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Geschichte

Gräberfunde im Flurbezirk Walhelde zwischen Vettelschoß und Oberelsaff belegen eine bereits vorchristliche Besiedelung des Vettelschoßer Gemeindegebietes. Auf den in der Nähe des Ortes liegenden Bergen Hummelsberg und Asberg wurden in den 1930er Jahren von der rheinischen Provinzialverwaltung in Bonn Ringwälle untersucht, die der Hunsrück-Eifel-Kultur zuzuordnen sind und in der Zeit von 600 bis 400 v. Chr. errichtet wurden. Die Ringwälle wurden durch den Basaltabbau zerstört.

Der Ortsname stammt vermutlich aus der Zeit des späten Frühmittelalters. Die letzte Silbe lautete im 9. Jahrhundert wohl Sciotz, 960 Scoz, das im Althochdeutschen die Giebelseite eines Gebäudes bezeichnet, eigentlich einen schutzgewährenden Vorsprung. Vettel hängt zusammen mit dem gotischen fatha, mittelhochdeutsch vade oder fade für Zaun oder Scheidewand. Demnach könnte Vettelschoß so viel wie „Einhegung, die an der geschützten Seite des Willscheider Berges liegt“, bedeuten.[4] Nach einer anderen Namensdeutung ist Vettel hergeleitet aus dem althochdeutschen Personennamen Wetilo, der gleichbedeutend ist mit Vogteipächter oder Pfandvertrag.[5] In den Kirchenbüchern von Neustadt an der Wied finden sich für Vettelschoß auch die Schreibweisen Feddelschoß, Fettelschoß und Vetelschoß.

Die Flurnamen Beielsberg und Beielswiese, auch Bilsberg, Bilswiese, Bilsteinwiese geschrieben, könnten auf Kunigunde von Bilstein hinweisen. Deren Tochter Hedwig von Gudensberg vermachte um 1100 ihre rheinischen Besitzungen ihrem Gatten Ludwig, unter anderem auch die im späteren Amt Altenwied zu dem Vettelschoß gehörte. Die genannten Flurnamen könnten demnach auf eine Besiedlung um 1100 hinweisen.

Die erstmalige urkundliche Nennung des Ortes stammt aus einem Testament vom 25. Mai 1344, in dem eine Cristina de Vertilschos (= Christine von Vettelschoß) – Inklusin in Dattenberg – ihre Besitztümer verschiedenen Personen und Klöstern vermachte.[6]

Weitere Urkunden, in denen Personen aus Vettelschoß genannt werden, stammen aus den Jahren 1418, 1434 und 1540.

Diesellok von 1940 für den Basalttransport vom Willscheider Berg
Die Kapelle auf dem alten Friedhof in Vettelschoß hat Grundmauern aus Basalt
17. bis 19. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert gehörte Vettelschoß zum Kirchspiel Neustadt im Amt Altenwied, das Amt Altenwied gehörte zum Kurfürstentum Köln. Vettelschoß bildete den sog. zweiten Teil der Honnschaft Lorscheid. Auf Anordnung des Erzbischofs Maximilian Heinrich von Bayern wurde im Jahr 1660 eine Inventur aller Honnschaften im Amt Altenwied durchgeführt. Hierbei wurden für die Vettelschosser Honschaft aufgezählt:

In Seiffen (Seiferhof) eins, in Calenborn (Kalenborn) und Hambscheid (Homscheid) je zwei, in Stroeth (Strödt) fünf und in Vettelschoß elf Häuser von denen eins nicht bewohnt war. In Wilscheid (Willscheid) gab es drei Häuser, in Oberwilscheid den Obristhof und den Untersten Hof, in Mittelwilscheid einen Hof. Lorscheidt (Lorscheid) zählte fünf Häuser, in Hinterlorscheidt gab es nur ein Haus. In Noscheid (Notscheid) und in Hilkerscheid waren alle Häuser verschwunden, es gab dort nur noch Wiesen. Einige der hier genannten Orte und Wohnplätze gehören heute zur Ortsgemeinde St. Katharinen.

Die Herrschaft Kurkölns endete 1803 nach über 500 Jahren mit dem Reichsdeputationshauptschluss. Das kurkölnische Gebiet in dieser Region wurde zunächst dem Fürstentum Wied-Runkel zugeordnet und kam 1806 aufgrund der Rheinbundakte zum Herzogtum Nassau. Die Honnschaft Lohrscheid II unterstand anschließend der Verwaltung des nassauischen Amtes Altenwied. Nach den auf dem Wiener Kongress geschlossenen Verträgen wurde das Gebiet 1815 an das Königreich Preußen abgetreten.[7]

Vettelschoß wurde eine Gemeinde im damals neu gebildeten Standesherrlichen Kreis Neuwied (ab 1848 Kreis Neuwied) im Regierungsbezirk Koblenz und zunächst von 1817 bis 1823 von der Bürgermeisterei Altenwied, anschließend von der Bürgermeisterei Neustadt (Wied) (ab 1927 Amt Neustadt) verwaltet. Die Gemeinde Vettelschoß entsprach der vormaligen Honnschaft Lohrscheid II ohne Notscheid. 1892 erhielt Vettelschoß eine eigene Postagentur, zu deren Zustellbereich auch die Ortschaften der damaligen Gemeinde Rederscheid und ein Großteil der Gemeinde Elsaffthal gehörten.[8]

20. Jahrhundert

In wirtschaftlicher Hinsicht bedeutend waren früher Basaltabbau und -verarbeitung. 1921 verkaufte Vettelschoß das Grundstück im Ortsteil Kalenborn zum Bau des Schmelzbasaltwerkes an die Schmelz-Basalt-Aktien-Gesellschaft (heute Kalenborn Kalprotect) in Linz am Rhein. Durch dieses Geld konnte sich die Gemeinde in den Jahren 1922 und 1923 den Anschluss an das Stromnetz finanzieren.

Am 7. November 1970 wurde die Ortsgemeinde im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungs- und Gebietsreform aus der aufgelösten Verbandsgemeinde (bis 1. Oktober 1968 Amt) Neustadt (Wied) der Verbandsgemeinde Linz am Rhein zugeordnet.

In den 1970er Jahren war Vettelschoß Sitz der Unternehmensgruppe Streif Haus, die mit 4.000 Beschäftigten in 8 Werken auch Neckermann-Fertighäuser herstellte. Heute liegt der Firmensitz der Streif GmbH in Weinsheim.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Vettelschoß, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[1][9]

Jahr Einwohner
1815 352
1835 472
1871 541
1905 655
1939 1.131
1950 1.171
Jahr Einwohner
1961 1.582
1970 2.285
1987 2.671
1997 3.435
2005 3.400
2015 3.480

Religion

Die 1975 in Bau gegangene und 1977 eingeweihte Michaelskirche in Vettelschoß sowie die Filialkirche in Kalenborn gehören zur Katholischen Pfarrgemeinde St. Michael Vettelschoß. Die Evangelische Kirche ist mit der Johanneskirche vertreten, die 1967 zusammen mit dem Gemeinde- und Pfarrhaus erbaut wurde.

Politik
Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 20 gewählten Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem vorsitzenden Ortsbürgermeister.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[10]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 5 9 6 20 Sitze
2009 5 11 4 20 Sitze
2004 5 12 3 20 Sitze

FWG = Freie Wählergruppe Vettelschoß/Kalenborn e. V.
Bürgermeister

Ehrenamtlicher Ortsbürgermeister ist Heinrich Freidel (CDU), er wurde bei der Kommunalwahl 2014 mit 67,5 Prozent der Stimmen direkt gewählt und löste Falk Schneider in diesem Amt ab.[11]

Wappen

Das Vettelschoßer Wappen ist seit 1983 im amtlichen Gebrauch. Das Flammschwert steht für den Erzengel Michael, das Hufeisen symbolisiert die frühere Bedeutung der Landwirtschaft für den Ort und die Basaltsäulen symbolisieren den Bergbau und die Nachfolgeindustrie.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Der Aussichtsturm am Willscheider Berg erlaubte einen Blick in den See.
Grenzstein aus dem Jahr 1680
Sehenswürdigkeiten
Blauer See
Der Blaue See ist aus einem der drei Basaltsteinbrüche im Ortsgebiet entstanden. Bis etwa 1940 wurde hier Basalt abgebaut, heute ist er als Natursee mit Campingplatz und einem Gastronomiebetrieb ein beliebtes Reiseziel.
Willscheider Berg
Westlich vom Ortskern von Vettelschoß erhebt sich der Willscheider Berg mit einer Höhe von heute 360 m ü. NN, ursprünglich 370 m. Hier wurde bis 1974 Basalt abgebaut. Das Gebiet um den Willscheider Berg ist als Biotopkomplex sowie seit 1999 als Ausgleichs- bzw. Kompensationsfläche für ein südlich entstandenes Gewerbegebiet ausgewiesen.
Willscheider Bergsee
Aus dem Basaltbruch ist nach der Stilllegung ein See entstanden, der etwa 50 m unterhalb des heutigen Plateaus liegt. Der See ist aufgrund der fast senkrecht abfallenden Felswände nicht zugänglich und damit ein Rückzugs- und Entwicklungsgebiet für die Tier- und Pflanzenwelt.
Aussichtsturm auf dem Willscheider Berg
Ein in den 1990er Jahren errichteter Holzturm ermöglichte sowohl einen guten Einblick auf den ehemaligen Basaltbruch und den See, wie auch einen weiten Blick in den Westerwald bis hin zum Puderbacher Land. Wegen starker Schäden an den Holzbalken wurde der Turm im Januar 2016 abgerissen.[12]
Grenzstein von 1680
Im Ortsteil Kalenborn befindet sich ein Grenzstein aus dem Jahr 1680, der die Grenze zwischen den Ämtern bzw. Kirchspielen Linz, Neustadt und Erpel markierte. Heute berühren sich hier die Stadt Linz am Rhein und die Ortsgemeinden Vettelschoß und Erpel.
Bernarduskapelle
Die Bernarduskapelle aus dem Jahr 1683 steht wahrscheinlich an der Stelle einer älteren Kapelle, da in einer Urkunde aus dem Jahr 1570 bereits eine Kapelle für den Ort genannt wurde. Sie ist die einzige Fachwerkkapelle innerhalb der Verbandsgemeinde Linz am Rhein und einziges Kulturdenkmal der Ortsgemeinde Vettelschoß.
Antoniuskapelle bei Oberelsaff
Dorfmuseum im aktuellen Zustand
Antoniuskapelle
Die Antoniuskapelle liegt oberhalb des zu Neustadt (Wied) gehörenden Ortes Oberelsaff auf dem Gemeindegebiet von Vettelschoß. Das innere birgt einen neugotischen Altar, der aus dem Remagener Anna-Stift stammt.
Schmitzhof
Das älteste erhaltene Fachwerkhaus in Vettelschoß wurde um 1640 gebaut und war bis 1803 Besitz des Klosters St. Katharinen. Den Namen hat er von den früheren Besitzern. Die Gemeinde hat das Haus gekauft und nutzt es seit 2010 als Dorfmuseum. Um das Museum attraktiver zu gestalten, wurde in dem Gebäude auch eine Weinstube eröffnet.
Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Vettelschoß
Regelmäßige Veranstaltungen
Kirmes in Vettelschoß: am ersten Wochenende im Oktober
Kirmes in Kalenborn: am letzten Wochenende im Mai
Karnevalsumzug: am Karnevalssonntag
Wirtschaft und Infrastruktur
Ansässige Unternehmen

Im Ortsteil Kalenborn ist der Sitz des im Jahr 1921 zur Herstellung von Schmelzbasalt gegründeten Unternehmens Kalenborn Kalprotect, heute einer der weltweit führenden Hersteller im Bereich des universellen Verschleißschutzes.

Das Gewerbegebiet Willscheider Berg ist ein Standort des Schuhherstellers Birkenstock. Das Unternehmen hatte im Jahr 1998 seinen Sitz von Bad Honnef nach Vettelschoß verlegt, nachdem es hier bereits 1997 ein neugebautes Auslieferungslager in Betrieb genommen hatte. Anfang 2014 wurde die Verwaltung von Vettelschoß nach Neustadt (Wied) verlegt, während Vettelschoß weiterhin als Logistikzentrum des Unternehmens dient.[13]

Öffentliche Einrichtungen
Das Feuerwehrhaus in Vettelschoß
Das Gemeindebüro mit Ratssaal im Erlenweg 3 ist Sitz der Ortsgemeinde.
Im Bildungsbereich verfügt Vettelschoß sowohl über eine Grundschule als auch über einen Kindergarten und eine Kindertagesstätte.
Das gemeindeeigene Vereinshaus Willscheider Berg liegt nahe dem Kratersee und kann wie das Gemeindehaus Kalenborn für Veranstaltungen aller Art angemietet werden.
Die am 1. Mai 1899 gegründete Freiwillige Feuerwehr besteht aus etwa 30 Mitgliedern und hat 2002 ein neues Feuerwehrhaus bezogen.
Verkehr

Westlich der Gemeinde verläuft die Bundesstraße 42, die von Koblenz nach Bonn führt. Die nächsten Autobahnanschlussstellen sind Bad Honnef/Linz am Rhein und Neustadt/Wied an der Bundesautobahn 3.

1912 wurde die Bahnstrecke Linz (Rhein)–Flammersfeld eröffnet, die zwei Bahnhöfe im Gebiet der Gemeinde hatte (Kalenborn und Vettelschoß). Heute existiert nur noch das Teilstück zwischen Linz und Kalenborn, auf dem touristischer Verkehr stattfindet.

Persönlichkeiten
Egidius Schneider (1893–1958), Sozialreferent und Erwachsenenbildner, geboren in Vettelschoß
Astrid van Nahl (* 1951), deutsche skandinavistische Mediävistin, Publizistin und Übersetzerin, lebt seit Längerem in Vettelschoß
Weblinks
Ortsgemeinde Vettelschoß
Vettelschoß auf der Website der Verbandsgemeinde Linz am Rhein
Geschichte des Basaltabbaus in Vettelschoß (PDF-Datei; 953 kB)