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Geschichte
Das Steintor, das älteste Gebäude in Wittenberge, wurde 1297 erstmals erwähnt.
Ansicht um 1850
Ein Wahrzeichen der Stadt: Uhrenturm des Nähmaschinenwerkes in Wittenberge von 1929 (größte freistehende Turmuhr Deutschlands und auf dem europäischen Festland)

Im Zuge der deutschen Besiedlung nach der Eroberung der ostelbischen Gebiete der späteren Mark Brandenburg wurde Wittenberge unter Obhut der Familie Gans gegründet, wie auch Perleberg und Putlitz. Wittenberge soll 1226 in einer Urkunde, die nur als Transsumpt in einer Originalurkunde des Markgrafen Friedrich d. J. von Brandenburg vom 15. Februar 1463 vorliegt, erstmals urkundlich erwähnt worden sein. In der besagten Urkunde verfügten die Markgrafen Johann und Otto von Brandenburg, dass niemand eine Schiffsfähre auf der Elbe zwischen der Stadt Werben (Elbe) und „Wittemberge“ unterhalten darf. Hermann Krabbo bezeichnete 1910 die Urkunde von 1226 als Fälschung, was durch Forschungen im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt im Januar 2006 bekräftigt wurde. Eine weitere urkundliche Erwähnung findet sich am 29. Oktober 1239. Damals unterschrieb ein Zeuge eine Urkunde mit „prepositus de uittenberge“. Ferner wurde Wittemberg am 22. Juli 1300 urkundlich erwähnt, als der Stadtherr Otto I. Gans die Rechte Wittenberges als Stadt bestätigt.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war Wittenberge vollständig entvölkert.[7]

Die Stadt fiel 1686 und 1757 verheerenden Bränden und 1709 und 1761 Elbdeichbrüchen zum Opfer. 1820 legte das erste Dampfschiff der Berlin-Hamburg Passagierlinie im Hafen von Wittenberge an. Der industrielle Aufschwung der Stadt wurde 1823 durch den Bau einer Ölmühle (1823–1935: Herzsche Ölmühle, 1942–1946: Märkische Ölwerke Wittenberge AG, 1946–1990: VEB Märkische Ölwerke Wittenberge, 1990–1991: Märkische Ölwerke GmbH Wittenberge) durch den Kaufmann Salomon Herz begründet.[8] Die Fertigstellung des Elbhafens im Jahre 1835 und der Anschluss an die Eisenbahnlinie Berlin-Hamburg am 15. Oktober 1846 sowie die Fertigstellung der Anschlussstrecken nach Magdeburg zwischen 1847 und dem 25. Oktober 1851, Lüneburg (1874) und Salzwedel (1879) waren ebenfalls entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Der Ölmühle folgten 1846 eine Seifenfabrik, 1849 eine chemische Fabrik und 1875 ein Eisenbahn-Ausbesserungswerk, das bis heute besteht.

1903 wurde durch die in New York City ansässige Firma Singer Manufacturing Company eine Nähmaschinenfabrik errichtet, die bis in die 1920er Jahre weitere Ausbauten erfuhr, u. a. 1928/29 durch die größte freistehende Turmuhr auf dem europäischen Kontinent. In dieser Nähmaschinenfabrik wurden bis zum 3. Mai 1945 die Singer-Nähmaschinen hergestellt. Während der DDR-Zeit wurde die Nähmaschinenproduktion erfolgreich weitergeführt. Die Nähmaschinen aus Wittenberge hießen jetzt VERITAS und Naumann und wurden ein Weltprodukt. In den 1980er Jahren avancierte der VEB Nähmaschinenwerk Wittenberge zur modernsten Nähmaschinenfabrik der Welt.

1912 erhielt das Baubüro Gropius den Auftrag, im Norden der Stadt die Projekt- und Bauleitung einer großen Arbeitersiedlung zu übernehmen. Um 1914 entstanden auf diese Weise drei Typen von Siedlungshäusern, in denen sich erstmals Gropius’ Konzept rationell errichteter Bauten umsetzen ließ. Die Stadt Wittenberge unterließ es, die Bauten unter Denkmalschutz zu stellen, so dass durch die jahrzehntelange Nutzung sowie private Um- und Anbauten der ursprüngliche Zustand verloren ist.

Bereits 1912 war ein Teil des Friedhofs als Begräbnisstätte für die Juden der Stadt eingerichtet worden. Die 1923 gegründete Jüdische Gemeinde, die keine eigene Synagoge besaß, bestattete hier ihre verstorbenen Mitglieder. Während der NS-Zeit in Deutschland beseitigten die Nationalsozialisten den Friedhof. Außerdem befand sich ab 1942 auf dem Gelände der 1937 gegründeten Zellstoff- und Zellwollefabrik das KZ-Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme. Die etwa 3000 Häftlinge wurden unter unmenschlichen Bedingungen zur Zwangsarbeit verpflichtet. Hunderte überlebten nicht, weil sie an Hunger oder Krankheiten starben oder ermordet wurden. Im Jahre 1962 wurden Grabsteine restauriert und aufgestellt, dazu ein Gedenkstein.

Durch die Ölmühle, Singer und das Bahnwerk sowie den Bau weiterer Fabriken wie 1935 die Norddeutsche Maschinenfabrik und 1937/38 die Zellstoff- und Zellwollefabrik[9] wurde Wittenberge die wichtigste Industriestadt der Region. Durch den industriellen und damit wirtschaftlichen Aufschwung stieg die Einwohnerzahl schnell an. Dies führte zur Ausweitung des Stadtgebietes. Besonders zwischen der Altstadt und dem rund 1 km nordöstlich davon errichteten Bahnhof entstanden in mehreren Phasen Wohnungen für Arbeiter. Darunter sind auch etliche Gebäude der Gründerzeit, die nach und nach saniert werden. Besonderes Augenmerk verdient auch das „Haus der Vier Jahreszeiten“ mit seiner Fassade im Jugendstil.

In den Jahren 1912–1914 wurde das Wittenberger Rathaus (Turmhöhe 51 m) errichtet, das in seiner monumentalen Ausführung deutlich den großstädtischen Anspruch der aufstrebenden Industriestadt symbolisiert. Dieser Aufbruch wurde durch die Folgen des Ersten Weltkrieges 1914–1918 und die Weltwirtschaftskrise ab Ende der 1920er Jahre gedämpft.

Wittenberge hatte nach 1816 dem Kreis Westprignitz in der preußischen Provinz Brandenburg (Regierungsbezirk Potsdam) angehört. Am 1. August 1922 schied die Stadt Wittenberge aus dem Kreis Westprignitz aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. 1950 verlor die Stadt Wittenberge ihre Kreisfreiheit und wurde wieder dem Kreis Westprignitz einverleibt.

Im Jahr 1952 wurden das Land Brandenburg und der Kreis Westprignitz aufgelöst. Wittenberge gehörte von diesem Zeitpunkt an zum Kreis Perleberg im Bezirk Schwerin, seit 1990 in Brandenburg. 1993 wurden der Kreis Perleberg und damit auch Wittenberge Bestandteil des neu gebildeten Landkreises Prignitz.

Die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 brachte für die Prignitz und Wittenberge erhebliche wirtschaftliche Veränderungen. Neben dem Nähmaschinenwerk (1991) wurden auch das Zellstoffwerk (VEB Zellwolle, 1990) und die Ölmühle (1991) geschlossen. Von den großen Betrieben blieb nur das Reichsbahnausbesserungswerk Wittenberge (RAW) als jetziges Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn AG erhalten. Aufgrund des damit verbundenen Wegfalls von Arbeitsplätzen kam es zu einer Abwanderung von Einwohnern in erheblichem Ausmaß (ca. 2 % p.a seit 1990), deren Ende noch nicht prognostiziert wurde. Der Bahnhof Wittenberge, der bis 2000 noch stündlich mit ICE-Zügen auf der Strecke Hamburg–Berlin bedient wurde, verlor drastisch an Bedeutung.

Seit dem Jahre 2000, der 700-Jahr-Feier der Stadt, ist Wittenberge der jährliche Austragungsort der überregional bekannten Elblandfestspiele Wittenberge (EFS), des internationalen Festivals der Operette und heiteren Bühnenkunst in Deutschland. Es ist damit das bedeutendste Musikfestival dieses musikalischen Genres in Deutschland. Gleichzeitig ist Wittenberge Austragungsort des Internationalen Gesangswettbewerbes für Operette – Paul Lincke.

Bevölkerungsentwicklung

1652: 0.252
1719: 0.374
1730: 0.406
1740: 0.454
1742: 0.667
1750: 0.761
1756: 0.770
1800: 0.884
1812: 0.910
1819: 1.200
1825: 1.325
1840: 2.500
1845: 2.700
1850: 4.176
1853: 5.305
1863: 5.912
1864: 06.200
1867: 06.941
1875: 07.367
1877: 08.062
1880: 09.548
1882: 10.250
1890: 12.338
1895: 14.559
1900: 16.322
1905: 18.603
1910: 20.709
1914: 22.693
1920: 24.848
1925: 26.493
1930: 26.476
1935: 26.605
1938: 28.421
1940: 31.415
1941: 32.597
1943: 34.842
1945: 39.587 (+)
1946: 31.485
1954: 32.200
1964: 32.439
1966: 32.735
1968: 33.077
1977: 33.279
1980: 32.287
1981: 31.855
1985: 30.519
1987: 30.181
1988: 30.240
1990: 28.168[10]
1995: 24.515
1996: 24.041
1997: 23.833
1998: 23.398
1999: 22.825
2000: 22.163
2001: 21.513
2002: 21.112
2003: 20.639
2004: 20.120
2005: 19.767
2006: 19.566
2007: 19.297
2008: 19.023
2009: 18.710
2010: 18.571
2011: 17.638
2012: 17.476
2013: 17.297
2014: 17.200[11]
2015: 17.206[12]

(+) 1945 befanden sich ca. 6000 Flüchtlinge in Wittenberge

Gebietsstand des jeweiligen Jahres

1991–2013,[13] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, jeweils Stand 31. Dezember

Politik

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 33,5 % (2008: 37,2 %)

 %403020100

30,9 %26,7 %23,9 %10,2 %5,8 %3,5 %

SPDCDULinkeUBGdFDPGrüne
Gewinne und Verluste

im Vergleich zu 2008
 %p 10   8   6   4   2   0  -2  -4  -6

+4,0 %p
+8,9 %p-2,2 %p+1,5 %p-5,8 %p+1,9 %p
SPDCDULinkeUBGdFDPGrüneVorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen

Anmerkungen:d UBG = Unabhängige Bürgergemeinschaft

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Neues Ergebnis nicht 100%Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Altes Ergebnis nicht 100%
Wittenberger Rathaus
Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Wittenberge besteht aus 28 Stadtverordneten und dem jeweiligen hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgender Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung:[14]

Partei / Liste Sitze
SPD 9
CDU 7
Die Linke 6
Unabhängige Bürgergemeinschaft (UBG) 3
FDP 2
Grüne 1

Bürgermeister
1993–2008: Klaus Petry (SPD)
seit 2008: Oliver Hermann (parteilos)

Oliver Hermann wurde als Kandidat der SPD am 10. April 2016 mit 94,8 % der gültigen Stimmen für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt.[15]

Flagge

Die Flagge der Stadt ist Rot – Weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Städtepartnerschaften

Partnerschaften gibt es mit folgenden Städten:

Châlons-en-Champagne, Frankreich
Elmshorn, Deutschland
Rasgrad, Bulgarien
Sehenswürdigkeiten und Kultur
„Schaukelschiff“ der „Zeitreise“ von Christian Uhlig
„Flötistin“ der „Zeitreise“ von Christian Uhlig
Denkmal an der Jahn-Schule
Evangelische Kirche
Kultur- und Festspielhaus
Bauwerke
Steintorturm (ältestes Gebäude, ca. 1300)
Uhrenturm Nähmaschinenwerk (Wittenberge), größte freistehende Turmuhr auf dem europäischen Festland.
Ehemalige Singer-/Veritas-Nähmaschinenwerke (erbaut 1903)
Historischer Bahnhof mit großem Gründerzeit-Speisesaal
Gropiussiedlung im städtischen Norden
Jugendstilhaus „Haus der vier Jahreszeiten“ (Denkmalschutz), Schillerplatz
Evangelische Kirche in der Altstadt, erbaut 1872[16]
Historischer Wasserturm mit Trinkhalle
Neobarockes Rathaus (1912–1914) (Turmbesteigung in der wärmeren Jahreszeit möglich)
Eisenbahnbrücke (Elbbrücke), längste in der DDR gebaute Eisenbahnbrücke
Elbebrücke Wittenberge (Straße), längste in der DDR gebaute Straßenbrücke
Alte Ölmühle zu Wittenberge erbaut 1856,[17] einzige Brauerei in Wittenberge[18] und Festspielgelände der Elblandfestspiele mit „Elblandbühne“, Kapazität ca. 3500 Besucher
Neoklassizistisches Kultur- und Festspielhaus
Alte Burg Wittenberge (Stadtmuseum Wittenberge)
Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Wittenberge
Geschichtsdenkmale
Gedenkstein von 1949 gegenüber dem Haupteingang des Friedhofs an der Parkstraße 30 für die Opfer des Faschismus durch KZ-Terror und Zwangsarbeit
Mahnmal von 1996 für die Opfer der Kriege und Gewaltherrschaft in der Nähe der Feierhalle
Gedenkstein im Hof des ehemaligen Nähmaschinenwerkes in der Bad Wilsnacker Straße 43 für sieben Personen, die als antifaschistische Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter(innen) ermordet wurden
Gedenkstein von 1962 zur Erinnerung an den Jüdischen Friedhof auf dem Gelände des Städtischen Friedhofes
Gedenkstein von 1969 an der Ernst-Thälmann-Straße für den gleichnamigen Arbeiterpolitiker, der 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde
Parks
Stadtpark
Waldfriedhof
Schützenplatz (Veranstaltungsort für Zirkus, Schützenfest, Osterfeuer)
Clara-Zetkin-Park
Naturdenkmale

Offiziell anerkannte Naturdenkmäler:[19]

die Hängebuche (Fagus silvatica ‚Pendula‘) auf dem östlichen Teil des Elmshorner Platzes
die Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia) auf dem westlichen Teil des Elmshorner Platzes
die Stiel-Eiche (Quercus robur) auf der Anhöhe des Stadtparkes
die Platanen (Platanus acerifolia) beiderseits der Auffahrt zum Grundstück Perleberger Straße 31
die Stiel-Eiche in der Straße „Weinberg“
die Stiel-Eiche in einer Gasse zwischen der Bahnstraße und der Straße „Hinter den Planken“
die acht Rotbuchen (Fagus silvatica) an der Straße „Am Kuhberg“, welche eine „Laube“ bilden
eine Stiel-Eiche an der Straße zwischen Gasedow und Lütjenheide
vier Stiel-Eichen vor der Ortschaft Lütjenheide
eine Stiel-Eiche am Brack zwischen Hinzdorf und Scharleuk
Museen
Stadtmuseum in der Alten Burg, dem ältesten Wohnhaus der Stadt.
Eisenbahnmuseum Historischer Lokschuppen Wittenberge
Theater
Kultur- und Festspielhaus Wittenberge am Paul-Lincke-Platz
Elblandfestspiele Wittenberge – internationales Festival für Operette und heitere Bühnenkunst in Deutschland (jährliche Veranstaltungen in den Sommermonaten)
Kino
Kino „Movie Star“ in der Friedrich-Ebert-Straße 15 nahe dem Bismarckplatz.
Regelmäßige Veranstaltungen
im Mai: Internationale Schießsportwoche
im Mai: Internationaler Gesangswettbewerb für Operette „Paul Lincke“ Wittenberge
im Juni: Freiluft-Volleyballturnier „Volleyballsommer“ des SV Empor / Grün-Rot Wittenberge 1990 e.V.
im Juni: Dixilandfest im Hof des Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge
zu Pfingsten: Country-Music-Festival Wittenberge, auf dem Sport- und Freizeitgelände des ESV 1888 nahe dem Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn
im Juli: Elblandfestspiele Wittenberge
im August: Stadt- und Hafenfest, Elb-Badetag
Kulinarische Spezialitäten der Region

Knieperkohl („Saurer Hansen“)

Weiteres

Zum regional tradierten Volksgut gehört die Legende vom Fährmann Hildebrand.

Wirtschaft und Infrastruktur
Unternehmen
In Wittenberge war die Fertigung der Nähmaschinen Veritas und Naumann, 1987

Der Wirtschaftsstandort ist Teil des Wachstumskerns Prignitz, einer von 15 Regionalen Wachstumskernen im Land Brandenburg. Dadurch werden ausgewählte zukunftsorientierte Branchen gefördert.

In Wittenberge gab es 89 Jahre lang das Nähmaschinenwerk Wittenberge mit 3200 Mitarbeitern im Jahr 1989. Obwohl hier in den 1980er Jahren noch neue Fertigungsanlagen errichtet wurden, sah die Treuhandanstalt keine Zukunft für das Werk und liquidierte es kurz nach der Wende 1992. Das Werk ging als Zweigwerk der amerikanischen Singer 1903 in Betrieb, die produzierten Maschinen wurden unter den Namen Veritas und Naumann verkauft. Auf Grund der hohen Zuverlässigkeit der Maschinen gibt es 20 Jahre nach Produktionsstillstand und guten Ersatzteilen noch immer einen Markt für die Maschinen. In den Jahren 2012 und 2013 gab es Gewerbeansiedlungen wie den österreichischen Dämmstoffhersteller Austrotherm, den Frankiermaschinenhersteller Francotyp-Postalia[20] oder den Transformatorenhersteller Schacht GmbH.

Der weiterhin noch größte Arbeitgeber ist mit dem Ausbesserungswerk Wittenberge die Deutsche Bahn, es ist mit der Instandhaltung von Reisezugwagen beauftragt. Von 2012 bis 2014 erfolgte dort die Revision der Doppelstockwagen mit Einbau neuer Monitore, LED statt Röhren und Notebook-Stromanschlüssen für den Nahverkehr in z. B. Hessen und Brandenburg. Ebenso wird dort die IC-Flotte der Deutschen Bahn modernisiert.[21]

Verkehr
Straßenverkehr

Wittenberge liegt an der Bundesstraße 189 zwischen Perleberg und Stendal. Von der B 189 zweigt hier die B 195 nach Boizenburg ab. Über die Landstraße L 11 ist Bad Wilsnack erreichbar.

Die Elbbrücke an der B 189 bei Wittenberge ist die einzige Straßenbrücke zwischen den Brücken der B 191 bei Dömitz (ca. 50 km flussabwärts) und der B 188 bei Tangermünde (ca. 60 km flussaufwärts). Dazwischen kann die Elbe nur mit Hilfe von Fähren überquert werden.

Die nächsten Autobahnanschlussstellen sind Suckow und Meyenburg an der A 24 Hamburg–Berlin und Wittstock an der A 19 nach Rostock. Mit der geplanten Verlängerung der A 14 Schwerin–Magdeburg wird Wittenberge einen direkten Autobahnanschluss erhalten.

Schienenverkehr
Bahnhof in Wittenberge

Der Bahnhof Wittenberge liegt an der Schnellfahrstrecke Berlin–Hamburg und ist die wichtigste Station zwischen den beiden Städten. Er ist außerdem Ausgangspunkt der Bahnstrecken nach Wittstock (Dosse) und Stendal.

Wittenberge wird im Fernverkehr von einzelnen Intercity-Express-Zügen der Linie (Kopenhagen/Aarhus–)Hamburg–Berlin(–Leipzig–München) und von weiteren Intercity- bzw. Eurocity-Zügen auf der Strecke (Westerland–)Hamburg–Berlin–Dresden(–Prag–Bratislava bzw. Wien) angefahren. Einmal wöchentlich verkehrt zusätzlich ein Intercity Rostock–Schwerin–Stendal–Magdeburg–Leipzig.

Im Regionalverkehr halten hier Regional-Express-Züge der Linie RE 2 (Wismar–Schwerin–)Wittenberge–Berlin–Cottbus im Stunden-Takt (zwischen Wittenberge und Wismar im Zwei-Stunden-Takt). Einmal stündlich fahren eine Regionalbahn S 1 nach Stendal–Wolmirstedt–Magdeburg–Schönebeck (Elbe) und der Regional-Express RE 6 nach Perleberg–Pritzwalk–Wittstock (Dosse)–Neuruppin–Berlin Gesundbrunnen. Die Bahnlinie nach Arendsee–Salzwedel ist mittlerweile ohne Personenverkehr und wurde durch den Landesbus 200 ersetzt.

Zuvor verkehrten hier ab 1870 auch die Züge der Bahnstrecke Wittenberge–Lüneburg der Berlin-Hamburger Bahn, die bei Dömitz über die Elbe und über Dannenberg und Lüneburg nach Buchholz führte. Sie sollte ursprünglich der direkten Verbindung Berlin-Bremen dienen, was aber nicht zustande kam. Während der Zeit der DDR war der Bahnhof Wittenberge einer der wichtigsten Bahnhöfe im nordwestlichen Bereich des Netzes der Deutschen Reichsbahn und, von den Grenzbahnhöfen Schwanheide und Griebnitzsee bzw. Staaken abgesehen, einzige Haltestelle der Interzonenzüge zwischen Hamburg und Berlin. Das frühere Reichsbahnausbesserungswerk wurde von der Deutschen Bahn übernommen und besteht noch heute als Ausbesserungswerk (AW) für Reisezüge.

Mit der geschichtlichen Aufbereitung Wittenberger Eisenbahngeschichte beschäftigt sich der Verein Historischer Lokschuppen Wittenberge e. V. Im Lokschuppen sind seit 2012 die Fahrzeuge des Dampflokfreunde Salzwedel e. V. stationiert.

Schiffsverkehr
Neuer Anleger für Tankschiffe in Wittenberge

An der Einmündung der Stepenitz in die Elbe befindet sich der Hafen von Wittenberge. Die zwischenzeitlich für den Güterverkehr aufgegebene alte Anlage wird nachhaltig wiederbelebt. Im Rahmen des Elbschifffahrtstages 2010 in Wittenberge wurden u. a. der Arbeitskreis Binnenschifffahrt und die neuen, zum Teil noch im Bau befindlichen Hafenanlagen vorgestellt. Ein Anleger für Tankschiffe ist bereits in Betrieb und ein innovatives trimodales Terminal befindet sich kurz vor der Fertigstellung.

Öffentliche Einrichtungen

Stadtinformation Wittenberge im Festspielhaus am Paul-Lincke-Platz

Sport

Derzeit gibt es 20 Sportvereine mit knapp 2170 Mitgliedern. Die Wittenberger Schützengilde, einer der traditionsreichsten und erfolgreichsten Vereine der Stadt, brachte Welt- und Europameister hervor, auch aus dem Tanzcentrum Wittenberge e. V. kamen Europameister.

Wittenberger Schützengilde 1582 e.V.
Turngemeinde Wittenberge 1863 e.V.
Eisenbahnersportverein (ESV) Wittenberge 1888 e.V.
FSV Veritas Wittenberge/Breese (Fußball)
SSV Empor 90 Wittenberge e.V.
SV Empor/Grün-Rot Wittenberge 1990 e.V.
Tanzcentrum Wittenberge e. V.
Prignitzer Handball-Club (PHC) Wittenberge e. V. (Handball)
Motorboot- und Segelclub Neptun
SchwimmClub „Delphin“ Wittenberge e. V.
Reitverein Wittenberge e. V.
DS „Racing-Team“ e. V. (Motorsport)
Boxsportverein Veritas Wittenberge e. V.
Inside Bowling Club Wittenberge e. V.
zahlreiche Anglervereine
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Hermann Bamberg (1846–1928), Unternehmer, Berliner Kommunalpolitiker, Ehrenbürger von Berlin
Johannes Daniel Benda (1849–1927), Jurist
Eugen Hildach (1849–1924), Komponist
Carl Lindenberg (1850–1928), Jurist und Philatelist
Arthur Obst (1866–1936), Journalist
Otto Telschow (1876–1945), Politiker (NSDAP), Gauleiter
Fried Lübbecke (1883–1965), Kunsthistoriker
Friedrich Burmeister (1888–1968), Politiker (CDU), Minister für Post- und Fernmeldewesen der DDR
Emanuel Hirsch (1888–1972), evangelischer Theologe
Agnes Wendland (1891–1946), Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime, Gerechte unter den Völkern
Otto Hilgenfeldt (1900–1983), Handchirurg[22]
Marianne Ammerpohl (1901–1995), Konzertsängerin und Gesangspädagogin („Wittenberger Nachtigall“)
Ernst August Wiese (1902–1945), plattdeutscher Dichter
Adolf Fritz Guhl (1917–1977), Dirigent und Generalmusikdirektor des Großen Rundfunkorchesters Leipzig
Hans Bluhm (1922–2009), Journalist, Erfinder der Goldenen Kamera
Klaus Havenstein (1922–1998), Schauspieler und Kabarettist
Willi Heine (1929–2017), Kinderheilkundler
Hans Joachim Hirsch (1929–2011), Rechtswissenschaftler
Gisela Gneist, (1930–2007), politische Gefangene in der SBZ, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande
Ulrich Makosch (1933–2008), Journalist (Fernsehen der DDR)
Heinz-Dieter Winter (* 1934), DDR-Diplomat
Helge Jung (1943–2013), Komponist
Stefan Paetow (* 1943), Richter am Bundesverwaltungsgericht
Christian Schmidt (* 1943), Politiker (Die Grünen)
Friedrich Schorlemmer (* 1944), Theologe
Jörg Buchna (* 1945), evangelisch-lutherischer Geistlicher, Autor
Bernd Rudow (* 1947), Psychologe und Arbeitswissenschaftler
Gustav Kluge (* 1947), Maler und Hochschullehrer
Joachim Tschirner (* 1948), Dokumentarfilmregisseur
Udo Schenk (* 1953), Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher
Norbert Klaar (* 1954), Sportschütze, Olympiasieger 1976 (Schnellfeuerpistole)
Uwe Potteck (* 1955), Sportschütze, Olympiasieger 1976 (Freie Pistole)
Henning Schneider (* 1939), Emeritus für Gynäkologie und Geburtshilfe in Bern
Jürgen Stadelmann (* 1959), Politiker (CDU), Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt
Olaf Briese (* 1963), Kulturwissenschaftler und Hochschullehrer
Heiko Reissig (* 1966), Kammersänger, Gründer und Intendant der Elblandfestspiele Wittenberge
Richard Kruspe (* 1967), Gitarrist der Band Rammstein
Christine Magerski (* 1969), Professorin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin
Mit Wittenberge verbundene Persönlichkeiten
Gans zu Wittenberge, Stadtgründer
Salomon Herz (1791–1865), jüdischer Kaufmann aus Berlin, Gründer der Wittenberger Ölmühle an der Elbe
Paul Lincke (1866–1946), Operettenkomponist, 1882–1886 musikalische Ausbildung an der Wittenberger Stadtpfeiferei unter Rudolph Kleinow
Johann Wilhelm Trollmann (1907–1944), sinto-deutscher Boxer. 1933 deutscher Meister im Halbschwergewicht, 1944 im Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme ermordet
Ulrich Woronowicz (1928–2011), evangelischer Theologe und Buchautor, Pfarrer in Wittenberge
Sonstiges

Die Stadt erhielt mit den Jahren zwei Identifikationsnamen, den ersten wegen des Nähmaschinenwerkes – „Wittenberge Stadt der Nähmaschinen“ und den zweiten, da die meisten Arbeiter des Nähmaschinen- und des Zellwollwerks, aber auch die der Ölmühle ihren Arbeitsweg mit dem Fahrrad bestritten, „Fahrradstadt Wittenberge“, und seit 2000 zunehmend „Festspielstadt Wittenberge“.

Wittenberge ist beliebter Drehort diverser Filmproduktionen (historische Bausubstanz-Kulissen) u. a.:

Yella mit Nina Hoss, Hinnerk Schönemann und Devid Striesow, Regie Christian Petzold (2007)
Neger, Neger, Schornsteinfeger mit Veronica Ferres (2005)
Kleinruppin forever mit Tobias Schenke, in einer Nebenrolle: Heiko Reissig (2004)
Crazy Race 2 – Warum die Mauer wirklich fiel mit Wolke Hegenbarth, Kathy Karrenbauer, Daniel Küblböck, Mundstuhl und Dirk Bach (2004)
Der Verleger mit Heiner Lauterbach (2001)
Toter Mann mit Nina Hoss, André Hennicke und Sven Pippig (2001)
Karbid und Sauerampfer mit Erwin Geschonneck und Marita Böhme (1963), Regie Frank Beyer
Literatur
Zum Beispiel Wittenberge. In: Die Zeit. Nr. 10/2010. (Zusammenfassung zum Forschungsprojekt von 28 Wissenschaftlern über das Leben in Wittenberge, Untersuchungszeitraum 2007–2009)
Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – N–Z. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-033-3, S. 967 ff. 
Weblinks
 Commons: Wittenberge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wittenberge – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Wittenberge – Reiseführer
 Wikisource: Wittenberg in der Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte
Offizielle Seite der Stadt Wittenberge