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Geschichte
Namensgebung

In der frühen urkundlichen Erwähnung hieß Wilsum noch Wilshem. Nach Ausführungen von Namenforscher Jürgen Udolph ist die erste Silbe „Wils“ dabei vermutlich als der Genitiv Singular zu dem niederländischstämmigen Personennamen „Wil“ oder „Wilse“, die zweite Silbe „hem“ steht für den Namensbestandteil „heim“ für Siedlung, wodurch der Ortsname vermutlich für Wils/Wilis Siedlung steht.[7]

Frühzeit bis 20. Jahrhundert

Wilsum wurde 851 erstmals in der Legende De miraculis sancti Alexandri urkundlich erwähnt.[8] Damals gehörte es noch zu dem Gau Twente. Die schon frühe Besiedelung der heutigen Gemeinde zeigen auch die zahlreichen Hügelgräber in Wilsum, die seit dem 18. Jahrhundert wissenschaftlich erkundet worden sind.[9]

Seit dem späteren Mittelalter gehörte Wilsum zur Grafschaft Bentheim. Im Niederländischen Unabhängigkeitskrieg wurde der Ort in den Jahren 1580–1605 stark heimgesucht; viele Bewohner flohen in die Niederlande.

1725 erfolgte der Bau der ev.-ref. Kirche. In der Franzosenzeit erfolgte unter Pastor Wessel Friedrich Visch eine größere kirchliche Eigenständigkeit von der Muttergemeinde Uelsen, doch erst 1861 wurde Wilsum vollständig vom großen Kirchspiel Uelsen abgetrennt. 1874 wurde der noch heute bestehende Friedhof in Nähe zur reformierten Kirche angelegt.

Wilsum verfügte seit dem 18. Jahrhundert über eine eigene Schule; wann genau diese gegründet wurde ist aber nicht überliefert. Für das Jahr 1802 ist jedenfalls belegt, dass Wilsum einen neuen Lehrer erhalten hat.[10]

Im 19. Jahrhundert war die Bauerschaft Wilsum verwaltungsorganisatorisch Teil des Kirchspiels Uelsen, das wiederum Teil des Amtes Neuenhaus war.[11]

21. Jahrhundert

2001 fand die 1150-Jahr-Feier Wilsums statt. 2002 wurde Wilsum Sieger auf Kreisebene beim Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft.[12] 2003 gelang es Wilsum ferner, sich unter den acht schönsten Dörfern im Regierungsbezirk Weser-Ems zu platzieren und sich so für den Landesentscheid zu qualifizieren.[13] Beim Landesentscheid 2004 konnte sich Wilsum allerdings nicht durchsetzen, wurde aber für die Bemühungen insbesondere um den Erhalt der Schoneveld’schen Wassermühle mit einer Sonderauszeichnung prämiert.[14]

Am 21. Mai 2011 hat Wilsum unter dem Motto Der Fluch von Wilsum an der Bürgermeisterschaft 2011 des Radiosenders Hit-Radio Antenne erfolgreich teilgenommen und so 3.000 € für die Gemeinde erspielt.[15] Im Oktober 2012 wurde die in fünfjähriger Arbeit von der Geschichtswerkstatt Wilsum erstellte Chronik Wilsum 851–2012: Die Geschichte eines Dorfes der Öffentlichkeit präsentiert.[16]

Religionen
ev.-altref. Kirche
Ev.-ref. Kirchengemeinde
Ev.-altref. Kirchengemeinde
Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl Wilsums ist seit 1987 um rund 10 % gestiegen.[17] Das Wachstum ab Mitte der 1990er Jahre ist dabei insbesondere auf die Ausweisung neuer Wohn-Baugebiete zurückzuführen.[18] Seit 2001 wurden in den neuen Wilsumer Wohngebieten rund 85 Bauplätze erschlossen.[19]

15 % der Einwohner Wilsums sind Niederländer.[20]

1885[21] 1925 1933 1939 1987 1990 1993 1996 1999 2002 2005 2008 2011[22]
706 1190 1206 1211 1499 1508 1503 1490 1552 1596 1636 1654 1622

Politik
Gemeinderat

Dem Wilsumer Gemeinderat gehören zwei Ratsfrauen und neun Ratsherren an, die zuletzt bei den Niedersächsischen Kommunalwahlen 2016 gewählt wurden. Diese haben eine gemeinsame Wahlliste gebildet.

Bürgermeister

Derzeitiger Bürgermeister Wilsums ist Heinrich Mardink (CDU).[23] Im November 2016 wurde Mardink als Bürgermeister wiedergewählt.

Name Von Bis
Hermann Maatmann (CDU) 1961 1986
Ludwig Tyman (CDU) 1986 2006
Heinrich Mardink (CDU) 2006 Heute

Wappen

Das Wilsumer Wappen wurde im Januar 1998 offiziell vorgestellt. Es wurde vom Münsteraner Heraldiker Ulf-Dietrich Korn entwickelt.[24]

„Das Wappen der Gemeinde Wilsum ist von Rot über Grün durch einen silbernen, oben gewellten Balken geteilt. Oben ist ein silberner Ring mit einer pfahlweise durchgehenden Speiche, begleitet von je zwei pfahlweise gestellten silbernen Kugeln; unten ist ein silberner Bienenkorb.“

– Ulf-Dietrich Korn[25]

Das Rot des oberen Feldes entstammt dem Wappen des Landkreises Grafschaft Bentheim. Das einspeichige Rad ist dem Wappen der Herren von Schoneveld (s. Wassermühle) entnommen. Die vier silbernen Kugeln stehen für die vier ehemaligen Rotts. Der oben gewellte silberne Balken steht für die eiszeitlichen Sandaufschüttungen (s. Wilsumer Berge) sowie die fünf Wilsumer Bäche. Das Grün des unteren Feldes steht für die Landschaft und Landwirtschaft, die Wilsum auch heute noch prägen. Der Bienenkorb soll darüber hinaus die karge Heidelandschaft mit Bienenhaltung andeuten.[25]

Kultur, Vereinsleben und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Schonevelds Mühle, eine Wassermühle, die vermutlich im 13. Jahrhundert entstanden ist, nebst Nebengebäuden
ev.-ref. Kirche aus dem Jahre 1725
ev.-altref. Kirche aus dem Jahre 1986
Dorfplatz
Theater

Der Männergesangverein Immergrün verfügt über eine Laientheatergruppe namens Spielschar, die seit 1954 regelmäßig im Frühjahr plattdeutsche Theaterstücke im Rahmen des Wilsumer Dorfabends präsentiert.

Musik

Neben Kirchenchören und Musikgruppen der beiden Kirchengemeinden existiert in Wilsum zudem als größter Musikverein der Männergesangverein Immergrün e. V., der 1879 gegründet wurde.

Sport

Größter Sportverein in Wilsum ist der ASC Grün-Weiß 49 e. V., der neben diversen Mannschafts-Ballsportarten (Fußball, Handball, Völkerball, Tischtennis) auch noch Tennis, Wandern, Gymnastikprogramme und Schießen anbietet. Der ASC verfügt in Wilsum über ein Trainings- und Spielgelände mit Flutlichtanlage und Mannschaftsräumen, das insbesondere auch von den Jugendmannschaften genutzt wird.

Daneben besteht noch der Fußballverein Rasenkitzler Wilsum e. V., ebenfalls mit eigenem Trainingsgelände mit Flutlichtanlage und Mannschaftsräumen. Zudem verfügt der Verein über eine Bouleanlage.

In Nähe der Grundschule befindet sich die große Sport- und Turnhalle, die 1994 eingeweiht wurde und ebenfalls von den Sportvereinen wie auch der Grundschule genutzt wird.

Im Mai 2009 wurde der neue Wilsumer Wanderweg eingeweiht, der die zahlreichen Radwanderwege ergänzt.[26]

Heimatverein

Der Heimatverein Wilsum e. V. wurde 1993 gegründet und zählt heute rund 300 Mitglieder. Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist die Instandhaltung der Schoneveld’schen Wassermühle und ihren Nebengebäuden wie z. B. dem Müllerhaus, der Dreschscheune oder dem Backhaus. An Pfingsten (Deutscher Mühlentag) und an weiteren bestimmten Terminen nehmen diese Gebäude ihre frühere Tätigkeit wieder auf; die Mahlsaison startet in der Regel im April und endet im September eines Jahres.[27] Die Wassermühle ist rund 700 Jahre alt, wurde 1940 stillgelegt und 1996 von den Mitgliedern des Heimatvereins restauriert. Seitdem kann hier auch wieder Korn gemahlen werden. Die Mahlsteine werden oberläufig von dem Wasser des Mühlenteichs durch das Mühlenrad angetrieben. Eine alte Waschmaschine sowie ein Butterfass werden ebenfalls vom Mühlenrad in Bewegung gesetzt. In der Mühle befindet sich zusätzlich noch ein alter Stall.

Nach mehrjährigen Vorlauf- und Planungsarbeiten[28][29] wurde 2011 das Gelände um den Mühlenteich u. a. durch den Bau eines historischen Schafstalls erweitert.[30]

Ebenfalls besteht im Heimatverein eine Gruppe von Middewinterhornbläsern,[31] die jeweils im Dezember eines Jahres am Mühlenteich das alte Jahr verabschieden.[32]

weitere Vereine
Ortsfeuerwehr Wilsum der Freiwilligen Feuerwehr Uelsen, gegründet 1934
Ortsverein Wilsum des Deutschen Roten Kreutzes
Jägerschaft Wilsum
Landwirtschaftlicher Ortsverein Wilsum
Treckerfreunde Wilsum, gegründet 2005
Landfrauenverein Wilsum, gegründet 1971[33]
Tierschutz Niedergrafschaft e. V., der das Wilsumer Tierheim betreibt
Förderverein Grundschule Wilsum e. V.
Regelmäßige Veranstaltungen
Frühjahr (Februar/März): Dorfabende der Spielschar Wilsum
Ostersonntag: Osterfeuer der Treckerfreunde Wilsum beim Gelände der Schoneveld’schen Wassermühle
Wochenende um den 1. Mai: Wilsumer Volksfest, veranstaltet von den fünf großen Vereinen
Pfingsten: Deutscher Mühlentag bei Schonevelds Wassermühle
1. Adventssamstag: Knobeln der Ortsfeuerwehr Wilsum
Dezember: Weihnachtsverlosung der Werbegemeinschaft Wilsum
Ende Dezember: Austragung des Peters-Cups, regionales Hallenfußballturnier
Wirtschaft und Infrastruktur

Wichtiges Standbein ist auch heute noch die Landwirtschaft in zahlreichen Sparten, vorwiegend in den Bereichen Milcherzeugung, Schweine- und Geflügelhaltung sowie Ackerbau, insbesondere Kartoffel-, Getreide- und Energiemaisanbau. Im Jahr 2011 produzierten die Wilsumer Milchviehhalter rund 6,7 Millionen Liter Milch.[34] Daneben bestehen zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe und Handwerk wie auch im Dienstleistungs- und Handelsbereich, insbesondere angesiedelt in den neueren Gewerbegebieten in Nähe der Bundesstraße 403.[35]

Im Wachstum befindet sich der Tourismus-Sektor;[36] größter Anbieter vor Ort ist der Campingplatz und Ferienresort Wilsumer Berge auf einer Fläche von 70 ha und mit rund 1300 Stellplätzen. Der im Ferienresort gelegene Badesee Wilsum ist ein anerkanntes EU-Badegewässer und wird gemäß der Nds. BadegewVO fortlaufend bezüglich der Wasserqualität beobachtet und ist derzeit mit der höchsten Qualitätsstufe „ausgezeichnet“ eingestuft.[37] Daneben existieren aber auch weitere touristische Angebote, insbesondere im Bereich Ferien auf dem Bauernhof, Bed and Breakfast, Gruppenunterkünfte und Ferienwohnungen sowie zahlreiche Wander- und Radwanderwege wie auch gastronomische Angebote.

Größter Arbeitgeber vor Ort ist das Textilunternehmen WKS Textilveredlungs GmbH mit rund 230 Mitarbeitern am Standort Wilsum,[38] das als Kunststopferei Helmut Kronemeyer 1962 gegründet wurde.[39] Auf den Dachflächen von WKS befindet sich seit 2009 zudem eine der größten Photovoltaikanlagen in der Region mit einer installierten Kapazität von rund 854,40 kWp.[40]

Rund 30 Wilsumer Unternehmen und Gewerbetreibende haben sich in der Werbegemeinschaft Wilsum zusammengeschlossen.

Wilsum verfügt über die niedrigste Schuldnerquote in der Region Grafschaft Bentheim (2009: 3,77 %).[41]

Bis 1999 bestand die örtliche Volksbank Wilsum eG, die heute nach mehreren Fusionen Teil der Volksbank Niedergrafschaft eG ist und eine Filiale in Wilsum betreibt.

Verkehr

Wilsum liegt an der Bundesstraße 403, in deren Nähe sich mehrere Gewerbegebiete befinden, und an der Kreisstraße 14. Mehrere Haltestellen in Wilsum werden von der Regionalbuslinie 100 der Verkehrsgemeinschaft Grafschaft Bentheim bedient, die sowohl an Werktagen als auch an Sonn- und Feiertagen im Stundentakt neben Emlichheim auch über Nordhorn Bad Bentheim anfährt, wo Anschluss an den Schienenpersonennah- und -fernverkehr besteht. Von Frühjahr bis Herbst führen zu bestimmten Zeiten Busse auf dieser Linie Fahrradanhänger mit (Fietsenbus).[42]

Öffentliche Einrichtungen
Gemeindeverwaltung
Dorfgemeinschaftshaus
Dorfplatz
Sporthalle
Bauhof
Ortsfeuerwehr Wilsum

Die Ortsfeuerwehr Wilsum der Freiwilligen Feuerwehr Uelsen ist eine Stützpunktfeuerwehr und stellt den Brandschutz und die technische Hilfeleistung in der Gemeinde sicher. Zum Löschbezirk mit der Größe von 7.200 ha gehören auch die Gemeinde Wielen sowie der Ortsteil Ratzel der Gemeinde Itterbeck. Die Ortsfeuerwehr verfügt über vier Feuerwehrfahrzeuge und derzeit 40 aktive Kameraden.

Mülldeponie des Landkreises Grafschaft Bentheim

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Grafschaft Bentheim betreibt in Wilsum das Entsorgungszentrum Wilsum mit der Grafschafter Zentraldeponie, die 1985 in Betrieb genommen wurde (Zentraldeponie Wilsum II). Seit 2001 wird am Standort eine mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage betrieben. Neben der Zentraldeponie fungiert das Entsorgungszentrum auch als Gartenabfallsammelplatz und Sondermüllannahmestelle.[43]

Bildung
Kindergarten Kükengoarn
Grundschule Wilsum: Seit 2010 verlässliche Ganztagsschule mit Mensa[44]
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Geert Damink (1844–1915), Landwirt, reformierter Laienaktivist, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses[45]
Berend Klasink (1874–1953), Landwirt, Bauernfunktionär, Provinziallandtagsabgeordneter („Zar von Wilsum“)[46][47]
Persönlichkeiten, die vor Ort gelebt und gewirkt haben
Wessel Friedrich Visch (1773–1860), reformierter Prediger, Lyriker, Historiker, war Pastor in Wilsum
Karl Sauvagerd (1906–1992), Schneider und Grafschafter Heimatdichter
Hermann Maatmann (1925–2011), war u. a. Bürgermeister, Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim und Mitglied des Niedersächsischen Landtags, diverse Ehrungen und Auszeichnungen
Lukas Beckmann (* 1950), Bundestags-Fraktionsgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, in Wilsum aufgewachsen
Friedhilde Trüün (* 1961), deutsche Kinderstimmpädagogin und Kirchenmusikerin, war Organistin und Chorleiterin in Wilsum
Malte Schiller (* 1982), deutscher Jazzmusiker, in Wilsum aufgewachsen
Literatur
Steffen Burkert (Hrsg.): Die Grafschaft Bentheim – Geschichte und Gegenwart eines Landkreises. Verlag Heimatverein Grafschaft Bentheim e. V., Bad Bentheim 2010.
Evangelisch-altreformierte Kirchengemeinde Wilsum (Hrsg.): Evangelisch-altreformierte Kirche Wilsum 1848–1998. Selbstverlag, Wilsum 1999, ISBN 3-929013-16-9.
Erich Gövert: 150 Jahre evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Wilsum In: Emsländische Geschichte 19. Hrsg. von der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte, Haselünne 2011 (ISBN 978-3-9814041-3-5), S. 450–489 (und weitere Beiträge zu verschiedenen Teilaspekten der Wilsumer Vergangenheit in den vorherigen Bänden).
Heimatverein Wilsum (Hrsg.): Wilsum. Die Geschichte eines Dorfes 851–2012. Aus dem Dunkel der Vergangenheit bis heute, 2012.
Dietrich Veddeler: Chronik der Landgemeinde Wilsum. Veddeler, Nordhorn 1982.
Weblinks
 Commons: Wilsum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
www.wilsum.de – Homepage der Gemeinde Wilsum
Homepage des Heimatvereins Wilsum mit zahlreichen Fotografien