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Geschichte
Stockach 2005 (Blick vom Nellenburger Hang)
Luftbild von Stockach (2006)

Gräberfunde lassen sich aus der Hallstattzeit (700 v. Chr.), der Kelten- (4. Jahrhundert v. Chr.) und der Alemannenzeit (400 bis 800 n. Chr.) in der Vorstadt Rißtorf nachweisen. Kleinfunde belegen überdies, dass das Gebiet auch in römischer Zeit (ca. 10 v. Chr. bis 400 n. Chr.) besiedelt war. In Wahlwies konnte ein römischer Gutshof nachgewiesen werden.[8]

Zwischen 750 und 1056 wurde die Nellenburg gebaut und erweitert. Neben einem älteren Dorf im Tal der Stockacher Aach an der Kreuzung zweier ehemaliger Römerstraßen gründeten Mitte des 13. Jahrhunderts die Grafen von Nellenburg auf einer geschützten Anhöhe die Stadt Stockach nach einfach gegliedertem Plan, seit 1275 bestand das Amt Stockach in der Grafschaft Nellenburg, im Jahr 1278 (wahrscheinlich) oder 1283 (belegt) erhielt Stockach das Stadtrecht, als Graf Mangold von Nellenburg einen Vertrag mit den Worten „datum et actum in civitate stoka“ unterzeichnen ließ.[9]

Im Jahr 1351 soll Kuony von Stocken (auch manchmal als Hans Kuony) für seinen weisen Rat bei der Schlacht am Morgarten im Jahr 1315 das Privileg eines Narrengerichtes erhalten haben. Das nicht erhaltene Privileg gilt als Ursprung des heutigen Stockacher Narrengerichtes.[9]

Nach dem Aussterben der dritten Linie der Grafen von Nellenburg kam Stockach mit der Landgrafschaft Nellenburg an die Freiherren von Tengen. Johannes von Nellenburg-Tengen verkaufte 1465 das Stockacher Land samt Stadt für knapp 38.000 Gulden endgültig an die Habsburger und die Grafschaft Nellenburg kam zu Österreich. Über viele hundert Jahre regierten die vorderösterreichischen Landvögte in Stockach. Mit dem damals hochverschuldeten Nellenburger haben die Stockacher bis heute wenig Mitleid. Das Haus Habsburg blieb bis 1805 Stadt- und Landesherr (Vorderösterreich).

Im Jahr 1499 zeigte sich, dass die Herrschaft der Österreicher nicht alleinige Sicherheit brachte. Im Zuge des Schweizerkriegs (auch als Schwabenkrieg bekannt) drangen die eidgenössischen Schweizer in den Hegau vor – und bis vor die Tore Stockachs.[9] Es kam zur vergeblichen Belagerung Stockachs.[10] Eine Begebenheit, an die der sogenannte „Schweizer Feiertag“ als Traditionsveranstaltung heute noch erinnert.

Im Jahre 1704, während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714), ließ der bayerische Kurfürst Max Emanuel Stockach weitgehend niederbrennen. 1770 übernachtete die Habsburger Erzherzogin Marie-Antoinette auf ihrem Weg zur Hochzeit mit dem französischen Thronfolger, im habsburgischen Stockach.[9] Stockach war damals Teil von Schwäbisch-Österreich und ein bedeutender Straßenknotenpunkt zwischen Ulm, Schaffhausen, Tuttlingen und Konstanz.[11] Hier kreuzten sich der Postkutschenverkehr auf der Strecke Wien-Paris/Brüssel, Stuttgart-Zürich sowie Ulm-Basel. Der gesamte Fuhrverkehr musste sich hier die Kirchhalde hochquälen, dabei entstanden häufig Schäden an den Fuhrwerken. Die ortsansässigen Handwerker, wie der hier seit 1790 ansässige Seiler, verdienten gut an dem Durchgangsverkehr.[12]

Die turbulenten Zeiten für Stockach begannen mit der Französischen Revolution (1789 bis 1799) und mit Napoleon Bonaparte. Der Kaiser der Franzosen war ein gnadenloser Machtmensch: Im Kriegsjahr 1799 lag die Frontlinie der sich im Zweiten Koalitionskrieg bekämpfenden Österreicher unter Erzherzog Karl und Franzosen unter General Jourdan zwischen Stockach und dem Witthoh. Am 25. März 1799 kam es zur Schlacht bei Stockach und Liptingen bei der, der in Diensten der Habsburger stehende Feldmarschallleutnant, Karl Aloys Fürst zu Fürstenberg bei Liptingen gefallen ist und von seinen Soldaten zur Aufbahrung in die Stadt gebracht wurde.[9] Im Zuge des Schlachtverlaufes errangen die Österreicher einen Sieg über die Franzosen. Dieses Glück währte jedoch nicht lange: Als Napoleon sich 1804 zum König von Italien krönte, kam es erneut zum Krieg mit Österreich. Die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden schlossen sich gestärkt durch den Reichsdeputationshauptschluss Frankreich an. Im Jahr 1805 war das Ende der österreichischen Herrschaft in Süddeutschland besiegelt, Napoleon trat jetzt als Reformator Europas auf und belohnte seine Kriegspartner mit den ehemals schwäbisch-österreichischen Gebieten. Stockach fiel damals zunächst an Württemberg. Erst am 23. November 1810 wurde das Stockacher Oberamt an Baden übergeben.[13] Am 9. März 1848 wurde im Zuge der bürgerlich-revolutionären Erhebung zum ersten Mal in Deutschland vom Dandler-Balkon in Stockach die Deutsche Republik ausgerufen, als Joseph Fickler, der Redakteur der Konstanzer „Seeblätter“, vor 6000 begeisterten Männern aus dem ganzen Seekreis eine flammende Rede hielt. Doch wurde die revolutionäre Stimmung schon bald durch bayrische, später württembergische und preußische Truppen erstickt. Erst Ende 1851 zogen die letzten Besatzungstruppen ab.[9][14]

Stockach um 1907

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte in Stockach die Industrialisierung ein, im Tal der Aach entstandenen Industriebetriebe und Stockacher Bürger bauten prächtige Häuser wie die Villa Fahr und die Villa Hablitzel, die heute im Kontrast zu den Bürgerhäusern in der Oberstadt stehen[15]: 1890 wurde eine Filiale der Trikotagenfabrik Schiesser aus Radolfzell (bis 1995) errichtet, 1892 wird Stockachs bedeutendster Industriebetrieb, die Eisengießerei Fahr, in Betrieb genommen (bis 1985).[16] Des Weiteren entstanden traditionsreiche Hotels, die Bahnstrecke Radolfzell–Stockach mit dem Bahnhofsgebäude wurde 1867 eröffnet und der Straßenbau wurde vorangetrieben.[17] So wurde 1844 der weniger stark ansteigende Stadtwall (Neue Straße) zur Straße ausgebaut.[12] 1913 besuchte Großherzogin Hilda von Baden Stockach.[9]

Im Zweiten Weltkrieg wurde Stockach am 22. und 25. Februar 1945, im Rahmen der alliierten Operation Clarion, eines gemeinsamen Unternehmens der US-amerikanischen und britischen Luftstreitkräfte, Ziel von zwei Luftangriffen. Bomber warfen an beiden Tagen über Stockach Sprengbomben ab, 24 Tote waren zu verzeichnen. Ziel der Angriffe waren das Bahnhofsareal und die Maschinenfabrik Fahr, in der Gussteile für Panzer produziert wurden.[18] Stockach wurde als erste Stadt im Bodenseegebiet am Abend des 21. April 1945 von einer motorisierten Einheit der Französischen Armee unter General Jean de Lattre de Tassigny eingenommen, woraufhin es zu Übergriffen auf die Zivilbevölkerung kam. Insgesamt kam es zu 50 bis 60 Vergewaltigungen. Am Abend des 22. April zogen die Franzosen Richtung Überlingen weiter, während Bürgermeister Adolf Wendling als Geisel zu Fuß nach Tuttlingen gebracht und Ernst Sigel als neuer Bürgermeister eingesetzt wurde. Einer aus der Radolfzeller Kaserne kommenden Gruppe der Waffen-SS gelang es am 23. April ins befreite Stockach vorzustoßen und fünf französische Soldaten zu töten. Die SS verübte außerdem ein Massaker an 20 ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, die im Stadtgarten provisorisch beigesetzt wurden. Am 24. April rückten die französischen Truppen erneut in Stockach ein. Als Racheakt wurden zehn prominente Stockacher Männer[19] als Geiseln genommen, welche umgehend erschossen werden sollten. Außerdem wurde gedroht, die Stadt niederzubrennen. Dem damals 36-jährigen Pfarrverweser Alois Mutz, dem neuen Bürgermeister Ernst Sigel und anderen gelang es, die Franzosen von dieser Tat abzuhalten, indem sie unter Eid erklärten, dass die Stockacher an diesen Untaten unschuldig seien.[20][21][22][23] Mit einem 1995 errichteten Denkmal im Stadtgarten wird an die Bemühungen von Alois Mutz und Ernst Sigel nach Kriegsende erinnert. Stockach war nach dem Krieg Teil der Französischen Besatzungszone.

An einige Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in Stockach erinnern dreizehn in der Hauptstraße und der Tuttlinger Straße verlegte Stolpersteine.

Von 1936 bis 1972 war Stockach Kreisstadt des Landkreises Stockach. Nach der Auflösung im Zuge der Kreis- und Verwaltungsreform vom 1. Januar 1973 kam Stockach zum Landkreis Konstanz.

In den Fünfziger und Sechziger Jahren gab bis zu 1200 Schüler bzw. Studenten an der privaten Lang-Schule im Osterholz. Diese Techniker-Schule existiert heute nicht mehr.

Am 1. Oktober 2010 entging die historische Altstadt nur knapp einer Brandkatastrophe: In der Oberstadt, hier sind die Häuser größtenteils am Giebel zusammengebaut, kam es in der Kronengasse beim „Alt Stocken“ am Gustav-Hammer-Platz zu einem Großbrand.[24]

Geschichte der Stadtteile
Espasingen

902 „Aspensinga“, wohl vom Personennamen Aspasius. Vermutlich ehemaliges alemannisches Herzogsgut, Besitz der Grafen von Nellenburg und des Klosters St. Georgen. Die Herren von Espasingen waren 1106–1169 edelfrei, 1263–1395 Ministerialen, später offenbar in Stein am Rhein verbürgert. Das Niedergericht hatten spätestens seit dem 15. Jahrhundert die Herren von Bodman inne, die Steuer gingen an die Hegauer Ritterschaft, alle anderen Hoheitsrechte lagen bei der Landgrafschaft Nellenburg. Mit dieser fiel Espasingen 1806 an Württemberg, 1810 an Baden.[25]
Das Schloss der Herren von Bodman diente von 1939 bis 1968 als Brauerei und steht heute weitgehend leer.

Hindelwangen

Erste Erwähnungen des Ortes erfolgen 1138 als „Huntwanga“, „Hundelwanc“ (1211) später „Hindelwang“ (1269). Früher im Besitz der Reichsabtei Salem. Aus dem Jahre 1211 existiert eine Urkunde, die im Rahmen einer Schenkung die Gegenwart des Ritters Heinrich von Hundelwanc bestätigt. Herren von Hindelwangen 1214 und Anfang des 13. Jahrhunderts erwähnt, jedoch nicht sicher einzuordnen. Gehörte ebenfalls zur Landgrafschaft Nellenburg (s.o.).[26]

Siehe auch: Hildisburg

Hoppetenzell

Hoppetenzell wird im Jahre 777 zum ersten Mal im Testament des Abtes Fulrad des Klosters St. Denis (bei Paris) urkundlich erwähnt. Demnach gehörte zum Besitz des Klosters ein Flecken im Hegau, der mit „Adelungcella“ (oder auch „Adelungscella“ oder „Adalongo cella“, vom Personennamen Adalun) bezeichnet wird. Nachweislich handelt es sich dabei um die heutige Ortschaft Hoppetenzell. 856 „Adalungicella“, 866 „Hadalongcella“, 1275 „Celle“, 1420 und 1456 „Zell im Madach“, 1493 „Hoppentzer Zell im Madach“, Herkunft der Namensform nicht geklärt. Der Ort wurde Fulrad durch Adalung, Bischof von Eichstätt übertragen. Später offenbar in Herzogsbesitz. Das Niedergericht besaß 1448 die Johanniterkommende Überlingen, vermutlich aus einer Schenkung der Herren von Bodman. Sämtliche anderen Rechte lagen bei der Landgrafschaft Nellenburg (s.o.).[27]

Mahlspüren im Hegau

Im 13. Jahrhundert „Walsburon“, 1291 „Walsburron“, 1360/70 „Malsburren“, sonst bis Anfang des 17. Jahrhunderts Schreibweise überwiegend mit „W“. Ableitung vom Personennamen Walah fraglich. Früher Besitz der Grafen von Nellenburg und des Konstanzer Bischofs. Burgstall und Niedergericht 1603 durch die Vormünder des Albrecht Hans v. Reischach-Immendingen an Erzherzog Maximilian verkauft, seither zur Landgrafschaft Nellenburg (s.o.), die sämtliche anderen Rechte besaß.[28]

Siehe auch: Burg Mahlspüren (bei den Burgäckern)

Mahlspüren im Tal / Seelfingen

1091 „Madelesprun“, 1167 „Madilsburran“, 1169 „Madilsbiuron“, vom Personennamen Madel / Mada-lo. Früher Besitz der Grafen von Nellenburg. Niedergericht in Adelsbesitz, 14. Jahrhundert wohl Herren von Heudorf, 1479–1803 im Besitz des Spitals Überlingen, vermutlich durch Kauf von den Herren von Hasenstein. Blutbann bei der Landgrafschaft Nellenburg. Mahlspüren kam 1803 an Baden.[28]

Raithaslach

1155 „Raithaselah“. Früher Besitz der Konstanzer Dompropstei sowie der Klöster Salem und Petershausen. Gehörte spätestens 1307 zur Landgrafschaft Nellenburg (s.o.), die dort alle Hoheitsrechte hatte.[29]

Wahlwies

839 „Vvalahvis“, 946 „Vvalavvis“, 1247 „Walewis“. Ortsname nicht sicher zu deuten, evtl. Ableitung von ahd. walah = Romane, Welscher. Hier fanden zwei Schlachten statt: 355 gegen die Römer, und 915 gegen das Bistum Konstanz um die Wiederherstellung des schwäbischen Herzogtums. Alemannischer Herzogsbesitz, später Besitz zahlreicher Adelsfamilien sowie der Klöster St. Georgen im Schwarzwald und St. Blasien. In Wahlwies wurden Landtage des schwäbischen Herzogs abgehalten. Vielleicht örtlicher Niederadel im 13./14. Jahrhundert Niedergerichtsherrschaft seit dem 15. Jahrhundert in Händen der Herren von Bodman, vorher der Herren von Homburg. Steuerte zur Ritterschaft, den Blutbann hatten die von Bodman als nellenburgisches Lehen und Nellenburg selbst je zur Hälfte. Wahlwies kam 1806 an Württemberg, 1810 an Baden.[30] Wahlwies ist vor allem durch das dortige Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf und eine Waldorfschule bekannt.

Siehe auch: Burg Wahlwies (Bauernwacht)

Winterspüren

1101 „Ginteres-bouron“, „Wintersbouron“ [ou = u über dem o], 1275 „Winterbúrron“. Früher Grundbesitz des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Edelfreie Herren von Winterspüren um 1100. Niedergerichtsherrschaft vermutlich in Händen der Herren von Hohenfels, 1477 vermutlich von Herzog Sigmund von Österreich erworben, zur Landgrafschaft Nellenburg (s.o.), die alle sonstigen Rechte hatte.[31]

Siehe auch: Burg Winterspüren

Zizenhausen
Zizenhausen um 1880. Aquarell v. Gustav v. Bechtolsheim
Heidenhöhlen bei Zizenhausen

1227 „Zitzenhausen“. Gehörte mit allen Rechten der Landgrafschaft Nellenburg (s.o.), das Niedergericht wurde 1787 dem Landrichter Carl Anton von Krafft, seit 1781 Grundherr daselbst, überlassen.[32] Die Ortschaft Zizenhausen hat rund 1200 Einwohner. Der Ort ist bekannt durch die Zizenhausener Terrakotten aus einer Manufaktur des 19. Jahrhunderts. Ein Teil dieser von Sammlern hoch begehrten Tonfiguren ist im Schloss Zizenhausen und im Stockacher Stadtmuseum zu bewundern. Neben zahlreichen Darstellungen ist besonders der „Basler Totentanz“ bekannt.
Der Ort liegt sieben Kilometer nördlich des Bodensees im Hegau. Geologisch interessant sind die im Ortsgebiet gelegenen „Heidenhöhlen“.

Eingemeindungen

Im Zuge der baden-württembergischen Gebietsreform in den 1970er Jahren wurden am 1. Dezember 1971 Hindelwangen, am 1. Juli 1972 Winterspüren, am 1. Januar 1973 Espasingen und Mahlspüren im Tal, am 1. Januar 1974 Mahlspüren im Hegau, Raithaslach und Zizenhausen und am 1. Januar 1975 Hoppetenzell und Wahlwies nach Stockach eingemeindet.[33]

Die eingemeindeten Gemeinden bilden Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.

Einwohnerentwicklung

1797 waren in Stockach 140 Herdstellen registriert, was etwa 900 Einwohnern entsprach.[13] Bei der Kreisreform Baden-Württemberg 1973 war Stockach mit seinen damals 6500 Einwohnern die kleinste Kreisstadt in Baden-Württemberg.[34] Zum 31. Dezember 2009 zählte Stockach eine Gesamtbevölkerung von 16.618 Personen.[35]

Religionen
Kath. St.-Oswald-Kirche

In Stockach gibt es zwei evangelische – in Stockach und Wahlwies – und in den verschiedenen Ortsteilen mehrere katholische Kirchen. Die Stadt gehört zum Kirchenbezirk Überlingen-Stockach der Evangelischen Landeskirche in Baden mit Sitz in Salem.

Folgende Kirchen und Glaubensgemeinschaften sind in Stockach vertreten:

Römisch-katholische Kirche
Evangelische Landeskirche in Baden
Freie Christengemeinde
Jehovas Zeugen
Neuapostolische Kirche
Politik
Verwaltungsgemeinschaft

Die Stadt ist auch Sitz einer Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft mit den Gemeinden Bodman-Ludwigshafen, Eigeltingen, Hohenfels, Mühlingen und Orsingen-Nenzingen mit (2005) insgesamt rund 30.570 Einwohnern. Die Verwaltungsgemeinschaft wurde am 1. Oktober 1975 konstituiert.

Kommunalwahl 2014[36]
Wahlbeteiligung: 45,1 % (2009: 46,3 %)

 %403020100

39,8 %22,6 %17,4 %14,0 %6,2 %

CDUFWGSPDGrüneFDP
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10-12

+5,5 %p
-10,8 %p+1,5 %p+4,6 %p-0,8 %p
CDUFWGSPDGrüneFDPVorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu lang
Gemeinderat

Dem Gemeinderat gehören neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 31 Mitglieder an. Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte zu folgendem Ergebnis:

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze +/−
CDU 39,8 % 130 + 2
FWG 22,6 % 7 − 3
SPD 17,4 % 5 ± 0
GRÜNE 14,0 % 4 + 1
FDP 06,2 % 2 ± 0

Bürgermeister

Am 27. September 2009 wurde Rainer Stolz mit 63,7 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 64,83 Prozent in seinem Amt als Bürgermeister bestätigt. Er hatte 1993 Franz Ziwey nach 24 Amtsjahren abgelöst.[37]

1945/46 Ernst Sigel
1946–1969: Dr. Alois Deufel[38]
1970–1993: Franz Ziwey[38]
seit 1993: Rainer Stolz
Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Gold ein silberner Schrägbalken, belegt mit einem roten Ast, oben und unten je eine schrägrechtsliegende, vierendige blaue Hirschstange.“
Hinsichtlich des Stock-acher Ast ist es redend.

Städtepartnerschaften

Seit 1972 wird eine Städtepartnerschaft mit der in Hochsavoyen gelegenen französischen Stadt La Roche-sur-Foron unterhalten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Stockach versteht sich als das „Tor zum Bodensee“. Aus diesem Grund wurde auch 2010 am südlichen Stadtausgang ein gleichnamiges Kunstwerk platziert.[39]

Der Stockacher Streuobstlehrpfad führt durch eine rund fünf Hektar große Anlage. Hier können 70 verschiedene Obstsorten betrachtet, gekostet und bestimmt werden. Vor allem alte, für die Kulturlandschaft am Bodensee typischen Sorten wurden hier teilweise neu angepflanzt.[40]

Musik
Chöre: Eintrachtchor 1836, Kammerchor, sechs Gesangsvereine.
Orchester: Akkordeon-Orchester Wahlwies, Kammerorchester, Musikschule, acht Musikvereine, zwei Schalmeiengruppen
Museen

Im Alten Forstamt, im 1. und 2. Dachgeschoss über der Stadtbücherei, befindet sich das Stadtmuseum Stockach. [41]

Bauwerke
Neumeister-Uhr in der Hauptstraße 17
Die katholische Kirche St. Oswald mit ihrem barocken Zwiebelturm liegt an der sogenannten Kirchhalde. Um den notwendig gewordenen Neubau von St. Oswald tobte 1931/32 in Stockach ein heftiger Streit: Pfarrer und Stiftungsrat wollten eine moderne Kirche nach dem Entwurf von Architekt Otto Linder errichten. Ein paar beherzte Stockacher kämpften um den Erhalt des Stockacher Wahrzeichens und setzten beim Erzbischof eine Volksabstimmung durch. So kam eine Kompromisslösung zustande: die Rekonstruktion der barocken Zwiebelhaube mit einem modernen Kirchenschiff im Stil der neuen Sachlichkeit.[9][42] In der Vorhalle befinden sich zwei barocke Epitaphien von Joseph Anton Feuchtmayer bzw. Johann Georg Dirr.
Die evangelische Melanchthonkirche von 1883/84 wurde 1962 erweitert.
Loretokapelle (18. Jahrhundert) mit barocker Kreuzigungsgruppe und Pfleger-Orgel von 1661, der ältesten bespielbaren Orgel Badens [43]
Kath. Kirche St. Michael in Hindelwangen mit Pietà (um 1500) und Schutzmantelmadonna (Relief von Hans Ulrich Glöckler, 1610)
In Zizenhausen, Sennhofstraße, befindet sich die Herz-Jesu-Kirche. Sie wurde 1895 im neugotischen Stil erbaut und genordet. Ihr Chorflankenturm entstand nach 1913. Die Ausstattung stammt aus der Erbauungszeit: Schnitzaltäre, Empore und Kanzel und figürliche Bemalung an der Wand um den Chorbogen:
Burgruine Nellenburg
Schloss Espasingen (zuletzt Brauerei und Mälzerei)
Hans-Kuony-Brunnen von Werner Gürtner (1973)
Stockach beherbergt zwei Skulpturen des im nahen Bodman-Ludwigshafen lebenden Bildhauers Peter Lenk, der „Ehrenwortbube“ und das „U-Boot U20“.
In Stockach befindet sich Deutschlands älteste noch funktionierende elektroautomatische Außenuhr. Sie wurde 1895 in Betrieb genommen.[44]
Regelmäßige Veranstaltungen
„Hänsele“ der Narrenzunft „Narrengericht zu Stocken“

Bekannt ist Stockach nicht zuletzt durch seine schwäbisch-alemannische Fastnacht mit dem jährlichen „Stockacher Narrengericht“ am „Schmotzige Dunschtig“, das seit 1351 besteht. Es geht auf eine Begebenheit zurück, bei der der Hofnarr Kuony von Stocken dem Erzherzog Leopold I. von Österreich vor der Schlacht am Morgarten gegen die Schweiz zu bedenken gab: „Ihr wisst wohl, wie Ihr in die Schweiz hineinkommt, aber nicht wie raus.“ Die Schlacht wurde verloren. Herzog Albrecht der Weise gewährte daraufhin Stockach das Narrengerichtsprivileg für alle Zeiten. Das Narrengericht wählt jedes Jahr einen neuen Beklagten aus, der in der öffentlichen und vom SWR-Fernsehen übertragenen Hauptverhandlung vor dem „Hohen Grobgünstigen Narrengericht“ durch den Kläger angeklagt, durch den Fürsprech verteidigt, dann sich selber verteidigt. Das Urteil durch den Richter sieht zur Strafe je nach Schwere der Schuld vor, einen oder mehrere Eimer Weines (österreichisches Hohlmaß von 60 Liter) bis zum Laetare-Tag als Buße zu liefern.[45]

Jährlich im Sommer (Ende Juni) wird am „Schweizer Feiertag“ des erfolgreichen Widerstands gegen die schweizerische Belagerung während des Schwabenkrieges (1499) gedacht und mit einem Straßenfest gefeiert.

Wirtschaft und Infrastruktur

Stockach lebt vom Tourismus und einer doch stattlichen Anzahl an Firmen, die international tätig sind. So hat z.B. die ETO-Gruppe dort ihren Sitz. Das Industriegebiet „Hardt“ und das Gewerbegebiet „Blumhof“ liegen jeweils an einer Autobahnauffahrt. Im Ortsteil Hindelwangen gibt es noch das Gewerbegebiet „Himmelreich“.[46]

Verkehr
Nahverkehrszug auf dem Seehäsle

Die Stadt Stockach ist über die Bundesautobahn 98 über zwei Ausfahrten erreichbar. Im Ort kreuzen sich die Bundesstraßen 14, 31 und 313. Seit 1996 kann man die Stadt wieder mit der Bahn erreichen. Die Seehäsle genannte Linie Stockach – Radolfzell vereinigt sich in Stahringen mit der Bodenseegürtelbahn und hat in Radolfzell Anschluss zu der Seehas genannten Nahverkehrslinie Engen – Singen – Radolfzell – Konstanz.

Gericht, Behörden und Einrichtungen

Stockach ist Sitz des Amtsgerichts Stockach, das zum Landgerichtsbezirk Konstanz gehört.

Vom Landratsamt Konstanz gibt es eine Außenstelle für KFZ-Zulassungen und Führerscheine, die im Rathaus untergebracht ist.

Postwesen

Stockach war schon im 16. Jahrhundert eine bedeutende Poststation. Über Jahrhunderte liefen hier große, zwischenstaatliche Reiter- und Postkurse der Strecken Ulm-Basel, Stuttgart-Zürich und Wien-Paris zusammen. 1845 zählte die hiesige Posthalterei noch 60 Pferde.[47]

Bildungseinrichtungen

In der Kernstadt gibt es eine Grund- und Hauptschule, das Nellenburg-Gymnasium, eine Realschule, eine Förderschule, eine E-Schule, das Berufsschulzentrum, eine Sprachheilschule, die Fachschule für Landwirtschaft, eine Musikschule und eine Volkshochschule (VHS) zur Erwachsenen- und Weiterbildung. Seit August 2015 ist die Grundschule eigenständig. Die Haupt- und Werkrealschule besteht im Schulverbund-Nellenburg mit der Realschule fort.[48]

Im Ortsteil Wahlwies gibt es eine Grundschule sowie eine Freie Waldorfschule.

In Zizenhausen gibt es die Anton-Sohn-Schule, diese Grund- und Hauptschule ist nach dem bekannten Sohn des Dorfes Zizenhausens benannt. Die ersten beiden Klassen der Anton-Sohn-Schule werden im Ortsteil Mahlspüren im Hegau unterrichtet. Eine weitere Grundschule befindet sich im Ortsteil Winterspüren. Ebenso wird im Ortsteil Hindelwangen die erste Klasse unterrichtet. Nach der ersten Klasse gehen die Schüler dann in die zentrale Grundschule der Kernstadt.

Die 2002 neu eingerichtete moderne Stadtbücherei bietet über 25.000 Medien, kostenfreien Internetzugang und zahlreiche Veranstaltungen zur Leseförderung.

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Fritz Geiges (1853–1935), Ehrenbürger von Raithaslach, Glas- und Monumentalmaler, Restaurator für Glasmalerei und Lokalhistoriker.[49]
1993: Franz Ziwey (* 1932), 24 Jahre Bürgermeister von Stockach[50]
Söhne und Töchter der Stadt
Kuony von Stocken (auch manchmal als Hans Kuony), Begründer des Narrengerichts zu Stockach
Philipp Wilhelm Matthias Curtius (1737–1794), gebürtiger Stockacher, nach 1761 in Paris Gründer eines Wachsfigurenkabinetts und Stiefvater von Marie Tussaud
Joseph Ignaz von Buol-Berenberg (1749–1817), Feldmarschall-Leutnant, Stadtkommandant von Prag
Caroline Schleicher (1794–?), Klarinettistin
Anton von Stabel (1806–1880), Staatsrechtler und Regierungschef
Gideon Weizel (1807–1872), Staatsrat
Friedrich Ammermüller (1809–1898), Mediziner, Lehrer, Unternehmer, Publizist und Abgeordneter
Richard Stocker (1832–1918), geboren in Wahlwies, war ein „Großherzoglicher Verwaltungsbeamter“ in Waldshut und berühmter Tenor (genannt der „Hegausänger“) seiner Zeit; befreundet mit Joseph Victor von Scheffel und Joseph Stöckle.
Emil Lugo (1840–1902), Maler
Julius Pecher (1842–1901), Hofbaumeister und Schriftsteller
Rudolf von Buol-Berenberg (1842–1902), Reichstagspräsident aus Zizenhausen
Hermann Ludwig Pfeiffer (1858–1924), badischer Oberamtmann
Max Cramer (1859–1933), Lehrer und Genealoge
Albert Gockel (1860–1927), Physiker
Karl Friedrich Gegauf (1860–1926), geboren in Wahlwies, erfand und baute die erste Hohlsaum-Nähmaschine der Welt und legte damit den Grundstein für die Bernina Nähmaschinenfabrik
Karl Futterer (1866–1906), Geologe, Mineraloge und Asienforscher
Paul Pfeiffer (1879–1957), Metallkünstler
Wilhelm Mattes (1892–1952), geboren in Winterspüren, Politiker (DVP, später GB/BHE), Landtagsabgeordneter
Sofie Regenscheit (1893–1969), geboren in Winterspüren, Abgeordnete der SPD im Badischen Landtag von 1919 bis 1921
Andreas Renner (* 1959), Politiker (CDU) und ehemaliger Sozialminister Baden-Württembergs
Martin Hahn (* 1963), Politiker, Landtagsabgeordneter
Wolfgang Reuther (* 1963), Politiker (CDU) und Landtagsabgeordneter
Sebastian Padotzke (* 1971), Keyboarder von Reamonn
İsmail Şahin (* 1975), Schauspieler
Daniel Grunenberg (* 1988), Mitglied des Elektropopduos Glasperlenspiel
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Anton Sohn (1769–1841), Schöpfer der Zizenhausener Terrakotten, lebte und wirkte von 1799 bis zu seinem Tod im Ortsteil Zizenhausen
Gustav Rockholtz (1869–1938), Maler, lebte und wirkte von 1919 bis zu seinem Tod in Stockach
Carl Anton von Krafft (1743–1830), Oberamtmann und Landrichter der Grafschaft Nellenburg und Herr der Grundherrschaft Zizenhausen
Alois Mutz (1910–2005), 1943 bis 1946 Pfarrverweser von St. Oswald, Träger des Bundesverdienstkreuzes, im April 1945 einer der Retter von Stockach[21][22] und Namensgeber einer Straße in Stockach[51]
Marc Dumitru (* 1986), Schauspieler und Darsteller in Das Haus Anubis[52], ist in Stockach aufgewachsen