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Geschichte

Zerrenthin wurde als „Sarnotino“ erstmals im Jahre 1216 in einer Urkunde erwähnt, die die Zugehörigkeit des Kirchengutes zu Eggesin anmerkt. Eigner Eggesins war damals das Kloster Grobe auf Usedom. 150 Jahre später wurde das Gut wegen der fernen Lage vom Kloster aufgegeben.

Zerrenthin war ursprünglich ein uckermärkisches Dorf und gehörte zur Mark Brandenburg. Mit der im Jahr 1818 im Königreich Preußen durchgeführten grundlegenden Verwaltungsreform, mit der Neuorganisation der Provinzen, Regierungsbezirke und Kreise, gehörte Zerrenthin so dann auch von 1818 bis 1950 zum Landkreis Prenzlau im Regierungsbezirk Potsdam in der preußischen Provinz Brandenburg. Erst mit der DDR-Kreisreform 1950 wurde es dann dem neu gebildeten (vorpommerschen) Kreis Pasewalk im Land Mecklenburg zugeschlagen. Durch die im Juli 1952 durchgeführte Auflösung der Länder und Bildung der Bezirke in der DDR, gehörte Zerrenthin mit dem Kreis Pasewalk nun bis ins Jahr 1990 zum Bezirk Neubrandenburg.

Zwischen 1937 und 1956 lebte und wirkte die im nahen Dorf Polzow geborene spätere Schriftstellerin Irma Harder, geb. Lankow (* 1915 † 2008) in Zerrenthin. 1937 heiratete sie den Mittelbauern Adalbert Harder, mit dem sie einen Bauernhof in Zerrenthin bewirtschaftete. Nach dem Tode ihres Mannes im Jahre 1946 führte sie den Hof weiter. Gleichzeitig begann sie mit dem Verfassen von Theaterstücken für eine von ihr gegründete Laienspielgruppe und von ersten Erzählungen. In diesen stellte sie in einfachem Stil ein realistisches Bild des dörflichen Alltags dar, wie sie ihn während ihrer Zeit als Bäuerin erlebte. So beruhen unter anderem ihre Bücher „Im Haus am Wiesenweg“ (1956) und „Die Frau vom Ziegelhof“ (1984) auf ihren Erlebnissen und ihrem Leben in Zerrenthin. 1956 verließ sie Zerrenthin und ging als freie Schriftstellerin nach Potsdam.

Die Vorfahren der ehemaligen südafrikanischen Schwimmerin Charlène Lynette Grimaldi, geb. Wittstock (* 1978), die seit ihrer Heirat mit Fürst Albert II. im Jahr 2011 Fürstin von Monaco ist, stammen aus Zerrenthin und lebten dort von 1807 bis 1861. Ihr Urururgroßvater Christian Friedrich Wittstock war Landarbeiter und lebte mit seiner Ehefrau Christine in Zerrenthin, das um 1807 insgesamt 17 Ganzbauern, 5 Ganzkossäten, 7 Büdner und 28 Einlieger sowie eine Schmiede, einen Krug und zusammen 55 Feuerstellen zählte. Charlènes Ururgroßvater Martin Gottlieb wurde 1840 im Dorf geboren und im August desselben Jahres in der Zerrenthiner Feldsteinkirche getauft, wie es aus dem bis heute erhaltenen gebliebenen Eintrag im Kirchentaufbuch hervorgeht. Ihre Ururgroßeltern, Martin Gottlieb und dessen Ehefrau Louise Wittstock, wanderten dann 1861 mit Gottliebs Eltern und weiteren acht Geschwistern aus Zerrenthin über Hamburg an Bord des Schiffes „San Francisco“ nach Südafrika aus. Dort lebten die Wittstocks in den ersten Jahren als Tagelöhner oder suchten nach Diamanten.[2]

Der Alte Bahnhof von Zerrenthin.
Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 32 Soldaten aus Zerrenthin auf dem Kirchhof der Kirche Zerrenthin.
Kombiniertes Gemeindezentrum von Zerrenthin.

Im November 1862 wurde Zerrenthin, wie die anderen Orte an der Eisenbahntrasse, durch die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft über die Eisenbahnstrecke Pasewalk-Löcknitz-Stettin an das preußische Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Strecke wurde dann im folgenden Jahr im November 1863 offiziell eröffnet. Bereits seit 1911 besitzt Zerrenthin eine Freiwillige Feuerwehr. Während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 fielen 32 Soldaten die aus Zerrenthin stammten. An sie erinnert bis heute ein Kriegerdenkmal welches sich auf dem Kirchhof der Dorfkirche Zerrenthin befindet. Im Jahr 1923 wurde der Sportverein „Fortuna“ Zerrenthin e.V. gegründet.

1972 wurde in Zerrenthin am Ortsausgang Richtung Wetzenow ein neues Schulgebäude in Plattenbauweise errichtet, in der sich bis 1990 die Polytechnische Oberschule (POS) „Clara Zetkin“ befand. Die POS in Zerrenthin diente als zentraler Schulstandort für die umliegenden Dörfer. Mit der Deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die Schule dann zunächst in eine Grund- und Realschule, später in eine Grund- und Hauptschule umgewandelt. Der Unterricht erfolgte dort noch bis um das Jahr 1998, bis die Schule geschlossen und schließlich um das Jahr 2003 abgerissen wurde. Lediglich die Turnhalle und das Nebengebäude, in dem früher die Grundschule untergebracht war, stehen bis heute und werden von den Vereinen des Ortes genutzt.

Im Jahr 1990 entstand mit der Deutschen Wiedervereinigung das Land Mecklenburg-Vorpommern nach 1945 zum zweiten Mal neu. Durch die Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern von 1994 wurden aus den drei DDR-Kreisen Pasewalk, Ueckermünde und Strasburg der neue Landkreis Uecker-Randow gebildet, dem Zerrenthin bis 2011 angehörte. Durch eine erneute Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2011 gehört Zerrenthin seitdem zum neu gebildeten Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Im Jahr 2003 wurde in Zerrenthin ein neues kombiniertes Gemeindezentrum errichtet. Hier befinden sich sowohl eine Kegelbahn und ein größerer Raum für Feste, Feiern oder Versammlungen als auch die neuen Räumlichkeiten der Freiwilligen Feuerwehr Zerrenthin. Das nur unweit entfernt stehende alte Feuerwehrhaus wurde aufgegeben und steht zum Verkauf.[3][4] Im Jahr 2011 beging Zerrenthin feierlich zunächst das 100-jährige bestehen der Freiwilligen Feuerwehr, während 2013 das 90-jährige Bestehen des Sportverein „Fortuna“ Zerrenthin e.V. gefeiert wurde. Im Jahr 2016 wird Zerrenthin seine 800-Jahr-Feier, in Erinnerung der Ersterwähnung des Ortes im Jahr 1216, begehen.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner Quelle
1910 699 [5]
1933 610 [6]
1939 649 [6]
1990 527 [7]
1995 499 [7]
2000 525 [7]
2005 496 [7]
2010 482 [7]
2014 458

Politik
Gemeindevertretung

Bei der Kommunalwahl 2014 galt es 6 Mandate zu vergeben. Auf Grund eines Mangels an Bewerbern konnten nur 4 Sitze vergeben werden. Alle diese Sitze werden von der CDU besetzt. Die restlichen beiden bleiben unbesetzt.[8]

Bürgermeister seit 1945
1945 Willi Handt
Oktober 1945 August Rüh
Oktober 1945 Albert Rähmer
November 1945 Herr Fleischer
März 1946 Herr Zidorn
März 1946 Herr Fleischer
April 1946 Albert Rähmer
5. September 1946 Emil Delkus
September 1950 Herr Braun (aus Blumenhagen)
23. Dezember 1950 Margarete Graßmann
1951 Gerhard Winter
1952 Margarete Graßmann
1953 Herr Ott
1956 Hulda Weiß
 ? Frau M. Durow
1958 Otto Giese
1959 Herr Ott
1963 Herr Ehlert
1969 Christel Fordinal
1973 Ernst Brosinski (SED)
 ? Elfriede Habeck (SED)
1983 Wilfried „Charlie“ Braun (SED)
Mai 1988 Claudia Breitkopf, geb. Nüske (CDU)
1989 Angela Herzfeld, verh. Schiebe (parteilos)
1992 Erich Belz (parteilos)
2004–2011 Heike Lemke (CDU)
seit November 2011 Uwe Meinherz (parteilos)
Wappen

Blasonierung: Geteilt, oben in Silber ein spitzbedachter Kirchturm mit offenem Tor, auf der Turmspitze ein goldener Knauf mit schwarzem Hochkreuz, unten in Blau ein goldener erhöhter Dreiberg, belegt mit einem achtspeichigen schwarzen Wagenrad, überhöht von zwei zugewendeten goldenen Ähren.[9]

Die Hauptelemente des Wappens sind der auffallende Spitzhelm des Kirchenturms, als weithin sichtbares Symbol von Zerrenthin sowie die Getreideähren und das Wagenrad die für die reichen Bauern stehen die hier im 17. Jahrhundert siedelten. Das Wappen wurde durch den Hobby-Heraldiker Marcel Guderjan aus Zerrenthin gestaltet und am 26. Oktober 2015 durch das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern genehmigt und in die „Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern“ aufgenommen.[10][11][12]

Flagge

Die Flagge der Gemeinde Zerrenthin ist gleichmäßig längs gestreift von Blau und Weiß. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des blauen und des weißen Streifen übergreifend, das Wappen der Gemeinde. Die Höhe des Flaggentuches verhält sich zur Länge wie 3 zu 5.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sehenswürdigkeiten

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Zerrenthin

Kirchturm der Kirche Zerrenthin.
Kirche Zerrenthin aus Blickrichtung Südosten.
Die Dorfkirche Zerrenthin stammt aus dem 13. Jahrhundert. Ihr Langhaus ist ein Feldsteinbau, an dem ein breiterer, rechteckiger Westturm angebaut ist. Umfangreiche Reste eines Wandmalereizyklus‘ sind erhalten. Die Kirche wurde Anfang der 1990er Jahre restauriert.
Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 32 Soldaten aus Zerrenthin auf dem Kirchhof Dorfkirche Zerrenthin.
Vereine

In Zerrenthin gibt es die folgenden Vereine:

Sportverein „Fortuna“ Zerrenthin e.V.
Angelverein Zerrenthin e.V.
Automobilverein Zerrenthin e.V.
O.S.C Nord-Ost e.V.
Zerrenthiner Pferdesportverein e.V.
Verkehrsanbindung

Die Gemeinde Zerrenthin liegt mit einem eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke Bützow–Szczecin und ist Bedarfshaltepunkt für die Regionalbahnen. Im 2-Stunden-Takt verkehren dort von Lübeck nach Stettin Dieseltriebwagen der DB-Baureihe 628 der Deutschen Bahn in beide Richtungen. Die Bundesstraße 104 führt von Lübeck über Schwerin, Neubrandenburg und Pasewalk unter anderem auch durch Zerrenthin und weiter über den Grenzübergang Linken in das etwa 35 Kilometer entfernte Stettin (Szczecin) in Polen.

Persönlichkeiten
Albert Höft (1893–1980), deutscher Politiker, Minister für Vertriebene in Niedersachsen a.D.
Irma Harder, geb. Lankow (1915–2008), deutsche Schriftstellerin
Literatur
Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VIII, Uckermark, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2
Hans Moderow: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. Teil 1 Der Regierungsbezirk Stettin. Stettin 1903
Weblinks
 Commons: Zerrenthin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Evangelischer Pfarrsprengel Zerrenthin