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Geschichte
Vor- und Frühgeschichte

Wie Bodenfunde beweisen, war das Winterlinger Gebiet mindestens seit der Hügelgräberbronzezeit (um 1500 v. Chr.) kontinuierlich besiedelt. Aus der späten Urnenfelderzeit (um 900 v. Chr.) stammen die bronzenen Beile und Sicheln, die im Jahre 1609 entdeckt wurden und heute im Württembergischen Landesmuseum zu sehen sind. Mehrere Grabhügelgruppen der Hallstattzeit (um 800 bis 500 v. Chr.) liegen auf Gemeindegebiet, und aus der spätkeltischen La-Tène-Zeit fand man vier Kelche. In der Antike führte eine von den Römern ausgebaute Römerstraße, die so genannte Hochstraße, vom oberen Neckar über das Kastell Lautlingen durch das Gemeindegebiet zur Donaufurt bei Laiz. Sie zweigt auf dem heutigen Gemeindegebiet nach Bitz[3] und weiter über Hermannsdorf[4] zum Kastell Burladingen an den so genannten Alblimes ab.

Mittelalter und Neuzeit

Die Ortsnamen Winterlingen und Benzingen belegen die Gründung dieser Siedlungen in der Phase der alemannischen Landnahme. Harthausen ordnet man der Ausbauzeit zu. Im Jahr 793 wurde Winterlingen in einer Schenkungsurkunde des Grafen Berthold an das Kloster St. Gallen erwähnt. Im 8. Jahrhundert zählte das Gemeindegebiet zur Gaugrafschaft Scherra, deren Name sich von einem althochdeutschen scorra (mit der Bedeutung Fels, vgl. schwedisch Schäre) ableitet und im Namenszusatz von Harthausen bis heute erhalten blieb. Sie erstreckte sich entlang der oberen Donau von Sigmaringen bis Tuttlingen und nordwestlich davon etwa bis zum Albtrauf.

Im Spätmittelalter bildeten sich neue Herrschaftsformen aus, und die Entwicklungslinien der drei Teilorte trennten sich. Das Dorf Winterlingen gelangte 1367 in den Besitz der Grafen von Württemberg. Diese erwarben 1403 auch die Herrschaft Schalksburg und rundeten damit ihr Gebiet auf der westlichen Alb ab. Winterlingen gehörte von nun an zum Amt Balingen. Im Jahre 1534 wurde die Reformation eingeführt.

Im Ersten Koalitionskrieg, als sich im Oktober 1796 die Revolutionsarmee auf dem Rückzug befand, zogen Truppen des französischen Generals Jean-Victor Moreau am 4. Oktober plündernd durch das Dorf.[5] Als das vergrößerte Württemberg um 1810 in Oberämter eingeteilt wurde, kam Winterlingen zum Oberamt Balingen, das 1938 im Landkreis Balingen aufging. Zum 1. Januar 1973 kam Winterlingen, sowie Harthausen, und Benzingen mit Blättringen, welche bis dorthin zum Landkreis Sigmaringen gehörten, zum neu gegründeten Zollernalbkreis.

Wesentlich unruhiger verlief die Geschichte der 1220 beziehungsweise 1275 urkundlich erwähnten Dörfer Benzingen und Harthausen. Beide wurden im 12. und 13. Jahrhundert durch die Grafen von Veringen erworben, die ihre Besitzungen 1291 an Rudolf von Habsburg verkauften. Als Pfand ging die Grafschaft Veringen durch verschiedene Hände, bis sie 1535 an die Grafen, spätere Fürsten, von Hohenzollern kam. Mit dem Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen wurden die dem Oberamt Gammertingen, später Landkreis Sigmaringen, zugeteilten beiden Gemeinden 1850 als Teil der Hohenzollerischen Lande preußisch.

Wiederum anders erging es dem seit etwa 1930 zu Benzingen gehörenden Blättringen, das 1534 fürstenbergisch und erst 1806 hohenzollerisch wurde.

Zwischen Winterlingen einerseits, Benzingen und Harthausen andererseits verlief also über Jahrhunderte eine Territorialgrenze, die seit dem 16. Jahrhundert auch die Konfessionen trennte.

Eingemeindungen

Im Rahmen der Verwaltungsreform wurden Benzingen und Harthausen am 1. Januar 1975 nach Winterlingen eingemeindet. Die Gemeinden entschieden sich gegen eine Beteiligung an der damals neu formierten Großen Kreisstadt Albstadt. Mit der Nachbargemeinde Straßberg besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.[6]

Gemarkungsflächen und Entwicklung der Einwohnerzahl

Winterlingen Benzingen Harthausen
Wappen
Fläche 1436 ha 609 ha
Jahr Einwohner
1820 1604
1836 717 794
1950 2932 728 818
1961 3636 843 928
1970 4022 942 1166
1976 4166 963 1230
1991 6680
1995 6801
2005 6664
2010 6583
2015 6386

Politik
Bürgermeister

Am 2. Mai 2010 wurde Michael Maier mit 94 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 49 Prozent zum Bürgermeister der Gemeinde Winterlingen gewählt. Zuvor war er Bürgermeister der Schlichemtalgemeinde Hausen am Tann/Ratshausen. Er löste Gabriele Schlee in Ihrem Amt ab, da diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr angetreten war.[7]

1941–1946: Hermann Frey
1946–1948: Wilhelm Beck
1948–1958: Hermann Frey
1958–1986: Fritz Wizemann
1986–2002: Klaus Weihing
2002–2010: Gabriele Schlee
seit 2010: Michael Maier

Ehemalige Bürgermeister von Benzingen:

Josef Hospach (CDU)
Paul Hepp (CDU)

Ehemalige Bürgermeister von Harthausen:

Xaver Blau (FWV)
Wappen

Blasonierung: Gespalten; vorne geteilt von Silber und Rot, hinten in Gold drei liegende schwarze Hirschstangen.

Dieses Wappen führte Winterlingen bereits vor 1975.

Blasonierung des vor 1975 geführten Wappens der Gemeinde Benzingen: Geteilt von Rot und Gold; oben ein goldener offener Flug, unten drei liegende rote Hirschstangen. Benzingen kam Ende des 13. Jahrhunderts in den Besitz der Grafen von Veringen. Von dieser Zeit zeugen die drei liegenden roten Hirschstangen auf goldenem Grund.

Blasonierung des vor 1975 geführten Wappens der Gemeinde Harthausen auf der Scher: In Gold rotes Spitzenschildhaupt. Das Hauptelement symbolisiert scharfkantige Felszacken (Scheer). Die Farben entsprechen dem Wappen der Grafen von Veringen, den ältesten bekannten Eigentümern im 13. und 14. Jahrhundert.

Städtepartnerschaften

Winterlingen pflegt seit dem 24. August 2008 eine Gemeindepartnerschaft mit Izbica in Polen.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur

Die über Jahrhunderte dominierende Landwirtschaft war durch Wasserarmut und Klima der Albhochfläche benachteiligt. Etwa seit 1860 setzte eine gewerbliche Entwicklung ein, wobei sich vor allem Betriebe der Textil- und der metallverarbeitenden Industrie ansiedelten.

Verkehr

Winterlingen liegt an der Bundesstraße 463 zwischen Albstadt und Sigmaringen. Vom Hauptort aus führen Straßen nach Bitz (L 449), über Harthausen nach Veringenstadt und Neufra (L 415), über Benzingen (K 7174) nach Veringendorf, und nach Kaiseringen (K7173) welche in die Landstraße 453 mündet.

Im Rahmen des Verkehrsverbundes Neckar-Alb-Donau verkehren zwei Buslinien nach Albstadt-Ebingen. Winterlingen liegt in der Wabe 337.

Winterlingen ist durch den Haltepunkt Straßberg-Winterlingen an die Zollernalbbahn Tübingen–Balingen–Albstadt–Sigmaringen angebunden.

Bildung
Kindergärten in allen drei Teilorten. Grund-, Haupt- und Realschule in Winterlingen
Eine weitere Grundschule gibt es in Harthausen
Außerdem gibt es seit 2012 eine integrative Kindertagesstätte in Winterlingen
Außenstelle der Jugendmusikschule Zollernalb
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Winterlingen
Katholische Kirche St. Gertrud
Die evangelische Pfarrkirche mit Holzdecke aus dem 18. Jahrhundert.
Benzingen
Pfarrkirche Benzingen
Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul. Der Chor stammt noch aus romanischer Zeit, das Schiff wurde 1629 und 1733 erbaut, der Turm mit Staffelgiebel 1688. Taufstein und Sakramentshäuschen aus Sandstein sind spätgotisch, um 1500. Johann Joseph Christian schnitzte 1732 die figürliche Kanzel.
Im Pfarrhaus war zwischen 1917 und 1924 mehrfach Albert Einstein bei seinem Freund Camillo Brandhuber zu Besuch. Eine Gedenktafel erinnert daran.
Auf Anfrage kann der 1923 erbaute Wasserturm besichtigt werden. Bei klarem Wetter bietet er einen Ausblick bis zu den Alpen.
Im Weiler Blättringen steht die um das Jahr 1600 erbaute Dorotheenkapelle.[9]
Harthausen
In Harthausen auf der Scher steht die katholische Pfarrkirche St. Mauritius, errichtet 1740 von Baumeister Christian Gosser. Der ältere Turm wurde 1873 umgebaut. Mitte des 18. Jahrhunderts malte Andreas Meinrad von Ow das Deckenfresko und zwei Altarblätter.
Die 14-Nothelfer-Kapelle wurde, für einen Sakralbau nicht alltäglich, von dem in Wien ansässigen Gregor Haag nicht der Kirchengemeinde, sondern der bürgerlichen Gemeinde übereignet. Ungeachtet dieser Tatsache wurde der Sakralbau von der politischen Gemeinde, der Kirchengemeinde und dem Förderverein in gemeinsamer Anstrengung außen und zuletzt innen in zeitgemäßer Ausfertigung renoviert und nach zwei Jahren zum Fronleichnamsfest 2009 fertiggestellt. Die Kapelle besitzt einen Hochaltar, alte Gemälde und Votivtafeln aus dem 19. Jahrhundert.[10] Die Kapelle wird mit Unterstützung der Harthauser Senioren gepflegt.[11]
Naturdenkmäler
Die drei Kühstellenhöhlen (Enge, Kleine und Große Kühstelle; 7720/11–13), auch Kuhstall, Höhle Kuhstelle, Grotten bei Winterlingen, Höhle Kühbuchen oder Höhle Winterlingen genannt, sind ein Natur- und Bodendenkmal unweit der Straße von Winterlingen nach Bitz.[12]
An mehreren Stellen, besonders schön im Heutal bei Harthausen, findet man die für die Alb typischen Kalkmagerrasen, Wacholderheiden und mächtige Weidbuchen.
Das Tal Büttnau steht unter Landschaftsschutz.
Sport
In den Sommermonaten hat das Naturfreibad in Winterlingen geöffnet. Es ist mit rund 10.000 m² Wasserfläche eines der größten Freibäder der Gegend. Ab Mitte September wird es eingewintert und das Hallenbad öffnet.[13]
Winterlingen verfügt mit dem Skilift Dickeloch über eine Wintersportmöglichkeit mit 300 Meter Länge und Flutlicht.[14] Die vom Wintersportverein bewirtete Skihütte wurde für die Saison 2009/2010 im rustikalen Stil renoviert.[15]
Die 1894 gegründete Ortsgruppe Winterlingen des Schwäbischen Albvereins wurde 1994 mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet.
Museen
Im ehemaligen Postamt ist seit 2001 das Postmuseum untergebracht. In seinem Unter- und Obergeschoss zeigt es zahlreiche Exponate wie einen Postschalter, einen Stempeltisch mit Stempel, eine Münzsammlung, Tafeln, Fahrzeuge, Briefkästen, Uniformen, Feldpost und Postkarten. Im Keller ist eine Sammlung historischer Telefone untergebracht, ebenso eine Vermittlungszentrale.[16]
Heimatmuseum Harthausen
Planetenweg
Der Planetenweg Winterlingen beinhaltet im „Raum-Pfad“ unser Sonnensystem genau im Maßstab 1 zu 1 Milliarde verkleinert.[17]
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Franz Hopf (1807–1877), Pfarrer und Landtagsabgeordneter
Rudolf Scholder (1896–1973), Chemiker, Hochschullehrer in Karlsruhe
Ingeborg Grolle (* 1931), Historikerin
Manfred Kuhn (1931–2011), Chemiker und Hochschullehrer
Manfred Mai (* 1949), Lehrer und Schriftsteller
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Camillo Brandhuber (1860–1931), preußischer Landtagsabgeordneter in Berlin, Präsident des hohenzollerischen Kommunnallandtages, 1917–1924 Pfarrer in Benzingen, Freund Albert Einsteins
Literatur
Walther Genzmer (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns. Band 2; Kreis Sigmaringen. W. Speemann, Stuttgart 1948. 
Weblinks
 Commons: Winterlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Winterlingen in der Beschreibung des Oberamts Balingen von 1880
Offizielle Website der Gemeinde