über den Haltepunkt Schönheide Nord (früher Neuheide), Bahnhof Schönheide Mitte (früher Schönheide) und Haltepunkt Schönheide West (früher Oberschönheide) den Bahnhof Schönheide Süd (früher Wilzschhaus). Dort traf die 750-Millimeter-Schmalspurbahn auf die Bahnstrecke Chemnitz–Adorf, die auch in Schönheide Ost (früher Schönheiderhammer) einen Bahnhof hatte.

Haltestelle Paradies
Wegweiser auf dem Baumannsberg

Der Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen nahm 2007/8 auf dem Teilstück Schönheide Süd – Hammerbrücke der in den 1990er Jahren in diesem Bereich stillgelegten Bahnstrecke Chemnitz–Adorf mit dem Wernesgrüner Schienen-Express einen Touristenbahnbetrieb auf und führt im Rahmen von Veranstaltungen Sonderfahrten durch. Er strebt auch die Wiedernutzung des Teilstücks Schönheide Ost – Schönheide Süd an.

Personennahverkehr

Der öffentliche Personenverkehr erschließt Schönheide durch zwei Buslinien. Die Linie V 61 Schönheide – Auerbach/Vogtl. erreicht in Rodewisch die Vogtlandbahn Richtung Zwickau – Leipzig – Berlin, Zwickau – Chemnitz – Dresden oder Zwickau – Thüringen – Göttingen, aber auch Richtung Tschechien – böhmische Bäder. Die Linie 351 Neuheide – Schönheide – Eibenstock – Aue (Sachsen) gibt dort die Gelegenheit, mit der Bahn Richtung Zwickau – Leipzig – Berlin, Chemnitz – Dresden oder Zwickau – Thüringen – Göttingen zu reisen.

Autoverkehr

Von insgesamt 3.122 Kraftfahrzeugen am 1. Januar 2013 waren 2.599 PKW, auf 1.000 Einwohner entfielen 537 PKW (im Erzgebirgskreis 569).[38]

Schönheide ist mit dem Auto erreichbar aus Richtung Dresden – Chemnitz über die A 72, Abfahrt Stollberg/Erzgeb.-West, über Aue (Sachsen) auf der B 283. Von Nordwesten und Norden her (Westdeutschland, Norddeutschland, Berlin, Leipzig) kann Schönheide über die A 4, Abfahrt Meerane, und die B 93 bis Schneeberg und die B 169 bis Stützengrün angefahren werden.

Nach Westen und Süden Richtung Hof – Nürnberg oder München wird über die B 169 und B 94 die Auffahrt Reichenbach im Vogtland der A 72 erreicht. Dies ist mit etwa 25 Kilometern Entfernung Schönheides nächstgelegene Autobahn-Anschlussstelle.

Überregionale Rad- und Weitwanderwege
Fernwanderweg „EB“ Eisenach–Budapest: Wegweiser im Silberbachtal

Der Muldentalradweg führt im Tal der Zwickauer Mulde an Schönheide vorbei. Er ist in diesem zur oberen Mulde gehörenden Bereich noch nicht ausgeschildert, Radler können auf der von ihnen gewählten flussnahen Route durch Schönheiderhammer fahren.[115] Ein teilweise neu trassierter Radweg an der Mulde entlang von Schönheiderhammer bis Wilzschhaus und weiter bis Muldenhammer ist in Planung. Er soll den schon zwischen Aue und Blauenthal bestehenden Radweg auf der früheren Bahnstrecke ergänzen, der bis Schönheiderhammer fortgeführt werden soll.[116] Das frühere Stationsgebäude des Bahnhofs Schönheide Ost soll zu einer Rast- und Servicestation im Zuge des Muldentalradwegs ausgebaut werden.[117]

Drei überregionale Wanderwege führen durch das Gemeindegebiet. Der Internationale Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach–Budapest geht durch Oberschönheide. Seine Trasse führt vom oberen Vogtland über Rautenkranz nach Norden zum Kuhberg und von dort nach Nordosten in Richtung Schneeberg. Auf dem Fernwanderweg Görlitz-Greiz kommen Wandernde, von Eibenstock aus den Kuhberg als nächstes Zwischenziel ansteuernd, durch Schönheiderhammer. Von dort führt der Weg weiter durch Schönheide, am Paradies vorbei, durch den Schwarzwinkel und durch Neuheide. Der Vogtland Panorama Weg führt von Schnarrtanne über den schon zu Schönheide gehörenden Laubberg (767 m) zum Stausee, wendet sich dann Richtung Kuhberg und folgt von dort an dem Fernwanderweg Erzgebirge-Vogtland Richtung Wernesgrün.[118] Im Gemeindegebiet sind zahlreiche örtliche Wanderwege, auch Rundwanderwege, ausgeschildert und markiert.

Persönlichkeiten
Mitteldorf mit Schule (rechts), alter und neuer Bebauung
Söhne und Töchter der Gemeinde
George Günther (1655-1724), kursächsischer Oberforst- und Wildmeister in Zschopau, später geadelt und Landjägermeister, Oberlandfischmeister, Amtshauptmann zu Augustusburg, Chemnitz und Frankenberg[119]
Karl Emanuel Klitzsch (1812–1889), Organist, Komponist und Musikschriftsteller in Zwickau, Freund Robert Schumanns.
Friedrich August Gnüchtel (1816–1866), gründete in Lauter Fabriken für Blechwaren, fertigte verzinnte Kochgeschirre als Saxonia-Geschirre, vertrieb Spankörbe und errichtete eine Porzellanmalerei[120][121]
Karl Leistner (1825–1874), Nationalökonom und Politiker, lehrte als Dozent an der Universität in Zürich und war national-liberaler Abgeordneter des Reichstages des Norddeutschen Bundes und des Sächsischen Landtages.
Louis Tuchscherer (1847–1922), Erfinder und Mechaniker, wirkte in Chemnitz. Er arbeitete zeitgleich mit süddeutschen Erfindern an der Entwicklung der Automobiltechnologie.
Ottomar von Mayenburg (1865–1932), Erfinder der Chlorodont-Zahnpasta und Inhaber der Herstellerfirma.
Kurt Müller (1924–2009), SED-Politiker, Oberbürgermeister von Aue und später von Karl-Marx-Stadt.
Hanno Drechsler (1931–2003), war an der Universität Marburg tätig und später als SPD-Kommunalpolitiker Oberbürgermeister und Ehrenbürger von Marburg.
Volker Sinz (* 1935), Mediziner, Professor für Pathologische Physiologie an der Medizinischen Fakultät „Carl Gustav Carus“ Dresden, 1997 emeritiert[122]
Georg-Berndt Oschatz (* 1937), ist Verwaltungsbeamter und CDU-Politiker. Er war Oberbürgermeister verschiedener Städte und Kultusminister in Niedersachsen.
Dietmar Schulz (* 1942), war Staatssekretär in den Niedersächsischen Ministerien für Umwelt sowie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (SPD).
Ulrich Mückenberger (* 1944) ist Rechts- und Politikwissenschaftler. Er lehrte als Professor an der Universität Hamburg.
Gero Troike (* 1945), Grafiker, Bühnen- und Kostümbildner, Theaterregisseur, Autor von Bühnenwerken
Weitere Persönlichkeiten
Christian Gottlob Meinel (* 1812), Schullehrer in Schönheide, war als Abgeordneter des Wahlbezirks 48 (Eibenstock und Umgebung) Mitglied der zweiten Kammer des Sächsischen Landtags, der im Winter 1848/49 gewählt wurde
Hans Edler von Querfurth (1849–1931), Besitzer des Eisenhüttenwerks Schönheiderhammer und als Konservativer um 1900 neun Jahre Mitglied des Sächsischen Landtags
Max Grohmann (1861–1925), Schuldirektor in Schönheide und Verfasser heimatkundlicher Schriften
Ernst Flath (1876–1964), Lehrer und Heimatforscher
Ulrich Möckel (* 1964), Heimatforscher, arbeitet und publiziert über das böhmische Westerzgebirge und veröffentlicht regelmäßig die Online-Zeitschrift „Grenzgänger“
Literatur
Volker Bretschneider und Bernd Garn: Alte Ansichten von Schönheide. Ein Spaziergang vom Hammer bis zum Oberdorf, Horb 2010, ISBN 978-3-86595-376-6 (Alle Ortsteile werden mit einer Vielzahl alter Ansichtskarten und sonstigen Fotos von Dorfszenen vorgestellt und textlich erläutert.)
Volker Bretschneider und Bernd Garn: Alte Ansichten von Schönheide. Band 2. Ein Gruß aus Schönheide, Horb 2012, ISBN 978-3-86595-460-2 (Das zur 475-jährigen Wiederkehr des Siedlungsbeginns erschienene Buch bringt insbesondere Informationen über frühere Firmen, Freizeitaktivitäten, Ereignisse und Entwicklungen des Dorfbildes seit etwa 1900.)
Ernst Flath: Die Gründungsgeschichte Schönheides – Zur bevorstehenden Vierhundertjahrfeier des Ortes. In: Glückauf – Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. Nr. 5/1937. Mai 1937. Seiten 65 bis 70 (Eine mit Fotos versehene Beschreibung der Voraussetzungen, des Ablaufs, der Organisation und der rechtlich-administrativen und finanziellen Bedingungen der Besiedlung – als Beispiel erzgebirgisch-vogtländischer Dorfgründungen im 16. Jahrhundert.)
Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), Reprint 1992 (Das etwa 1909 erschienene Buch ist ein grundlegendes Werk über Geschichte – auf der Grundlage von Archivrecherchen –, über Geographie und Geologie sowie über Institutionen, Politik, Wirtschaft und Sozialleben zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. 350 Seiten; Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
Max Grohmann (Hrsg. im Auftrag des Erzgebirgs-Zweigvereins Schönheide): Auf nach Schönheide – Ratgeber in Bild und Wort für Einheimische und Fremde, für Sommerfrischler, Wanderlustige und Wintersportfreunde […], Schönheide o. J. (1916) (Ein 60-seitiges Buch mit zahlreichen Bildern, das die Gemeinde und ihre Umgebung insbesondere unter dem Aspekt behandelt, den Tourismus zu entwickeln, aber auch Infrastruktur und Wirtschaft allgemein vorstellt.)
Siegfried Lenk (Herausgeber Rat der Gemeinde Schönheide): Zur Geschichte der Gemeinde Schönheide (Zur 450-Jahr-Feier im Jahr 1986). Schönheide 1986 (Schwerpunkt der Publikation ist die Entwicklung seit 1900 und besonders in der Zeit des Nationalsozialismus‘, nach dem Zweiten Weltkrieg und in der DDR.)

Daneben sind diese Werke von Bedeutung:

Sachsens Kirchen-Galerie. 11. Band. Das Voigtland, umfassend die Ephorien Plauen, Reichenbach, Auerbach, Markneukirchen, Oelsnitz und Werdau. Dresden 1844, S. 178f. (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) (Der Schönheider Pfarrer Gottlieb Friedrich Wagner beschreibt nach dem Stand von etwa 1840 die Orts- und Kirchengeschichte, die Kirche sowie die Schulentwicklung.)
Georg Buchwald (Herausgeber): Neue Sächsische Kirchengalerie. Ephorie Schneeberg. Leipzig 1902. (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) (Schönheides Pfarrer Friedrich Volkmar Hartenstein beschreibt bebildert für Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide die Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung, Einwohnerentwicklung, Kirchen- und Schulgeschichte, Baugeschichte der Kirche, Glocken und Orgel der Kirche.)
Otto Findeisen: Eibenstock, Schönheide, Bockau. Bilder aus der Geschichte und Industrie des westlichen Obergebirges, Monos-Verlag, Berlin 1924 (Der Eibenstocker Lehrer beschreibt bebildert Geschichte, Einwohnerentwicklung und insbesondere die Entwicklung von Technologien, Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie.)
Siegfried Sieber: Studien zur Industriegeschichte des Erzgebirges. Band 49 der Reihe Mitteldeutsche Forschungen. Köln Graz 1967 (Der Autor beschreibt die Entwicklung zum und im Industriezeitalter. Dabei wird auch die große Rolle des Industriedorfes Schönheide für eine Reihe von Techniken und Vertriebssystemen dargestellt. Auf 23 Seiten des ersten 84 Seiten umfassenden Teils „Das Erzgebirge als Industrielandschaft“ werden Schönheider Entwicklungen behandelt.)
Richard Steche: Schönhaide. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 8. Heft: Amtshauptmannschaft Schwarzenberg. C. C. Meinhold, Dresden 1887, S. 58.
Schönheide. In: Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock (= Werte der deutschen Heimat. Band 11). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1967, S. 102–108.
Weblinks
 Commons: Schönheide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Homepage der Gemeinde
Schönheide im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen