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Geschichte

Stühlingen war der Sitz der Landgrafschaft Stühlingen und der Herrschaft Fürstenberg.

Römerzeit

Wie Funde aus römischer Zeit in unmittelbarer Nachbarschaft zu Stühlingen zeigen, war der Talboden bei Stühlingen schon sehr lange besiedelt. Die Grundfeste des Schlosses Hohenlupfen soll zu dieser Zeit als Fundament für einen römischen Signalturm gedient haben. Bei der Ziegelhütte wurden Münzen aus römischer Zeit gefunden, die mit den Insignien der XI. und XXI. Legion der römischen Heeres versehen sind. Im Oberdorf, am Fuße des Galgenbucks, wurde 1848 ein Mosaikfussboden römischer Herkunft entdeckt. Zusammen mit den Ausgrabungen bei Juliomagus im benachbarten Schleitheim ergibt sich das Bild eines römischen Siedlungszentrums, das sich zu jener Zeit um die Wutachüberquerung bei Stühlingen und Schleitheim befand. [3]

Steinkistengräber der letzten Grabungskampagne
Merowingerzeit

Zum Ende des 5. Jhdts hatten die Merowinger durch Siege über die „fränkischen Kleinkönige“ und die Einführung des Christentums auch die Alamannen dem zentralisierten Frankenreich angegliedert. Durch ihre überlegene staatliche Organisationsform bewahrten die Merowinger auch die gallo-römische Kultur, sie bedienten sich der Kenntnisse der alten gallo-römischen Aristokratie und lehnten sich an die spätantike Verwaltungspraxis an. An wichtigen Verkehrsknotenpunkten, zu denen auch der Übergang vom Wutachtal in den Klettgau zählte, erweiterten sie alte Siedlungen. Im 6. Jhdt. kam es zu Teilungen des Reiches, das Chlothar I. von 558 bis 561 wieder vereinigte. Bislang gab es nur wenig Hinweise auf die Merowinger am Hochrhein, so dass den Funden bei Stühlingen eine gewisse Bedeutung zukommt. Geschlossen wird dadurch auch eine Lücke in der Besiedlungsgeschichte des Raumes.

Bereits 1951 waren acht Gräber auf einer Niederterrasse der Wutach entdeckt worden. Beim Bau einer Gashochdruckleitung begann man 2007 mit der Freilegung des Gräberfeldes, das sich als merowingisch herausstellte.[4] Mit ehrenamtlichen Helfern wurden bis 2010 mehrere Kampagnen durchgeführt. Die Funde stammen aus der Zeit vom ausgehenden 6. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts und umfassen 123 Bestattungen. Darunter waren Gräber mit Steinkisten und Steinsärgen. Die Gräber enthielten meist keine Schmuckgegenstände mehr, die Abdeckplatten waren zerschlagen. Offenbar waren sie bereits vorzeitlich von Grabräubern geplündert worden. Gefunden wurden Glasperlen und zahlreiche Waffenbeigaben.

Ab 2008 waren auch weitere Flächen untersucht worden, dabei stieß man auf einen Frühmittelalterlichen Friedhof und frühurnenfelderzeitliche Gräber.[5]

Verleihung des Stadt- und Marktrechts
Schloss Hohenlupfen im Winter

Ein markanter Zeitpunkt war das Jahr 1262, in dem der ovale, befestigte Ort auf einem Bergsporn hoch über dem Wutachtal vom Grafen Eberhard I. von Lupfen Grafen zu Lupfen die Stadtrechte verliehen bekam, und sich fortan (mit einer Unterbrechung) bis heute Stadt Stühlingen nennen darf.
Die Stadt erhielt um 1262 auch das Marktrecht und war Gerichtsstätte für das Landgericht.
Märkte fanden innerhalb der oval geformten Stadtmauern statt, vor allem aber auf dem Platz beim Oberen Tor, der heute noch „Marktplatz“ heißt.

Schweizerkrieg

Der Schweizerkrieg machte auch die Statthalterschaft der Lupfener Grafen zur Zielscheibe der aufständischen eidgenössischen Bauern, von denen die Stadt 1499 erobert und gebrandschatzt wurde.
Obwohl die Burg und das Städtle (die Altstadt, siehe Abschnitt Sehenswürdigkeiten) kampflos übergeben wurden, plünderte die eidgenössische Soldateska entgegen einem Abkommen letzteres, vermutlich um sich für einen Angriff auf das benachbarte Hallau zu rächen. Bei diesem Angriff war das Hallauer Oberdorf in Flammen aufgegangen, im Gegenzug wurde nun das Stühlinger Städtle und die Burg niedergebrannt. Dies geschah, obwohl der Kommandant und Obervogt Martin von Starkenberg kapituliert hatte, um die Festung vor der Vernichtung zu retten. Die Kapitulation kostete dem Obervogt im Nachhinein den Kopf.
Die Stühlinger Burg wurde dabei fast vollständig zerstört und im Anschluss nur notdürftig wieder aufgebaut. Das Städtle erholte sich nur langsam von den Kriegsfolgen. Die Bewohner der ganzen Landgrafschaft Stühlingen mussten für den Wiederaufbau zahlen, was die Situation für die Einheimischen noch verschlimmerte.

Bauernkrieg

In der Stühlinger Bauernschaft kam es 1524 zum Aufstand gegen die Obrigkeit. Laut einer Sage gab der sog. „Schneckenstreit“ Anlass zu diesem Aufstand.
Sicher ist jedoch, dass der Funke, der den Bauernkrieg auslöste, von der Landgrafschaft Stühlingen ausging. Die Gründe hierfür sind sozialer Natur, lokale Ursache war ebenso der Schweizerkrieg, der erst 25 Jahre zurücklag, und unter dessen Lasten des Wiederaufbaus die Stühlinger Bevölkerung immer noch litt. Zudem waren die Landgrafen von Stühlingen bekannt dafür, ein verschwenderisches Hofleben zu führen, welches im Endeffekt immer in Form von Abgaben und Frondiensten zu Lasten der Bevölkerung ging.[6]
Bekannt ist, dass einer der bedeutendsten Rädelsführer, Hans Müller von Bulgenbach, aus dem gleichnamigen Weiler im Westen der Landgrafschaft Stühlingen stammte. Die Landgrafschaft Stühlingen reichte um 1524 westlich bis nach Seebrugg im Südschwarzwald, der Aufstand des gemeinen Mannes bezog sich auf die Bewohner der ganzen Landgrafschaft.

Dreißigjähriger Krieg

Am 30. September 1633 zogen der General Johann von Aldringen und der Feldherr Gómez Suárez de Figueroa, duque de Feria nach der Belagerung von Konstanz in den Klettgau, von Stühlingen aus bedrohten sie die Stadt Schaffhausen. Sie befehligten zusammen ein Heer von etwa 30.000 Mann. Nach Verhandlungen zogen sie am 8. Oktober nach Tiengen, welches sie den Schweden abnahmen, und belagerten danach Rheinfelden.

19. Jahrhundert

Dem Stühlinger Städtle wurden 1828 das Untere bzw. Niedere Tor und 1846 das Obere Tor genommen. Das Untere Tor stürzte infolge des Brandes des Gasthauses „Schwarzer Adler“ ein, und wurde nicht mehr aufgebaut. Das Obere Tor war weitaus repräsentativer, mit einer Glocke, einer Uhr und dem Stadt- und Herrschaftwappen versehen. Nachdem allerdings das benachbarte Gebäude des Gasthauses „Krone“ um 1800 abgebrannt war, und man ob des freigewordenen Platzes für den zunehmenden Fuhrverkehr froh war, schlug auch für das Obere Tor in besagtem Jahr das letzte Stündlein. Ausnahmsweise brannte dieses Tor nicht ab, sondern wurde staatlich subventioniert von der Gemeinde abgerissen.

1864 wurde der Gerichtsbezirk Stühlingen aufgelöst und das Amtsgericht nach Bonndorf verlegt. Das Abhalten von Landgerichten war seit Jahrhunderten ein Recht der Stühlinger, da der Landgraf hier seinen Grafenstuhl verortet hatte. Dementsprechend hart traf es die Stühlinger, dieses Rechtes beraubt zu werden.

Der Bahnhof Stühlingen wurde 1875 in Betrieb genommen.

20. und 21. Jahrhundert

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Stühlingen durch die Deutsche Gemeindeordnung von 1935 das Stadtrecht aberkannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es 1950 wieder hergestellt. Die Verleihung des Stadtrechts begründete die Pflanzung einer Linde im „Judenwinkel“, der sog. „Stadtlinde“.

Im Jahr 1960 wurde in Stühlingen ein beheiztes Freibad im Weilertal eröffnet, das seit der Saison 2006 vom Verein „Schwimmfreunde Stühlingen“ betrieben wird. Vor 1960 nutzten die Einwohner eine Badestätte am Kanal oberhalb der Schraubenfabrik links der Kanalbrücke.

1962 feierten die Stühlinger Bürger die 700-Jahr-Feier anlässlich der Verleihung der Stadtrechte 1262.

Zwischen 1973 und 1975 vergrößerte sich die Stadt Stühlingen von 1746 auf über 5176 Einwohner (Stand 1970) durch die Gemeindereform in Baden-Württemberg. Dadurch wuchs Stühlingen zu einer Flächengemeinde mit einer Fläche von ursprünglich 1670 ha auf 9340 ha.

1964–1966 wurde auf einem ausgedehnten Wiesengelände, den sog. Eichwiesen, die Realschule errichtet, zwischen der Unterdorf-Bebauung und der Bahnlinie der Wutachtalbahn gelegen.

Am 26. März 2007 begann der Bau eines Altenpflegeheimes mit betreutem Wohnen, welches im Folgejahr in Betrieb ging. Das Pflegeheim befindet sich ebenfalls in den Eichwiesen.

Direkt neben dem Pflegeheim wurde nach jahrzehntelangem Stillstand ein Neubaugebiet ausgewiesen und rege bebaut. Die Anliegerstraße wurde zu Ehren der französischen Partnerstadt im Jahr 2006 als „Bellêmer Straße“ benannt. Von kleineren Wiesenflecken abgesehen, sind die Eichwiesen damit komplett überbaut worden.

Mit der Einweihungsfeier am 3. Juli 2010 wurde die Sanierung des Stühlinger Ortszentrums abgeschlossen. Die Neugestaltung der Hauptstraße und des Kirchenvorplatzes stellt eine klare Aufwertung des Stühlinger Ortsbildes dar. Selbst der Umzug des Johannisbrunnens auf die andere Straßenseite wirkt vorteilhaft. Der Kronenparkplatz wird nach der Sanierung seiner Namensbestimmung nunmehr gerecht.

Eingemeindungen

Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden folgende bis dahin selbstständige Gemeinden nach Stühlingen eingemeindet:

1. Januar 1973: Blumegg und Grimmelshofen[7]
1. Oktober 1974: Eberfingen, Mauchen und Schwaningen[8]
1. Januar 1975: Bettmaringen, Lausheim, Oberwangen, Unterwangen und Weizen[8]
Politik
Rathaus Stühlingen
Gemeinderat

Die Stadtratswahl am 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 58,5 % (+ 0,9) zu folgendem Ergebnis:[9]

Partei / Liste Stimmenanteil + / − Sitze + / −
CDU 45,9 % + 3,1 9 + 1
FWV 54,1 % − 3,1 12 − 1

Aufgrund der Gemeindeordnung des Landes Baden-Württemberg gibt es in der Gemeinde Stühlingen für alle Ortsteile einen gewählten Ortschaftsrat, dem jeweils ein Ortsvorsteher vorsteht. Einzige Ausnahme ist der Kernort Stühlingen. Aus Reihen der Bürgerschaft hat sich deshalb eine Art „APO“ gebildet, das so genannte „Offene Bürgerforum Stühlingen“ (OBS).

Bürgermeister

Mit 64 % der abgegebenen Stimmen wurde am 15. Oktober 2017 Joachim Burger (53) im zweiten Wahlgang zum neuen Bürgermeister gewählt. Burger stammt aus dem Ortsteil Blumegg und wohnt in der Gemeinde Wutach in der er stellv. Bürgermeister war.

Seit dem Zweiten Weltkrieg standen der Stadt Stühlingen folgende Personen vor:

Carl Furtwängler, 1945–1946
Franz Büche, 1946–1949
Jakob Limberger, 1949–1952
Leopold Utz, 1952–1969
Ernst Rees, 1969–1993
Isolde Schäfer, 1993–2017
Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: In von Silber und Blau geteiltem Schild das arm- und beinlose „Stühlinger Männle“ mit silbernem, durch drei blaue Knöpfe geschlossenem Wams, braunem Bart und blauer Kopfbedeckung.

Die Farbgebung basiert vermutlich auf den Farben des Wappens der Herren von Lupfen. Dieses Wappen war in Blau und Silber gehalten, mit einem Schwan als Symbol.

Der Adler als Stadtwappen Stühlingens wurde in einer Urkunde von 1365 gebraucht.

Auf Urkunden des Stühlinger Landgerichts fand 1495 erstmals das „Stühlinger Männle“ im Siegel Verwendung. Das „Stühlinger Männle“ beruht auf einer alten Sage, die das Männle als alleinigen Stammesgründer der Eingeborenen ausweist. Angesichts der jetzigen Bevölkerungsstärke darf angenommen werden, dass der Stühlinger Urahn nicht aller Extremitäten beraubt war.

Wappen der früher selbstständigen Gemeinden

Bettmaringen

Blumegg

Eberfingen

Grimmelshofen

Lausheim

Mauchen

Schwaningen

Oberwangen

Unterwangen

Weizen

Städtepartnerschaften

Stühlingen ist seit 1980 mit der französischen Gemeinde Bellême im Département Orne in der Normandie liiert. In Stühlingen hat man die Anliegen der Partnerschaft einem Förderverein übertragen, der von einem zwölfköpfigen Komitee geleitet wird. Das Stadtoberhaupt ist kraft seines Amtes Mitglied in diesem Komitee. Die Partnerschaft mit Bellême ist sehr rege, so findet der Austausch sowohl auf Vereins- wie auch auf Schülerebene statt. Der Schüler- oder Jugendaustausch findet jährlich in beiden Orten statt.

Vorläufiger Höhepunkt war 2006 die bereits erwähnte Ausweisung der „Bellêmer Straße“, zumal in Bellême bereits seit einiger Zeit zuvor eine „Avenue de Stühlingen“ existierte. Am südlichen Ende der Straße wurde ein kleiner Park eingerichtet, auf dem ein Percheron-Pferdchen auf den Sockel gestellt wurde. Das Pferdchen ist ein Geschenk des Bellêmer Partnerschaftskomitees an die Stühlinger Freunde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Landmaschinenmuseum im Stühlinger Städtle
Galerie 1741, Herrengasse 4
Tote Augen von Bekannten, Stühlinger Städtle
Klosterkirche Maria Loreto
Heilig-Kreuz-Stadtpfarrkirche
Bauwerke

Städtle wird die Altstadt von Stühlingen genannt, erbaut nach habsburgischem Vorbild mit ovalem Grundriss und zwei Stadttoren. Ähnliche Grundrisse können in Waldshut und Neunkirch (CH) beobachtet werden. Beide Tore wurden allerdings ca. Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen, um die Durchfahrt für Fuhrwerke zu erleichtern. An diese Bauwerke erinnert heute nur noch eine Inschrift in Höhe des Unteren Tores.

Burgen und Schlösser
Das Schloss Hohenlupfen ist Wahrzeichen der Stadt Stühlingen und wurde vermutlich auf einem einstigen Römerkastell erbaut. Nach der Legende ist das Schloss Hohenlupfen Ausgangsort des 1524 ausgebrochenen Deutscher Bauernkriegs. Das Schloss in seiner heutigen Form wurde 1620–1624 erbaut. Zuvor stand an seiner Stelle eine Burg. Das Schloss war seit 1639 im Besitz des Hauses Fürstenberg, es wurde im Jahr 2011 an einen Schweizer Landwirt verkauft.
Schloss Bettmaringen (in Privatbesitz)
Burgruine Blumegg, 1577 zerstörte Höhenburg der Herren von Blumegg
Kirchen
Die evangelische Dreifaltigkeitskirche in Stühlingen wurde im November 1913 in der Bahnhofstraße eingeweiht. 1995 erfuhr sie eine umfassende Renovierung. 1954 wurde das benachbarte Gemeindehaus errichtet.
Die Heilig-Kreuz-Stadtpfarrkirche in Stühlingen wurde 1785 von Franz Josef Salzmann im seltenen Empirestil errichtet und enthält drei Altäre des Bildhauers Johann Friedrich Vollmar aus der Erbauungszeit.
Das Kapuzinerkloster Stühlingen mit Klosterkirche Maria Loreto und Gruft in Stühlingen enthält Seitenaltarblätter und Oberbilder von Franz Joseph Spiegler und furnierte Altäre des Spätbarock.
Alt-katholische St.-Sebastian-Kirche Stühlingen im Städle
Die St.-Fridolins-Kirche in Bettmaringen enthält neobyzantinische Malereien aus dem 19. Jahrhundert.
Die St.-Benedikt-Kirche in Blumegg wurde im Jahr 1885 erbaut.
Kirche St. Peter und Paul in Eberfingen
Die St.-Gallus-Kirche in Eggingen wurde im Jahr 1869 geweiht.
Kirche St. Martin in Grimmelshofen
Die St.-Nikolaus-Kirche in Lausheim ist eine ehemalige Wallfahrtskirche im Renaissance-Stil mit Kirchenausmalungen aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg.
St.-Gallus-Kirche in Mauchen
St.-Michael-Kirche in Oberwangen
Römisch-katholische St.-Martin-Kirche in Schwaningen
Alt-katholische St.-Martin-Kirche in Schwaningen
Kirche St. Konrad in Weizen
Kalvarienbergkapelle in Eberfingen (auch Eberfinger Kapelle)
Dreifaltigkeitskapelle in Schwaningen
St.-Wendelin-Kapelle in Unterwangen
Naherholung
Wutachschlucht und Gauchachschlucht
Wutachflühen (Schlucht von Grimmelshofen nach Achdorf)
Roggenbacher Schlösser (ursprünglich zwei Burgen, die jedoch während des Bauernkrieges zerstört wurden)
sogenannte Teufelsküche, kleine Schlucht in unmittelbarer Nähe der Stadt
Felsformationen und Höhlengebilde auf halber Höhe des Ruckwalds (Versteck)
Weilersee, kleiner Weiher im hinteren Weilertal im ehemaligen Steinbruch
Randen, Gebirgszug mit bis zu 912 m ü. NN, nördlichster Ausläufer des Schweizer Juras. Größtenteils auf schweizerischem Hoheitsgebiet gelegen, gilt er als bester Aussichtspunkt in der Stühlinger Umgebung, z. B. auf den beiden Schleitheimer Randentürmen als besondere Naturerlebnisse betrachtet.
Regelmäßige Veranstaltungen
Fasnacht

Die Narrenzunft „Hungrige Stühlinger“ ist treibende Kraft der schwäbisch-alemannischen Fasnet in Stühlingen. Auch in den Ortsteilen gibt es zahlreiche Narrenzünfte. Der Termin für die Fasnacht, in Stühlingen auch Fasnet genannt, wird nach dem römisch-katholischen Kirchenkalender festgelegt, somit endet die Fasnet 46 Tage (40 Tage der Fastenzeit + 6 Fastenkarenztage) vor dem Ostersonntag. Den Sonntag nach dem Aschermittwoch, der den Beginn der Fastenzeit markiert, nennt man den Alten Fasnets-Sonntag, da in der Zeit ohne Fastenkarenztage an diesem Tag ursprünglich der Fasnetssonntag gefeiert wurde. Dies ist insofern von Bedeutung, weil der Fasnachtstermin in den östlich und südlich benachbarten Gebieten der Ost- und Nordschweiz aufgrund des protestantischen Kirchenkalenders weitestgehend anders gelegt wird, so z.B. in Winterthur auf den Alten Fasnets-Sonntag oder in Basel, wo die Fasnacht eine Woche nach dem Fasnachtsmontag begonnen wird.

Städtlefest

Das Städtlefest wurde 1975 ins Leben gerufen, um die Ortsteile der Gesamtgemeinde Stühlingen, die aus der baden-württembergischen Gemeindereform vom 1. Januar 1975 hervorgegangen ist, einander näher zu bringen. Dieser Grundsatz, der in den Anfangsjahren von etlichen Vereinen aus den Ortsteilen mitgetragen wurde, ist bisher mehr und mehr in Vergessenheit geraten, dennoch nahmen am 41. Städtlefest im Juli 2015 immerhin Vereine aus fünf Ortsteilen an dieser Veranstaltung teil. Das Städtlefest findet fast vollständig im Städtle, d.h. auf dem Marktplatz, der Herrengasse und der Gerberstraße statt.
Der Termin für das Städtlefest war bis vor wenigen Jahren auf den ersten Samstag im August festgelegt, aktuell (Stand: 2015) findet es am zweiten Samstag im Monat Juli statt.

Stühlinger Frühling und Herbst

Der Handels- und Gewerbeverein Stühlingen organisiert seit längerem eine Verkaufsveranstaltung in der Stühlinger Hauptstraße, die Stühlinger Frühling genannt wird, und auf den letzten Samstag im April festgelegt ist. Teilnehmer sind die örtlichen Gewerbebetriebe des HGV und auswärtige Anbieter. Aufgrund der hohen Akzeptanz dieser Veranstaltung hat der HGV den Stühlinger Herbst ins Leben gerufen, eine Verkaufsveranstaltung mehrheitlich für landwirtschaftliche Produkte. Aufgrund dieses Engagements wurde dasjenige, welches zuvor vom HGV zur Belebung des Martinimarkts an den Tag gelegt wurde, völlig eingestellt.

Martinimarkt

Der Martinimarkt fand früher traditionell am Montag nach dem St. Martins- oder Martini-Tag, dem 11. November, und wie das Städtlefest im Stühlinger Städtle statt. Ebenfalls seit einigen Jahren hat das nachlassende Interesse der Besucher und die entzogene Unterstützung des HGV Stühlingen dazu geführt, dass der Markttag auf den Samstag nach dem Martinitag gelegt wurde. Der Montag war insofern ein traditioneller Markttag, weil man früher z.B. sonntags keinen Geschäften nachgehen durfte.
Im übrigen verfügt Stühlingen seti Jahrhunderten über das Marktrecht, was im 19. Jahrhundert mit 4-5 Markttagen pro Jahr auch öfters angewendet wurde, so gab u.a. auch einen Viehmarkt.¨¨

Wirtschaft und Infrastruktur
Unternehmen
Sto: K-Gebäude im OT Weizen

Die Sto SE & Co. KGaA ist die derzeit größte Firma, daneben gibt es eine Reihe weiterer mittelständischer Unternehmen und Einzelhändler.

Krankenhaus

Das Krankenhaus Loreto wurde 1929 eingeweiht. Es wurde von der Gemeinde Stühlingen in den Balbach’schen Gärten erbaut, einer sanft ansteigenden Erhebung nordöstlich des Städtles, die vom ehemaligen Obervogt Balbach hinter seinem Haus in der Herrengasse als Garten genutzt wurde. Bevor das Loreto-Krankenhaus zur Verfügung stand, wurden die Stühlinger Bürger in einem Spital medizinisch versorgt, das sich auf dem benachbarten Areal des Klosters befand. Aufgrund seines Standorts und seiner Größe ist das Krankenhaus ein ortsbildprägendes Gebäude, eingebettet zwischen Städtle und Kloster. Das Krankenhaus bildet das Herzstück der örtlichen Gesundheitsinfrastruktur, zu der auch einige Ärzte sowie die Apotheke gehören. Die Einsatzzentrale des Rettungsdienstes befindet sich direkt neben dem Krankenhaus, ebenso wie das Schwesternheim oberhalb des Krankenhauses platziert wurde. Eine Besonderheit stellt der Hubschrauber-Landeplatz dar, für den eine Wiese neben dem Parkplatz genutzt wird. Das Krankenhaus befindet sich seit etwa 2004 in der Trägerschaft der HBH-Kliniken. Die medizinische Grundversorgung bleibt vorerst gewährleistet, obwohl u. a. die Säuglingsstation vom Träger eingespart wurde.

Hans-Carossa-Klinik

Seit 1963 besteht in Stühlingen die nach dem Arzt und Schriftsteller Hans Carossa benannte Klinik.[10]
Zuvor wurde im gleichen Hause das Hotel Post betrieben. An der Stelle, an welcher sich heute (Stand: 2015) die Gymnastikhalle der Hans-Carossa-Klinik befindet, stand zuvor eine stattliche Scheune, die auch mit Heu aus den talabwärts dahinter liegenden Eich- und Richtwiesen beschickt wurde. Dieser Wiesengrund wird allerdings seit 1875 durch den Bau der Wutachtalbahn durchschnitten.

Bildung
Grundschule Weizen
Hohenlupfenschule (Grund- und Hauptschule) Stühlingen
Realschule Stühlingen
Verkehr
Eisenbahn
ein Zug der DB im Bahnhof Stühlingen

Stühlingen erhielt im Jahre 1875 einen Eisenbahnanschluss von Lauchringen her. In Stühlingen hatte die so genannte „Wutachtalbahn“ auch vorläufig ihren Endpunkt, bis die Strecke ein Jahr später bis Weizen verlängert wurde. Im Jahre 1890 wurde die Wutachtalbahn bei Immendingen an die Schwarzwaldbahn angeschlossen und somit fertig gestellt. Der Personenverkehr wurde schließlich aus Rentabilitätsgründen zum 1. Januar 1976 eingestellt. Der Güterverkehr zur Sto AG wurde noch bis ins Jahr 2001 betrieben. Trotz zahlreicher Bemühungen für eine Reaktivierung des Personenverkehrs konnte dieses Ziel bis heute nicht umgesetzt werden. Das Empfangsgebäude und die Güterhalle existieren heute leider nicht mehr. Im Sommerhalbjahr gibt es sonntags je zwei Regionalbahn-Verbindungen nach Waldshut-Tiengen, mit Anschluss an die Hochrheinbahn Basel–Singen, sowie als Zubringerverkehr zur Museumsbahn Wutachtal e. V..

Seit Dezember 2013 verkehrt zudem an Schultagen in Baden-Württemberg mittags ein Zug von Waldshut über Lauchringen bis nach Wutöschingen und zurück.[11] Ein Jahr später wurde dieser Schülerzug auf kommunale Initiative hin bis nach Eggingen verlängert, wo Anschluss an einen Bus Richtung Stühlingen besteht. Dadurch ist Stühlingen über einen Zubringerbus auch ganzjährig im Schienenverkehr erreichbar.

Sauschwänzlebahn ist die volkstümliche Bezeichnung der Wutachtalbahn.

Straßenverkehr

Stühlingen ist durch die B 314 (Lauchringen–Singen (Hohentwiel)) und die B 315 (Stühlingen–Titisee-Neustadt) an das überregionale Straßennetz angeschlossen. Die nächstgelegenen Autobahnen sind die A 98 (Lauchringen–Weil am Rhein) und die A 81 (Gottmadingen–Würzburg). Zahlreiche Landesstraßen und Kreisstraßen verbinden Stühlingen mit seinen Ortsteilen und Nachbargemeinden. Zudem besteht über die Hauptstrasse 14 Anschluss an das Schweizer Straßennetz nach Schaffhausen.

Zudem verläuft durch Stühlingen der Radweg an der Wutach entlang.

Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Franz Hug (* unbekannt, † unbekannt), Gewerbeschullehrer und 1921 bis 1971 Dirigent des Sängerbundes
Gustav Häusler (* 26. April 1894 in Riedöschingen, † 8. Juni 1964 in Stühlingen), Heimatforscher
Adolf Amann (* 1911, † 30. September 2011 in Stühlingen), Dirigent und Orchesterleiter
Franz Kehl (* 18. November 1920, † 2012 in Ludwigshafen am Rhein), Unternehmer aus Ludwigshafen, gebürtiger Schwaninger
Söhne und Töchter der Stadt
Meinward I. von Stühlingen, (1279) 8. Abt des Klosters Tennenbach[12]
Heinrich IV. von Bettmaringen, 33. Abt des Klosters Rheinau, 1409
Johann von Lupfen (1487–1551), Fürstbischof und Probst des Bistums Konstanz
Johann III. Spielmann, (* in Bettmaringen, Abt von 1519 bis 1532) des Klosters St. Blasien
Martin Meister I., (* um 1560 in Fützen, Abt von 1596 bis 1625) des Klosters St. Blasien, er ließ unter anderem die Kirche in Lausheim erbauen
Johann Martin Haimb (Gerold I.), (1678–1751), Fürstabt des Klosters Muri
Basilius Meggle, (1754–1830), Benediktiner, Philosoph, Priester und Dichter des Klosters St. Peter
Joseph Anton Morath (1761–1831), Kunst- und Fassmaler
Katharina Basler, (* 1777 in Mauchen; † 1849), Heimatdichterin
Johann Martin Morath (1805–1876), Maler und Lithograf
Egidius Federle (1810–1876), Maler
Wilhelm Burger (1880–1952), Weihbischof und Schriftsteller
Hubert Zircher (1880–1952), Oberforstrat
Wolfgang Hug (* 1931), Historiker und Geschichtsdidaktiker
Bernhard Eichkorn (* 1934), Pfarrer und Esperantist
Raimund Hug (* 1935), Domkapellmeister
Lothar Eiermann (* 1945), Koch
Hans Baumgartner (* 1949), Leichtathlet
Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten
Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg-Stühlingen (* 1699; † 1762), verlegte die Residenz von Stühlingen nach Donaueschingen.
Heribert Jone (* 1885; † 1967 in Stühlingen), katholischer Priester, Kirchenrechtler und Moraltheologe.
Elmar Zimmermann (* 1930; † 17. Mai 1998 in Stühlingen), Lehrer, Heimatforscher, Autor und Künstler
Sagen
Das Stühlinger Männle

Das Stühlinger Männle war lange Zeit vor 1495 in einer Zeit großer Not der einzige Überlebende des großen Sterbens in Stühlingen. Das Männle wurde bereits ohne Arme und Beine zur Welt gebracht. Im Grüninger Haus in der Herrengasse schleppte es sich in den Felsenkeller, um sich von einem Laib Schweizerkäse und „firnem“ Wein zu ernähren. Den Hahnen des Weinfasses musste es natürlich mit dem Mund öffnen und schließen. So fristete das Männle sein Leben, bis eine Frau dazu kam, mit der es eine Ehe einging. Der Sage nach entstammen alle Stühlinger dieser Ehe. Der Anlass für diese Erzählung lässt sich leider nicht mehr bestimmen.

’s Ruckwiibli

Nach dem Schweizerkrieg wurde eine Frau, die im Judenwinkel wohnte, des Verrats beschuldigt. Die Städter warfen ihr vor, den Belagerern einen geheimen Zugang in die befestigte Stadt gezeigt zu haben und die Katastrophe dadurch mit verschuldet zu haben. Die des Hochverrats Beschuldigte wurde verwunschen und dem Hungertode ausgesetzt.

Die Felsformationen an den ‚Judenlöchern‘

Seither trieb sie im Ruckwald ihr Unwesen und verübte zahllose Untaten, bis sie eines Tages zwei Mädchen zum Lachen brachte und dadurch erlöst wurde.
Die ‚Judenlöcher‘ im Ruckwald wurden 1743 von vertriebenen Stühlinger Juden als Rückzugsort genutzt. Wie aus den Chroniken ersichtlich, so wurden die Juden damals gern und oft als Sündenböcke missbraucht.

Sagen zum Schloss sind im Artikel Schloss Hohenlupfen einzusehen.

Literatur
Kurt Erlemann: Ortsfamilienbuch der Gemeinde Mauchen bei Stühlingen 1812–1900. Plaidt: Cardamina-Verlag 2013 (= Badische Ortssippenbücher 158)