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Geschichte
Gründung von Wittingen

Die erste Erwähnung Wittingens entstammt einer Urkunde aus dem Jahr 781, in der die Grenzen des Bistums Hildesheim beschrieben werden. Eine weitere frühe Erwähnung entstammt einer Urkunde Karls des Großen aus dem Jahr 803, in der die Grenzen des neuen Bistums Halberstadt genannt werden. Aus diesen Quellen kann jedoch nicht auf die tatsächliche Gründungszeit des Ortes geschlossen werden, denn da es zu jener Zeit bereits ein Gebiet namens Wittingau gab, kann eine frühere Entstehungszeit angenommen werden.

Mittelalter

Wittingen war im Mittelalter nicht nur Grenzort, sondern lag zudem verkehrsgünstig an der Grenze zur Altmark. Die Stadt war damit Handels- und Rastplatz für den Handel in Ost-West-Richtung. Im 9. Jahrhundert wurde durch das Bistum Halberstadt die Stephanus-Kirche errichtet. Bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts hatte Wittingen die Stadtrechte erworben und wurde Miteigentümer der Lüneburger Münze. 1340 gelangte die Stadt aus dem Brandenburgischen in den Besitz der Welfen zu Celle. Während der Hildesheimer Stiftsfehde wurde auch Wittingen im Jahr 1519 fast vollständig zerstört. Als Konsequenz wurde mit dem Bau von Befestigungsanlagen begonnen.

Frühe Neuzeit bis zur Moderne
Merian-Stich um 1654

Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Wittingen durch Tributzahlungen schwer geschädigt. 1639 quartierten sich zudem zwei schwedische Regimenter in der Stadt ein. Während ihrer Anwesenheit wurde ein Großteil der Häuser durch eine Brandkatastrophe zerstört.

Während des Siebenjährigen Krieges wurde Wittingen von den Franzosen besetzt. Am 12. April 1792 brach um 20 Uhr in einem Haus am Markt eine Feuersbrunst aus, die sich trotz fast unmerklichem Nordostwind so schnell ausbreitete, dass 66 Wohnhäuser, ohne Nebengebäude, innerhalb einer Stunde abbrannten. Die meisten Einwohner waren bereits entkleidet und retteten nichts als was sie am Leibe hatten. Viele wurden von den Flammen verletzt, zwei Frauen und auch verschiedenes Vieh kamen um. 387 Notleidende einschließlich Kindern und Mietsleuten waren vorhanden, wie Pastor E. H. Küker in den „Hannoverischen Anzeigen“ vom 27. April des Jahres mitteilte.[4]

Die zweite Besetzung durch die Franzosen erfolgte 1803 während der Napoleonischen Kriege.

Eingemeindungen

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Darrigsdorf, Erpensen, Gannerwinkel, Glüsingen, Kakerbeck, Lüben, Rade, Stöcken, Suderwittingen und Wollerstorf eingegliedert. Am selben Tag wurden die Gemeinden Eutzen, Hagen bei Knesebeck, Mahnburg, Vorhop und Wunderbüttel in die Gemeinde Knesebeck eingegliedert. Ebenso wurden Boitzenhagen, Plastau, Radenbeck, Schneflingen, Teschendorf und Zasenbeck in die Gemeinde Ohrdorf eingegliedert.

Schließlich kamen bereits am 1. April 1974 die neu gegliederten Gemeinden Knesebeck und Ohrdorf zur Stadt Wittingen.[5]

Einwohnerentwicklung

Nach dem Niedersächsischen Landesamt für Statistik wohnten 2005 in der Stadt Wittingen 12.291 Menschen in 3745 Gebäuden mit insgesamt 5399 Wohnungen bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 49,9 m² je Person. Seit Gründung der Einheitsgemeinde wuchs die Einwohnerzahl beständig, sowohl durch eine positive natürliche Bevölkerungsentwicklung als auch durch einen positiven Wanderungssaldo. 21,3 % der Bevölkerung waren 2005 unter 18 Jahre alt, 7,1 % zwischen 18 und 25, 27,0 % zwischen 25 und 45, 24,4 % zwischen 45 und 64, und 20,3 % waren 65 Jahre alt oder älter. Die Arbeitslosenquote lag bei durchschnittlich 11,3 % (Männer: 9,4 %, Frauen: 14,0 %). 2.247 Menschen pendeln regelmäßig aus der Stadt heraus, 1.745 herein.[2]

Religion

Die evangelisch-lutherische St.-Stephanus-Kirche in der Stadtmitte ist die älteste Kirche in Wittingen. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Sprengel Lüneburg der Landeskirche Hannovers.
Weitere evangelisch-lutherische Kirchen befinden sich in Wittinger Ortsteilen. Die St. Gabrielkirche in Darrigsdorf (Wittingen) wurde Ende des 14. Jahrhunderts als rechteckiger gotischer Feldsteinbau errichtet. Die 1235 erbaute Laurentius-Kirche wurde als Wehrkirche errichtet und ist eine Feldsteinkirche in Ohrdorf.

Die St.-Stephans-Kirche am Hindenburgwall ist eine Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.

Die katholische Kirche Maria Königin, auch St. Marien genannt, ist die nördlichste Kirche im Dekanat Wolfsburg-Helmstedt. Sie wurde 1972 an der Schützenstraße errichtet, ausgeführt als Fertigteilkirche mit freistehendem Glockenturm. Zuvor bestand bereits seit 1953 eine Notkirche in der Celler Straße 12. Heute gehört zur Pfarrgemeinde auch die katholische Kirche in Wesendorf.

Die neuapostolische Gemeinde Wittingen wurde 2012 aufgelöst und der Gemeinde Hankensbüttel angeschlossen, das Kirchengebäude wurde verkauft. Der erste neuapostolische Gottesdienst in Wittingen fand 1926 in einem Hotel statt, 1975/76 wurde eine eigene Kirche in der Spörkenstraße 28 errichtet.

St. Stephanus-Kirche

Katholische Kirche

St. Gabrielkirche in Darrigsdorf

Laurentius-Kirche von 1235 in Ohrdorf

Politik
Verwaltungszugehörigkeit

In seiner Frühzeit gehörte Wittingen zu Brandenburg. Erst 1340 kam die Stadt zu Celle und damit zu den Welfen. Nach der Besetzung durch die Franzosen erfolgte 1810 eine neue Ämtereinteilung. Wittingen befand sich im Département Niederelbe im Königreich Westphalen und bildete den 5. Kanton mit 13 Kommunen. Wittingen gehörte von 1885 bis 1932 zum Landkreis Isenhagen, der dann im Landkreis Gifhorn aufging. Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreformen schlossen sich 1974 die Samtgemeinden Wittingen, Knesebeck, Schneflingen und die Gemeinden Ohrdorf und Radenbeck zur neuen Stadt Wittingen zusammen. Bis zum 31. Januar 1978 gehörte Wittingen zum Regierungsbezirk Lüneburg, bis zum 31. Dezember 2004 dann zum Regierungsbezirk Braunschweig, der infolge einer Verwaltungsreform mit Ablauf dieses Datums aufgelöst wurde.[6]

Stadtrat

Der Rat der Stadt Wittingen besteht aus 28 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 11.001 und 12.000 Einwohnern.[7] Die 28 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die kommende Amtszeit beginnt am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021.

Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Karl Ridder (CDU).

Die letzte Kommunalwahl vom 11. September 2016 ergab das folgende Ergebnis:[8]

CDU: 14 Sitze
SPD: 6 Sitze
FWG: 6 Sitze
Grüne: 2 Sitze
Bürgermeister
1974–1985: Robert Leipelt
1985–1989: Paul Degenhardt
1990–1991: Wilfried Wolter
1991–1996: Lothar Schoss
1996–2001: Günther Schulze
2001–2002: Hans-Jürgen Schindler

Hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Wittingen ist seit 2002 Karl Ridder (CDU). Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 11. September 2011 wurde er als Amtsinhaber mit 65,8 % der Stimmen wiedergewählt. Sein Gegenkandidat Richard Steinhof (SPD) erhielt 34,2 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 57,8 %.[9] Ridder trat seine weitere Amtszeit am 1. November 2011 an.

Wappen

Das Wappen der Stadt zeigt in Gold eine torlose, rote Burg, zwischen deren beiden Türmen ein blauer Löwe auf den Zinnen der Verbindungsmauer steht.[10]

Städtepartnerschaften

Wittingen unterhält mit vier Städten und Gemeinden eine Städtepartnerschaft bzw. -freundschaft:

Bismark, Sachsen-Anhalt, Deutschland
Koknese, Aizkraukles rajons, Lettland
St. Margarethen, Steiermark, Österreich
Wiesen, Burgenland, Österreich

Am Markt in der Altstadt

Baudenkmal Haus Kreyenberg von 1640

Celler Straße, Blickrichtung West

Skulptur Braumeister (1998 von Georg Arfmann)

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Der Junkerhof in Wittingen
Der Junkerhof entstand 1528 als Gutshof der Adelsfamilie von dem Knesebeck, deren frühere Burg an dieser Stelle wegen ihrer Raubzüge um 1350 von herzoglichen Truppen zerstört worden war. Im Junkerhof befindet sich heute eine historische Ausstellung alltäglicher Gegenstände aus der Region.
St.-Stephanus-Kirche am Markt
Der Park Am Junkerhof ist ein zentral gelegener Park am Krankenhaus, mit einem Teich und einem Sportplatz.
Der Park Am Schönungsteich ist in der Nachtweide gelegen, unweit vom Rathaus, vom Heldenhain und von der Stadthalle.
Dreikönigskapelle des Ortsteils Suderwittingen mit Glasmalereien und geätztem Überfangglas von Charles Crodel (Dreikönigstag 1969)
Dorf Lüben mit Museum[11]
Burg Knesebeck im Ortsteil Knesebeck
Wirtschaft und Infrastruktur
Brauerei Wittingen
Unternehmen
Die Privatbrauerei Wittingen produziert mit 100 Mitarbeitern ca. 365.000 hl Bier im Jahr.
Das Städtische Krankenhaus gehört seit September 2013 zur HELIOS-Kliniken-Gruppe.[12]
Die H. Butting GmbH & Co. KG mit Stammwerk im Stadtteil Knesebeck ist einer der führenden Edelstahlverarbeiter Europas.
Neef + Stumme premium printing GmbH & Co. KG, mittelständische Druckerei
Das Testgelände Ehra-Lessien befindet sich mit seinem Nordteil auf Wittinger Gebiet.
Verkehr

Die Bundesstraße 244 verläuft von West nach Südost durch Wittingen.

Bahnhof Wittingen

Der Bahnhof Wittingen liegt an der Bahnstrecke Wieren–Wittingen–Gifhorn–Braunschweig (Personenverkehr etwa im Zweistundentakt zwischen Uelzen und Braunschweig) sowie der Kleinbahn Celle–Wittingen, die von den Osthannoverschen Eisenbahnen, kurz OHE, im Güterverkehr und als Museumsbahn betrieben wird.

1909 wurde die Bahnstrecke Wittingen–Oebisfelde der Kleinbahn Wittingen–Oebisfelde AG eröffnet. Bis 1945 fuhren ab dem Kleinbahnhof Wittingen-West Züge bis Oebisfelde (heute in Sachsen-Anhalt), bis 1974 nach Rühen. Diese Strecke ist nicht mehr in Betrieb und offiziell stillgelegt. Um 1990 gab es Überlegungen, die Strecke für eine schnelle Ost-West-Güterbahn (kürzeste Strecke Magdeburg–Hamburg) wieder zu beleben. Von 1909 bis 1945 bestand eine Verbindung der Altmärkischen Kleinbahn von Wittingen-West über den Haltepunkt Wittingen-Süd nach Diesdorf bzw. Beetzendorf in der Altmark.

Etwa 3,5 Kilometer westlich von Wittingen verläuft der Elbe-Seitenkanal. Dort befindet sich der Hafen Wittingen.

Telefonvorwahlen
Die 05831 ist die hauptsächlich genutzte Vorwahl für Wittingen.
Die 05834 gilt in Knesebeck, Vorhop und Transvaal.
Die 05836 gilt in Radenbeck und Zasenbeck.
Die 05839 gilt in Ohrdorf.
Sonstiges

Der Schriftsteller Hans Pleschinski schreibt in seinen Büchern Ostsucht und Bildnis eines Unsichtbaren über seine Jugend im deutsch-deutschen Grenzland. Dabei bezieht er sich in autobiografischen Passagen auf sein Leben in und um Wittingen.

Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Anna Forcke (1836–1904), Oberin im Henriettenstift Hannover
Ludwig Stackmann (1850–1903), Landgerichtsrat in Göttingen, MdHdA
Friedrich Spitta (1852–1924), Theologe
Friedrich Bartels (1877–1928), Schriftsteller und Dichter
Hermann Link (1879–1964), Jurist
Victor Oelkers (1881–1958), Senator, Bürgermeister, 1947 bis 1955 Abgeordneter des Niedersächsischen Landtages (DP/CDU)
Walter Jankowsky (1890–1974), Anthropologe und Autor
Thilo Scheller (1897–1979), Herausgeber des Liederbuches Singend wollen wir marschieren des Reichsarbeitsdienstes[13]
Fritz Winkelmann (1909–1993), Rechtsanwalt, Bürgermeister in Wittingen, 1955 bis 1963 Abgeordneter des Niedersächsischen Landtages (DP)
Hans Wittfoht (1924–2011), Bauingenieur
Ernst Kalm (* 1940), Agrarwissenschaftler und Hochschullehrer
Wilfried Wolter (* 1948), Bürgermeister in Wittingen 1990–1991, 1990 bis 1994 Abgeordneter des Niedersächsischen Landtages (CDU)
Astrid Frohloff (* 1962), Journalistin und Fernsehmoderatorin
Bernd Fix (* 1962), Experte für Computersicherheit, Mitglied im Chaos Computer Club
Lars Nieberg (* 1963), Springreiter
Stephan Rother (* 1968), Historiker, Schriftsteller, Künstler und Komödiant
Kerstin Tack (* 1968), Politikerin (SPD), seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages
René Wegner (* 1983), Fußballspieler
Personen mit Bezug zur Stadt
Philipp Spitta (1801–1859), lutherischer Theologe und Dichter, Superintendent in Wittingen 1847–1853
Georg Friedrich Heinemann (1825–1899), Lehrer und Schriftsteller, in Wittingen verstorben
Karl Söhle (1861–1947), Musikkritiker und Schriftsteller, 1883–1885 Lehrer in Wittingen
Marion Lau (* 1947), von 1990 bis 1994 Abgeordnete des Niedersächsischen Landtages (SPD), 2001–2014 Landrätin des Landkreises Gifhorn, wohnte in Wittingen und war dort Lehrerin und Ratsfrau.
Hans Pleschinski (* 1956), Schriftsteller, wuchs in Wittingen auf.
Oliver Graf (* 1981), Kulturmanager und Schauspieler, wuchs in Knesebeck und Vorhop auf.
Max Langerhans (1851–1941), 1878–1888 Landarzt in Wittingen, niederdeutscher Schriftsteller; die Stadt benannte eine Straße, die Dr.-Langerhans-Straße, nach ihm.
Literatur
Stadt Wittingen. Ein historischer Bildband. Zusammenstellung und Text: Heimatverein Wittingen. Geiger, Horb am Neckar 1995, ISBN 3-89570-075-4
Die Kirche in Wittingen. Im Auftrag des Kirchenvorstandes hrsg. vom Orgelbauverein der St.-Stephanus-Kirche in Wittingen. Wittingen 1997
Dierk Siebel: Der Klosterhof, Freihof oder Hofschultzenhof in Wittingen. Die Geschichte des Hofes und der Familie Schultze. Osnabrück 1993
50 Jahre Volksbank Wittingen eG. 1932–1982. Wittingen 1982
Lars Pennigsdorf: „Bier ist wunderbar beruhigend“. Seit 1935 ist die niedersächsische Privatbrauerei Wittingen in den Händen der Familie Schulz-Hausbrandt. (Unternehmen in Niedersachsen). In: Hannoversche Allgemeine Zeitung v. 4. September 1999, S. 14
Andreas Erhardt: Die Geschichte der kleinen Leute. Eine Serie über die Entstehung der Gewerkschaften. Geschichte der Arbeiterbewegung im Raum Wittingen. Folge 1–5. In: Aller-Zeitung v. 27. November 1987, Sonderseiten
Weblinks
 Commons: Wittingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Wirtingen in der Topographia Braunschweig Lüneburg (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte
Website der Stadt Wittingen