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Geschichte
Bis zur Gemeindegründung

Um 800 wurde Wisibrunnen[2] erstmals in der Urkunde über eine Schenkung an das Kloster Fulda urkundlich erwähnt.

Auf eine Stiftung des Hochadels geht wohl das im Jahre 816 gegründete Kloster Megingaudeshausen[3] zurück. Der genaue Standort ist unbekannt. Die Abtei soll im Ipfigau an der Mecken, oberhalb des Leimbachs gestanden haben. Auf einen Standort in der Nähe des Koboldsees von Wiesenbronns deuten:

ein Hügel namens Meggen,
die benachbarte Senke Goutsgrom (umgangssprachlich Gottesgraben oder Gutsgraben)
heutiger Wiesbach, früher Leimbach
Heeresstraße, „Straße nach dem Steigerwald“, entlang des Leimbachs
alte Flurbezeichnung Dietrichsau (Erinnerung an den ersten Abt Theotgar oder Teutgar)
Nennungen Wiesenbronner Flur- und Siedlungsbezeichnungen wie Hardt, Hohefeld, Bernbuch oder Wisibrunn im Zusammenhang mit Megingaudeshausen
Wiesenbronner Flur- und Siedlungsbezeichnungen wie Hardt, Hohefeld, Bernbuch oder Wisibrunn tauchen im Zusammenhang mit Megingaudeshausen auf

877 wurde das Kloster aufgelassen und die Benediktiner zogen in das verwaiste Reichskloster der Karolinger nach Schwarzach.

Die Geschichte Wiesenbronns konzentrierte sich um drei Herrensitze, das Schloss, den Fuchs’schen und den Castell’schen Burgstall. Die bewegte Vergangenheit der Ortschaft trug sicherlich dazu bei, dass von keinem dieser Bauwerke noch etwas vorhanden ist. Von den Burgställen ist nicht einmal die genaue Lage bekannt.[4]: 3 Das Castell’sches Ministerialengeschlecht, das sich hier niederließ, nannte sich die Herren von Wiesenbronn.[4]: 7 Arnolt von Wiesenbrunn dürfte wohl um 1200 in Ermangelung eines Berges die Wasserburg, errichtet haben. Der Schutz bestand in einer doppelten Ummauerung, einem tiefen Wassergraben und einer Zugbrücke. „1244 kommt erstmals der Ritter Ulricus de Wisenbrunnen im Gefolge des Grafen Friedrich I. zu Castell vor, und 1268 beurkunden die Brüder Ulrich und Heinrich von … Wisintbronnen … als ‚Ritter’ eine Verkaufsurkunde des Grafen Hermann II. zu Castell“.[5] 1330 kann man urkundlich sesshafte Herren von Seinsheim im Ort nachweisen. Das Wiesenbronner Schloss hatten sie vom Markgrafen von Brandenburg zum Lehen erhalten.[4]: 9

Im Jahre 1384 wurde der Castell’sche Burgstall[4]: 1 – 9 zum ersten Mal erwähnt, als Hans Pfaff von Seckendorf ihn und die zugehörigen Besitzungen von den Grafen Castell als Lehen erhielt.[6] Das Holzrecht aus dem Gemeindewald, welches auf ihm ruhte, lässt auf ein längeres Bestehen schließen. 1420[4]: 12 beschädigte Erkinger von Seinsheim, der Besitzer des Schlosses, die Mauer des Burgstalls von Jakob von Seckendorf schwer und zerstörte mehrere Untertanengüter. Ab 1504 besaßen Burkhardt und Jörg von Gnottstadt „Die wüste und unbezimmerte Behausung“[4]: 8 sowie die zugehörigen Besitzungen. Diese Linie starb 1533 aus und „Eilf Unterthanen Güter nebst der Area einer ehemaligen Burg“ [4]: 9 kamen in Castell’schen Besitz.

Die Herrschaft derer von Seinsheim erlosch 1516.[4]:18 Etwa um 1517 mussten unter Philipp Esel zu Altenschönbach das ehemalige Wasserschloss und der steinerne Burgstall „nebst dem Schloss“ wieder zu einem Ganzen geworden sein. Schübel erklärt dies so: „Als das auf dem Raum der heutigen Meierei gestandene Schloss nach und nach einging, wurde unmittelbar daneben ein anderes Schloss erbaut, das im Laufe der Zeit in andere Hände überging, während der Grundbesitz immer bei dem Burgstall verblieben war.“ [4]:18 1521[4]:19 erhielt Wilhelm Fuchs von Dornheim die Altenschönbacher Besitzungen in Wiesenbronn vom Markgrafen als Lehen. Unter der Fuchs’schen Herrschaft wurde das Schloss im Bauernkrieg völlig zerstört. Fuchs von Dornheim ließ es wieder aufbauen, wie aus den mit einem F versehenen Jahreszahlen 1538 und 1539 in einem Fensterstock über dem Eingang hervorging.[4]:20 1546 kaufte Conrad von Castell das Schloss zu Wiesenbronn von Valentin Fuchs, dem Bruder des Fuchs von Dornheim. Nach 1577 gelangte es in den Besitz des Grafen Heinrich. Dieser Bruder von Conrad baute um und verewigte sich mit seiner Gattin durch die Wappen und der Jahreszahl 1579 im Türstock. Der Stein ist noch im Wohnhaus des ehemaligen Meierhofes erhalten geblieben.[7] Als Heinrich starb, kehrten die Lehen größtenteils zur Linie Castell-Rüdenhausen zurück. Das Schloss litt in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Nur Gräfin Luise Juliana und ihr Bruder Graf Heinrich Albrecht bewohnten es noch bis 1687. In diesem Jahr wurde die Gräfin im Ort begraben. Das Wiesenbronner Schloss wurde mehrmals vermietet, ziemlich verfallen verkauft und 1838 von der Rüdenhäuser Linie erneut zurückgekauft.[4]: 49 und 50 Im Zuge der Flurbereinigung (1964–1973) verlegte der Fürst Castell-Rüdenhausen seinen Grundbesitz in die Rüdenhäuser Gemarkung und verkaufte die Gebäude an Wiesenbronner Bauern.[8] Das Schloss musste in der Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissen werden.

Wiesenbronn wurde im Kondominat von der Grafschaft Castell, dem Hochstift Würzburg und dem Fürstentum Ansbach beherrscht, bis es 1806 an das Königreich Bayern fiel. Bei einer Gebietspurifikation kam es 1810 zum Großherzogtum Würzburg und kehrte mit ihm 1814 zu Bayern zurück. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Einwohnerentwicklung
1970: 0862 Einwohner
1987: 0848 Einwohner
1991: 0878 Einwohner
1995: 0895 Einwohner
2000: 0938 Einwohner
2005: 0960 Einwohner
2010: 0967 Einwohner
2015: 1052 Einwohner
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 73 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 18 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort wurden insgesamt 314 registriert. Im verarbeitenden Gewerbe existierten drei Betriebe. Im Jahr 1999 wurden 49 landwirtschaftliche Betriebe gezählt mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 775 Hektar, davon waren 628 Ackerfläche und 85 Dauergrünfläche. Zusätzlich existiert eine Zweigstelle der Raiffeisenbank Volkach-Wiesentheid.

Bildung

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2008):

50 Kindergartenplätze mit 36 Kindern (Träger: Evangelischer Kindergartenverein)
LeichterLernen-Institute: Lernstrategien für Schülerinnen und Schüler, aktive Lernbegleitung an Schulen, Schulentwicklung
Tagungs- und Übernachtungshaus der Evangelischen Landjugend: Jugendarbeit und Erwachsenenbildung (Träger: Evangelische Landjugend in Bayern)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Alte Weinbergsanlage in Wiesenbronn
Weinort

Solange die Geschichte Wiesenbronns zurückverfolgt werden kann, gab es im Ort Weinbau. 1883 waren 120,08 ha von 1057,97 ha der wirtschaftlich genutzten Fläche mit Rebstöcken bepflanzt.[9] Durch den Brauch der Realteilung entstanden immer mehr Anwesen und es bildete sich eine immer kleiner werdende Parzellierung heraus. Es wuchs eine malerische, abwechslungsreiche Landschaft mit großen dichten Hecken, Wiesen, Feldern und kleinen Weinbergen. Deren Erscheinungsbild war geprägt von den gekrümmten Zeilen, den engen unregelmäßig wachsenden, niedrigen Rebstöcken und den Weinbergshäuschen. Groß war die Vielfalt der Lagenamen: Obere Hardt, Kiliansberg, Hirschgraben, Dürrbach, Hägel, Bernbuch, Rödelseer Weg, Hasenberg, Sändlein, Höll, Schleifweg, Würmlein, Damm, Kirchbühl, Rüdenhäuser Weg, Saubuck, Roßbach, Trautberger Weg, Rosenbühl, Casteller Weg, Königlein, Dietrichsau, Lötschen, Mecken, Schiller, Höhfeld, Gans, Kobold, Desen, Hellenberg, Klingenweg, Knorrn, Hölzlein, Geisberg, Kugelspiel und Eichelsee.[10]

Um die deutsche Landwirtschaft krisenfest und konkurrenzfähig zu machen, musste rationalisiert werden. So wurden systematisch Flurbereinigungen[11] durchgeführt. Am Ende der Flurbereinigung gab es 1973 noch 48,38 ha Rebland von 1127,24 ha Wirtschaftsfläche.[12] Von den alten Lagenamen setzten sich nur zwei große durch: Geisberg und Wachhügel. Alle neu angelegten Weinberge hatten nun ein einheitliches Aussehen durch den Zeilenabstand von 1,50 m und den Pflanzabstand von 1,30 m.

Seit 1947 wird in der Gemarkung von Wiesenbronn Rotwein angebaut. Dadurch sowie durch die herausragende Qualität seiner Weine wurde der Klima und bodengüntige Ort als „Rotweininsel am Steigerwald“ bekannt. 1974 begannen Pionier-Winzer in Wiesenbronn mit dem ökologischen Weinbau.

Baudenkmäler
Hauptartikel: Liste der Baudenkmäler in Wiesenbronn
Blick zum Chorraum
Kirche
Hauptartikel: Zum Heiligen Kreuz

Das Gotteshaus zum Heiligen Kreuz beherrscht von seiner erhöhten Position aus das Ortsbild. Die noch gut sichtbare Ummauerung vom Ortseingang her und die wehrhafte nördliche Mauer weisen auf die Vergangenheit als Flieh- und Kirchenburg hin. Das Kirchenschiff wurde 1603 neu errichtet, woran die Gedenktafel auf der Säule vor dem Altar und ein hölzerner Pfeiler der Empore erinnern. Erst 1972 wurden Fresken entdeckt und freigelegt.

Friedhof
Arkaden mit freistehender Kanzel
Arkadengang zum Schutz der Gemeinde und alter Grabmale

Die Anlage eines Friedhofs mit freistehender Predigtkanzel und Arkadengang ist ebenso in Mainbernheim, Prichsenstadt, Repperndorf, Marktsteft und Abtswind zu finden. 1603 wurde der Friedhof, der innerhalb der Kirchenburg lag, mit dem Neubau der Kirche[13] an den Rand des Dorfes verlegt. Der Geist der Reformation fand in der Verlegung seinen baulichen Ausdruck. Vor der Reformation sah man in der unmittelbaren Nähe zum Allerheiligsten, dem Altar, und im geweihten Kirchhof eine Anwartschaft auf die Erlösung der Verstorbenen bei der Auferstehung. Außerhalb der Kirchhofmauern fanden Ausgestoßene ihren Platz in ungeweihter Erde. Durch die Reformation änderte sich das grundlegend. Die Gläubigen verließen sich auf das rettende Leiden und Sterben Christi für jeden einzelnen.

Bei seiner Neugestaltung Ende des 20. Jh. versetzte man die Friedhofskanzel von ihrem Standort in der Nähe der Aussegnungshalle an den heutigen Platz, um die Arkaden nutzen zu können.

Synagoge
Hauptartikel: Synagoge (Wiesenbronn) und Jüdische Gemeinde Wiesenbronn

In Wiesenbronn sind erstmals 1548 Juden nachweisbar. 1718 konnte ein Anbau auf dem Grundstück in der heutigen Badergasse 4 als Synagoge genutzt werden. Schließlich errichteten die jüdischen Einwohner 1792 hier die neue Synagoge. Weiterhin existierten in Wiesenbronn eine jüdische Schule und ein rituelles Tauchbad. Die Toten fanden im Rödelseer Friedhof ihre letzte Ruhe.

Ihre Blütezeit hatte die Gemeinde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit 192 jüdischen Einwohnern im Jahr 1814 beziehungsweise der Höchstzahl von 160 im Jahr 1837. 1933 wohnten nur noch 22 Juden im Ort. Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Einwohner gedemütigt und misshandelt. Die letzten jüdischen Frauen wurden von Würzburg am 24. März 1943 nach Izbica bei Lublin bzw. am 17. Juni 1943 nach Auschwitz gebracht und ermordet.

Die derzeitigen Eigentümer sanierten nach dem Kauf des Gebäudes im Jahre 2005 die ehemalige Synagoge in der Badergasse 4 in Wiesenbronn.[14] Bei den Renovierungsarbeiten wurden Reste eines abgebrochenen mittelalterlichen Herrensitzes entdeckt, auf dem das heutige Gebäude neu errichtet wurde.[15]

Rathaus
Die Streitenden über der Rathausuhr

1724 wurde das Rathaus erbaut und 1768 die Freitreppe. Über der Uhr sind die Berufe Bauer und Häcker, die das Dorf prägen und prägten, mit ihren Arbeitsgeräten, Karst und Mistgabel, dargestellt. Jede Stunde schlagen sie sich und weisen auf ehemalige Konflikte zwischen ihren Berufsgruppen hin.

Regelmäßige Veranstaltungen
Weinkost im Seegarten am letzten Sonntag im Mai
Weinfest im Seegarten am ersten Wochenende im August
Segnung der Trauben am ersten Sonntag im September
Schützenfest mit Schützenauszug und gemütlichem Beisammensein am zweiten Sonntag im September
Kirchweih am vierten Sonntag im September
Bürgerauszug am Kirchweihdienstag
Einholen der letzten Fuhre am dritten Sonntag im Oktober
Sage

Die Wiesenbronner Koboldstraße und der sogenannte Koboldsee im Südosten des Ortes weisen auf die bekannteste Sage des Dorfes hin. Vor dem Dorf, in der Flurlage „Allern“ trieb einst ein Kobold sein Unwesen. Er stahl die Werkzeuge der Bauern, zerstörte einen Pflug und stahl die Brote der Feldarbeiter. Ebenso wurde er für die Milchlosigkeit der Kühe verantwortlich gemacht. Er soll gegen ihre Euter getreten haben.

Die Gänsehirten auf den Allern belästigte er, indem er ihre Tiere mit lauten Rufen auseinandertrieb. Schnell hatte sich im Dorf die Kunde vom Kobold verbreitet und man mied das Stück Land. Lediglich ein armer Bauer musste täglich sein kleines Feld auf den Allern besuchen. Einmal nahm er seine Frau und sein Kind mit, das in einem kleinen Weidenkorb mitgetragen wurde. Der Kobold schlich sich zum Korb, trug das Kind davon und setzte sich selbst hinein.

Als die Frau nun nach ihrem Sohn sehen wollte, schaute sie nun der krebsrote Kobold an. Die Frau erschrak sich so sehr, dass sie tot umfiel. Der Bauer konnte aber ins Dorf rennen und die Mönche des nahen Klosters rufen. Sie zogen in einer großen Prozession auf die Allern. Der Abt erhob das Kreuz vor dem Wechselbalg im Korb und der Kobold rannte schreiend in den nahen Wald. Niemand musste mehr unter seinen Streichen leiden. Der Wald aber wurde „Lachwald“ genannt und soll am Walpurgistag gemieden werden.[16]

Persönlichkeiten
Seligmann Bär Bamberger, der „Würzburger Rav“ (1807–1878), ein wichtiger Vertreter des orthodoxen Judentums, wurde in Wiesenbronn in der Eichenstraße 1 geboren. Das Haus steht nicht mehr. Eine Gedenktafel erinnert an diesen berühmten Sohn der Gemeinde.
Gerd Landsberg (* 1952), Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, ist in der Gemeinde geboren.