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Von daher wollen wir Ihnen Statistiken über Weidenberg nicht vorenthalten.

Geschichte
Lieutenant Johann Ludwig von Künsberg zu Weidenberg (1625–1659) als Altarfigur in der Friedhofskirche in Weidenberg
Oberes Schloss
Obere Marktstraße im Ortsteil Obermarkt
Bürgerhaus aus der Markgrafenzeit mit barocken Ornamenten (z. B. Fensterschürzen)
Felsenkeller der ehemaligen Wildmeisterei
Denkmalgeschützte Scheunen am damaligen Ortsrand (hier Richtung Waizenreuth)
Bis zur Gemeindegründung

Der Weidenberger Raum war um das Jahr 1000 gemeinsam von Slawen und Franken besiedelt. Bedingt durch die alte nordwest-südost-orientierte Handels- und Heerstraße handelte es sich vor allem um ein Durchzugsgebiet. Es entstand eine Reihe von Turmhügeln zur Sicherung der Straßen und des Grenzsaumes zwischen fränkischem und bayerischem Territorium. Die bedeutendste Turmhügelanlage lag oberhalb des Ortsteiles Sophienthal auf einem strategisch günstigen Bergsporn. Dieser Burgstall Schlosshügel mit seinen gut sichtbaren Gräben und Wällen kann besichtigt werden.

Weidenberg wurde erstmals 1223 als Sitz eines „Domus“ urkundlich erwähnt, damals im Besitz der Herren von Weidenberg. 1398 wurde der Ort als Markt bezeugt. 1418 starb das Adelsgeschlecht der Weidenberger aus, 1446 kaufte Adrian von Künsberg den gesamten Besitz. Die Herren von Künsberg besaßen die beiden Schlösser in Weidenberg als zollersches Lehen bis 1634/51. Ein „unteres Schloss“ wurde erstmals 1601 erwähnt, 1651 brannte es aus und ging an die Herren von Lindenfels über. 1745 verkaufte Carl Willibald von Lindenfels für 84 000 Gulden seine Güter und Lehen in und um Weidenberg an Markgraf Friedrich zu Brandenburg-Bayreuth.

1750 fiel nahezu der gesamte Ortsteil Untermarkt einem Feuer zum Opfer, am 2. Oktober 1770 wurden weite Teile des Obermarkts mit seinen Holzhäusern ein Raub der Flammen. Einem markgräflichen Erlass entsprechend wurden die Häuser am Obermarkt aus Stein neu errichtet. Geleitet wurde der Wiederaufbau durch das markgräfliche Bauamt in Bayreuth, es entstanden geschlossene Straßenzüge und schlichte Bürgerhäuser aus Sandsteinquadern mit Fensterschürzen und Linienornamenten. Der feine, einheitlich gekörnte Sandstein wurde in mehreren Steinbrüchen im nahen Lessau gewonnen.[5]

Das „Obere Schloss“ wurde 1770 Amtshaus. Das Amt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth fiel mit diesem im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und kam 1810 durch Verkauf zum Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

19. und 20. Jahrhundert

Im Jahr 1820 wurde der Markt mit dem ehemaligen markgräflichen Amtssitz (mit Kasten- und Flößamt) Sitz eines Landgerichts. Das Amtsgericht wurde 1930 aufgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten Heimatvertriebene aus dem Osten die Gablonzer Glasindustrie mit.[6]
Im Glasknopfmuseum werden Maschinen, Öfen und die damit erzeugten Glasprodukte, wie Knöpfe, Lüsterbehänge, Glaskugeln und andere Flachglasprodukte aus dieser Zeit ausgestellt.

Eingemeindungen

Ortsteil Einwohner
(1970)
Eingemeindungs-
datum
Döhlau 223 1. Mai 1978[7]
Fischbach 82 1. Januar 1970[8]
Görschnitz 381 1. Januar 1978[7]
Lankendorf 88 1. Januar 1972[8]
Lehen 202 1. Mai 1978[7]
Lessau 261 1. Januar 1972[8]
Mengersreuth 250 1. Juli 1972[8]
Neunkirchen am Main 318 1. Januar 1978[7]
Sophiental 237 1. Januar 1975[7]
Untersteinach 280 1. Mai 1978[7]

Einwohnerentwicklung
1961: 5.085
1970: 5.170
1987: 5.489
1995: 6.600
2000: 6.687
2005: 6.582
2010: 6.347
2015: 5.995
Politik

Bei der Stichwahl zum Bürgermeister am 16. März 2008 setzte sich Hans Wittauer von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) mit 59,92 % gegen Günter Dörfler (CSU) durch. Bei der Kommunalwahl im März 2014 setzte sich Hans Wittauer gegen die Herausforderer Matthias Böhner (SPD) und Martin Lochmüller (Bürgerforum/UW) im ersten Wahlgang durch. Er wurde mit absoluter Mehrheit von 54,41 % im Amt bestätigt.[9]

Gemeinderat

Der Marktgemeinderat besteht aus 20 Mitgliedern, die auf folgende Parteien/Gruppierungen verteilt sind (Wahlperiode 2014–2020):

CSU: 6 Sitze
FWG: 6 Sitze
SPD: 6 Sitze
UW: 1 Sitz
Bürgerforum: 1 Sitz
Bürgermeister

1827–1839 Popp
1839–1842 Hellerich
1842–1858 Rabenstein
1858–1863 Koppmeier
1863–1864 Dreß
1864–1869 Schaller
1869–1871 Krauß
1871–1887 Abraham Schuster
1887–1915 Michael Schreck
1915–1916 Paul Schöller
1916–1919 Heinrich Heischmann
1919–1928 Johann Schiller
1928–1933 Georg Kettel
1933–1945 Georg Rumler
1945–1946 Heinrich Seiler
1946–1947 Christian Schiller
1947–1948 Erhard Will
1948–1960 Georg Hagen
1960–1972 Otto Fleischmann
1972–2008 Wolfgang Fünfstück († 2013)
ab Mai 2008 Hans Wittauer

Gemeindepartnerschaften
Unsere Liebe Frau im Walde-St. Felix (Südtirol), seit 1976
Plouhinec im Kanton Port-Louis in der Bretagne, Frankreich, seit 1989
Smrzovka (früher Morchenstern, Tschechien), seit 1998
Juchnowiec Kościelny (Polen), seit 2009
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Scherzenmühle
Die Mühlräder der Scherzenmühle
Freilichtmuseum Scherzenmühle des Fichtelgebirgsvereins Weidenberg, In der Au 24
Glas-Knopf-Museum (GKM), Kristallstraße 5
Volkskundliche Sammlung des Fichtelgebirgsvereins Weidenberg, Schulstraße 2
Musikinstrumentensammlung, Alte Bayreuther Straße 5
Museum für Militärtradition in Oberfranken, Alte Bayreuther Straße 10
Denkmalgeschützte Scheunenensemble aus dem 18. Jahrhundert; die Scheunen wurden aus Brandschutzgründen am damaligen Ortsrand gebaut
Musik

Über das Gemeindegebiet hinaus bekannt sind die Weidenberger Musikanten:

1996: Verleihung des Kulturpreises der Hanns-Seidel-Stiftung für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Volksmusik.
1999: Verleihung des Förderpreises des Landkreises Bayreuth für das Engagement auf dem Gebiet der fränkischen Volksmusik.
Filmprojekte
Szene am Markt(mit Kunstschnee) aus Die Perlmutterfarbe
Szene (am Film-Geburtshaus) aus Elser – Er hätte die Welt verändert

Im Februar 2008 fanden im Markt Weidenberg erstmals Dreharbeiten für den Kinofilm Die Perlmutterfarbe unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller statt. Als Vorlage diente der Roman von Anna Maria Jokl. Bürger wirkten als Statisten mit.

Ende August 2014 wurde wiederum ein Kinofilm über Georg Elser am historischen Obermarkt mit dem Titel: Elser – Er hätte die Welt verändert unter der Regie von Oliver Hirschbiegel gedreht. Auch dabei wirkten Bürger als Statisten mit. Der Film kam am 9. April 2015, exakt 70 Jahre nach dem Tod Elsers, in die Kinos.

Bauwerke
Oberes Schloss aus dem 16. Jahrhundert
Friedhofskirche St. Stephan aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts
Evangelische Kirche St. Michael am Gurtstein im Markgrafenstil mit markanten Wetzrillen am Brauttor.
Michaelskirche auf dem Gurtstein (früher eine Burganlage)
Katholische Kirche St. Michael in Weidenberg/Rosenhammer
Katholische Pfarrkirche St. Michael in Rosenhammer
Alt-katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul
Alt-katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul
Historischer Obermarkt mit Bauern- und Bürgerhäusern aus Buntsandstein mit Fenster- und Eingangsornamentik in barocken Schmuckformen (hier besonders die Fensterschürzen).
Weidenberger Felsenkeller: „Das Gedärm von Weidenberg“
Historische Getreide-, Sägemühlen und Hammerwerke in und um Weidenberg
Museum Scherzenmühle
Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Weidenberg
Kulinarische Spezialitäten
Weidenberger Anisbrezen

Eine Weidenberger Besonderheit sind die Brezen. Während der Brezenwochen in der Faschingszeit stehen Anisbrezen auf jedem Tisch, bzw. werden gereicht. In diesen Wochen bieten die Wirtshäuser wochenweise nacheinander Brezen an. Damit verbunden sind besondere Gerichte, wie Heringsalat, Tellersülze, Krenfleisch und verschiedene Braten. Es wird eine aufwändigere Küche als sonst betrieben.

Der Weidenberger Spindling, eine saftige, aromatische gelbe Pflaume gehört zu Bayerns UrEinwohner 2008 und ist aus Funden der charakteristischen Kerne seit knapp 2000 Jahren für Bayern belegt. Sie wird vom Landschaftspflegeverband (LPV) Weidenberg und Umgebung zu Marmelade, Schnaps und Likör verarbeitet.

Infrastruktur
Bildung
Kindergärten, Kindertageseinrichtung, Kinderkrippe
Montessori-Kindergartengruppe, Montessori-Krippengruppe
Grundschule
Mittelschule mit M-Zug, Ganztageszug (derzeit in den Jahrgangsstufen 5, 6, 7 und 8) und Mittagsbetreuung. Die Mittelschule Weidenberg gehört zum Mittelschulverbund mit den Mittelschulen in Bad Berneck, Bindlach und Gefrees.
Förderschule (Karl-Gebhardt-Schule)

Für den Sportunterricht stehen eine Schwimmhalle, eine Turnhalle und eine Dreifachturnhalle zur Verfügung.

Volkshochschule (VHS)
Heilpädagogische Tagesstätte (Jean-Paul-Verein Bayreuth e. V.)
Straßen

Weidenberg liegt an der Staatsstraße 2181 von Bayreuth nach Warmensteinach, die als Umgehungsstraße den Ortskern nicht tangiert. Die Staatsstraße 2177 führt über Immenreuth nach Kemnath, weitere Straßen führen nach Seybothenreuth und über Seulbitz nach Bayreuth.

Bahnverkehr
Bahnhof Weidenberg
Der Bahnhof des Hauptorts Weidenberg ist derzeit Endpunkt der Bahnstrecke Bayreuth–Warmensteinach. Sie wird auch als Fichtelgebirgsbahn bezeichnet. Der Endabschnitt Weidenberg–Warmensteinach wird seit dem 1. Januar 1993 „aus technischen Gründen“ nicht mehr befahren, seine Wiederinbetriebnahme ist nicht ausgeschlossen.
Die Bahnstrecke Weiden–Bayreuth führt durch südlich von Weidenberg liegende Ortsteile der Gemeinde: Ein Bahnhof befindet sich im Ortsteil Stockau, ein Haltepunkt in Seybothenreuth, das als eigene Gemeinde zur Verwaltungsgemeinschaft Weidenberg gehört.

Die drei Bahnstationen gehören seit 2010 zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Seit 2011 wird der Bahnverkehr von der Eisenbahngesellschaft agilis in einem teilweise verdichteten, zum Teil angenäherten Stundentakt durchgeführt.[10]

Busverkehr

Der Hauptort Weidenberg wird von einer Buslinie der OVF bedient, es bestehen Verbindungen nach Bayreuth und ins Fichtelgebirge nach Warmensteinach und teilweise nach Fichtelberg.
Die nahe der B 22 gelegenen Ortsteile Neunkirchen, Stockau, Lehen und Glotzdorf werden von einem privaten Busunternehmen ebenfalls von Bayreuth aus angefahren. Daneben besteht ein Anrufsammeltaxi-System zwischen verschiedenen Ortsteilen der Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Weidenberg und dem Hauptort Weidenberg. Schulbusverkehr zur zentralen Verbandsschule im Hauptort Weidenberg gibt es aus allen Ortsteilen. Seit dem 1. Januar 2010 ist Weidenberg wie der gesamte Landkreis Bayreuth auch im Busverkehr in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) integriert.

Tourismus

Ein gebührenfreier Stellplatz für fünf Wohnmobile befindet sich an der Straße In der Au im Ort Weidenberg.

Wirtschaft
Im Ortsteil Untermarkt praktizieren drei Hausärzte und drei Zahnärzte, es gibt ein Alten- und Pflegeheim, zwei Apotheken und einen zentralen Lebensmittelmarkt. Dort gibt es auch eine Reihe von Einzelhandelsgeschäften und Firmen für Landmaschinen und Wassertechnik, für Formen- und Metallbau und für Steine und Grabmale.
Als bedeutendstes Unternehmen des Marktes befindet sich im Gewerbe- und Industriegebiet West ein Betrieb des Herstellers von Fertiggaragen und Betonteilen Zapf.
Im Gewerbe- und Industriegebiet Ost haben sich vier Lebensmittelmärkte, Getränkemärkte und Firmen für Elektro, Heizung und Lüftung, Fenster, Polstermöbel, Bekleidung-Finishing-Service, Design und Druck, Schreinerei, Foto, Schuhwaren, Transportunternehmen, Softwareentwicklung und Kunststoff-Spritzgießtechnik niedergelassen.
In den Ortsteilen Görschnitz und Rügersberg gibt es Sägewerke mit Holzhandel und in Döhlau eine Getreidemühle.
Galerie

Markt Weidenberg am Tor zum Fichtelgebirge

Bahnhofstraße im Ortsteil Untermarkt

Die Schied, die Treppe zwischen Ober- und Untermarkt

Der Reitweg zwischen Ober- und Untermarkt

Die alte Posthalterei, eine ehemalige Postkutschenstation

Ein Fußweg zum Gurtstein über die Fleischbänke

Aussichtsterrassen am Rathaus oberhalb des Reitwegs

Blick über die Dächer zur Kirche St. Michael

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Johann Pfeffer (* 1417(?) in Weidenberg; † 1493 in Freiburg i.Br), katholischer Priester, Theologe und Rektor der Universität Freiburg. Bevor Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass am 31. Oktober 1517 zur Diskussion stellte, hatten sich hohe und gelehrte Geistliche eingehend mit den Fragen des Ablasses befasst. Einer davon war Johannes Pfeffer von Weidenberg.[11]
Johann Wolfgang Hammann (* 11. Juni 1713 in Weidenberg; † 10. Oktober 1785 in Wallendorf), Fürstlich-Schwarzburgischer Hütteninspektor in Katzhütte, Kirchenpatron, Mitbegründer der Wallendorfer Porzellanmanufaktur[12]
Weblinks
 Commons: Weidenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Homepage des Marktes Weidenberg
Eintrag zum Wappen von Weidenberg in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Weidenberg: Amtliche Statistik des LfStat
Das Fichtelgebirge / Weidenberger Raum bei bayern-fichtelgebirge.de
Literatur
Joachim Kröll: Geschichte des Marktes Weidenberg. Verlag Marktgemeinde Weidenberg, Gesamtherstellung Julius Steeger & Co. GmbH. Bayreuth 1967.
Fritz Angerer, Richard Zühlcke: Phänomen Fensterschürzen. Die Weidenberger Bürger- und Amtsgebäude, ab S. 9. Schriftenreihe des Landkreises Bayreuth, Band 9, Bayreuth 1995.
Rüdiger Bauriedel: Mühlen im Landkreis Bayreuth – gestern und heute. Mühlenlandschaft: Warme Steinach, ab S. 71. Schriftenreihe des Landkreises Bayreuth, Band 11, Bayreuth 2002.
Rüdiger Bauriedel, Ruprecht Konrad-Röder: Mittelalterliche Befestigungen und niederadelige Ansitze im Landkreis Bayreuth. Bereich 2: Weidenberg, ab S. 97. Schriftenreihe des Landkreises Bayreuth, Band 13, Bayreuth 2007.
Dr. Hans Vollet und Kathrin Heckel: Die Ruinenzeichnungen des Plassenburgkartographen Johann Christoph Stierlein. Zeichnungen: Obermarkt Weidenberg und Schlosshügel Sophienthal, 1987.