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Geschichte
Anfänge bis 1700
Der Zingst um das Jahr 1700

Die ersten Besiedlungsspuren auf der ursprünglichen Insel stammen aus der mittleren Steinzeit vor 5000 bis 6000 Jahren. Am Ende der Weichseleiszeit lag der Meeresspiegel tiefer und die Insel war deshalb mit dem Festland verbunden. So wurden beim Ortsteil Müggenburg, auf den Sundischen Wiesen und an der Hohen Düne Feuersteinwerkzeuge aus dieser Zeit gefunden. In der jüngeren Steinzeit erreichte der Meeresspiegel das heutige Niveau. Aus dieser Zeit stammen Funde bei Prerow. Danach brach die nachweisbare Besiedlung der Insel ab. Sie wurde aber weiterhin wirtschaftlich vor allem durch bei Barth ansässige Slawen genutzt. So bedeutet der Name Zingst Heuinsel und leitet sich aus dem slawischen Zeno (Heu) ab.

Im sumpfigen Umland des Prerower Stroms befinden sich Reste eines slawischen Burgwalls, die Hertesburg.

Die nachfolgende deutsche Besiedlung im Rahmen der Ostkolonisation setzte sehr zögerlich ein. Bis zum Jahr 1292 gehörte die Insel zum Fürstentum Rügen. Die am Prerower Strom liegende Hertesburg nutzte der Landesfürst als Zollstelle. Im gleichen Jahr verkaufte Wizlaw II. von Rügen dem Zisterzienserkloster Neuenkamp für 2000 Sundische Mark die Insel. Dieses begann, erste Bauern auf Zingst anzusiedeln. Der Ostteil der Insel gehörte seit 1290 der Stadt Stralsund. Davon zeugen noch einige Grenzsteine im Osterwald. Stralsund nutzte das Land vor allem als Viehweide, woher sich auch der Name „Sundische Wiesen“ ableitet. Im 15. Jahrhundert waren die Likedeeler rund um den Zingst aktiv. Bis 1441 waren große Teile der Insel im Besitz des Klosters auf Hiddensee, dann wurde sie an den Herzog Barnim VIII. verkauft.[3] Mit Einverständnis seiner Vettern verpfändete er später das Land Zingst zusammen mit den Ländern Barth und Damgarten für 20.000 Gulden an seine Nichte Katharine von Werle.

Im Jahr 1532 fanden die beiden Ortsteil von Zingst, Pahlen und Hanshagen, sowie der fürstliche Viehhof Rothem Haus erstmals urkundlich Erwähnung. Andere Quellen sprechen dafür, dass Pahlen und Hanshagen bereits im 13. Jahrhundert als deutsch-slawische Siedlungen erwähnt wurden. Dabei ist der Name Pahlen slawischen und Hanshagen hingegen deutschen Ursprungs. Im Jahr 1578 kam es zum Grenzstreit zwischen Stralsund, Barth und Zingst, in dessen Folge Grenzsteine auf der Insel gesetzt wurden. Heute noch findet man einen Stein am so genannten „Dreiländereck“ im Osterwald. Im Jahr 1660 wurde an der Ostspitze von Zingst das Bauerndorf Pramort gegründet. Weitere Siedlungen sind Müggenburg, Bey den Wiesen und Straminke (später Forstgehöft). Die Siedlung Straminke fiel bis auf wenige Häuser dem Sturmhochwasser im Jahr 1625 zum Opfer. Im Jahr 1648 kam Zingst wie ganz Vorpommern infolge des Dreißigjährigen Krieges unter schwedische Herrschaft. Auch nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges gehörte der Zingst bis zum Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 zu Schwedisch-Pommern. Ab 1815 wurde das Gebiet preußisch.[4][5]

Zingster Seefahrtsgeschichte (1700–1914)
Altes Fischerboot am Zingster Strand

Die Haupterwerbsquellen um das Jahr 1700 waren neben dem Holz- und Torfabbau die Fischerei und in einem geringen Maße die Landwirtschaft. Schon frühzeitig spielte, bedingt durch die Insellage, auch die Seefahrt für Zingst eine große Rolle. Der Fischfang und auch die Verbindung zum Festland waren lebensnotwendig. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen dann der Holz- und auch der Viehtransport hinzu. So bestanden Schiffsverbindungen zu den Eigentümern der Insel, der Hansestadt Stralsund und der Stadt Barth. Diese nutzten den Wald und auch die Wiesen auf der Insel. Der Schiffsverkehr stieg im Laufe des 18. Jahrhunderts stark an. So nahmen auch die Schiffsgrößen und die Seefestigkeit langsam mit dem Ansteigen der Warenströme zu. Zingst besaß, dank der günstigen Lage am Bodden und den damals noch zwei vorhandenen Zugängen zur Ostsee (Prerower Strom und über die Enge bei Barhöft), ideale Voraussetzungen zum Schiffshandel. In den meisten Fällen wurde Holz (meist wertvolles Kronholz) und Getreide nach Skandinavien verschifft. Im 18. Jahrhundert gelang es Zingst, im Warenhandel sogar Barth zu überflügeln. Für Zingst begann das Goldene Zeitalter der Segelschifffahrt. Schiffe und Besatzungen vom Zingst befuhren die Ostsee, die Nordsee, das Mittelmeer und auch die Ozeane. Die wirtschaftliche Bedeutung des Handels nahm stark zu.

In der Zingster Werftstraße wurden auf drei Werften Schiffe mit einer Länge von bis zu 40 m gebaut. Diese wurden teilweise in anderen Häfen komplett aufgetakelt. Die umliegenden größeren Hafenstädte waren sich der immer mehr zunehmenden Konkurrenz durch die „Schiffbauer“ bewusst und versuchten, den schwedischen König zu überzeugen, die an die kleinen Orte verliehenen Seefahrtsprivilegien zurückzunehmen, allerdings vergeblich. Der König nutzte die gut ausgebildeten Seeleute lieber als Kraunmatrosen in der eigenen Kriegsflotte. Bedingt durch die äußeren Faktoren, wie den Wegfall der Navigationsakte in England und die günstige Lage, wurde die Schifffahrt zum dominierenden Wirtschaftszweig in Zingst. Die Reedereien befanden sich meist in Barth (hier war ausreichend Geld vorhanden), während die Mannschaften in Zingst zu Hause waren. Ein anderer Teil der Schiffe wurde über die Partenreedereien betrieben. Im Jahr 1862 wohnten 63 Schiffer und 53 Steuerleute in Zingst. Um 1880 wohnten über 80 Kapitäne in Zingst. Die Fischerei versank ebenso wie die Landwirtschaft in der Bedeutungslosigkeit.

Durch die im 19. Jahrhundert abnehmenden Warenströme in der Ostsee befuhren die Zingster Schiffer zunehmend auch die Ozeane. Die Mannschaften bzw. die Schiffe kamen teilweise jahrelang nicht mehr in ihre Heimathäfen zurück. Zwischen 1781 und 1823 wurden in Zingst 76 Schiffe gebaut, darunter vier Barken, 19 Schoner und 14 Galeassen. Im Raum der Boddenlandschaft mit Ribnitz und Barth entstanden 909 Schiffe. Im Vergleich dazu wurden in Rostock nur 600 Schiffe gebaut. Das größte je auf Zingst gebaute Schiff war die im Jahr 1864 gebaute Bark Nordpol mit 367 Registertonnen. Das Schiff war 36 Meter lang und hatte einen beachtlichen Tiefgang von 5,2 Metern. Im Jahr 1844 eröffnete in Zingst die Navigationsvorschule, die der Grundausbildung zukünftiger Kapitäne und Steuerleute diente.

Durch die aufkommende Dampfschifffahrt und die damit steigenden Schiffsgrößen kam es zu einem Ende der steten Aufwärtsbewegung. Die modernen Großsegler und Dampfschiffe konnten in der Region nicht mehr rentabel betrieben werden. Hinzu kam der 1879 von Otto von Bismarck eingeführte Schutzzoll auf Getreide, der viele skandinavische Handelspartner vertrieb. Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch einmal ein höheres Frachtaufkommen durch den Zubringerverkehr für die Häfen in Rostock, Stettin, Stralsund und Barth. An Zingst ging dieser Aufschwung vorbei. Viele Zingster Seeleute wanderten aus, so dass die Einwohnerzahl von 2.170 im Jahr 1879 auf 1.272 im Jahr 1912 sank. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Schifffahrt auf dem Zingst bedeutungslos. Der aufkommende Fremdenverkehr sorgte aber für eine teilweise Kompensation der verlorengegangenen Arbeitsplätze.

Auch von Unglücken wurde die Zingster Schifffahrt nicht verschont. So starben auf der Zingster Reede am 13. Mai 1867 viele Seeleute, als sich ihr vor Anker liegendes Schiff bei aufkommendem Sturm losriss und an einer Sandbank zerschellte. Der auf Landgang befindliche Kapitän musste den Untergang seines Schiffes und der Mannschaft hilflos mit ansehen.[4][5]

Zingst als Seebad (1800 bis Zweiter Weltkrieg)
Tourismuswerbung aus dem Jahr 1881
Ortsplan von Zingst um das Jahr 1900
Der Strand um das Jahr 1890
Das Strandrestaurant um das Jahr 1900
Ortsplan Zingst 1920

Die beiden Hauptorte von Zingst, Pahlen und Hanshagen, zählten schon im Jahr 1700 als eine Gemeinde und hatten nur einen Schulzen. Pahlen lag im Südwesten des jetzigen Ortes und Hanshagen im Gebiet um den Hafen.
Im Jahr 1823 entstand durch die Zusammenlegung der Orte Pahlen, Hanshagen und Am Rothem Haus der jetzige Ort Zingst.

Nachdem der deutsche Gelehrte Lichtenberg im Jahr 1793 auf die heilende Wirkung von Seebädern hinwies und nach englischem Vorbild solche auch für Deutschland forderte, eröffnete 1794 in Heiligendamm das erste deutsche Seebad. Wenig später entstanden entlang der Ostseeküste weitere Seebäder.

Durch die abgeschiedene Lage der damaligen Insel Zingst kamen erst Mitte des 19. Jahrhunderts erste Urlauber nach Zingst. Das Sturmhochwasser von 1872 sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen und das Interesse an der Insel wuchs. Im Jahr 1880 wurde die Straße von Barth nach Bresewitz gebaut. Von dort gab es dann eine kurze Fährverbindung nach Zingst zum Timmort (an der heutigen Meiningenbrücke). 1881 wurde das so genannte Bade-Comité in Zingst gegründet. Gründungsväter waren der Gastwirt Christian Rammin und der Schiffskapitän Rudolf Parow. Christian Rammin eröffnete auch das erste Strandrestaurant an der Ostsee. Die im gleichen Jahr gegründete Aktiengesellschaft errichtete am Ostseestrand ein Herren- und Damenbad. Die beiden Bäder waren jedoch über einen Kilometer voneinander entfernt. Diese Aufteilung hielt sich bis zum Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1898 übernahm die Gemeinde die Aktiengesellschaft und verwaltete das Badewesen nun selbst. Der Vorsitzende der Badverwaltung war der jeweilige Gemeindevorsteher. Die beiden Mitbegründer des Badewesens waren für das Warmbad (Parow) und das Kaltbad (Rammin) zuständig. Das Warmbad wurde 1898 eröffnet.

Nachdem bereits 1906 über die Eröffnung eines Familienbades nachgedacht worden war, konnte dieses nach Ablehnung durch den Landrat jedoch erst 1913 eröffnen. Im Jahr 1913 erfolgte die Unterbringung der Gäste in fünf Hotels, neun Pensionen und zu 50 Prozent in Privathäusern in Zingst. Zur Versorgung gab es zwölf Gaststätten und Cafés. Die Zahl der Gäste überstieg im Jahr 1913 die Zahl der Einwohner um mehr als das Doppelte. Der Anstieg der Übernachtungszahlen war auch eine Folge der Eröffnung der Bahnstrecke Barth-Zingst-Prerow im Jahr 1911, durch die der Ort von Berlin oder Hamburg in weniger als fünf Stunden zu erreichen war. Eine weitere Steigerung wurde jedoch durch die doch hohen Preise verhindert. So kostete die Übernachtung in einer Pension zwischen 3,50 und 5 Mark, während der Monatslohn eines Arbeiters 25 bis 30 Mark betrug. Der ausbrechende Erste Weltkrieg brachte den Badebetrieb fast völlig zum Erliegen.

Nach dem Krieg erholte sich das Badewesen sehr schnell. Man badete jetzt nicht mehr in getrennten Bädern, sondern zusammen (Herren und Damen) vom Strandkorb oder der Sandburg aus. Deswegen wurden das Herren- und Damenbad 1925 abgebrochen. Das Familienbad existierte noch bis 1937. In den Jahren nach der Weltwirtschaftskrise nahm die Zahl der Übernachtungen stark zu. So wurden 1939 über 8.000 Übernachtungen gezählt. Der Charakter und die Ortsgröße änderten sich aber kaum. 1937 wurde Zingst Wehrmachtsstandort und KdF-Bad. Im selben Jahr fuhren sieben Sonderzüge 3.538 KdF-Urlauber nach Zingst. Der ausbrechende Zweite Weltkrieg brachte allerdings den Badebetrieb wieder völlig zum Erliegen. Während des Zweiten Weltkrieges befand sich von 1940 bis 1945 auf dem Flakschießplatz ein Kriegsgefangenenlager, dessen Insassen in den Werken der Ernst Heinkel Flugzeugwerke von Barth Zwangsarbeit verrichten mussten.[4][5]

DDR-Zeit (1945–1990)

Die Gemeinde war bis 1952 Teil des Landkreises Franzburg-Barth und gehörte danach bis 1994 zum Kreis Ribnitz-Damgarten im Bezirk Rostock.

Nach dem Krieg wurde Zingst Zufluchtsort für viele Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten; es wurden sämtliche Ferienunterkünfte für diese benötigt. Durch die Neueinwohner erhöhte sich die Einwohnerzahl von 2.100 im Jahr 1938 auf 3.340 im Jahr 1946. Anfangs war somit an einen Urlauberbetrieb nicht zu denken, doch bereits im Jahr 1946 übernachteten wieder 1.269 Urlauber, im Jahr 1949 über 10.000 Urlauber in Zingst.

Der im Jahr 1947 gegründete FDGB übernahm aus politischen Gründen verstärkt das Erholungswesen. Meist wurden die FDGB-Urlauber noch in privaten Unterkünften untergebracht. 1948 konnte jedoch ein neues Kurhaus am Hauptübergang zum Strand eröffnet werden, zu dem im Juni 1946 der Grundstein gelegt wurde.

1950 wurde der gesamte Ort an das Trinkwassernetz angeschlossen. Im Jahr 1952 wurden der Gemeinde Zingst die Ortsteile Müggenburg und Sundische Wiese zugeordnet.

Zum Ende der DDR-Zeit aufgezogene Waliser Schwarzrinder bei Zingst

In den 1950er Jahren stieg die Zahl der Übernachtungen kontinuierlich an. Da für diesen Bedarf nicht genügend FDGB-Hotels zur Verfügung standen, wurden 1953 – wie an der gesamten Ostseeküste – viele private Besitzer unter falschen Anschuldigungen unrechtmäßig enteignet (Aktion Rose). In den 1960er-Jahren entstanden eine Vielzahl von Kinderferienlagern und Betriebsferienheimen. Im Jahr 1970 wurde das große FDGB-Heim „Claus Störtebecker“ eingeweiht. Es bot über 200 Urlaubern Platz.

In den Sundischen Wiesen befand sich seit den 1960er Jahren eine nicht besonders ergiebige Förderstätte von hochwertigem Erdöl. Dieses Öl wurde mit Tanklastwagen und später per Eisenbahn in die Sowjetunion transportiert, wo es als Raumfahrtbrennstoff benötigt wurde. Vermutlich wurde es daher auch als „Weißes Öl“ bezeichnet.

Der verstärkte Seedeich wurde 1972 im Ortsbereich als Promenade freigegeben. Im Jahr 1979 wurde Zingst dann „staatlich anerkannter Erholungsort“. Während die Zahl der Einwohner nahezu konstant blieb, stieg die Zahl der Gäste auf über 65.000 pro Jahr an. Die höchsten Übernachtungszahlen gab es 1989, davon waren etwa zwei Drittel FDGB-Urlauber. Auch die Einwohnerzahl stieg leicht an, so lebten im Jahr 1989 in Zingst 3.500 Menschen. Dies ist bis heute die höchste Einwohnerzahl.[4][5]

Militärstandort Zingst (1937–1993)

Bei der Wiederaufrüstung vor dem Zweiten Weltkrieg fehlte der neu aufgebauten Luftwaffe ein Bombenabwurf- und Schießgelände. Die Wahl fiel auf die Sundischen Wiesen. Am 30. Juni 1937 wurden die Bewohner der Wiesen zwangsumgesiedelt. In Zingst selbst entstand im Osten der Gemeinde eine Garnison einer Flaklehreinheit und in den Sundischen Wiesen ein Flakschießstand, ein Behelfsflugplatz und ein Bombenabwurfsgelände.

Nach einer kurzen Unterbrechung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sundische Wiese und auch Flächen beim Ort Zingst weiterhin militärisch genutzt. So unterhielt die Kasernierte Volkspolizei im Bereich der Hohen Düne bei Pramort einen Schießplatz. Nach Gründung der NVA wurde das Gelände der nördlichen Sundischen Wiesen wieder als Flak-Schießplatz genutzt. Auf dem Kasernengelände befanden sich unter anderem eine Ausbildungseinheit für Flugabwehrraketen SA-4 Ganef sowie eine Seefunkstelle der Volksmarine. Auch der Südteil der Halbinsel wurde militärisches Sperrgebiet. Auf dem Übungsplatz wurden zwischen 1970 und 1992 auch diverse Experimente mit Höhenforschungsraketen durchgeführt. Der NVA-Truppenstandort bestand bis zum 31. Dezember 1990.

Nach der Auflösung des Flaraketenausbildungszentrums 40 der NVA (FRAZ 40) wurde Zingst Standort einer Bundeswehrgarnison. Auch über eine Weiternutzung des Truppenübungsplatzes auf den Sundischen Wiesen wurde nachgedacht. Ende des Jahres 1991 aber gab die Bundeswehr den Standort an den Sundischen Wiesen auf und am 31. Mai 1993 schloss auch die Kaserne in Zingst ihre Pforten. Nach Schließung des Standortes wurden alle militärischen und auch landwirtschaftlichen Gebäude im Bereich der Sundischen Wiesen bis auf das Wachgebäude (jetzt Nationalparkinformationsstelle) zurückgebaut. Im Ort selbst wurde ein Teil des Kasernengeländes als Campingplatz umgestaltet, ein Teil wird vom Wasserschutz und von der Gemeindeverwaltung genutzt.

Raketenstartplatz Zingst (1970–1992)
Artikel: Raketenexperimente auf Zingst

Vom früheren NVA-Übungsplatz in den Sundischen Wiesen aus wurden von 1970 bis 1992 diverse Experimente mit Höhenforschungsraketen durchgeführt.

Zu Beginn der 1970er Jahre starteten hier 5 Raketen des polnischen Typs Meteor 1E. Ab dem 21. Oktober 1988 wurden russische Raketen des Typs MMR06-M gestartet. Auch nach der Wende wurden die Versuche zunächst weitergeführt. Zwischen dem 14. Februar 1992 und dem 10. April 1992 wurden in Zingst noch einmal 19 russische Raketen des Typs MMR06-M gestartet. Obwohl noch weitere Raketen verfügbar waren, musste der Start von MMR06-M Raketen im April 1992 in Zingst eingestellt werden, da die zur Absicherung des Sperrgebiets benötigte Bundeswehr den Platz räumte.

Gegenwart (seit 1991)
Seebrücke Zingst

Im Jahr 1991 wurden alle Ferieneinrichtungen des FDGB und der Bundeswehrstandort geschlossen. Die Folge war eine hohe Arbeitslosenzahl im Ort. Durch den Ausbau der Infrastruktur und den Bau von Hotels und Ferienhäusern begannen die Übernachtungszahlen wieder zu steigen. Das ehemalige Kasernengelände wurde zu einem Campingplatz umgebaut. Im Jahr 1991 zog das Heimatmuseum an seinen jetzigen Standort im „Haus Morgensonne“.

Schon 1992 erhielt Zingst als einer von wenigen Badeorten in den neuen Bundesländern die „Blaue Europaflagge“ für seine hervorragende Badewasserqualität.

Im Jahr 1993 wurde die neue Seebrücke Zingst am Hauptübergang neben dem Kurhaus eröffnet. Im Jahr 1994 eröffnete die „Mutter-Kind-Kurklinik“ der Barmer Ersatzkasse und 1996 das privatwirtschaftlich betriebene Kurmittelzentrum. Für dieses wurde 1997 eine Wasserleitung von der Ostsee gebaut. Das alte Kurhaus wurde 1998 abgerissen und im Jahr 2000 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt.

Vom 12. Juni 1994 bis zum 4. September 2011 gehörte Zingst zum Landkreis Nordvorpommern.

Im Jahr 2001 wurden erstmals über eine halbe Million Gästeübernachtungen registriert. Dem Ostseebad Zingst wurde im Jahr 2002 der staatlich anerkannte Titel „Ostseeheilbad“ verliehen. Im Jahr 2006 gab es laut Statistischem Landesamt 525.757 Übernachtungen von 93.066 Urlaubern und im Jahr 2010 836.060 Übernachtungen von 141.018 Urlaubern.[6]

Zingst ist Standort einer DGzRS-Station, auf der das Seenotrettungsboot Zander stationiert ist.

Sturmhochwasser und Küstenschutz
Gedenktafel am Haus, Strandstraße 57, in Zingst
Küstenbuhnen als Schutzmaßnahme

Von einem Sturmhochwasser wird gesprochen, wenn der Wasserspiegel 1,5 Meter über dem mittleren Wasserspiegel liegt. Fünfzig Sturmhochwasser wurden in Zingst seit 1308 registriert. Allein zwischen 1596 und 1881 wurde Zingst von 15 schweren Sturmhochwassern heimgesucht, welche tiefe Spuren in der Landschaft in Form von teils wassergefüllten Senken, wie Ellerbeck, Alte Tief, Hundetief und Alte Straminke (welche 1625 entstand) hinterließen. Das schlimmste war das Ostseesturmhochwasser von 1872 mit 2,92 Meter über Normalnull. Im 20. Jahrhundert wurden sieben Sturmhochwasser registriert.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, erste Küstenschutzmaßnahmen zu ergreifen. So wurde 1848 die gesamte Ortschaft eingedeicht. Nach den schlimmen Erfahrungen im Jahr 1872 wurde der Ortsdeich verstärkt und 1874 ein Deich bis Prerow gebaut. Im Jahr 1913 wurde dieser Deich durchbrochen, da er im Laufe der Jahre einiges an Höhe verloren hatte. Nach 1900 wurde ein Schutzwald hinter dem Deich angelegt. In den Jahren von 1924 bis 1930 wurden über 400 Buhnen angelegt. Diese wurden von 1964 bis 1971 erneuert. 1964 wurde auch der Seedeich erneuert und auf 4 Meter ü. NN erhöht. Den boddenseitigen Deich erhöhte man ab 1976 auf 3 Meter. Die Deicherneuerung am Bodden findet immer noch statt. Das jetzige Deichsystem ist neben seiner ursprünglichen Schutzfunktion auch ein beliebter Rad- und Fußgängerweg.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1700 ca. 200[4]
1782 260[4]
1879 2.170[4]
1890 980[4]
1912 1.272[4]
1938 2.100[4]
1946 3.340[4]
1989 ca. 3.500
31. Dezember 2002 3.223[7]
31. Dezember 2003 3.211[7]
31. Dezember 2004 3.222[7]
31. Dezember 2005 3.215[7]
31. Dezember 2006 3.235[7]
31. Dezember 2007 3.246[7]
31. Dezember 2008 3.203[7]
31. Dezember 2009 3.185[7]
31. Dezember 2010 3.163[7]
Seit dem Ortszusammenschluss 1823 stieg die Einwohnerzahl bis 1879 stetig an.

Durch den Rückgang des Seefahrtsgeschäftes und die damit verbundenen Einschränkungen fiel die Einwohnerzahl in den folgenden Jahren stark ab.

Erst durch den aufkommenden Fremdenverkehr stieg die Zahl seit 1890 wieder an und überschritt vor dem Zweiten Weltkrieg die 2.000-Einwohner-Marke.

Durch die Vertreibung und die damit einhergehende Umsiedlung deutscher Bürger stieg die Zahl der Einwohner in Zingst kurzfristig auf 3.340 (1946) an. Bis 1965 nahm die Bevölkerung wieder bis auf 3.000 Einwohner ab, um dann kontinuierlich bis 1989 auf den Höchststand von rund 3.500 Einwohnern zu steigen.

Nach der Wende blieb die Einwohnerzahl nahezu konstant, da sich die Arbeitslosenzahlen nur kurz erhöhten und keine größeren Industriebetriebe wegfielen, wodurch die Abwanderung gering blieb.

Politik
Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 15 gewählten Mitgliedern. Bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 errang die CDU zehn Sitze (vorher 8), die SPD drei (zuvor zwei) und Die Linke zwei Sitze (unverändert).

Wappen

Das Wappen wurde am 16. März 1994 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 16 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „Halbgespalten und durch Wellenschnitt geteilt, vorn oben in Blau ein goldener Dreizack, hinten oben in Silber pfahlweise drei auffliegende schwarze Kraniche, unten in Gold ein roter Greif mit roter ausgeschlagener Zunge und goldener Bewehrung, in den Fängen einen silbernen Anker haltend.“

Die heraldischen Symbole von Wappen und Flagge weisen sowohl auf die Lage am Meer als auch auf die frühere Zugehörigkeit zur historischen Region Pommern hin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen und Ausstellungen
Pommernstube auf dem Museumshof
Kurhaus in Zingst

Das Heimatmuseum mit Pommernstube, ehemals Haus Morgensonne, ist ein als Kapitänshaus im Jahr 1867 errichteter Bau. Die Nutzung des Hauses wechselte vom Kapitänshaus, Pension, Depedanz (Unterkunft für in Ausbildung befindliche Jugendliche) und wird seit 1991 als Heimatmuseum und Museumsbäckerei genutzt. Die ersten Kapitänshäuser wurden Mitte des 17. Jahrhunderts in Zingst gebaut. Diese Häuser waren meist größer als die anderen Gebäude im Ort und zur Unterscheidung zu den Steuermannhäusern (meist blau oder bunt) meist weiß gestrichen. Sie hatten ein voll ausgebautes Dachgeschoss und im Normalfall ein rotes Ziegeldach. Typische Kapitänshäuser sind die Häuser in der Strandstraße 47 und Hafenstraße 12.

In der für Kinder angelegten Ausstellung Experimentarium werden an 25 bis 30 interaktiven Spielgeräten und Experimenten Naturgesetze auf den Gebieten der Mechanik, Optik und Elektrotechnik veranschaulicht. Daneben befindet sich ein Erlebnisspielplatz.

Sehenswürdigkeiten
Peter-Pauls-Kirche

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Zingst

Die neugotische Peter-Pauls-Kirche von 1862 wurde nach Vorarbeiten pommerscher Architekten von Friedrich August Stüler vollendet. Die Kirche ist einer der jüngeren Kirchenbauten in der Region. Der Friedhof beherbergt außer dem Grab von Martha Müller-Grählert auch einige Kapitänsgräber.

Der Zingsthof ist ein kirchliches Erholungs- und Rüstzeitheim der Berliner Stadtmission. Die „Bonhoeffer-Kapelle“, in der eine Gedenktafel angebracht ist, erinnert daran, dass der Theologe und Widerstandskämpfer in den 1930er Jahren zweimal auf dem Zingsthof weilte. Zingst wird deshalb von vielen Menschen, die Bonhoeffers Geschichte nachgehen, besucht.

Das neue Kurhaus steht an der Stelle des alten Kurhauses, welches 1948 das Strandrestaurant ablöste. Es wurde im Jahr 1998 neu gebaut und im April 2000 eröffnet. Es beherbergt eine Touristeninformation, ein Restaurant und einen Bereich für Informations- und Kulturveranstaltungen.

Max-Hünten-Haus

Das Max-Hünten-Haus ist ein 2011 erbautes Gebäude, welches neben einer Bibliothek auch eine Touristeninformation sowie ein Printstudio für Fotografien bereithält. Außerdem präsentieren Teilnehmer der ebenfalls dort ansässigen Fotoschule ihre Werke in wechselnden Themenausstellungen.

Der Hafen mit Zeesenboot
Der Hafen am Boddenmeer

Der Zingster Hafen ist ein kleiner Hafen am Zingster Strom. Er beherbergt die Anlegestelle der Weißen Flotte und einen Fischverkauf. Er verfügt über 42 Liegeplätze und eine Slipanlage. Neben dem Hafen befinden sich das Traditionsschiff Mona Lisa und ein Wasserwanderrastplatz. Im Rettungsschuppen wurden früher die Ruderrettungsboote und deren Ausrüstung untergebracht. Heute befindet sich hier ein Traditionskabinett der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, welches die Arbeit und Geschichte der Rettungswache Zingst zeigt. Die Ortssektion Zingst wurde schon 1868 gegründet und der erste Rettungsschuppen wurde im selben Jahr gebaut. Dieser wurde 1872 beim Sturmhochwasser zerstört. Schon im Jahr 1873 wurde der zerstörte Bau durch das jetzige Gebäude ersetzt. Heute befindet sich die Gesellschaft am Müggenburger Weg, Ecke Hägerende.

Die 270 Meter lange und 2,5 Meter breite Seebrücke Zingst wurde am 22. Mai 1993 eingeweiht. Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich hier ein Anlegesteg für Schiffe. Ein Vorgängerbau, ein Steg, war 1947 durch Sturm und Eisgang abbruchreif.
Seit Juni 2013 befindet sich am Ende der Seebrücke eine Tauchgondel, die vierte ihrer Art. Mit dieser ist es möglich, drei Meter unterhalb der Wasseroberfläche die Ostsee zu erkunden.

Die Hertesburg war eine ehemalige slawische Burg und mittelalterliche Zollstelle am Prerower Strom. Heute sind nur die Reste des Burgwalls zu sehen.

Die Meiningenbrücke ist eine Eisenbahndrehbrücke aus dem Jahr 1911. Sie wurde bis 1947 von der Darßbahn der Strecke Barth-Zingst-Prerow genutzt. Die Bahnstrecke wurde 1947 zurückgebaut, die Brücke wurde bis 2012 für den Straßenverkehr genutzt. Seither rollt der Verkehr über eine westlich der Meiningenbrücke errichtete Behelfsbrücke. Es gibt Planungen zu einem Neubau für den Straßen- und Bahnverkehr.

Die Sundischen Wiesen sind ein renaturiertes Heide- und Feuchtwiesengebiet im Ostteil der Halbinsel. Eine Informationsstelle des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft befindet sich in einem ehemaligen Wachgebäude. Die bis zu 14 Meter Hohe Düne liegt an der Nordostecke der Halbinsel Zingst. In der Nähe befindet sich ein Aussichtspunkt, welcher vom Pramort aus zu erreichen ist. Der Osterwald ist das größte Waldgebiet auf dem Zingst. Es liegt zwischen dem Ort Zingst und den Sundischen Wiesen und verfügt über einen wertvollen Baumbestand (Mammutbäume).

Pramort ist der östlichste Teil der Halbinsel Zingst und ehemaliger Ortsteil von Zingst. Heute befindet sich hier eine Kranich-Beobachtungsstelle.

Sprache

Auf Zingst wird Westpommersch – heute auch Vorpommersch genannt – ein Dialekt der Ostniederdeutschen Sprache gesprochen. Das Westpommersche weist einige westslawische Einflüsse auf. Typisch ist eine harte, knappe Aussprache. Beispiele finden sich in der deutschsprachigen Literatur insbesondere bei den beiden Märchen der Brüder Grimm „Von dem Fischer un syner Fru“ und „Von dem Machandelboom“ sowie in dem später vertonten Gedicht „Mine Heimat“ (Wo die Ostseewellen trecken an den Strand …), in dem die Barther Dichterin Martha Müller-Grählert ihre vorpommersche Heimat beschreibt.

Regelmäßige Veranstaltungen
Fotofestival Horizonte
Das Hafenfest in Zingst findet am dritten Wochenende im April statt. Es wird mit einem Volksfest im Hafen und verschiedenen Schiffen der Beginn der Schifffahrtssaison gefeiert.
Am Zweiten Septemberwochenende findet in Zingst ein Shantychortreffen auf der Freilichtbühne am Zingster Kurhaus statt.
Meist im Juni treffen sich im und vor dem Hafen die Zeesenboote um ihre traditionelle Regatta durchzuführen.
Die Zingster Klaviertage wurden von Lutz Gerlach im Jahr 2001 ins Leben gerufen und haben sich mittlerweile zu einem deutschlandweit bekannten Festival mit internationalen und nationalen Künstlern entwickelt. An unterschiedlichen Spielorten in Zingst können Besucher dieses Festivals von Jazz bis Klassik alle Facetten der Klaviermusik genießen. Das Ziel des Festivals ist es die Vielseitigkeit dieses Instrumentes zu zeigen.
Bei der Zingster Kunstmagistrale treffen sich Profi- und Hobbykünstler aus dem Bundesgebiet und stellen Werke ihres Schaffens zur Schau.
Auf dem Fotofestival Horizonte stellen bekannte Fotografen sowie auch regionale Fotografen ihre Werke vor. Im Mittelpunkt stehen der Mensch und seine Beziehung zu Landschaft, Flora und Fauna.
Zingst ist einer der drei Veranstaltungsorte des Darsser Naturfilmfestivals, auf dem jedes Jahr im Herbst der Deutsche Naturfilmpreis vergeben wird.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Blick auf das 2006 neu erbaute Steigenberger Strandhotel Zingst

Der dominierende Wirtschaftsfaktor auf der Halbinsel ist der Tourismus. Durch den Bau zahlreicher Ferienhäuser und Hotels stieg die Zahl der Übernachtungen seit der Wende stetig an. Mehrere Zeltplätze befinden sich auf der Halbinsel. So wurden im Jahr 2001 erstmals über eine halbe Million Übernachtungen registriert. Die beiden größten Hotels sind das Steigenberger-Hotel und das Resort-Hotel Vier Jahreszeiten mit jeweils rund einhundert Betten.

Im Jahr 1994 eröffnete die „Mutter-Kind-Kurklinik“ der Barmer Ersatzkasse als nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor ihre Pforten. Es gibt ein Pflegeheim des Roten Kreuzes mit über vierhundert Betten.

Ehemals sehr wichtige Wirtschaftszweige, wie die Land- und Fischereiwirtschaft, spielen nur noch eine unbedeutende Rolle. Auch durch die Auflösung des Bundeswehrstandortes gingen Arbeitsplätze verloren.

Bildung

In Zingst existiert eine Schule, die Regionale Schule mit Grundschulteil (Realschule mit Hauptschulteil) in der Hafenstraße 1. Alle Schüler, die die gymnasiale Reife erreichen wollen, müssen dies auf einem auswärtigen Gymnasium machen. Dies bieten die Freie Gesamtschule Prerow und das Katharina-von-Hagenow-Gymnasium Barth an.

Verkehr
Die Meiningenbrücke von oben

Zingst ist im Straßenverkehr über die Landesstraße 21, die westlich am Ort vorbeiführt, zu erreichen. Diese verläuft von Ribnitz-Damgarten über Prerow entlang der Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst bis nach Barth. Die Stadt Ribnitz-Damgarten ist 45 km und die Stadt Barth 13 km von Zingst entfernt. Durch Zingst führt eine Straße von der Meiningenbrücke aus durch den Ort und am Ostseedeich zurück zur Landstraße 21. Die Straße wurde 1880 von Zingst zum Timmort an der jetzigen Meiningenbrücke gebaut. Dort gab es eine Fähre zur anderen Seite nach Bresewitz. Nach Osten führt noch eine Fahrstraße über den Ortsteil Müggenburg bis zum Sundschlösschen am Rande der Sundischen Wiesen. Der weitere Fahrweg bis zum Pramer Ort ist für den Kfz-Verkehr gesperrt und nur für Fahrräder zugelassen.

Durch Zingst führt der Ostseeküsten-Radweg. Die Deiche zum Zingster Strom und zur Ostsee sind als Fuß- und Radwege ausgewiesen. Große Teile des Ortes sind verkehrsberuhigt bzw. sind als Fußgängerzone ausgewiesen.

Der Ort ist über die Buslinie 210 (Ribnitz-Damgarten–Born a. Darß–Barth−Stralsund) der Verkehrsgemeinschaft Nordvorpommern erreichbar. Während der Sommermonate verkehren auch Fernbusse aus verschiedenen Großstädten Deutschlands nach Zingst.

Ehemaliger Bahnhof der Darßbahn, heute als Restaurant und Kunstgalerie genutzt

Die nächstliegende Zugverbindung ist die Usedomer Bäderbahn (UBB), die von Barth im Stundentakt über Velgast nach Stralsund verkehrt. Von 1911 bis 1947 war Zingst über die Darßbahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Im Osten des Ortes steht noch das Bahnhofsgebäude, die Gleise wurden aber nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut und als Reparationsgut in die UdSSR gebracht.

Es gibt Untersuchungen zur Reaktivierung der Eisenbahnstrecke nach Zingst/Prerow, wobei zunächst der Abschnitt von Barth bis Zingst wieder aufgebaut werden soll.[8]

Von dem am Zingster Strom liegenden Hafen werden Schifffahrtslinien nach Vitte (Hiddensee), Ahrenshoop, Barth und Stralsund bedient. Neben dem Hafen existiert noch ein Wasserwanderrastplatz.
In der Nähe von Barth befindet sich auch der Ostseeflughafen Stralsund-Barth.

Persönlichkeiten
Martha Müller-Grählert (* 20. Dezember 1876 in Barth; † 19. November 1939 in Franzburg) eine vorpommersche Heimatdichterin, in Zingst begraben
Reinhold Hoberg (* 4. Oktober 1859 in Berlin; † 25. Februar 1932 in Zingst), Maler
Franz Pflugradt (* 19. Januar 1861 Peenwerder; † 16. Februar 1946 in Zingst), Maler
Otto Lämmerhirt (* 28. Juni 1867 in Neusalz a. d. Oder; † 10. März 1935 in Zingst), Maler
Max Hünten (* 25. September 1869 in Düsseldorf; † 24. Mai 1936 in Zingst), Maler, Sohn des Schlachtenmalers Emil Hünten
Willy Knull (* 4. April 1891 in Zingst; † 19. November 1974 ebenda), Maler, Zingster Original und Gastwirt im Gartenlokal „Strandpark“
Kurt Klamann (* 17. April 1907 in Zingst; † 1. April 1984 ebenda), Maler, Zeichner und Journalist
Karl-Heinrich Kluge (* 19. Dezember 1915 in Gelsenkirchen; † 28. Oktober 2005 in Zingst), Maler
Gerhard Krause (* 20. Juni 1887 in Zingst; † 30. November 1950 ebenda), Pastor in Zingst und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, wurde verhaftet und entging 1945 nur knapp einem Todesurteil
Dietrich Bonhoeffer (* 4. Februar 1906 in Breslau; † 9. April 1945 im KZ Flossenbürg), Theologe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, leitete ab 1935 das Predigerseminar der Bekennenden Kirche auf dem Zingsthof, das später nach Finkenwalde umzog.
Hans Stubbe (* 7. März 1902 in Berlin; † 14. Mai 1989 in Zingst), deutscher Agrarwissenschaftler, Genetiker und Züchtungsforscher.
Werner Emil August Wohlert, Künstlername WEWO (* 15. Juni 1907 in Elbing; † 26. Dezember 1990 in Zingst), Maler, ab 1972 Mitglied in der Bezirksgemeinschaft künstlerisches Volksschaffen.
Literatur
Geschichte und Kultur
Gerta Anders, Käthe Miethe (Hrsg.): Die Halbinsel Darß und Zingst. Hinstorff, Rostock 2000, ISBN 3-356-00860-9.
Konrad Billwitz, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und das Barther Land. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Wustrow, Prerow, Zingst und Barth. (Landschaften in Deutschland, Band 71). Verlag Böhlau, 2009, ISBN 978-3-412-09806-3.
Heinz Kiecksee, P. Thran, H. Kruhl: Die Ostseesturmflut 1872. (Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Bd 2). Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens, Heide, ISBN 3-8042-0116-4.
Jörg Scheffelke: 110 Jahre Badewesen – Ostseebad Zingst. Ostsee-Zeitung, Greifswald 1991, OCLC 258207491.
Jörg Scheffelke: 125 Jahre Ostseebad Zingst. Sutton, Erfurt 2006, ISBN 3-89702-980-4. (Teilansicht bei Google books)
Jörg Scheffelke, Wolfgang Eggert, Edwin Held, Joachim Schomann: Der Zingst. Sutton, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-812-3.
Gustav Berg: Beiträge zur Geschichte des Darsses und des Zingstes. (Schriftenreihe des Vereins zur Förderung der Heimatpflege und des Darß-Museum e.V., Nr. 1) Scheunen-Verlag, Kückenshagen 1999, ISBN 3-929370-83-2.
Rudolf van Nahl: Zingstballade. Gefundenes und Erfundenes vom Zingst an der Ostsee. (Küstenkieker 3). Bülten Verlag, Kückenshagen 2008, ISBN 978-3-938510-40-7.
Karten
Fischland, Darß, Zingst. (Doppelkarte), 1 : 30.000, grünes herz, Ilmenau/ Ostseebad Wustrow 1997, ISBN 3-929993-33-3.
Natur
Harald Benke (Hrsg.): Die Darß-Zingster Bodden. Monographie einer einzigartigen Küstenlandschaft. (Meer und Museum. Bd 16). Deutsches Meeresmuseum, Stralsund 2001, DNB 961574399.
Günter Schlungbaum, Henning Baudler, Mathias Krech, Bernd Kwiatkowski: Die Darß-Zingster Bodden. Eine Studie. (Schriftenreihe des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, Heft 2001,1). Korrigierte 2. Fassung. Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, Güstrow 2001, DNB 961865385.
Reiseführer und Bildbände
Roland Buchwald: Fischland, Darß und Zingst. Landschafts- und Reiseführer für Wanderer, Wassersportler, Rad- und Autofahrer. grünes herz, Ilmenau, ISBN 3-929993-52-X.
Horst Prignitz, Thomas Grundner: Fischland, Darß, Zingst. Carl Hinstorff, Rostock, ISBN 3-356-01056-5.
Frank Thamm: Darß, Fischland und Zingst. Ellert und Richter, Hamburg, ISBN 3-89234-815-4.
Weblinks
 Commons: Zingst – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Zingst – Reiseführer
Ostseeheilbad Zingst