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Geschichte

Reste eines Gutshofs und einer Straße deuten darauf hin, dass das Gemeindegebiet schon in römischer Zeit bewohnt war. Die heutige Siedlung, deren Name „Heim des Saro“ bedeutet, wurde erstmals 792 n. Chr. in einem Schenkungsbuch des Klosters Lorsch als Saraesheim erwähnt. Der Besitz des Ortes wechselte mehrfach, um 1100 gehörte der Ort dem Kloster Hirsau, worauf noch heute die Kugeln im Ortswappen hindeuten.

„Sarissen“ gehörte ab 1589 zum Amt Grüningen, dann zum emanzipierten Amt Großsachsenheim und ab 1806 kurzzeitig zum Oberamt Bietigheim

Im Mittelalter hatten zunächst die Grafen von Vaihingen die hohe Obrigkeit inne, nach deren Aussterben ab 1360 die Grafen von Württemberg; die Ortsherrschaft wurde durch deren Lehnsleute, die Herren von Sachsenheim ausgeübt. Auch andere Adelsfamilien wie die Herren von Helmstatt oder die Landschad von Steinach sowie Klöster hatten in dem Dorf Besitzungen. Im Jahre 1436 unterstellte sich ein Zehntel des Dorfs der württembergischen Herrschaft. Nach dem Aussterben derer von Sachsenheim und dem Erwerb weiterer Besitzungen gehörte das Dorf ab 1589 vollständig zu Württemberg und war anfangs dem Amt Grüningen, dann dem Amt Großsachsenheim unterstellt.

Das mittelalterliche Dorf lag im Dreieck zwischen Metter und Aischbach, die etwas weiter östlich zusammenfließen, und war von einem Holzzaun umgeben. Drei Tore, das Mühltor (zur Metter hin), das Obere oder Vaihinger Tor sowie das Gröninger Tor oder Schaftor am südlichen Ende der Schlossstraße, führten nach außen.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Sersheim fast vollständig entvölkert; von 800 Einwohnern blieben nur 50 übrig. Erst ein Jahrhundert später war wieder die alte Einwohnerstärke erreicht. Bei der Reorganisation der württembergischen Verwaltung um 1806 kam das Dorf zunächst zum Oberamt Bietigheim, kurze Zeit später zum Oberamt und späteren Landkreis Vaihingen.

Im Jahre 1853 kam mit dem Bau der Westbahn das Industriezeitalter nach Sersheim und brachte den Einwohnern neue Erwerbsmöglichkeiten durch Arbeit in außerhalb gelegenen Betrieben. Sersheim selbst blieb hauptsächlich eine Wohngemeinde. Der Bahnhof Sersheim lag außerhalb an der Landstraße nach Kleinglattbach. Bereits 1863 erfolgte seine Umbenennung in Vaihingen-Sersheim.

Im Jahre 1905 erhielt Sersheim einen ortsnahen Haltepunkt. Der war am Hang etwas südlich des Ortskerns angelegt worden; durch die Anlage neuer Wohngebiete um den Bahnhof herum hat sich der Schwerpunkt der Siedlung seither etwas verschoben.

Im Ersten Weltkrieg fielen 49 Sersheimer, im Zweiten Weltkrieg 119. Nach Ende des Krieges stellten Heimatvertriebene etwa ein Viertel der Bevölkerung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich der Ort überwiegend nach Süden hin. Beiderseits des Aischbachs und nördlich der Bahnanlage entstanden die Wohngebiete Auf dem Kies (1950), Hochhalter (1950/60), westliche Oberriexinger Straße (1966/70, 1973), Waldeck (1973/76) und Alter Sportplatz (ab 1976). Im nördlichen Teil Sersheims waren es die Wohngebiete Im Sommerrain (1965/1968) und Ob der Mühle (1966/70). Das westliche Gewerbegebiet entstand in den frühen 1950er Jahren.

Bei der Kreisreform 1973 wurde der Ort in den Landkreis Ludwigsburg eingegliedert. Bei der gleichzeitig ablaufenden Gemeindereform war die Eigenständigkeit der Gemeinde durch eine mögliche Eingemeindung nach Vaihingen an der Enz bedroht. Um diesem Schicksal zu entgehen, bemühte sich Sersheim seinerseits, die etwas kleinere Nachbarstadt Oberriexingen einzugemeinden. Diese Bemühungen schlugen fehl, die Eigenständigkeit blieb jedoch im Rahmen einer Verwaltungsgemeinschaft mit Vaihingen bestehen. Von 1970 bis 1990 stieg die Einwohnerzahl um gut ein Drittel.

Seit 1984 unterhält Sersheim eine Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde Canale. 1989 errichtete die Gemeinde dort als Geschenk ein Feuchtbiotop im Valle delle Rocche, wofür Sersheim die Ehrenfahne des Europarats verliehen wurde.

Bisherige Namen von Sersheim: Saraesheim (8. Jh.), Sarawasheim (9. Jh.), Sarssheim (12. Jh.), Sarweshein (13. Jh.), Saerwishein (14. Jh.), Serwsshein (15. Jh.), Sershain (16. Jh.), Seresheimb (17. Jh.), Serssheim (18. Jh.) und Sersheim (ab 19. Jh.)

Im schwäbischen Volksmund auch „Sersse“ genannt.

Religionen

Seit Einführung der Reformation in Württemberg ist Sersheim überwiegend evangelisch geprägt. Neben der landeskirchlichen Gemeinde gibt es auch eine evangelisch-methodistische Gemeinde und das freikirchliche „Jesus-Zentrum“. Aber auch eine römisch-katholische Gemeinde, die neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas sind im Ort vertreten.

Politik
Hinweistafel am südlichen Ortseingang
Bürgermeister

Bürgermeister der Gemeinde Sersheim ist Jürgen Scholz.

Gemeinderat

Seit der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014 hat der Gemeinderat 14 Mitglieder. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

FW-FWS1 4 Sitze (28,93 %)
CDU-FSL3 4 Sitze (25,81 %)
UBS4 3 Sitze (23,97 %)
SPD-SW2    3 Sitze (21,30 %)

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

1Freie Wähler – Freie Wählervereinigung Sersheim,
2[…]- Sersheimer Wählergemeinschaft,
3[…]- Freie Sersheimer Liste,
4Unabhängige Bürger Sersheim e. V.

Wappen und Flagge

Das Sersheimer Wappen zeigt in Gold ein rotes Büffelgehörn mit Grind, zwischen den Hörnern drei (1:2) rote Kugeln. Das Büffelgehörn weist auf die Herren von Sachsenheim hin, die bis 1561 die Ortsherrschaft innehatten. Die Bedeutung der drei Kugeln ist nicht sicher; möglicherweise weisen sie – als Attribut des Hl. Nikolaus auf das Kloster Hirsau hin, das seit dem frühen 12. Jahrhundert in Sersheim begütert war. Der Entstehungszeitpunkt des Wappens ist ungeklärt, es wird vermutlich mindestens seit dem frühen 19. Jahrhundert verwendet. Die heutige Form des Wappens wurde durch Beschluss des Gemeinderats vom 2. Dezember 1955 festgelegt.

Am 9. Oktober 1980 wurde der Gemeinde durch das Landratsamt Ludwigsburg eine Flagge in den Farben Rot-Gelb verliehen.

Partnerschaft

Sersheim unterhält eine Partnerschaft zu der italienischen Gemeinde Canale im Piemont.

Kultur, Sehenswürdigkeiten, Tourismus
Bauwerke
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Sersheim

Der alte Ortskern wird durch Vaihinger Straße, Sedanstraße und den Metterweg begrenzt und gruppiert sich um die Schlossstraße, in der sich auch die wichtigsten Gebäude befinden. Der Name der Straße erinnert an das Untere Schlössle, das ab 1479 erbaut wurde, von dem aber nach wechselvoller Geschichte nur noch Mauerreste vorhanden sind. 1988 und 1992 wurde auf dem Schlossgelände das neue Rathaus und das Bürgerhaus errichtet.

Zu den weiteren ortsprägenden historischen Gebäuden gehört vor allem aber die evangelische Pfarrkirche in der Schlossstraße. Ihre Ursprünge gehen auf das 11. Jahrhundert zurück, aus dem noch Teile des Turmes stammen. Im Jahr 1753 wurde das Kirchenschiff neu aufgebaut und dabei wesentlich vergrößert.

Das 1568 errichtete Obere Schlössle befindet sich in der Backgasse. Der Widdumhof ist ein großes historisches landwirtschaftliches Anwesen, das vom 16. bis zum 18. Jahrhundert der Versorgung des örtlichen Pfarrers diente und auch danach noch mit Sonderrechten ausgestattet war.

Die Fessler Mühle (auch Untere Mühle) ist ein historisches Mühlenanwesen, das bereits im späten 14. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. Die mindestens ebenso alte Obere Mühle brannte 1934 ab. Heute befindet sich an deren Standort die 1942/43 erbaute Mühle Grau.

Museen

Museale Einrichtungen in Sersheim sind das Strich-Chapell-Zimmer und das Schmiedemuseum im Bürgerhaus.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jedes zweite Jahr (in ungeraden Jahren) Ende Juni richten Gemeinde und Vereine zusammen das Luggeles-Feschd aus, dessen Name sich auf den Spitznamen der Sersheimer (Luggele = Küken) bezieht. Dieser ist angeblich durch die beengte Lage des Orts entstanden, in dem sich die Häuser „wie Küken um die Henne“ (die Kirche) anschmiegten. Eine andere Erklärung des Spitznamens ist, dass im Sersheimer Dialekt das Wort „hier“ „hear“ gesprochen wird, was in anderen Gegenden aber „Hühner“ bedeutet. Wenn nun die Sersheimer in der Kirche sagten: „Herr, mir send hear“, also„ Herr, wir sind hier“, verstanden Ortsfremde: „Herr, wir sind Hühner“. Und von den Hühnern zu den Luggele ist es ein kurzer Weg.

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehört auch das vom örtlichen Verein für Tractorpulling ausgerichtete Trecker Treck. Auch findet jährlich am ersten Wochenende im Mai das Schwarzpulverschießen mit Lager der Plattfußindianer statt. Alle zwei Jahre wird im November in der Schlossstraße ein Krämermarkt mit Hobbykünstlermarkt abgehalten.

Sport

Im Ort besteht eine Freiluft-Tennisanlage, eine Mehrzwecksporthalle, eine Gymnastikhalle, ein Rasenspielfeld mit einer Schulsportanlage sowie einen weiteren Rasenplatz. Zusätzlich gibt es im Sportzentrum zwei Beachvolleyballfelder und eine Finnenbahn. Außerdem gibt es auch noch einen Bolzplatz und einen separaten Festplatz.

2005 wurde der Sandplatz zu einem Rasenplatz modernisiert. Auch die Leichtathletikanlage wurde komplett neu angelegt.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Bahnhof in Sersheim

1853 bekam der Ort durch den Bau der Württembergischen Westbahn zwischen Bietigheim und Bruchsal einen Eisenbahnanschluss. In Richtung Stuttgart besteht mit Regional-Express-Zügen ein Stundentakt, in die andere Richtung besteht ein Zweistundentakt in Richtung Heidelberg bzw. Karlsruhe. Bis Mühlacker besteht aufgrund der Überlagerung beider Linien ein Stundentakt. Ferner liegt Sersheim an der Linie S 5 der Stadtbahn Karlsruhe, die den Ort im Stundentakt bedient, am Wochenende im Zwei-Stunden-Takt.

Zu den Nachbarorten Kleinglattbach, Horrheim und Großsachsenheim bestehen Landesstraßen, nach Hohenhaslach und Oberriexingen führen Kreisstraßen.

Durch Sersheim führt der Stromberg-Murrtal-Weg, ein Landesfernradweg.

Ansässige Unternehmen

In den bestehenden Gewerbegebieten Aischbach und Hofäcker befinden sich u. a. die Unternehmen
Fontanis Mineralbrunnen GmbH und ALWA Mineralbrunnen GmbH (Mineralwasserabfüllung),
Früwe Fruchtsaft GmbH (Fruchtsaftproduktion) – Hauptsitz Karlsruhe,
Arcelor Mittal (Blech- und Edelstahlverarbeitung),
Metal und Fensterbau Mozer,
Stanzwerk Grau,
Getränkehandel Ackermann,
und REVEN (Gebäudetechnik).

Das Gewerbegebiet „Eichwald“ ist auf einer ehemaligen Radarstation der US-Armee entstanden und wird gemeinsam mit den Städten Sachsenheim, Oberriexingen und Bietigheim-Bissingen betrieben. Im November 2005 wurde dort ein Getränkelogistikzentrum der Firma Winkels Getränke Logistik GmbH fertiggestellt und in Betrieb genommen. Das Unternehmen investierte ca. 15 Millionen Euro in den Bau der 17.500 m² großen Halle auf einem 50.000 m² großen Gelände. An 47 Laderampen können Getränke-LKWs be- und entladen werden. Für dieses Gewerbegebiet entstand auch eine Umgehungsstraße vom Ortseingang (Groß-) Sachsenheim bis zum Ortsausgang von Sersheim. Die Umgehungsstraße wurde am 22. und 23. Juli 2006 zusammen mit dem Gewerbegebiet feierlich eingeweiht.

In Sersheim gibt es auch noch Unternehmen außerhalb der Industriegebiete:
Fessler (Mühle, Bäckerei und Sportstudio),
Fa. Auto-Meisel (Fahrzeughandel)

Medien

An jedem Mittwoch erscheint die Gemeindezeitung s’ Blättle in schwarz-weiß, jedoch mit farbiger Titelseite.

Bildung

In Sersheim gibt es mit der „Hofäckerschule“ eine Grund-, Haupt- und Werkrealschule. Seit November 2006 wird an drei Tagen in der Woche eine Ganztagsbetreuung angeboten. Zudem gibt es zwei Museen. Das Strich-Chapell-Zimmer und das Schmiedemuseum im Archiv (Steinhaus).

Persönlichkeiten

In Sersheim lebte lange Jahre der schwäbische Kunstmaler Walter Strich-Chapell. Der bekannte Spieleautor Klaus Palesch sowie der Schriftsteller Jochen Weeber sind in Sersheim aufgewachsen.