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Geschichte
Frühgeschichte und Mittelalter
Zeugnis früher Besiedlung auf Usedom: Burgwall Neppermin, im 9. und 10. Jahrhundert entstanden

Vereinzelte archäologische Siedlungs-Funde datieren bis in das Mesolithikum zurück. Zahlreich sind die Funde aus dem Neolithikum, mehr als 500 aufgefundene Siedlungsplätze deuten auf eine rege Besiedlung der Insel hin. Allerdings ist nur bei Lütow auf der Halbinsel Gnitz ein Großsteingrab erhalten geblieben. In der Bronzezeit profitierte Usedom von seiner Lage am Oderweg, der eine wichtige nordsüdliche Handelsroute vom Mittelmeer in den skandinavischen Raum war. Der Burgwall auf dem Golm ist ein Bodendenkmal aus der Übergangszeit von der Jungbronzezeit zur Frühen Eisenzeit.[13] Als nördlichster Ort einer entlang der Oder gelegenen Gruppe von Befestigungsanlagen angesehen, wird er der Lausitzer Kultur zugeschrieben. Seit den 1970er Jahren wird in diesem Zeitraum für die Inseln Usedom und Wolin von einer eigenständigen Kultur ausgegangen, der Usedom-Wolliner Gruppe.[14] Viele archäologische Funde belegen, dass die Inselbewohner den im Altertum begehrten Bernstein, der an den Küsten Usedoms gefunden wird, gegen Gebrauchsgegenstände und Schmuck aus Bronze eintauschten. So wurde im Jahr 1975 nahe Ückeritz bei Grabungsarbeiten eine aus 110 Einzelteilen bestehende Ausschmückung eines Pferdegespanns gefunden, die mit dem bronzezeitlichen Sonnenkult in Verbindung gebracht wird. In der Zeit der Völkerwanderung wichen die germanischen Stämme der Odermündung einer wendisch-slawischen Besiedelung, aus der die meisten Ortsnamen auf der Insel stammen, und die im lokalen Brauchtum nachwirkt. In der wendischen Epoche war die Insel bereits dicht und wohlorganisiert besiedelt. Bauliche Relikte aus jener Zeit sind zum Beispiel die Burgwälle bei Neppermin, Mellenthin und Stolpe.[15]

Seit dem 10. Jahrhundert gab es beim späteren Ort Usedom eine slawische Burgsiedlung. Die „Urbs Osna“ wurde um 1115/1119 von den Dänen zerstört. „Urbs Osna“ wird im Zusammenhang mit der Eroberung des Landstrichs durch den ersten Herzog von Pommern, Wartislaw I. und mit der von ihm veranlassten Missionierung durch Bischof Otto von Bamberg erwähnt. Letzterer ließ am Pfingstsonntag des Jahres 1128 die wendischen Großen auf dem Burgwall zusammenkommen und bekehrte diese zum Christentum.[16] An die Übernahme des Christentums durch die Slawen der Insel und des angrenzenden vorpommerschen Festlands erinnert ein 1928 auf dem Burgwall von Usedom errichtetes Kreuz.

Die Burg wurde um 1159 wieder aufgebaut, und zugleich entstand ein Marktort. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts war der Ort eine der Lieblingsresidenzen der Herzöge von Pommern. Danach verlor er diese Bedeutung zugunsten von Wolgast und Stettin. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann nach jahrzehntelangen Kämpfen zwischen den slawischen Einwohnern und den Dänen die Einwanderung deutscher Siedler. Es entstanden neue Dörfer mit Hufenverfassung und Dreifelderwirtschaft. Adlige deutscher und slawischer Herkunft ließen sich zu Lehnsrecht nieder. An der Stelle der slawischen Großsiedlung Usedom entstand die deutsche Stadt Usedom, die 1298 lübisches Stadtrecht erhielt. Um 1155 wurde in der Nähe von Usedom das Prämonstratenserkloster (Kloster Grobe) gegründet, das 1308 nach Pudagla verlegt wurde. Das Kloster Grobe brachte während des Mittelalters beträchtliche Teile der Insel in seinen Besitz. Es wurde während der Reformation dem Herzogtum Pommern 1535 eingegliedert und in ein herzogliches Amt umgewandelt.

17. und 18. Jahrhundert
Usedom (Stadt), ältester Ort der Insel (Stich 1652 nach Merian)

Nach dem Dreißigjährigen Krieg fiel Usedom zusammen mit dem übrigen Vorpommern und dem gesamten Odermündungsgebiet einschließlich der Nachbarinsel Wollin an Schweden und wurde Teil von Schwedisch-Pommern. Der schwedische König herrschte dort jedoch nur als Herzog von Pommern, und das Gebiet blieb Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Zwischen 1648 und 1720 war die Insel Usedom mehrfach Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Brandenburg-Preußen und Schweden. Im Ergebnis des Großen Nordischen Kriegs (1700–1721) kam die bereits seit 1713 zusammen mit anderen vorpommerschen Gebieten unter preußischem Sequester stehende Insel endgültig an Preußen.

Wirtschaftspolitische Bestrebungen der preußischen Krone führten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Ausbau der bisher nur schwer passierbaren Swine und 1764 an deren Mündung zur Gründung von Swinemünde. Der neue Schifffahrtsweg machte die Zufahrt nach Stettin von der noch von Schweden kontrollierten alten Route über den Peenestrom an Wolgast vorbei unabhängig.

19. Jahrhundert
Die Villa Oechsler (erb. 1883) im Ostseebad Heringsdorf
Swinemünde um 1895

Bei den preußischen Verwaltungsreformen wurde 1818 aus den beiden Inseln Usedom und Wollin der Landkreis Usedom-Wollin mit Swinemünde als Kreisstadt gebildet. 1824 beziehungsweise 1825 begann der Badebetrieb in den Orten Swinemünde und Heringsdorf, denen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Koserow, Zinnowitz und Ahlbeck folgten. Die große Zeit der Seebäder begann erst nach der Reichsgründung 1871. Durch den Bau der Kaiserfahrt in der Swinemündung wurde das Dorf Kaseburg zur Insel zwischen dem Kanal und der Swine.

Der ansteigende Badetourismus vor allem aus dem relativ nahen Berlin veranlasste den Bau der von der Bahnlinie Berlin–Prenzlau–Stralsund bei Ducherow abzweigenden Bahnstrecke Ducherow–Heringsdorf–Wolgaster Fähre. Davon ist bis Swinemünde außer dem gleislosen Bahndamm und einigen Bahnhofsgebäuden nur noch die Ruine der stählernen Hubbrücke Karnin erhalten.

20. Jahrhundert
Bis 1945

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war die Verwaltung des Ostseebads Zinnowitz bestrebt, den Ort zum „judenfreien Bad“ zu machen, sodass bereits 1928 in einem Reiseführer jüdische Gäste vor dem Besuch von Zinnowitz gewarnt wurden. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden jüdische Urlauber vollständig von den Stränden der Insel verdrängt.[17]

V 2 beim Start von der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, 1943

Im Zweiten Weltkrieg befanden sich in Peenemünde die Heeresversuchsanstalt Peenemünde, ein Testgelände für Raketen, die Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West und in Swinemünde ein Marinestützpunkt. Diesen Anlagen galten die Luftangriffe der Royal Air Force und der United States Army Air Forces der Jahre 1943 bis 1945, wobei der Angriff auf Swinemünde in den Mittagsstunden des 12. März 1945 zu vielen Toten vor allem unter den sich dort stauenden Flüchtlingen aus dem Osten führte.[18] Die Toten wurden in Massengräbern auf der Erhebung Golm bei Kamminke, direkt an der heutigen Grenze, beigesetzt. Dort befindet sich eine Gedenkstätte. Im Jahr 2005 eröffnete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine internationale Jugendbegegnungsstätte.

1945–1990
Inschrift (Zitat aus der DDR-Nationalhymne) in der Kriegsgräberstätte auf dem Golm

Auf der Potsdamer Konferenz wurde mit der Festlegung der deutsch-polnischen Grenze die Unterstellung Swinemündes unter polnische Verwaltung beschlossen. Die offizielle Übergabe durch den Landrat des Kreises Usedom-Wollin – ab da nur noch Kreis Usedom – erfolgte am 6. Oktober 1945 im Beisein von Vertretern der sowjetischen Besatzungsmacht. 1950 erkannte die DDR im Görlitzer Abkommen die neue Grenze an. 1990 folgte mit dem deutsch-polnischen Grenzvertrag die Anerkennung durch die Bundesrepublik.

Sowjetisches U-Boot U-461 im Historisch-Technischen Museum Peenemünde

Von 1945 bis 1949 bestand der bei Deutschland verbliebene Teil der Insel in administrativer Hinsicht als Kreis Usedom in der Sowjetischen Besatzungszone, vom 1949 bis 1952 in der DDR weiter. Sitz der Kreisverwaltung war vom Oktober 1945 bis März 1946 Bansin, danach Ahlbeck, wohin bereits im Oktober 1945 die vorher in Swinemünde ansässige sowjetische Kreiskommandantur verlegt worden war. Mit der Verwaltungsreform vom Sommer 1952 entstand aus dem Kreis Usedom und Teilen des angrenzenden Festlandes, die vorher zum Kreis Greifswald gehört hatten, der neue Kreis Wolgast mit Sitz der Kreisverwaltung in der gleichnamigen Stadt. 1994 wurde dieser Kreis mit den Kreisen Anklam und Greifswald zum Landkreis Ostvorpommern zusammengeschlossen, dessen Sitz die Stadt Anklam war. Seit der Kreisgebietsreform 2011 gehört die Insel zum Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Der Fremdenverkehr blieb nach dem Zweiten Weltkrieg neben Landwirtschaft und Fischerei wichtigster Wirtschaftszweig. 1953 wurden die meisten privaten Hotels und Pensionen in der „Aktion Rose“ beschlagnahmt beziehungsweise enteignet. Volkseigene Betriebe aus der ganzen DDR, der Feriendienst des FDGB und staatliche Institutionen übernahmen die Einrichtungen.

Viele Inselbewohner fanden als Pendler Arbeit in Wolgast auf der Peene-Werft, die in der Zeit der DDR hauptsächlich Rüstungsaufträge erledigte. Daneben war das Militär ein wichtiger Arbeitgeber. Im Norden der Insel übernahm die NVA von der Roten Armee die alten Militäranlagen in Peenemünde und Karlshagen, die zu einem Marine- und Luftwaffenstützpunkt wurden. Einheiten der NVA gab es auch in Pudagla. Einheiten der Roten Armee waren in Garz stationiert, wo es von 1988 bis 1990 auch ein Fliegerausbildungsgeschwader der NVA gab.

1990–2000

Nach 1990 wurden im Zuge der deutschen Wiedervereinigung alle Armeestandorte auf Usedom aufgelöst. Die Peene-Werft entließ einen Großteil ihrer ursprünglich 4000 Beschäftigten. Das Hotelgewerbe litt in den Anfangsjahren unter ungeklärten Eigentumsfragen. Die Zahl der Übernachtungen in Usedomer Unterkünften ging nach 1990 zunächst drastisch zurück, zumal viele Einrichtungen nicht dem höheren westlich-internationalen Standard entsprachen.[19] Auch die Erdölförderung in Lütow wurde kontinuierlich reduziert. In Peenemünde waren nach inoffiziellen Statistiken zeitweilig 75 Prozent der Menschen arbeitslos.[20]

Nach einigen Rückschlägen[21] erholte sich die Wirtschaft auf Usedom, insbesondere die Tourismusbranche.[22]

Seit 1990 versuchen Planer, auf Usedom ökonomische und ökologische Belange miteinander in Einklang zu bringen.[23]

21. Jahrhundert
Der Strandkorb ist das Symbol des Tourismus im deutschen Teil Usedoms. Die Branche ist der wichtigste Arbeitgeber der Insel.

Im 21. Jahrhundert lebt die Insel Usedom wirtschaftlich ganz überwiegend vom Tourismus. Jugendliche fanden seit 2000 fast nur noch in Hotels, Gaststätten und anderen touristischen Einrichtungen sowie im Einzelhandel Arbeit, die Umfragen und Analysen zufolge zu gering entlohnt wird.[24]

Ein Teil der Gäste interessiert sich für Spuren der Vergangenheit in alten Badeorten, zum Beispiel in den Kaiserbädern Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf.

Tourismus
Siehe auch: Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern
An der Küste

Mit den Ostseebädern Karlshagen, Trassenheide, Zinnowitz, Zempin, Koserow, Kölpinsee, Ückeritz und den drei Kaiserbädern (Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck) auf deutscher Seite sowie Świnoujście in Polen besitzt die Insel eine große Bedeutung für den Fremdenverkehr beider Länder. Neben den Sandstränden an der Ostsee locken vor allem die Bäderarchitektur sowie die Befestigungsanlagen und der Hafen von Świnoujście mit seinem regen Schiffsverkehr Besucher an die Küste. In den genannten Orten befinden sich zahlreiche Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze. Hinzu kommen Freizeiteinrichtungen wie Meerwasserbäder, eine Schmetterlingsfarm (Trassenheide), Bauernhöfe und Handwerksbetriebe (Strandkorbmanufaktur Heringsdorf), Kletterparks, Museen sowie etliche Kultur- und Kinderangebote.

Der größte Arbeitgeber der Insel Usedom ist die Hotelgruppe Seetel.[25]

Im Hinterland

Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr sind neben den Bernsteinbädern, Kaiserbädern und den anderen Badeorten an der Ostsee die auf der Insel gelegenen Binnenseen (Süßwasserseen) wie Schmollensee, Gothensee oder Wolgastsee.

Im Hinterland befinden sich die Kleinstadt Usedom, Dörfer mit Herrenhäusern (Mellenthin, Schloss Stolpe), reetgedeckten Häusern, Salzhütten und Windmühlen (Benz, Pudagla, Trassenheide, Kamminke), die alte Hubbrücke Karnin, die Halbinseln Lieper Winkel und Gnitz, die das Achterwasser einrahmen, sowie Peenemünde. Beliebt sind Fahrradtouren auf der Insel, sowohl im Hinterland entlang des Achterwassers als auch an der Küste. Der Tourismus der Vor- und Nachsaison soll mit Unterstützung von EU-Fördermitteln aus dem ELER-Programm belebt werden.

Der südliche Teil der Insel zwischen Achterwasser und Stettiner Haff wird touristisch als Achterland (plattdeutsch für Hinterland) beworben.[26][27]

Seebrücken

An der Usedomer Ostseeküste gibt es ungewöhnlich viele Seebrücken.

Seebrücke Ahlbeck von 1882

Seebrücke Heringsdorf

Seebrücke Bansin

Seebrücke Koserow

Seebrücke Zinnowitz

Verkehr
Bahnstrecke Ducherow–Heringsdorf–Wolgaster Fähre (demontiert zwischen Ducherow und Świnoujście)
mit Stichstrecke nach Peenemünde
Bahnverkehr

Usedom ist über die Bahnstrecke Züssow–Wolgast Hafen, die Peenebrücke Wolgast und die zwischen Wolgaster Fähre und Świnoujście (Swinemünde) erhaltene beziehungsweise wiederaufgebaute Bahnstrecke Ducherow–Heringsdorf–Wolgaster Fähre an die Hauptbahn Berlin–Stralsund angeschlossen. Der Bahnbetrieb wird von der Usedomer Bäderbahn (UBB) vorgenommen. Seit September 2008 fährt sie wieder bis in das Zentrum von Świnoujście, und das Land Mecklenburg-Vorpommern ist, wie auch die Stadt Świnoujście, bestrebt, den ursprünglichen Festlandanschluss über die Karniner Brücke wiederherstellen zu lassen, sodass es die Strecke für den Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet hat.[28] Eine Stichbahn zweigt von Zinnowitz über eine ehemalige Werkbahnstrecke nach Peenemünde ab.

In den Bundesverkehrswegeplan 2030 wurde in der Kategorie „Weiterer Bedarf / Internationale Projekte“ die Wiederherrichtung der Bahnstrecke Ducherow–Swinemünde (Swinoujscie) aufgenommen.[29] Im Zuge der neu zu bauenden Strecke soll die Brücke bei Karnin wieder aufgebaut werden. Die Züge sollen elektrisch betrieben werden und auf einem Gleis mit maximal 120 km/h verkehren.[30] Falls es im Rahmen des Projekts „Usedom Crossing“[31] zu dem Bau eines Świnatunnels kommt, könnte dieser auch ein Eisenbahngleis aufnehmen, wodurch die Lücke zwischen den beiden Bahnhöfen in Świnoujście geschlossen würde und Bahnreisende aus Usedom zur Skandinavienfähre auf Wolin und aufs polnische Festland weiterreisen könnten.

Busverkehr

Den öffentlichen Personennahverkehr auf der Straße betreibt im deutschen Teil die OstseeBus GmbH. Ab dem 1. Januar 2016 übernimmt die Usedomer Bäderbahn (UBB) diesen Busbetrieb. Über zwei Grenzübergänge bei Ahlbeck und Garz bestehen Verbindungen nach Świnoujście. Darüber hinaus wird von der Usedomer Bäderbahn eine Fernbusflotte betrieben, die von und nach Rostock, Hamburg sowie Berlin verkehrt.

Fahrradverkehr
Fahrradfähre auf dem Weg von Karnin nach Kamp über den Peenestrom; im Hintergrund das Stettiner Haff

Usedom besitzt ein gut ausgebautes Radwegenetz. Die zwölf Kilometer lange Europa-Promenade im Osten durch die drei Kaiserbad-Ortsteile Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck und durch Świnoujście ist durchgängig befahrbar. In Westrichtung führen befestigte Radwege die Küste entlang, bis nach Peenemünde im Nordwesten Usedoms. Das Hinterland ist großteils durch straßenbegleitende Fahrradwege, Ortsstraßen und Landstraßen befahrbar.

Usedom ist auch an einige nationale und internationale Radwanderwege angeschlossen, u. a. an den Ostseeküsten-Radweg (umrundet als EuroVelo-Route EV 10 einmal die Ostsee und verbindet Usedom dadurch mit Städten wie Riga, Danzig, Sankt Petersburg, Stockholm und Kopenhagen)[32] und den Radfernweg Berlin-Usedom (u. a. über Anklam, Pasewalk und Prenzlau).[33]

Radfahrer und Fußgänger können auch über die im Sommer regelmäßig verkehrenden Fähren Altwarp bzw. Ueckermünde – Świnoujście, Altwarp bzw. Ueckermünde – Kamminke, Kamp – Karnin, Freest – Kröslin – Peenemünde und Gager (Rügen) – Peenemünde auf die Insel Usedom gelangen. Fußgänger können die Schiffslinie Lassan – Zinnowitz (Achterwasserseite) benutzen.

Individualverkehr
Brücke über den Peenestrom in Wolgast B 111 / Usedomer Bäderbahn
Brücke über den Peenestrom bei Zecherin / B 110
Fähre über die Świna in Świnoujście / DK 93

Auf der Straße ist der deutsche Teil der Insel im Nordwesten auf der Bundesstraße 111 von der Anschlussstelle Gützkow der Bundesautobahn 20 aus über die Peenebrücke Wolgast erreichbar. Im Südwesten erfolgt die Zufahrt auf der Bundesstraße 110 von der Anschlussstelle Jarmen der A20 aus über die Zecheriner Brücke hinter Anklam. Beide Brücken sind Klappbrücken. Die Bundesstraßen sind im Binnenverkehr der Insel die Hauptverkehrsachsen. Eine Ortsumgehung der B 111 bei Wolgast mit einem Brückenneubau ist bereits im Bundesverkehrswegeplan 2003 in der Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ berücksichtigt worden. Im Bundesverkehrswegeplan 2014 ist sie als „zu untersuchendes Vorhaben“ kategorisiert.[34] Bereits 2010 stellte der Regionale Planungsverband Vorpommern fest, dass der „dargestellte Trassenkorridor […] entsprechend vorliegenden Prüfungsergebnissen umweltverträglich“ sei.[35] Planungen zum Bau von Ortsumgehungen bei Usedom und Zirchow im Zuge der B 110 werden im „Regionalen Raumentwicklungsprogramm Vorpommern“ unter Aspekten des Umwelt- und Naturschutzes kritisch kommentiert.[36]

Es gibt keine Straßenverbindung über die Swine, so ist der polnische Teil Usedoms von Osten her über die Insel Wolin und zwei Autofähren erreichbar. Die nördliche Fähre ist meistens für Kraftfahrzeuge mit dem Kennzeichen „ZSW“ reserviert. Ein 1957 entworfener Plan, einen neun Kilometer langen Damm zwischen der Südspitze Usedoms in der Nähe des Kanałs Piastowski (der Kaiserfahrt) und Nowe Warpno (Neuwarp) quer durch das Stettiner Haff zu bauen, auf dem Kraftfahrzeuge und Züge verkehren sollten und durch den eine direkte Landverbindung nach Świnoujście über polnisches Territorium entstanden wäre, wurde nicht in die Praxis umgesetzt.[37] Der geplante Świnatunnel („Usedom Crossing“) würde Usedom und Wolin bei Eisgang, Sturm oder Hochwasser miteinander verbinden und damit die Anreise von Kraftfahrzeugen in den Usedomer Teil der Stadt Świnoujście von Osten her zeitlich verkürzen.[38] Fraglich bleibt eine politische Mehrheit für den Schwerlasttransitverkehr von der A 20 quer durch Usedom nach Świnoujście. Nach der Öffnung der beiden Grenzübergänge bei Ahlbeck und bei Garz dürfen nur Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von maximal 7,5 t diese benutzen. Die B 110 ist vom Ausbauzustand im östlichsten Abschnitt für Fahrzeuge über 7,5 t zudem nicht geeignet.

Flugverkehr
Abflug vom Flughafen Heringsdorf,
im Hintergrund Świnoujście

Bei der Ortschaft Garz nahe der polnischen Grenze befindet sich der Flughafen Heringsdorf, auf dem Flugzeuge bis zur Größe eines Airbus A320 landen können. Zum Flugangebot zählen innerdeutsche Linienflüge, Charterflüge zu ausländischen Zielen für Urlauber und Geschäftsreisende sowie Rundflüge in der Region. Seit Mai 2014 werden Flüge von und nach Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Dortmund, Köln/Bonn, München, Warschau, Wien, Zürich und Bern angeboten.[39]

Etwas größer dimensioniert ist der Flugplatz Peenemünde, der seit dem Ende der militärischen Nutzung durch die NVA nur noch als Sonderlandeplatz von Kleinflugzeugen genutzt wird.

Bei Mellenthin betreibt der Usedomer Fliegerclub auf einem ehemaligen Agrarflugplatz einen Landeplatz, der von Ultraleichtflugzeugen angeflogen und von Hängegleitern und Modellflugzeugen sowie zum Fallschirmsprungbetrieb genutzt werden kann.[40]

Schifffahrt

Von den Seebrücken in Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck sowie westlicher gelegenen Abfahrtpunkten aus fahren Bäderschiffe bis nach Świnoujście und Międzyzdroje (Misdroy) in Polen. Die Fahrten werden durch die Adler-Schiffe durchgeführt. Vom Hafen in Świnoujście-Warszów auf Wolin aus bestehen Fährverbindungen der Unity Line nach Ystad und Trelleborg in Schweden.

Marinas bzw. Yachthäfen gibt es in Kamminke, Karlshagen, Kröslin, Peenemünde, Ückeritz (mit Stagnieß) und Usedom-Stadt (Karnin und Stadthafen) am Achterwasser, in Wolgast am Peenestrom, in Anklam an der Peene, sowie in Świnoujście an der Świna. Unmittelbar an der Außenküste Usedoms ist im Jahr 2016 noch kein Hafen vorhanden, jedoch ist ein solcher mit Direktzugang am Sackkanal östlich vom Schloonsee in Bansin/Heringsdorf geplant.[41] Zunächst solle dafür das Betriebsgrundstück des Unternehmens Engie vom Schloonsee an das Bansiner Klärwerk bzw. die ehemalige sowjetische Kaserne in Ahlbeck verlegt werden.[42] Ursprünglich war eine Marina an der Heringsdorfer Seebrücke vorgesehen, jedoch aufgrund logistischer Herausforderungen zunächst verworfen.

Kultur
Siehe auch: Mecklenburg-Vorpommern#Kultur
Kulturstätten
Spielort der Vineta-Festspiele: „Theater Blechbüchse“ in Zinnowitz
Theaterzelt Chapeau Rouge in Heringsdorf

Die Ostseebühne Zinnowitz der Vorpommerschen Landesbühne Anklam mit 1300 Sitzplätzen ist unter anderem seit 1997 alljährlicher Schauplatz der Vineta-Festspiele. Unmittelbar neben der Freilichtbühne, dem Spielort der Festspiele, befindet sich das „Theater Blechbüchse“, ebenfalls seit 1997 Spielort der Landesbühne. Diese betreibt auch das Theaterzelt Chapeau Rouge in Heringsdorf. Dort werden seit 1991 alljährlich im Sommerhalbjahr klassische und zeitgenössische Stücke gezeigt. Die Einrichtungen der Landesbühne auf Usedom stehen auch für Vorträge und andere kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

Seit 2008 finden am Hafen der Stadt Usedom die „Hafenfestspiele“ statt.[43]

Eine Konzertmuschel gibt es wie in den deutschen Seebädern auch in Świnoujście; 2010 wurde in der Hafenstadt zudem eine Freilichtbühne eröffnet, die 3500 Zuschauern Platz bietet.[44]

Usedom in der Kunst

Usedom ist ein beliebtes Panorama für Gemälde, literarische Werke, Dokumentationen, Musikvideos und Spielfilme.

Literatur

In der Zeit des aufkommenden Tourismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ sich der populäre Berliner Schriftsteller Willibald Alexis in Heringsdorf ein Sommerhaus bauen. Der Krumminer Pfarrer Wilhelm Meinhold (1797–1851) veröffentlichte 1843 seinen Roman Maria Schweidler, die Bernsteinhexe. Die fiktionale Erzählung, deren Handlung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges angesiedelt ist, wurde ein Verkaufserfolg. Theodor Fontane (1819–1898) verbrachte Teile seiner Kindheit und Jugend in Swinemünde. Seine Erinnerungen veröffentlichte 1893 er in seinem autobiographischen Roman Meine Kinderjahre. Swinemünde war das Vorbild für die in seinem Roman Effi Briest (1894/1895) beschriebene pommersche Kreisstadt Kessin.

An den Aufenthalt des russischen Schriftstellers Maxim Gorki 1922 erinnert das Museum Villa Irmgard in Heringsdorf. Der aus Neu Sallenthin bei Bansin stammende Schriftsteller Hans Werner Richter, Begründer der Gruppe 47, schilderte in verschiedenen autobiographisch geprägten Romanen (Spuren im Sand, Bansiner Geschichten, Die Stunde der falschen Triumphe) das Leben auf der Insel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihm wurde nach seinem Tod 1993 das Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin gewidmet.

Malerei

Aus Krummin stammte eine der ersten bekannte Künstlerinnen der Insel Usedom, die Malerin Elsa von Corswant (1875–1957). Neben Porträts schuf sie Genrebilder und der impressionistisch geprägten Freilichtmalerei zuzuordnende Landschaftsbilder des Usedomer Hinterlandes.

Gedenktafel für den Maler Lyonel Feininger an der Heringsdorfer Villa Oppenheim

Der bedeutende expressionistische US-deutsche Künstler Lyonel Feininger verbrachte seine Sommermonate von 1908 bis 1921 auf der Insel und verewigte zahlreiche Motive in seinen Werken. Ihm zu Ehren wurde der Radweg Feininger-Tour über Teile der Insel angelegt.

Ab 1933 kam der Maler Otto Niemeyer-Holstein regelmäßig im Sommer nach Usedom. 1939 ließ er sich am Achterwasser zwischen Zempin und Koserow nieder. Sein Wohnhaus und Atelier in Lüttenort sind heute als Gedenkstätte und Galerie zugänglich. Mit Karen Schacht, Herbert Wegehaupt und Otto Manigk ließen sich in den 1930er und 1940er Jahren drei weitere Maler in Ückeritz nieder. In den 1950er Jahren folgten Susanne Kandt-Horn und Manfred Kandt sowie Vera Kopetz ihrem Beispiel. Gegenwärtig leben und arbeiten die Maler Matthias Wegehaupt und Oskar Manigk in Ückeritz.

Filme

Als Filmkulisse wurde Usedom durch die Loriot-Komödie Pappa ante Portas von 1991 deutschlandweit bekannt, die Seebrücke Ahlbeck ist dabei einer der Schauplätze und wurde eigens für den Film restauriert.[45] Im Jahr 2010 wurden Teile des vielfach ausgezeichneten Blockbusters Der Ghostwriter auf Usedom gedreht. Im Herbst 2014 wurde die erste Folge der ARD-Krimireihe Mörderhus – Der Usedom-Krimi unter der Regie von Andreas Herzog ausgestrahlt, die 2015 fortgesetzt wird.[46]

Musik

Zu den bekanntesten Musikern von der Insel Usedom gehört die deutschsprachige Pop-Rock-Band Jennifer Rostock. Eine Plattform für Nachwuchsmusiker und verschiedene Bands ist die jährlich im Juli stattfindende Veranstaltungsreihe „Use Tube“ in den Konzertmuscheln der drei Kaiserbäder Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf.[47]

Als klingendes Podium der Ostsee, präsentiert das Usedomer Musikfestival seit 1994 das Musikleben aller Staaten rund um die Ostsee in jährlich wechselnden Länderschwerpunkten. Diese Form der künstlerischen Zusammenarbeit und des musikalischen Dialogs führte bereits weltbekannte Solisten, Dirigenten und Ensembles auf die Insel Usedom. Mstislaw Rostropowitsch, Kurt Masur, die Kremerata Baltica, das Esbjörn Svensson Trio, Kristjan, Paavo und Neeme Järvi oder Esa-Pekka Salonen und viele mehr präsentierten die Musik ihrer Länder einem interessierten Publikum. Die Programme des Usedomer Musikfestivals decken ein breites Spektrum ab. Konzerte finden in Kirchen, Hotels, Ateliers und in Industriehallen auf der deutschen und polnischen Seite der Insel Usedom statt. Zu den jährlichen Höhepunkten zählen unter anderem die Peenemünder Konzerte im historischen Kraftwerk auf dem Gelände des Historisch-Technischen Museums Peenemünde mit dem Baltic Sea Philharmonic und dem NDR Elbphilharmonie Orchester.

Siehe auch
Liste geteilter Inseln
Liste deutscher Inseln
Liste polnischer Inseln
Literatur
Wilhelm Ferdinand Gadebusch: Chronik der Insel Usedom. Dietze, Anklam 1863, online.
Gösta Hoffmann, Reinhard Lampe: Die Insel Usedom – Spätpleistozäne und holozäne Landschaftsentwicklung. In: Reinhard Lampe, Sebastian Lorenz (Hrsg.): Eiszeitlandschaften in Mecklenburg-Vorpommern. Verlag Geozon Science Media, Greifswald 2010, ISBN 3-941971-05-0, S. 92 ff.
Rainer Höll: Zauberhaftes Usedom mit Greifswald und Stettiner Haff. nordlicht-verlag, Ostseebad Karlshagen 2012, ISBN 978-3-9809640-5-0.
Bernfried Lichtnau: Usedom. Streifzüge durch die Geschichte, Architektur und Kunst der Insel. Dietrich, Peenemünde 1996, ISBN 3-930066-28-9.
Erwin Rosenthal: Usedom und Wollin. Zwei Schwesterinseln in der Pommerschen Bucht. Demmler-Verlag, Ribnitz-Damgarten 2013, ISBN 978-3-944102-02-3.
Dirk Schleinert: Die Geschichte der Insel Usedom. Hinstorff-Verlag, Rostock 2005, ISBN 3-356-01081-6.
Hans Christof Wächter, Heinz Teufel: Usedom. Eine Bilderreise, Ellert & Richter-Verlag, Hamburg 1991, ISBN 3-89234-277-6.
Weblinks
 Commons: Usedom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Usedom – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Usedom – Reiseführer
Literatur über Usedom in der Landesbibliographie MV
Offizielle touristische Informationsseite der Insel Usedom (Usedom Tourismus GmbH)
Regionalentwicklungsplanung rund um das Stettiner Haff. Diplomarbeit 2005
Birgit Walter: Zimmer mit Meerblick und Vollpension für 5,11 Mark. In: Berliner Zeitung, 11. Juli 2009.
Integriertes Verkehrsentwicklungskonzept Usedom-Wollin 2015