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Geschichte
Vor- und Frühgeschichte

Über die früheste Geschichte Weißenohes gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Archäologische Untersuchungen der bisher bekannten vorgeschichtlichen Gräber stehen noch aus.[4] Gesichert ist, dass Weißenohe im baierischen Nordgau lag, direkt an der westlichen Grenze zu Ostfranken. An dieser Stelle zwischen Erlangen und Pegnitz fällt die ehemals politische Übergangszone auch mit der sprachlich-dialektalen der nordbairischen Westschanke zusammen. Weißenohe gehört damit zum Übergangsgebiet des Nürnberger Raums mit ursprünglich bairischem Dialekt und späterem fränkischen Einfluss.[5]

Die erste urkundliche Nennung Weißenohes stammt aus dem Jahr 1059, als ein Eribo oder Aribo de Wizenahe als Zeuge bei einer Bamberger Diözesansynode auftritt.[6]

Mittelalter und frühe Neuzeit
Kloster Weißenohe, Abtsflügel

Die Reste des barocken ehemaligen Benediktinerklosters im Ortskern von Weißenohe sind schon von Weitem zu sehen. Die Mitte der 1990er Jahre renovierte Klosterkirche St. Bonifatius überragt den Ort mit ihrem 45 Meter hohen Turm.

Das Kloster kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde es – wohl gegen Ende des 11. Jahrhunderts – von dem 1055 abgesetzten, vormaligen Pfalzgrafen von Bayern, Aribo II. aus dem Hause der Aribonen als direkt dem Papst unterstehende Benediktinerabtei in der Diözese Bamberg. Die erste Aufhebung erfolgte 1554, als nach dem Tod des letzten Abts die protestantische Pfalz das Kloster besetzte. Es folgten rund 100 Jahre mit beständigen Religionswechseln: lutheranisch, calvinistisch, katholisch, bis es 1669 zur Neugründung durch den Bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria kam.

Aufgrund seiner geographischen Lage – Weißenohe und sein Kloster gehörten fast während ihres ganzen 700-jährigen Bestehens zur Oberen Pfalz – ragte es geradezu wie ein Fremdkörper in das Gebiet der Freien Reichsstadt Nürnberg. Es war zeitweise vollständig von der Oberpfalz getrennt. Nürnberg ließ deshalb nichts unversucht, seine meist ungerechtfertigten Ansprüche über Jahrhunderte hinweg geltend zu machen. Auch der Bischof von Bamberg versuchte immer wieder Einfluss zu nehmen. Im Jahre 1692 wurde mit dem Bau der heutigen Klosterkirche begonnen. Die Pläne stammen von Wolfgang Dientzenhofer (1648–1706), einem Mitglied der berühmten oberbayerischen Baumeisterfamilie.[7] Am Bonifatiustag im Jahre 1707 wurde die Kirche feierlich von dem Bamberger Weihbischof Johann Werner Schnatz geweiht. Kloster Weißenohe und seine geschlossene Hofmark wurden 1803 durch das Kurfürstentum Bayern säkularisiert. Die Seelsorge wurde in die neu geschaffene Pfarrei übergeführt, die alte Klosterkirche dient seitdem als Pfarrkirche. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Weißenohe.

19. und 20. Jahrhundert

Das Ortsbild wird bis heute maßgeblich von der Klosteranlage beherrscht, von der im Wesentlichen die barocke Klosterkirche St. Bonifatius, der ehemalige Abt- und Gästeflügel, sowie die vorgelagerten Wirtschaftsgebäude erhalten sind. Der Westflügel von 1725–1727 geht wohl auf Johann Dientzenhofer zurück. Der östliche und südliche Klosterflügel wurden, wohl nach einem Brand, um 1840 abgerissen und die Steine der alten Mauern teilweise in Häusern des Ortes verbaut. Die Kloster- und Wirtschaftsgebäude sowie die zum Kloster gehörenden Einrichtungen (Mühle, Bäckerei, Grund und Boden, Äcker, Wälder etc.) wurden vom Bayerischen Staat verkauft. In den Gebäuden um den Hof zwischen der Toreinfahrt und der Kirche befindet sich die seit 1803 privat geführte Klosterbrauerei Weißenohe, die seit 1827 der Familie Winkler gehört.

Pfarrkirche Weißenohe

Um die Wende zum 20. Jahrhundert begann sukzessive eine Verlagerung wichtiger Funktionen, die bis dahin noch im Komplex des Klosters und seiner westlich davon anschließenden Wirtschaftsgebäude beheimatet waren, hin zum Gebiet nordöstlich des Friedhofs an der Dorfhauser Straße. 1901 entstand dort das repräsentative Pfarrhaus mit dem Pfarrbüro. 1931 das neue Schulhaus, wobei die Grundschule in den 1960er Jahren schon wieder aufgegeben wurde. 1962/63 wurde der Kindergarten mit Schwestern- und Sozialstation bezogen. In den 1970er Jahren folgte im Zuge der Gebietsreform in Bayern der Komplex mit Gemeindekanzlei, Feuerwehr und Mehrzweckturnhalle; 1998 schließlich der neue Kindergarten und die Umwandlung des alten in ein Pfarrheim.

Bereits 1886 erhielt Weißenohe einen Haltepunkt der Sekundärbahn Erlangen–Gräfenberg und 1908 den Anschluss nach Nürnberg durch die Gräfenbergbahn, die um 2000 grundlegend modernisiert wurde. Wohl im Zusammenhang mit dem Bahnhof entstand westlich von diesem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Dachziegelei Weißenohe, die 1991 die Produktion einstellte.[8] Die Klosterbrauerei und das Ziegelwerk waren über das 20. Jahrhundert hinweg die wichtigsten Arbeitgeber in Weißenohe, hinzu kamen eine ganze Reihe von Handwerksbetrieben und Läden (u. a. zwei Bäckereien, zwei Metzgereien, mehrere Tante-Emma-Läden, die sukzessive dem Druck der Supermärkte in der Umgebung weichen mussten), während viele landwirtschaftliche Betriebe in dem beengten Tal der Lillach schon früh aufgaben. Bedingt durch die guten Verkehrsanschlüsse über die Bundesstraße 2 und die Eisenbahn pendeln seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die meisten Arbeitnehmer nach Nürnberg. Allerdings gelang mit dem neuen Industriegebiet um den Bahnhof seit Ende des 20. Jahrhunderts die Ansiedlung neuer Unternehmen in Weißenohe.

In Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung stellte das Ende des Zweiten Weltkriegs für Weißenohe den entscheidenden Einschnitt dar. Die Geschichte Weißenohes im Nationalsozialismus ist noch nicht aufgearbeitet[9], doch es gibt Hinweise darauf, dass es zu erheblichen Spaltungen innerhalb des Dorfes gekommen ist. [10] Im März 1934 wurden die Säulen des Gartenzauns am Pfarrhaus mit Druckerschwärze beschmiert, Pfarrer Deppisch als Verräter, Lump, geistliches Schwein und ähnlichen Ausdrücken bezeichnet. Einige Tage später wurden am Pfarrhaus Fenster eingeworfen. Hatte die Pfarrei Weißenohe (mit Gräfenberg, Lilling, Sollenberg, Mitteldorf, Igensdorf und vielen kleineren Ortschaften) 1940 noch 1002 Seelen bei 1625 Andersgläubigen, so stiegen beide Zahlen bis 1949 auf 1896 Katholiken (davon 850 Flüchtlinge) und 2493 Nichtkatholiken an.[11] Für die heutige Gemeinde Weißenohe liegen Zahlen von 1950 vor:[12] Weißenohe 603, Dorfhaus 199, Mönchsberg 9, Sonnenberg 23, Weinberg 7, insgesamt also 841. Die Erhöhung der Einwohnerzahl in der ganzen Region durch Flüchtlinge und Vertriebene um etwa ein Drittel führte nicht nur dazu, dass bis dahin einigermaßen klare Konfessionsabgrenzungen (Weißenohe katholisch, Dorfhaus überwiegend evangelisch) unwichtiger wurden, sondern vor allem, dass die Wohnungssituation so angespannt war, dass sehr bald um den alten Dorfkern herum Neubausiedlungen entstanden. In der Folge leerte sich z. B. der nach dem Krieg vollständig bewohnte Klosterflügel langsam und hatte ab den 1970er Jahren keine wirkliche Funktion mehr.

Regionales Aufsehen erregte Weißenohe durch den breiten Protest gegen den Versuch der rechtsextremen NPD, die barocke Klosteranlage zu erwerben und als Schulungsgebäude auszubauen.[13] Als Konsequenz davon gründete sich ein Verein, der versucht, im Kloster Weißenohe eine Singakademie einzurichten.

In kultureller Hinsicht gab es von 1969 bis 1981 in Weißenohe den überregional bekannten Livemusikclub To Act. Regelmäßig gastierten hier an den Wochenenden international bekannte Künstler und zogen Publikum aus ganz Mittel- und Oberfranken an.[14]

21. Jahrhundert

Seit 2004 existiert der Kunstraum Weißenohe e. V., der jährlich im Sommer in der alten Mälzerei der Klosterbrauerei Weißenohe ambitionierte Kunstausstellungen organisiert.

Politik
Gemeinderat

Die Kommunalwahlen 2014 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat:

Wahlgemeinschaft der Arbeitnehmer Weißenohe-Dorfhaus Freie Wahlgemeinschaft Weißenohe-Dorfhaus Unabhängige Wählergemeinschaft Weißenohe-Dorfhaus Grüne Gesamt
2014 4 4 3 1 12 Sitze

Bürgermeister

Erster Bürgermeister ist seit 1996 Rudolf Braun, Zweiter Bürgermeister seit 2008 Raimund Schwarz.

Wappen

Die Wappenbeschreibung lautet: „Gespalten von Gold und Rot, vorne eine aufrechte schwarze Hirschstange, die oben mit einer roten heraldischen Lilie besteckt ist, hinten ein silberner Kirschenzweig mit zwei Blüten und zwei Blättern.“

Weißenohe von Westen, 8. Oktober 2005
Sehenswürdigkeiten
Hauptartikel: Klosterkirche St. Bonifatius
Kalksinterstufen der Lillach

Neben dem Kloster und seiner barocken Kirche ist vor allem das Tal der Lillach mit dem Naturschutzgebiet um die Sinterterrassen der Lillach zwischen Lilling und Dorfhaus sehenswert. Eingebunden in die von Weißenohe ausgehenden Wanderwege ist der sogenannte Burgstall Hainburg, eine im 11. oder 12. Jahrhundert erbaute und schon früh, wahrscheinlich bereits im 13. Jahrhundert abgegangene Burganlage auf dem Bergsporn der Katze über Mitteldorf und Unterrüsselbach.

Wirtschaft und Tourismus
Von besonderer wirtschaftlicher und touristischer Bedeutung für Weißenohe ist die Klosterbrauerei Weißenohe mit der angeschlossenen Gastwirtschaft und dem Biergarten im alten Klosterhof.
Seit 2008 hat sich ein Kompetenzzentrum Energie angesiedelt. Einmal im Jahr wird der Solartag in Weißenohe durchgeführt.
Der Fünf-Seidla-Steig ist ein 2008 eröffneter Wanderweg zwischen den vier Brauereien der Gemeinde Gräfenberg und der Klosterbrauerei Weißenohe. Benannt ist er nach dem fränkischen Bierkrug, dem Seidla. Die Brauereien erzeugen insgesamt 21 verschiedene Biere.[15]
Literatur
Tilmann Breuer: Stadt und Landkreis Forchheim. Kurzinventar. (= Bayerische Kunstdenkmale; 12). Dt. Kunstverlag, München 1961, S. 208–214.
Markus Naser: Weißenohe. In: Michael Kaufmann et al. (Hrsg.): Die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Bayern, St. Ottilien 2014, Band 3, S. 2481–2497.
Ursula Pechloff: Weißenohe, St. Bonifatius. Ehemalige Benediktiner-Klosterkirche. Hrsg.: Katholisches Pfarramt Weißenohe. Fotografien Gregor Peda. (Peda-Kunstführer; Nr. 425). Kunstverlag Peda, Passau 1998, ISBN 3-89643-081-5.
Hubert Pöppel: Zur frühen Geschichte des Ortes und Klosters Weißenohe. In: Bericht des Historischen Vereins Bamberg (BHVB) 149, 2013, S. 93–136.
Josef Pöppel: Weißenohe: Zur Geschichte von Kloster und Pfarrei. Norderstedt 2013 ISBN 3-7322-3580-7.
Karl Puchner: Die älteste Namensüberlieferung des Klosters Weißenohe/Ofr.. In: Blätter für die oberdeutsche Namenforschung 2, 1/2, 1959, S. 35–45.
Hans Räbel: Das ehemalige Benediktiner-Adelsstift Weißenohe in der Zeit vom Landshuter Erbfolgekrieg bis zur Wiedererrichtung (1504–1669), nebst einem Anhang über die Vorgeschichte des Klosters. In: Bericht des Historischen Vereins für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg (BHVB) 66, 1908, S. I–XXI und 1–586.
Katharina Wolff: Die Benediktinerabtei St. Bonifatius in Weißenohe (zugl: Einführung zu den Urkunden des Klosters Weißenohe). In: Monasterium.net.
Weblinks
 Commons: Weißenohe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Homepage der Gemeinde
Eintrag zum Wappen von Weißenohe in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
Weißenohe: Amtliche Statistik des LfStat
Pfarrei St. Bonifatius
monasterium.net: Weißenoher Urkunden von 1109 bis 1612
Chorakademie Kloster Weißenohe
Das traditionelle Wirtshaus in der Klosterbrauerei
Braukultur in der Klosterbrauerei Weißenohe
Kunstraum Weißenohe