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Geschichte
Vreden im Jahr 1649

Grabungsfunde zeigen, dass das Gebiet des Zwillbrocker Venns bereits vor mehr als 10.000 Jahren besiedelt war. Auf dem Gebiet der heutigen Stadtbebauung reichen Bodenfunde bis etwa in das fünfte Jahrhundert v. Chr. zurück.

Aus den Xantener Annalen ergibt sich, dass im Jahre 839 die Reliquien dreier Heiliger nach Vreden überführt wurden. Der Knochenstaub der hl. Felicitas liegt noch im Altar der Stiftskirche. Die anderen beiden Heiligen waren Felicissimus und Agapitus. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung Vredens und dürfte zeitlich mit der Gründung des Damenstifts zu Vreden zusammenfallen.

Im Jahr 1016 wird Graf Wichmann III., ein Billunger und Verwandter des Königshauses, in Vreden beerdigt.

Ende 1024 besuchte der neugewählte König Konrad II. im Rahmen seines Königsumritts Vreden. Dort wurde er von den Äbtissinnen Adelheid von Vreden und Sophia von Essen empfangen, die Töchter von Kaiser Otto II. und seiner Gattin Theophanu bzw. Schwestern des verstorbenen Kaisers Otto III. waren.

Während das reichsunmittelbare Stift dem Erzbistum Köln zuzurechnen war, gehörte die Stadtgemeinde zum Bistum Münster. Im Jahre 1252 verpflichteten sich der Erzbischof von Köln und der Bischof von Münster, Vreden als Stadt auszubauen und zu befestigen. Vreden erhielt somit die Stadtrechte. Im Rahmen der münsterischen Stiftsfehde wurde Vreden zwischen 1451 und 1455 mehrmals belagert und eingenommen. Im Jahre 1470 wurde Vreden Mitglied der Hanse. Innerhalb der Hanse gehörte Vreden zum Braemquartier.[4] Das Braemquartier war eines der beiden Unterquartiere im Münsterschen Hansequartier. Dessen Vorort (Prinzipalort) war Coesfeld.[5]

Der Achtzigjährige Krieg in den benachbarten Niederlanden sowie der Dreißigjährige Krieg betrafen auch Vreden. Im Jahr 1598 wurde Vreden von spanischen Truppen besetzt. Erst der Westfälische Friede beendete im Jahre 1648 die Feindseligkeiten. Die Grenze zwischen dem Bistum Münster und dem Erzbistum Utrecht wurde zur heute bestehenden Staatsgrenze. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Berkelschifffahrt aufgenommen.

Im Jahre 1811 fiel Vreden vorübergehend an Frankreich. Im gleichen Jahr vernichtete ein Stadtbrand weite Teile der Stadt. Ein zweiter katastrophaler Brand ereignete sich 1857. Zur Förderung der lokalen Wirtschaft wurde 1841 die Sparkasse gegründet, die dritte im Münsterland. Viele Industriebetriebe, insbesondere Webereien und Spinnereien, nahmen im Laufe des 19. Jahrhunderts die Produktion auf. Dennoch dauerte es bis zum Jahre 1903, bis Vreden einen Anschluss an die Nordbahn der Westfälischen Landes-Eisenbahn erhielt.

Große Teile der Stadt und der Industrie wurden im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe kurz vor Kriegsende zerstört, darunter auch die beiden Kirchen. Während die Stiftskirche wieder aufgebaut wurde, mussten die Trümmer der Pfarrkirche St. Georg einem Neubau weichen. Im Rahmen der Bauarbeiten wurden unter St. Georg die Fundamente mehrerer Vorgängerkirchen entdeckt, die bis in die Zeit des ersten Jahrtausends n. Chr. zurückreichen.

Nach dem Krieg wuchs die Stadt beständig und überschritt in den 1990er Jahren die Marke von 20.000 Einwohnern. Die Textilindustrie wich zunehmend einem gut diversifizierten Mix aus verschiedenen Branchen.

Zum 1. Juli 1969 wurden das Amt Ammeloe (131,88 km²), das seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts verwaltungstechnisch als Landgemeinde eigenständig war, und die Stadt Vreden (damals 3,71 km²) zur neuen Stadt Vreden zusammengeschlossen.[6]

Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde der bisherige Kreis Ahaus, zu dem Vreden seit 1816 zählte, am 1. Januar 1975 in den erweiterten, neuen Kreis Borken eingegliedert. Das Vredener Amtsgericht wurde kurz zuvor aufgelöst, zuständiges Amtsgericht ist seither Ahaus.

Bevölkerung

Einwohner

(jeweils zum 31. Dezember, falls nicht anders angegeben)

1998: 21.392
1999: 21.554
2000: 21.718
2001: 21.931
2002: 22.030
2003: 22.220
2004: 22.387
2005: 22.790
2006: 22.723
2007: 22.775
2009: 22.911
2011: 22.658
2012: 22.395
2015: 22.688
2017: 23.128 (zum 1. Januar) [7]

Staatsangehörigkeit

(Stand: 1. Januar 2017) [7]

95,2 % deutsch
2,4 % niederländisch
1,1 % polnisch
0,8 % syrisch
0,4 % irakisch
0,3 % türkisch
0,2 % kosovarisch
0,2 % rumänisch
0,2 % serbisch
0,1 % afghanisch
0,1 % bulgarisch
0,1 % italienisch
0,1 % albanisch
Geschlecht

(Stand: 1. Januar 2017)[7]

männlich 11.850
weiblich 11.278

Politik
Stadtrat

Kommunalwahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 59,7 % (2009: 65,5 %)

 %6050403020100

53,7 %24,3 %5,9 %6,3 %8,3 %

CDUSPDFDPUWGGrüne
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2009
 %p   6   4   2   0  -2  -4  -6  -8-10

+1,7 %p
+5,0 %p-8,3 %p-1,0 %p+1,1 %p
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Im Vredener Stadtrat sind fünf Fraktionen vertreten. Der Rat besteht aus 34 Mitgliedern und dem Bürgermeister (Christoph Holtwisch, CDU). Zusammensetzung nach der Kommunalwahl am 25. Mai 2014:

CDU 19 Sitze (+ 1)
SPD 8 Sitze (+ 1)
FDP 2 Sitze (− 3)
UWG 2 Sitze (± 0)
GRÜNE 3 Sitze (+ 1)

Der bisherige Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch (CDU) wurde mit 54,0 % der abgegebenen Stimmen erneut gewählt.[9]

Die Wahlbeteiligung lag bei 59,7 % und damit 5,8 Prozentpunkte unter der Beteiligung bei der Kommunalwahl 2009.

Abgeordnete
Johannes Röring (CDU) vertritt den Bundestagswahlkreis Borken II seit 2005 im Deutschen Bundestag.
Ursula Schulte (SPD) wurde im September 2013 über die Landesliste in den Deutschen Bundestag gewählt.
Bernhard Tenhumberg (CDU) vertrat den Landtagswahlkreis Borken II von 1995 bis 2017 im Landtag Nordrhein-Westfalen.
Städtepartnerschaften

Vreden pflegt seit 1990 eine Städtepartnerschaft mit dem brandenburgischen Elsterwerda.

Wappen

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Vreden vom Kölner Erzbischof und Münsteraner Bischof, die gemeinsam über Vreden herrschten, als Stadt ausgebaut. Das Siegel der Stadt zeigt die Bistumspatrone Paulus (Münster) und Petrus (Köln) vor einem gespaltenen Schild. Dieses zeigt vorne das Kölner Kreuz und hinten den münsterischen Balken. Dieses Schild ist das Wappen der Stadt Vreden. Der goldene Balken, eigentlich auf rotem Grund, ist auf eine falsche Farbgebung Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts zurückzuführen.

Seit Mitte der 1970er Jahre wird fast ausschließlich auf das Siegelbild zurückgegriffen, welches das eigentliche Wappen beinhaltet.

Religionen
Katholische Kirchengemeinde
Pfarrkirche St. Georg

Die römisch-katholische Kirche hat in der Geschichte Vredens eine herausragende Stellung. Grabungsfunde unter der St. Georgs-Kirche zeigten, dass in Vreden einer der ersten Kirchenbauten des Bistums Münster gestanden hat. Im Mittelalter bestimmten dann die Bischöfe von Köln und vor allem Münster maßgeblich die Geschicke Vredens. Mit dem in Vreden-Lünten geborenen Heinrich Tenhumberg stammt auch ein früherer Bischof von Münster aus Vreden.

Bis heute bekennen sich mehr als 80 % der Bevölkerung zum katholischen Glauben, der in Form von Bauwerken, verschiedenen Vereinen, Prozessionen usw. im Alltag oft präsent ist. Wie in anderen Gemeinden des Westmünsterlands betrug der Anteil der Katholiken bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs sogar weit über 90 Prozent.

Die Bedeutung des katholischen Glaubens findet sich auch im Stadtbild wieder. Mit der St. Georgs-Pfarrkirche und der unmittelbar neben ihr gelegenen ehemaligen Stiftskirche St. Felizitas am Kirchplatz 1 dominieren zwei Sakralgebäude den Innenstadtbereich. Beide Kirchen stehen im Gebiet der ehemaligen Stiftsimmunität, an die noch die Straßenbezeichnung „Freiheit“ erinnert. Andere Gebäude des Damenklosters sind leider nicht mehr erhalten. Lediglich die Bezeichnung des so genannten Matthias-Hauses (ein Neubau aus den 1980er Jahren) erinnert an das früher dort gelegene Kanonikergebäude.

Ebenfalls nicht mehr erhalten sind das frühere Klarissenkloster wie auch das Franziskanerkloster. Allerdings ließen sich auf dem Hof des Schulze Früchting in Ellewick im 20. Jahrhundert Ordensbrüder nieder. Die früher dort gelegenen Gebäude (Wohnhaus und Nebengebäude) wurden in der Folge abgebaut und im Stadtpark wieder errichtet, wo sie den Kern des dort gelegenen Bauernhausmuseums bilden. Die Ordensgemeinschaft betreibt in Ellewick heute die Behinderteneinrichtung „Haus Früchting“ und verfügt über eine eigene Kapelle.

Darüber hinaus verfügen die Ortschaften Ammeloe, Ellewick-Crosewick, Lünten, Wennewick-Oldenkott und Zwillbrock über katholische Gotteshäuser. Aufgrund ihrer barocken Ausstattung ist die Kirche St. Franziskus in Zwillbrock dabei weit über die Region hinaus bekannt. Diverse Kapellen, Bildstöcke und Rosenkranzstationen vervollständigen die Auflistung der geweihten Bauwerke. Die Kirche der Arbeiterkolonie St. Antoniusheim Vreden hingegen, in der etwa 100 Jahre lang regelmäßig die hl. Messe gelesen wurde, wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder profaniert. Auch die im Stadtgebiet gelegene Kirche St. Marien wurde nach Beschluss des Bistums am 20. November 2011 entweiht.[10] Im März 2015 wurde die Kirche mitsamt Nebengebäuden abgerissen. Lediglich der Kirchturm blieb stehen.[11]

Die katholischen Pfarrgemeinden Vredens, zu denen früher auch die Pfarrei St. Georg in Ottenstein zählte, wurden im September 2007 in der neuen Pfarrgemeinde Vreden St. Georg zusammengefasst. Sie sind dem Dekanat Vreden zugeordnet, das außerdem die Gemeinden aus Stadtlohn und Südlohn-Oeding umfasst.

Evangelische Kirchengemeinde

Nach Beginn der Reformation wechselten in Vreden ab 1550 viele Einwohner zum neuen Glauben. Auch im Zeitalter der Konfessionalisierung des 17. Jahrhunderts wogte der Einfluss katholischer Kräfte einerseits und der reformierter hin und her. Ab Beginn der sogenannten Gegenreformation ging die Zahl der Evangelischen mehr und mehr zurück, doch auch im 18. Jahrhundert waren noch mehrere Vredener Familien protestantisch. Sie waren Mitglieder der reformierten Kirchengemeinde im niederländischen Rekken. Nach dem Wiener Kongress kam Vreden mit dem Münsterland zu Preußen. Die preußische Oberschicht (hohe Beamte, Lehrer, Richter etc.) war bevorzugt evangelisch. Daher gründete sich bald wieder eine evangelische Gemeinde, die im Jahre 1860 ihren ersten Kirchbau erhielt.

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde dieser durch ein Gemeindezentrum mit Kirche und multifunktionalen Räumen in der Mauerstraße 14 ersetzt. Durch den Zuzug von Ostvertriebenen wuchs die Gemeinde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kräftig. Die Kirchengemeinde Vreden-Stadtlohn-Oeding hat heute ca. 4.500 Gemeindeglieder. Sonntäglich werden zwei Gottesdienste gefeiert. Die Gemeinde betreuen zwei hauptamtliche Pfarrer; sie unterhält einen Kindergarten.

Weitere Kirchengemeinden

Die neuapostolische Gemeinde verfügt über ein Kirchengebäude in einem Gemeindezentrum, das vor einigen Jahren erweitert wurde, um mehr Platz zu schaffen. Die neuapostolische Kirche liegt in einem Wohngebiet an der Kreuzung Pol-/Süringstraße. Sie wird nicht nur von Vredener Mitgliedern, sondern von neuapostolischen Christen aus dem ganzen Altkreis Ahaus besucht.

Die evangelische Freikirche Vreden, die ihre geschichtlichen Wurzeln in der Täuferbewegung der Reformationszeit in den Niederlanden und der Schweiz hat und bundesweit in der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Brüdergemeinden vernetzt ist, verfügt in der Bahnhofstr. 11 über eine Kirche und weitere Räumlichkeiten für Gottesdienste und Zusammenkünfte der Gemeinde.

Jüdische Gemeinde

Wie in den meisten deutschen Städten führte der Rassenwahn der Zeit des Nationalsozialismus auch in Vreden zum Ende der jüdischen Gemeinde. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge beschädigt und später abgerissen. An ihren Standort erinnern eine Gedenktafel sowie die Straßenbezeichnung „Zur Synagoge“.

Nach dem Krieg kam es nicht wieder zur Gründung einer jüdischen Gemeinde. Daher sind zwei jüdische Friedhöfe, der Alte Jüdische Friedhof und der Neue Jüdische Friedhof, derzeit die einzigen öffentlichen Zeugnisse des jüdischen Glaubens.

Religionszugehörigkeit in Zahlen

(Stand: 31. Dezember 2005)

90,87 % römisch-katholisch
9,06 % evangelisch
0,07 % sonstige/ohne
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Alte fürstbischöfliche Burg (heute Rathaus)
Barockkirche Zwillbrock
Stiftskirche St. Felizitas
Skulptur nahe der Fußgängerbrücke über die Berkel
Vreden, Marktplatz
Museen

Das wichtigste Museum in Vreden ist das Hamaland-Museum, das zugleich auch Kreismuseum des Kreises Borken ist. Es beschäftigt sich mit der kulturgeschichtlichen Entwicklung des westlichen Münsterlands. Bestandteil des Hamaland-Museums ist das Bauernhaus-Museum. Hierbei handelt es sich um eine Gebäudeanlage im Stadtpark, die sich aus dorthin versetzten Bauernhäusern und Nebengebäuden (Mühle, Backhaus, Remise usw.) zusammensetzt.

Weitere Museen und Bildungseinrichtungen sind (zum Teil privat geführt):

Scherenschnitt–Museum
Miniaturschuh-Museum
Skulpturenpark Erning
Heimathaus Noldes (in Vreden-Ammeloe)
Berkelkraftwerk
Biologische Station Zwillbrock
Bauwerke

Im März 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde Vreden zum Ziel von Luftangriffen, die insbesondere den innerstädtischen Bereich stark beschädigten. Viele Gebäude wurden im Zuge des Wiederaufbaus komplett neu errichtet. Daher umfasst die Liste der Baudenkmäler in Vreden vergleichsweise wenige Gebäude in der Innenstadt.

Besonders nennenswert sind folgende Bauwerke:

Historische Überreste der Burganlage
Barockes Herrenhaus (heute beide Teil des Rathauses)
Altes Rathaus (am Marktplatz)
Stiftskirche St. Felizitas mit dem Vredener Hungertuch von 1619
Historische Überreste einer alten Kirche (Fundamente) unter der Pfarrkirche St. Georg
Kapelle Maria Brunn
Barockkirche Zwillbrock
Parks

Vreden liegt in der sogenannten Münsterländer Parklandschaft. Daher finden sich außerhalb der Siedlungsgebiete mehrere Landschaften, die parkähnlichen Charakter haben. Prominentestes Beispiel ist das Zwillbrocker Venn, das die größte Lachmöwenkolonie Europas beherbergt wie auch die nördlichste Brutkolonie von Flamingos.

Der Stadtpark dient als innerstädtisches Naherholungsgebiet. Er wurde im Laufe der Jahre mit verschiedenen Skulpturen ausgestattet, darunter Die solide Wirklichkeit des Bedingten, ein Werk von Heike Mutter und Ulrich Genth. Hierbei handelt es sich um eine Helikopter-Attrappe, die 2005 im Zuge der Skulptur Biennale Münsterland errichtet wurde.[12] Die Flügel der Skulptur werden angetrieben vom Rad der zum Hamaland-Museum gehörenden Wassermühle.[13]

Im Stadtpark wurden zudem mehrere Skulpturen installiert, die im Rahmen eines Künstlersymposiums in den Jahren 1977/1978 in Zusammenarbeit mit der Essener Folkwangschule entstanden.

In unmittelbarer Nähe zum Stadtpark liegen die noch bestehenden Teile des Stadtgrabens sowie der Butenwall. Ähnlich wie die Promenade in Münster handelt es sich beim Butenwall um einen ehemals außerhalb der Stadtbefestigung liegenden Ring, der vom Kraftverkehr nur eingeschränkt genutzt werden darf.

Öffentlich nicht zugänglich ist der private Skulpturenpark der Eheleute Erning. Das ausgedehnte Grundstück am Stadtrand zählt laut Westfalenspiegel „zu den schönsten Naturkunstwerken, die in Privatinitiative entstanden sind“.[14] Im Park werden viele von den Initiatoren geschaffene Skulpturen präsentiert.[15] Weitere Schöpfungen der Künstler finden sich an verschiedenen Stellen im Stadtbild.

Regelmäßige Veranstaltungen

Die wichtigste Veranstaltung im Vredener Raum ist die jährlich von Samstag bis Montag am ersten September-Wochenende stattfindende Vredener Kirmes. Im Schnitt kommen an den drei Tagen über 80.000 Besucher zu diesem großen Volksfest in die für diesen Zweck gesperrte Innenstadt. Damit ist es die zweitgrößte Kirmes im Kreis Borken und die größte im Altkreis Ahaus. Dem katholischen Ursprung als Kirchweihfest entsprechend wird sie bis heute auch als religiöses Fest mit einer Prozession gefeiert.

Weiterhin finden jährlich oder zweijährlich unter anderem der Hamalandtag, der Hansemarkt, der Heimattag und die Jazztage statt. Darüber hinaus veranstalten die örtlichen Schützenvereine jährlich (Bürgerschützenverein: zweijährlich) ihre Schützenfeste.

Sportvereine, Clubs und Nachbarschaften organisieren ferner verschiedenste kleine und große Veranstaltungen, die häufig auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind (zum Beispiel Mittsommernachtslauf, Neujahrslauf, die so genannten „Szene 80“-Partys oder die „blau-gelbe Nacht“.)

Vereine (Auswahl)

Kultur- und Brauchtumsvereine

Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande e. V., Gründungsträger des Hamaland-Museums
Allgemeiner Bürgerschützenverein St. Georg e. V. Vreden
Vredener Georgspfadfinder e. V.

Weitere Schützenvereine bestehen in allen Bauerschaften und Ortsteilen.

Sportvereine

TV Vreden 1922 e. V. (größter Vredener Verein für Wettkampf- und Breitensport, unter anderem Handball, Badminton und Wasserball)
SpVgg Vreden 1921 e. V. (Fußball, aktuell Westfalenliga)
DLRG Ortsgruppe Vreden
Sportschützen Vreden 1960 e. V
Celtic Stepfire 2004 e.V

Weitere Fußballvereine bestehen in Vreden (FC Vreden) und den Ortsteilen (ASV Ellewick-Crosewick, SF Ammeloe und Grün-Weiß Lünten). Für andere Sportarten bestehen eigenständige Vereine, wobei die DHG Ammeloe-Ellewick aus den vormals eigenständigen Damenhandball-Mannschaften des ASV Ellewick und der SF Ammeloe entstanden ist.

Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Straße

Aufgrund der geografischen Randlage war Vreden lange Zeit nicht direkt an das Bundesfernstraßennetz angebunden. Im Zuge einer Neuordnung wurde die frühere L 572 mit Wirkung vom 1. Januar 2010 zur Bundesstraße aufgestuft, so dass die B 70 Vreden nunmehr in Nord-Süd-Richtung quert. Zudem führen die gut ausgebauten Landstraßen L 560 und L 608 durch Vreden.

Die nächstgelegenen deutschen Autobahnen sind die A 31 (etwa 20 km Entfernung) sowie die Autobahnen A 3, A 30 und A 43 in jeweils etwa 35–40 km Entfernung. Auf niederländischer Seite beträgt die Entfernung zum Fernstraßennetz etwa 10–15 km (Nationalstraßen N 18, N 313, N 318 und N 319) bzw. 25 km (Autobahnen A 18 und A 35).

Innerstädtisch führen drei Ringstraßen um den Stadtkern, wobei der sogenannte Butenwall, der die historische Innenstadt umgibt, für den motorisierten Verkehr überwiegend gesperrt ist. Der äußere Ring ist seit Spätsommer 2006 durchgehend befahrbar. Die Ortsteile sind über Kreisstraßen angebunden.

Die SchnellBus-Linie S 70 verbindet Vreden mit Ahaus und führt weiter durch das Westmünsterland bis ins Oberzentrum Münster. RegioBus, NachtBus und BürgerBus-Linien ergänzen das ÖPNV-Angebot.

Fahrrad

Mehrere Radwanderwege führen durch Vreden, u.a. der Europaradweg R1 (führt von Frankreich bis nach Russland), die 100 Schlösser-Route, die Flamingoroute und die agri cultura Route.[16]

Eisenbahn

Der Personenverkehr der Bahnstrecke Stadtlohn–Vreden wurde am 31. Mai 1958 beziehungsweise in den 1980er Jahren (Güterverkehr) eingestellt.

Schifffahrt

Die Berkelschifffahrt kam bereits im 19. Jahrhundert zum Erliegen.

Flugplatz

An der Gemeindegrenze zu Stadtlohn befindet sich der Verkehrslandeplatz „Flugplatz Stadtlohn-Vreden“, der neben Segel- und Freizeitpiloten auch geschäftlich an- oder abgeflogen werden darf. Die Landebahn hat zurzeit eine Länge von 1.200 Metern, eine Verlängerung auf etwa 1.800 Meter ist in Planung. Die nächstgelegenen Verkehrsflughäfen Münster-Osnabrück und Düsseldorf sind etwa eine Autostunde entfernt.

Bildung

In Vreden finden Schüler ein weitgehend vollständiges Schulangebot vor. Mit der St.-Norbert-Schule und der St.-Marien-Schule haben zwei Grundschulen ihren Standort in der Innenstadt. Die Hamaland-Schule entstand aus der Zusammenlegung der vormals selbständigen Grundschulen in Ammeloe, Ellewick und Lünten. Unter dem Dach des Schulverbunds werden alle drei Standorte weitergeführt. Weitere (Grund-)Schulen bestanden früher in verschiedenen Bauerschaften, wurden aber im Laufe der Jahre geschlossen. Zuletzt schloss die Grundschule Großemast im Jahr 2009.

Bei den weiterführenden Schulen stehen aktuell drei Schulformen zur Verfügung. Bereits im Jahr 1677 wurde das Gymnasium Georgianum gegründet. Standort der Schule ist der Schulcampus am Widukind-Stadion. Dort liegt auch die 1998 gegründete Hoimar von Ditfurth-Realschule. Zum Schuljahr 2013/2014 sollen die Hauptschule und die Realschule zu einer Sekundarschule zusammengelegt werden.[17] Die heutige Hauptschule „St. Georg“ entstand aus der Zusammenlegung der zuvor eigenständigen Walbert-Schule (Hauptschule) mit der „alten“ Hauptschule St. Georg.

Das Schulangebot wird am südwestlichen Rand der Innenstadt ergänzt durch die Förderschule St.-Felicitas-Schule. In direkter Nachbarschaft hat auch die „alte“ St.-Georg-Schule ihren Standort.

Zusätzliches Bildungsangebot gibt es von der Volkshochschule, die unter dem Namen „aktuelles Forum“ auftritt. Hierbei handelt es sich um einen Zweckverband der Städte Ahaus, Stadtlohn und Vreden sowie der Gemeinden Heek, Legden, Schöppingen und Südlohn.[18] Die Musikschule wiederum war lange ein Gemeinschaftsangebot mit der Gemeinde Südlohn, wird jedoch inzwischen ausschließlich von der Stadt Vreden getragen.

Ansässige Unternehmen

Prägend für die Wirtschaftsstruktur in Vreden sind Industriebetriebe der verschiedensten Branchen: Schmuckwarenindustrie, grafisches Gewerbe, Holz- und Kunststoffverarbeitung, Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau, Textil- und Bekleidungsbetriebe und Papiererzeugung. Dabei liegt der Schwerpunkt bei mittelständischen Unternehmen.

Darüber hinaus gibt es in Vreden viele Handwerksbetriebe, die aufgrund ihrer Leistungsstärke auch überregional bekannt sind. Ein Beispiel hierfür sind die Schuhmacher Wessels, deren Ursprung im Jahr 1745 liegt. Der Familienbetrieb hat sich auf ungewöhnliches Schuhwerk spezialisiert, insbesondere Schuhe in Übergrößen. Das Bau- und Baunebengewerbe hat wegen der regen Bautätigkeit einen besonderen Stellenwert.

Die in Vreden ansässige Firma PlanET Biogastechnik wurde für ihre innovativen Ideen im Bereich der erneuerbaren Energien im Jahr 2006 mit dem „Großen Preis des Mittelstands“ ausgezeichnet.

Wichtige Branchen und Arbeitgeber sind (Auswahl):

Fahrzeugbau: Schmitz Cargobull, H & W Nutzfahrzeugtechnik GmbH, LANSING Fahrzeugbau GmbH,
Metallbau: LANSING Metallbau GmbH & Co. KG, Metall- & Alubau GmbH & Co. KG, LM Metallbau GmbH, BEUTING Metalltechnik GmbH & Co. KG,
Grafische Industrie: SAUERESSIG GmbH + Co.KG, Laudert GmbH & Co. KG, KruseMedien GmbH, CAD Creativity And Design GmbH & Co. KG
Kunststoffherstellung und Verarbeitung: Quadrant AG, Wefapress Beck + Co GmbH, Terbrack Kunststoff GmbH + Co. KG, Indiana Gummi GmbH, Arcoplast Kunststoff GmbH,
Maschinenbau: Severt Maschinenbau GmbH
Schmuckherstellung: Niessing Manufaktur GmbH & Co. KG,
Ladenbau: Dula-Werke Dustmann & Co GmbH, Lieba Lichtelementebau GmbH & Co. KG, OBV Objektbau Bomers GmbH,
Holzbearbeitung: Tischlerei – Zimmerei Tenhumberg GmbH
Absaug- und Filtertechnologie: Kemper GmbH
Erneuerbare Energien: PlanET Biogastechnik GmbH
Fensterherstellung: VENTANA DEUTSCHLAND GmbH & Co. KG, LANSING Metallbau GmbH & Co. KG, Bröcking Fenster OHG, Fenestra Fensterbau Gericks GmbH
Schuhmanufaktur: WESSELS-Schuhe Übergrößen
Papiererzeugung: Papierfabrik Vreden GmbH
Öffentliche Einrichtungen
Landeskundliches Institut Westmünsterland
Arbeiterkolonie St. Antoniusheim Vreden
Besondere Ereignisse
Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das „Institut für textile Marktwirtschaft“ der Westfälischen Wilhelms-Universität von Münster nach Vreden-Ellewick ausgelagert, um es vor den Bombenangriffen der Alliierten zu schützen.

Der Leiter des Instituts, Alfred Müller-Armack, entwickelte in dieser Zeit die Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft, die er 1947 in seinem Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ publizierte. Er gilt damit auch als einer der Väter des Wirtschaftswunders. Als am 21. Juni 1948 die D-Mark in Deutschland ausgegeben wurde, weilte Müller-Armack in Vreden und half selbst, die neuen Scheine an die Bevölkerung auszuteilen.

Umgeknickter Strommast westlich der Stadt Vreden
Münsterländer Schneechaos

Vreden wurde überregional bekannt, als am 25. November 2005 durch das so genannte Münsterländer Schneechaos, einem schweren Wintereinbruch, weite Teile der Stadt Vreden für mehrere Tage von der Stromversorgung abgeschnitten wurden. Die Last von tonnenschwerem Schnee ließ sieben Stahlgerüst-Strommasten der 110-kV-Überlandleitung und 22 kleinere Betonmasten zusammenbrechen.

Grenzüberschreitender Blumenkorso

Der einzige grenzüberschreitende Blumenkorso findet in Vreden statt. Seit 1912 zieht der Rekkener Blumencorsoverein Ende August über die deutsch-niederländische Grenze in das Vredener Kirchdorf Wennewick-Oldenkott.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Judocus Vredis (* 1493 als Jost Pelser; † 1558) war Prior des Kartäuser-Konvents. Er schuf kleinformatige, feinteilige Ton-Reliefs, die heute in vielen bedeutenden Museen und Sammlungen in Westeuropa zu finden sind.
Isaak Auerbach (* 1827; † 1875) war ein vor allem in Köln erfolgreicher Architekt.
Wilhelm Siehoff (* 1881; † 1953) war zweifacher Oberbürgermeister von Münster.
Joseph Gerdes (* 1884; † 1959) war Landrat im Kreis Warendorf und vertretungsweise in Beckum und Tecklenburg
Fritz Terhalle (* 20. Oktober 1889; † 8. September 1962 in München) war Wirtschaftswissenschaftler und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium.
Johann Bockwinkel (* 19. August 1910; † 24. Juli 1999 in San Lorenzo, Paraguay) war Missionar und Bischof von Encarnacion in Paraguay
Heinrich Tenhumberg (* 4. Juni 1915; † 16. September 1979 in Münster) war Bischof von Münster.
Prälat Wilhelm Wissing (* 31. Januar 1916; † 12. November 1996 in Coesfeld) war Präsident des päpstlichen Missionswerkes Missio.
Ralf Willing (* 25. Februar 1949); Trompeter
Martin Plewa (* 6. Mai 1950); ehemaliger Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter.
Bernhard Tenhumberg (* 15. März 1956) war von 1995 bis 2017 Abgeordneter des Landtages Nordrhein-Westfalen für die CDU.
Johannes Röring (* 16. Mai 1959) ist seit dem 18. September 2005 Bundestagsabgeordneter für die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag in Berlin.
Dirk Korthals (* 22. März 1962) ist ein ehemaliger Schwimmer (Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1984).
Thomas Suddendorf (* 1967) ist Psychologe.
Mit Vreden verbundene Persönlichkeiten
Graf Wichmann III. († 1016), ein Billunger und Verwandter des Königshauses, wurde in Vreden beerdigt.
Adelheid I. († etwa 1040/1044), Tochter Kaiser Ottos II. und Theophanu, war Äbtissin in Vreden.
Johann Heinrich Cohausen (* 1665 in Hildesheim; † 13. Juli 1750 in Vreden) war Leibarzt des Bischofs von Münster und medizin-satirischer Schriftsteller.
Jodocus Hermann Nünning (* 1675 in Schüttdorf; † 1753 in Borken) war Scholaster am Stift Vreden.
Bernhard Rave (* 25. September 1793 in Ramsdorf; † 29. August 1866) war 1820–1866 Bürgermeister in Vreden.
Alfred Müller-Armack (* 1901 in Essen; † 1978 in Köln) erarbeitete in Vreden-Ellewick die Grundzüge der Sozialen Marktwirtschaft.
Maria Beerlage, Doppelweltmeisterin im Kunstradfahren, wohnt in Vreden.
Henning Siemens (* 1974), Handballspieler
Jörg Philipp Terhechte (* 1975), Rechtswissenschaftler und Universitätsprofessor, wuchs in Vreden auf und besuchte dort das Gymnasium Georgianum.
Literatur
Geschichte

in der Reihenfolge des Erscheinens

Friedrich Tenhagen: Gesammelte Abhandlungen zur Vredener Geschichte. Heimat- und Altertumsverein Vreden, Vreden 1939.
Stadt Vreden (Hg.): Vreden nach 1150 Jahren. Aus Anlass der urkundlichen Ersterwähnung vor 1150 Jahren. Vreden 1989.
Hermann Terhalle: Vreden an der Jahrtausendwende (= Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde, Bd. 50). Vreden 1999.
Hans-Werner Peine, Hermann Terhalle (Hrsg.): Stift – Stadt – Land, Vreden im Spiegel der Archäologie (= Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde, Bd. 69). Vreden 2005.
Volker Tschuschke (Red.): Moderne Zeiten. Mosaiksteine zur Entwicklung Vredens im 19. und 20. Jahrhundert (= Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde, Bd. 91). Vreden 2005, ISBN 978-3-926627-70-4.
Weitere Veröffentlichungen des Heimatvereins

Der Heimat- und Altertumsverein Vreden ist Herausgeber einer inzwischen 94 Bände (Stand: November 2016) umfassenden Schriftenreihe, welche sich mit der Geschichte Vredens und des Westmünsterlands befasst.[19] Die umfangreichen Veröffentlichungen des Heimatvereins werden zusammengefasst und über Stichworte erschlossen in:

Die Veröffentlichungen des Heimatvereins Vreden (= Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde, Bd. 57), zusammengestellt von Hermann Terhalle, Vreden 1999.
Weblinks
 Commons: Vreden – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Vreeden in der Topographia Westphaliae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte
Stadt Vreden
Linkkatalog zum Thema Vreden bei curlie.org (ehemals DMOZ)
Soziale Marktwirtschaft aus der Klosterzelle – „Eine Spurensuche“ von Claus Hecking (Vreden-Ellewick) in der Financial Times Deutschland vom 23. Februar 2007 (Memento vom 25. Februar 2007 im Internet Archive)
Vreden im Kulturatlas Westfalen